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Neuvorstellung zur Übersicht
21.07.2014
Tom Levold & Michael Wirsching (Hrsg.) (2014): Systemische Therapie und Beratung. Das große Lehrbuch
Carl-Auer-Verlag, Heidelberg 2014

653 S., 14 Abb., geb.

Preis: 84,00 €

ISBN 978-3-89670-577-8
Carl-Auer-Verlag





Andreas Wahlster, Ladenburg:

Warum jetzt dieses Lehrbuch? Mancher Leser wird sich das fragen, wenn er das umfängliche (653 Seiten) Werk in den Händen hält und sich an die bislang erschienenen Lehrbücher erinnert. Ein Blick in das Inhaltsverzeichnis gibt erste Hinweise: Es ist ein Viel-Autoren-Buch, 78 Therapeuten, Berater, Lehrende und Forschende haben insgesamt 90 Kapitel beigetragen. Der Pfad der Buches orientiert sich an Kontexten: Beginnend mit den beruflichen und disziplinären Zugängen zu den theoretischen Konzepten, weiter zur vielfältigen systemischen Praxis, ihren allgemeinen Grundlagen, den settings und Methoden. Ein Kapitel ist der Zusammenarbeit im Hilfesystem gewidmet, eine Schlüsselmarkierung, wie sich zeigen wird: Kooperation als zentrale systemische Haltung und Handlungsorientierung. Wie spezifisch und ebenso heterogen therapeutisch/beraterische Praxis sein kann, wird dem Leser höchst anschaulich und differenziert im Kapitel über die Arbeit mit speziellen Problemkonstellationen deutlich. Mit der Vorstellung der wichtigsten Praxisfelder wird die Kontextorientierung fortgesetzt und durch das Kapitel Kulturelle Kontexte um einen hochinteressanten Artikel bereichert.

Mit dem eigenständigen Kapitel Ethik, Lehre und Forschung wird der letzte Teil eingeleitet. Die Überschrift macht neugierig, sehr begründet, wie sich beim Lesen zeigen wird. Der Schluss formuliert im Rahmen einer zwar selbstbewussten Standortbestimmung durchaus kritische Perspektiven für die Zukunft der Systemischen Therapie und Beratung, um schließlich noch einmal eine diagnosekritische Position zu beziehen und für eine schulenübergreifende Expertise zu werben.

Bei einem Viel-Autoren-Buch hat der Rezensent die Qual der Wahl, worüber er schreibt. Seine Auswahl erzeugt Lücken und Unterschiede und ist zwangsläufig Ausdruck dessen, was ihn besonders angesprochen hat bzw. fachlich überzeugt hat.

Im Vorwort konstatieren die Herausgeber eine inflationären Verwendung des Wortes „systemisch“ und attestieren ihm die Qualität einer „Erlösungskomponente“ (nach Hondrich) (S. 9) Sie schreiben weiter, dass der systemische Ansatz „ … aber alles andere als eine Sammlung systemischer Tools“ [sei]. „Ausganspunkt [des Lehrbuchs] ist ein Verständnis systemischer Therapie und Beratung als transdiziplinärer und multiprofessioneller Ansatz, eine Verständnis, das sich bewusst von der berufsständischen Einengung des psychotherapeutischen Professionalisierungsprozess auf den ,Psychologischen Psychotherapeuten‘ absetzt“. Das wären weitere Antworten auf die Frage nach dem „warum jetzt“ dieses Lehrbuches.

Levold und Wirsching starten die Wanderung mit den Grundlagen systemischer Therapie und Beratung und wie erfahrene Wanderer setzen sie Wegweiser und Markierungen, formulieren Aufgaben für die Wanderung. Im ersten Kapitel beschreibt Tom Levold die Kernaussagen, warum Systemische Therapie und Beratung als transdisziplinäres und multiprofessionelles Konzept zu verstehen ist. Systemtheorie und Kybernetik haben Paradigmen wie z.B. feedback und Information als Selektion entwickelt, die strukturell unabhängig sind von den materiellen Gegenständen von Wissenschaft wie z.B. der Biologie, Psychologie, Philosophie etc. Systemisches Denken und Handeln geht ebenso über die Kommunikation zwischen einzelnen ständisch organisierten Berufsgruppen hinaus und weiter: „Dieses Lehrbuch orientiert sich an einem Konzept professionellen Handelns als wissenschaftsbasierter, ethisch begründeter und verantworteter bzw. fachlich kontrollierter Praxis in unterschiedlichen Kontexten, die jedoch nicht mehr auf den Überlegenheits- oder Expertenstatus und die ,Exklusivität professioneller Sonderwissensbestände‘ … zurückgreifen kann. Der Einsatz von und der Umgang mit Wissen bezieht sich daher immer auf die Handhabung von Ungewissheit, die für die Lösung praktischer professioneller Probleme konstitutiv ist“.

Jürgen Kriz beleuchtet in seinem Beitrag Medikalisierung versus psychosoziale Perspektive den Trend zur Medikalisierung vieler menschlicher und zwischenmenschlicher Probleme, wunderbar anschaulich und mit einer Prise trockener Ironie am Beispiel von Drapetomanie (Wandertrieb der Sklaven) und ADHS dargestellt. Er begründet sein Plädoyer für eine reflexive, den Beobachter mit einbeziehende Forschung, die der Fiktion einer Weltbeschreibung, in welcher der Beschreibende nicht vorkommt, widersteht. Schließlich erinnert er die psychosozialen Profis daran, dass auch Klienten dem Volksglauben der Medikalisierung und Reparatur psychosozialer Prozesse nahe stehen.

Nach der Darstellung der verschiedenen beruflichen Zugänge zur systemischen Therapie und Beratung wird es wieder klassisch „lehrbuchig“.

Im Kapitel Systemische Epistemologie konstatiert Levold bei den vorgestellten epistemologischen Konzepten ein Fehlen einheitlicher theoretischer Grundlagen und „….allenfalls Familienähnlichkeit sensu Wittgenstein….“. Bei genauerer Betrachtung werden auch handfeste Widersprüche, gar Unvereinbarkeiten deutlich. Und weiter: „Die Gefahr fehlender theoretischer Auseinandersetzungen einerseits und einer eher lockeren und beliebigen Theorierezeption durch Praktiker andererseits ist aber, dass das Konzept der systemischen Therapie und Beratung an inhaltlicher Stringenz verliert. Dass der Begriff ,systemisch‘ mit seiner Ausdehnung (im Unterschied z.B. zur Systemtheorie) immer mehr an inhaltlicher Bedeutung verliert, ist ein deutlicher Hinweis darauf“.

Nach einer Darstellung von Bertalanffys allgemeiner Systemtheorie (Levold) folgt ein Kapitel zu Zirkularität und feedback: Kybernetisches Denken, ein Exkurs zu den Macy-Konferenzen als „Kristallisationskern“ und früher Beleg für Transdisziplinarität, gefolgt von einem Beitrag zu Gregory Bateson, ohne dessen kybernetische Ideen die systemische Therapie kaum zu denken ist.

Im Kapitel Kommunikation und Beobachtung: Die Kybernetik 2. Ordnung zeichnet Levold den Wandel von der ersten Konzeptualisierung kybernetischer Ideen für menschliche Kommunikation hin zu einer heute allgemein „gültigen“ Kybernetik II. Ordnung, die den Beobachter zum Gegenstand seiner Beobachtungen macht. „Diese reflexive Epistemologie verwirft alle Möglichkeiten objektiver oder absoluter Theoriebildung …“ Dieser bahnbrechende paradigmatische Wandel ist eng verknüpft mit Heinz von Foerster, dem österreichischen Physiker und Philosophen. Levold schreibt weiter: „Das Konzept der Autonomie des Beobachters hat weitreichende Konsequenzen für soziale Systeme, da es die Übernahme der Verantwortung für die eigenen Beschreibungen … fordert …“: Diese Position war für von Foerster Ausgangspunkt einer „KybernETHIK“.

Im Kapitel Radikaler Konstruktivismus umreißt Levold die Rolle des Konzeptes von Ernst von Glasersfeld in der Gründungsphase der systemischen Therapie und Beratung, benennt kritische Aspekte wie die einseitige kognitive Fokussierung, das sog. Selbstanwendungsproblem und die Ausblendung sozialer, historischer und institutioneller Voraussetzungen von Erkenntnis und sprachlichem Handeln.

Mit Kurt Ludewig kommt eine weiteres systemisches „Schwergewicht“ zu Wort. Er skizziert die Eckpfeiler zur Theorie autopoietischer Systeme – Humberto Maturana, diese sind:
  • Lebende Systeme sind operational geschlossen
  • Lebende Systeme sind selbstreferentiell: Menschliches Erkennen als In-Sprache-Sein ermöglicht übergeordnete Verhaltenskoordination, dazu Maturana: „Alles Gesagte wird von einem Beobachter zu einem anderen Beobachter gesagt, der er selbst sein kann“.
  • Die biologische Struktur des Adressaten und nicht der kommunizierte Inhalt ist ausschlaggebend: Man hört und versteht, was man hört und versteht.
Hier wäre es wünschenswert gewesen, auch kritische Positionen am Autopoiese- Konzept zu benennen, z.B. von Peter sowie von Jürgen Kriz in seinem Modell der personenzentrierten Systemtheorie.

Die Systemtheorie Niklas Luhmanns zu umreißen, ist für Tom Levold ein Heimspiel. Mit leichter Feder beschreibt er prägnant Luhmanns Theorie als eine Referenztheorie des systemischen Ansatzes. Die Differenz System-Umwelt wird zum Bestimmungsmerkmal für die Konstitution von Systemen. Luhmanns Theorie betrachtet den Begriff „Mensch“ nicht als soziologisch brauchbare Kategorie, biologische, soziale, psychische Systeme werden in starker Anlehnung an das Autopoiese-Konzept als operational geschlossene Systeme verstanden. Kommunikation ist dann hergestellt, wenn Information, Mitteilung und Verstehen als Einheit entstehen. Fast süffisant bemerkt Levold am Rande, dass Maturana selbst die Ausdehnung des Autopoiese-Konzept durch Luhmann entschieden ablehnt. Levold merkt kritisch an, dass Luhmanns Theorie stark an Sprache gekoppelt ist und die für Psychotherapie und Beratung ebenso relevanten körperlichen und affektiven Prozesse bei Luhmann kaum eine Rolle spielen.

Im Kapitel Sozialer Konstruktionismus - Wandel durch dialogische Zusammenarbeit fasst Klaus Deissler die wesentlichen Aspekte des Sozialkonstruktionismus zusammen. Im Zentrum dieses Modells steht in enger Anlehnung an Bateson die Annahme, dass Wirklichkeit zwischen Personen und nicht innerhalb einer Person erzeugt wird. Dialogische Zusammenarbeit und Kooperation sind der ethische Imperativ, der Therapeut ist Gast im Leben des Klienten.

Gunther Schmidt gilt als der Begründer der Hypnosystemischen Ansätze. Sein integratives Konzept ist gerahmt von systemisch-konstruktivistischen Ansätzen, der Ericksonschen Hypnotherapie sowie ressourcenaktivierenden Aspekten u.a. aus Psychodrama, Körpertherapien sowie der Priming-und Embodimentforschung, deren Ergebnisse wiederum Prämissen hypnosystemischer Konzepte belegen. Relevant erscheint mir hier Schmidts Utilisationskonzept von Problemmustern zu sein, die auch für den Aufbau von Kooperationsbeziehungen in Therapie und Beratung genutzt werden können.

Im Kapitel Synergetik – Die Wissenschaft komplexer selbstorganisierender Systeme erläutert Günther Schiepek zunächst die generischen Prinzipien als Bedingungen einer Selbstorganisationstheorie, weiter stellt er die Synergetik als transdisziplinäre Strukturtheorie vor.

Noch einmal kommt dann Jürgen Kriz zu Wort und stellt die wesentlichen Bausteine einer personenzentrierten Systemtheorie vor. Er befasst sich mit der Kernfrage, wie wir Menschen aus unfassbarer Komplexität der Reizwelt (physikalisch-chemisch und informationell) unsere Sinnwelt mit hinreichend fassbarer Ordnung erschaffen, wie diese Ordnung sich an stets neue Bedingungen und Herausforderungen („Entwicklungsaufgaben“) anpasst , warum diese Adaption aber auch partiell misslingen und sich insbesondere als überstabil und inadäquat erweisen kann und wie professionelle Hilfe unter Nutzung von Ressourcen und Selbstorganisationspotenzialen gestaltet werden kann. Kriz übt dabei auch Kritik am Konzept der Autopoiese. Dieses sei beliebig in Bezug auf Hinweise, wie Helfer denn nun sinnhaft Selbstorganisationsprozesse anregen können. Kriz richtet den Scheinwerfer nicht nur auf interaktionelle Musterbildung, sondern auch auf die kognitiv-affektiven Verarbeitungsprozesse, die nach seiner Überzeugung erhebliche Rückkoppelungseffekte auf die Interaktionsstrukturen haben und schließt damit an die o.g. Levoldsche Kritik zur Systemtheorie von Luhmann an.

Wir machen eine kleine Abkürzung und kommen zum interessanten Artikel von Tom Levold zum Thema Macht. Er postuliert, der kybernetische Wandel habe radikale Auswirkungen auf die Beschreibungen von Macht gehabt, das Konzept der Therapie als Machtspiel sei durch die Idee der Konversation und Kooperation abgelöst worden: „Therapie und Beratung eröffnen dem Klientensystem Möglichkeiten der Selbstbeobachtung und Selbstreflexion und erhöhen damit den Grad der Vermittlung sowohl im Konflikt als auch in der alltäglichen Kooperation. Darin liegt auch die Macht von Therapie und Beratung. Im Sinne der Machtspiele sind sie eher machtlos, weil sie weder selbst die Machtfrage stellen noch systeminterne Machtoptionen über Entscheidungen oder Sanktionen realisieren können - sie können allenfalls aus dem Spiel aussteigen und den Beratungsauftrag zurückgeben. Wird ihnen allerdings vom Klientensystem Macht zugesprochen, ermöglicht das dem Therapeuten, z.B. als Beobachter etwas zu sagen, was aus dem System heraus nicht gesagt werden kann (weil es womöglich sogleich als systeminternes Machtmanöver diskreditiert wird)“

Das Thema Geheimnisse wird von Michael Grabbe bearbeitet. Neben vielen wichtigen Aspekten hält er ein begründetes Plädoyer für eine Haltung der Neutralität Geheimnissen gegenüber: „Die Dynamik sozialer Systeme und ihrer Beziehungen lebt von der Balance zwischen Offenbarung und Geheimhaltung. Geheimnisse helfen dabei, sich und andere sowie eigene zentrale Werte zu schützen und Beschämung zu vermeiden. Andererseits bindet das Hüten von Geheimnissen oder gar die Aufrechterhaltung einer Lebenslüge viel Energie und kann die zukünftige Lebensgestaltung destruktiv beeinflussen“.

Metaphern und der therapeutische Dialog: Michael Buchholz‘ Beitrag beeindruckt durch Expertise mit seiner Auflistung einiger konzeptueller Metaphern und ihrer virtuosen Nutzung im Therapieprozess. Interessant sind auch seine Ausführungen zu den Anschlüssen der Metaphernforschung an die Cognitive Sciences: Er zitiert die Arbeit von Lakoff und Johnson, in der die Metapher als Element von Kognition betrachtet wird.

Im ausführlichen Kapitel Systemische Therapie und Diagnostik kommt Levold gleich wieder zur Sache. Er problematisiert die Anpassungen der Systemischen Therapie an den psychotherapeutischen mainstream, weiter die Inkompatibilität eines systemischen Wissenschaftsverständnisses mit einem evidenzbasierten medizinischem Behandlungsparadigma. Der Gegenstand Diagnostik wird untersucht, die Dimension von Diagnostik umrissen: „… Insofern ist jede Diagnostik eine folgenreicher Akt der Wirklichkeitskonstruktion für alle an der der klinischen Konstellation Beteiligten“. Die gängigen Diagnosesysteme ICD und DSM werden in ihrer Logik filetiert, u.a. zitiert Levold Michael Buchholz: „Der naive Realismus diagnostischer Systeme will durch immer detailliertere Exaktheit deskriptiver Klassenbildung Sicherheit schaffen und kann es doch nie; denn ,Klasse‘ ist keine Kategorie der Welt, sondern der beobachteten Systeme“ Anhand der Geschichte des DSM (Diagnostic and statistical manual of mental disorders) richtet Levold den Scheinwerfer auch auf die ökonomische Bedeutung von diagnostischen Systemen. Bei aller Kritik merkt Levold auch an, dass das „Extrem des Nicht-wissen-Wollens“ (Borst) der gängigen Diagnosesysteme u.a. auch zu einer „…..Marginalisierung der systemischen Therapie“ (Borst) geführt hat. Weiter werden Konzepte einer Ressourcen-und Prozessdiagnostik vorgestellt. Gewissermaßen als Eintrag ins systemische Stammbuch formuliert Levold die Aufgabe, dass systemische Weiterbildungsteilnehmer sich Kenntnisse über die international anerkannten Diagnoseschemata aneignen.

Der Teil 2 „Systemische Praxis“ wird von Rainer Schwing mit seinem Beitrag zu den Allgemeinen Grundlagen systemischer Praxis eröffnet. Nach einem kurzen Abriss zur kybernetischen Wende folgt eine anschauliche Beschreibung der Kopplung von Lernprozessen in psychisch-körperlichen und sozialen Systemen. Das Erstinterview wird in seinen einzelnen Aspekten beschrieben, z.B. anhand einer Grafik zu den Dimensionen der Beobachtung des Kommunikationsverhaltens, weiter wird die Bedeutung des Joinings kenntnisreich erläutert. Anhand der Basics systemischer Praxis wie Auftragsklärung (in einem eigenen Abschnitt dargestellt), Hypothesenbildung und Zielorientierung formuliert Schwing Anforderungen an die Professionalität systemische Therapeuten und Berater: Wertschätzung, Schaffen von sichernden Rahmenbedingungen, Ankopplungskompetenz, Neugier, Wahl der passende Zugangskanäle. Schwing betont weiter die therapeutische Wirkung von Freude/Spiel und zitiert dabei Fritz Raddatz: „Wir haben früher gespielt. Ledig-Rowohlt hatte eine elektrische Eisenbahn im Büro! Wir spielten oft stundenlang damit, und dabei fiel uns etwas ein. So war das, als ich Programmchef vom Rowohlt-Verlag war. Das war voller Muße, Spielerei und Heiterkeit. Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt. Sagt Schiller.“ Ein weiteres Kapitel ist der Fragetechnik, Reframing und aktivierende Methoden gewidmet. Komprimiert, klar und kenntnisreich formuliert.

Wieder machen wir eine kleine Abkürzung auf der Wanderung. Einzeltherapie (Corina Ahlers): Zunächst schildert Ahlers den Wandel der systemischen Familientherapie hin zu einer Therapie mit flexiblen settings, macht die Bedeutung der Wahl des settings deutlich und beschäftigt sich mit Beziehung und Affekt in der therapeutischen Dyade und im Mehrpersonensystem, hier u.a. mit der Gratwanderung der therapeutischen Moderation zwischen Öffnung und Schließung. Aufschlussreich sind auch Ahlers Ausführungen zu den spezifischen therapeutischen Herausforderungen in der Einzeltherapie, z.B. „… die Spannung zwischen dem Individuum und seinem erweiterten sozialen Kontext aufrechtzuerhalten…“. Nach der Formulierung einer therapeutischen Haltung zwischen therapeutischer Dyade und Arbeit im Mehrpersonensystem formuliert Ahlers Kriterien für die Entscheidung zur Einzeltherapie. Ihr Credo scheinen mir diese Zeilen zu illustrieren: „Jenkins und Asen beschreiben die Rolle systemischer Therapeuten als orientierende Interviewer, die bemüht sind, aktiv neue Sichtweisen bereitzustellen, anstatt Klienten einladen, ,alles zu sagen, was ihnen gerade in den Sinn kommt und dann auf das auftauchende Material einzugehen‘“.

Wir kommen zu den Methoden. Schon die erste Kapitelüberschrift ist leicht verräterisch: Der Stellenwert von Methoden. Tom Levold findet hier kritische Worte zur „tools-Gläubigkeit“ und zur schier inflationären Zunahme von Methodenbüchern auf dem Markt. Beim Lesen dieses Abschnitts kamen mir meine Gedanken zu so manchem systemischen Ausbildungsteilnehmer in den Sinn; „Wenn die Haltung nicht stimmt, ein Meta-Konzept nicht vorhanden ist, muss die Methode es richten“ . Im Kontrast dazu formuliert Levold als Aufgaben für Therapeuten und Berater „… ein gutes Verständnis des therapeutischen Prozesses ….“, in dem Methoden nicht nur technisch angewandt werden, sondern ihr Einsatz durch eine Indikation basiert und die eventuellen Auswirkungen auf die therapeutische Beziehung mitgedacht sind.

Arist von Schlippe stellt mit leichter Hand sein schon vielfach veröffentlichtes Auftragskarussell vor, es folgt ein Beitrag von Ingrid Kellermann und Bernd Roedel zu Genogrammarbeit, u.a. zu den zahlreichen Einsatzmöglichkeiten des Genogramms in Therapie, Supervision und Selbsterfahrung.

Zu Arbeit mit Skulpturen und Aufstellungen schreibt Heiko Kleve. Während Kleve die Systemische Aufstellung mit Expertise und Differenziertheit darstellt, ist sein kaum eine Seite langer Abschnitt zu Skulptur leider sehr unzureichend. Es fehlen sowohl Hinweise auf die Erfinder der Skulptur, Bunny und Fred Duhl als auch die Nennung der zwar spärlichen aber dennoch vorhandenen Literatur (z.B. von Müller/Moskau Wienands, Schweitzer und Weber) als auch die Darstellung von Varianten der Skulpturarbeit. In einem Lehrbuch ist das ein Muss! Schade.

Im Kapitel Systeme visualisieren stellen Andrea und Filip Caby verschiedene Visualisierungstechniken wie das Familien- und Ressourcenbrett vor, gefolgt vom Artikel von Hans Schindler zur Arbeit mit der Zeitlinie (timeline).

Die Arbeit mit dem Reflektierenden Team erläutert Filip Caby. Er erzählt anschaulich die Entstehungsgeschichte der Grundideen von Tom Andersen, dem norwegischen Psychiater und Psychotherapeuten und dessen therapeutische Ethik und Pragmatik:

Haltung, z.B.:
  • Ich kann über alles sprechen, das ich gehört habe , ich kann über einiges reden, das ich gesehen habe, aber nicht über alles, weil ich möglicherweise etwas gesehen habe, das die Systemmitglieder nicht zeigen wollen.
  • Wenn ich kommentiere, dann immer in Frageform.
  • Jeder sollte die Gelegenheit haben, zum Gesagten etwas zu sagen oder auch nicht zu sagen bzw. das zu sagen, was er will.
Wirkungen, z.B.:
  • Herstellung von Kontakt auf Augenhöhe im Sinne der Veränderung der Machtbalance im therapeutischen Gespräch
  • Kontextualisierung: Des Reflektieren selbst erzeugt einen Kontext der Beobachtung
  • Neufokussierung auf alternative Sicht- und Handlungsweisen
Caby führt aus, dass sich die Methode des Reflektierenden Teams einen wichtigen Platz im systemischen Feld geschaffen hat und ein Beispiel dafür ist, wie „…die systemische Epistemologie … genuin neue Vorgehensweisen generieren kann, ähnlich wie das zirkuläre Fragen“.

Nach dem Beitrag von Christian Hawellek zur Videobasierten Beratung und Therapie, in dem insbesondere anhand eines Fallbeispiels diese Methode plastisch demonstriert wird, meldet sich Gunter Schmidt erneut zu Wort. Sein Artikel zu den Hypnosystemischen Techniken korrigiert zunächst landläufige Vorstellungen von Trance, es folgt eine Listung von möglichen in Erlebnisnetzwerke zu integrierende Aspekten wie z.B. Nähe/Distanz, Beschreibungen, Erklärungen und Bewertungen, Erinnerungen und Zukunftserwartungsbilder mit den damit verbundenen Emotionen etc. U.a. erläutert er weiter: Utilisations- und Pacingtechniken sowie das Gebot der Transparenz, Varianten fokussierender Gesprächsgestaltung das „innere Parlament“ und Metaphern/Symbole sowie Stellvertretertechniken mit einem schönen Fallbeispiel.

Es folgen lesenswerte Beiträge zu Humor (Peter Hain) und zu Ritualen (Jochen Schweitzer, Jan Weinhold und Arist von Schlippe).

Rüdiger Retzlaff ist es gelungen, in seinem kleinen Beitrag die Essentials der Systemischen Therapie mit Kindern und Jugendlichen zusammenzufassen, als da wären: Kinder im Kontext (Lebenswelt, biologische Gegebenheiten, Interaktionsprozesse in der Familie etc.) zu verstehen, in Therapie spielerisch vorzugehen, Kenntnis kreativer Techniken. Weiter wird ein typischer Ablauf einer Therapiesitzung skizziert, abgeschlossen wird der Beitrag mit einer Darstellung der wichtigsten Techniken.

Zusammenarbeit im Hilfesystem (Kooperation und multiprofessionelle Zusammenarbeit im Hilfesystem; Chancen und Hindernisse): Bei diesem Beitrag von Tom Levold wird sich der aufmerksame Leser wieder an die Anfangskapitel erinnern. Als ein zentrales Unterscheidungsmerkmal systemischer Therapie und Beratung identifiziert Levold die „….Einbeziehung der personalen, sozialen, weltanschaulichen, institutionellen und anderen Kontexte, die für ein Verständnis und die Bearbeitung eines Problems relevant sind“. Er schreibt weiter, dass in der Jugendhilfe und Sozialarbeit Probleme eher in der sozialen denn in der intrapsychischen Sphäre verortet werden. Die Entstehung von Kontrollkontexten lässt sich aus dem Durchsetzungsinteresse gesellschaftlicher Geltungsansprüche erklären. Der Einbezug von Klienten „in die Indikationsstellung, Planung und Evaluation von Hilfeprozessen über die Erfüllung der gebotenen Form hinaus …“ ist für Helfersysteme eine Dauerbaustelle. Levold stellt dazu fest, dass „… bei aller Kooperationssemantik Transdisziplinarität und Multiprofessionalität nicht gerade kennzeichnend für das Hilfesystem sind“. In aller Regel imponiert bei allen Berufsgruppen eine stabile Unkenntnis der Berufsgruppen voneinander hinsichtlich ihrer unterschiedlichen Zugänge. Levold fügt noch hinzu, dass professionsgebundene Organisationen geschlossene soziale Systeme sind, deren Einheit durch das Befolgen festgelegter Regeln und Durchführung bestimmter Operationen aufrechterhalten wird, welches das System von der Umwelt unterscheidet. Diese Selbstbezüglichkeit definiert somit auch, was für das System ein Problem ist. Eine Erkenntnis, die so manchem Praktiker unnötige Kämpfe ersparen könnte.

Von einem kurzen Abriss über Helferkonferenzen, wiederum von Tom Levold, geht es weiter auf der Wanderung zum Case Management. Heiko Kleve erläutert dieses Konzept, das sich aus der klassischen sozialarbeiterischen Einzelfallhilfe (case work) heraus entwickelt hat und insbesondere ein probates Verfahren darstellt im Umgang mit Komplexität. Es erfordert die Erweiterung des Blickes und des Handelns und kann in drei Ebenen differenziert werden: Als Verfahren, als Methodenpool sowie als Haltung. Zum allen drei Ebenen stellt Kleve profunde Kenntnisse zur Verfügung.

Der Praxisteil wird mit einem Artikel zu Familienrat/Family Group conference von Frank Büchtel und Wolfgang Budde fortgesetzt. Diese Praxismodelle stehen ebenfalls in der systemischen Tradition von Kooperation mit Klienten, der Wahrung ihrer Beteiligung und der Nutzung ihrer mitunter (noch) nicht identifizierten Ressourcen.

Supervision und Fallreflexion - so hat Dörte Foertsch aus Berlin ihren Beitrag getitelt. Nach einer Einführung in den Kontext Supervision „… an den Grenzstellen von therapeutischen, pädagogischen und sozialen Organisationen …“, den erkenntnistheoretischen Basics wie Konstruktivismus und Kybernetik leitet Foertsch über zu den Gegenständen von Supervision: den mehr oder minder persönlichen Geschichten der Supervisionsbeteiligten mit spezifischen Sprachspielen und relevanten Informationen über beziehungsgestaltende Muster, Hierarchien und Regeln der Institution, den Fragen der Supervisanden, ihren Befürchtungen etc. Foertsch streift auch die Anforderungen für Supervisoren wie Neutralität und Schaffen eines vertrauensvollen Rahmens. Weiter kann Supervision genutzt werden zur Reflexion der berufliche(n) Rolle(n), zur Selbsterfahrung bspw. der Erkundung möglicher Zusammenhänge zwischen Biografie, Herkunft und spezifischen professionellen Handlungsmustern.

Arbeit mit speziellen Problemkonstellationen: Im Vorwort erläutert Levold kurz die Gründe zur Entstehung dieses 3. Teils in Anlehnung an den von Reiter geprägten Begriff der „klinischen Konstellation“. Es beginnt mit Entwicklungsproblemen von Säuglingen und Kleinkindern. Andreas Eickhorst stellt zunächst einen theoretischen Rahmen zur Verfügung, leitet dann über zu den Prinzipien der Arbeit und gibt einen Überblick über die wichtigsten Methoden. Im Folgenden werden anhand zweier Beispiele aus dem Bereich Diagnostik und Intervention typische Herangehensweisen einer Eltern-Säuglings-Beratung vorgestellt. Beeindruckt hat mich dabei das sog. Babypicknick: Mehrere Kinder und Eltern und Therapeuten sitzen mit Essen zusammen. Alle Initiative geht vom Kind aus, es darf alles mit dem Essen machen. Der lustvolle Kontakt mit der Nahrung sowie der Abbau von Druck dienen als notwendige (!) Bedingungen, um die vom Kind „natürlicherseits“ ausgehende Abwehr kindliche Abwehr zu überwinden. Das nenne ich eine kreative Form einer Musterunterbrechung!

Entwicklungsprobleme im Kindesalter: Wiltrud Brächter zeigt in kurzer prägnanter Form anhand von mehreren Fallbeispielen spezifische Vorgehensweisen in Spielform, gerahmt mit relevanten Grundhaltungen und der Kunst, aus Defizitbeschreibungen mit dem Wunsch nach Symptombeseitigung Perspektiven zu erweitern und zu einem positiv formulierten Therapieziel zu kommen.

Am Artikel Entwicklungsprobleme im Jugendalter von Jürg Liechti ist neben den Ausführungen zu Entwicklung, Bindungstheorie und Systemprozessen besonders Liechtis Konzept, wie man in der Therapie Jugendlichen eine Stimme geben kann, zu nennen. Therapeuten bekommt eher Zugang, wenn sie Jugendliche als Experten ihrer Lebenswelt ansprechen, sie als willkommene Besucher akzeptieren und sie bittet, dem Therapeuten die Sorgen der Eltern zu erklären.

Systemisches Elterncoaching - Elterliche Präsenz und gewaltloser Widerstand: Arist von Schlippe umreißt in anschaulicher Form das Modell von Haim Omer, das in Mitteleuropa mit großem Erfolg in pädagogischen Kontexten umgesetzt wird. Er behandelt dabei auch das spezifische Konzept des gewaltlosen Widerstands zur Rückgewinnung oder Wiederherstellung der elterlichen Präsenz.

Schwangerschaftskonfliktberatung (Tom Levold): Die Geringschätzung dieser Form der Beratung in Literatur und im therapeutisch-beraterischen Diskurs lässt sich mit dem Zwangskontext, der diese Beratung rahmt, erklären. Einige zentrale Elemente:
  • Spezifika der Entscheidungssituation: Der Inhalt der Beratung steht bereits fest, die Logik der Entscheidung ist auf entweder-oder festgelegt.
  • Beratung hat einen engen zeitlichen Rahmen, meistens nur eine Sitzung
  • Die Dimension der Affekte bleibt meist unberücksichtigt, insbesondere nach getroffener Entscheidung
  • Daher ist es eine wichtige Aufgabe, die Entscheidungsfähigkeit der Klientin darin zu stärken, dass die Klientin sich selbst als Subjekt der Entscheidung positiv besetzt.
Adoptiv-und Pflegefamilien: Bruno Hildenbrand erweist sich als profunder Kenner der Materie. Zu Beginn beschreibt er die Abwesenheit als zentrales Merkmal von Pflege- und Adoptivfamilien, entwirft einen kurzen Abriss der historischen Entwicklung und Strukturmerkmale der Sozialisation in der Familie und fokussiert sodann auf zwei Ebenen der Differenz System/Umwelt: Familiengrenzen und der Innenwelt von Familien. Gesichert wird dieser Rahmung durch Solidaritäten wie Verlässlichkeit, Unbegrenztheit der Beziehung und Nichtersetzbarkeit der Personen. Diese Solidaritäten sind auch fiktional, denn Paarbeziehungen sind von der Erwartung her auf Dauer gestellt, können jedoch aufgekündigt werden. Hingegen ist die Eltern-Kind-Beziehung unkündbar. Zu Pflegefamilien vermittelt Hildenbrand die interessante Erkenntnis, dass eigene biografische Erfahrungen Pflegeeltern zur Fähigkeit disponieren, solche Beziehungsverhältnisse, die vom Lebensthema „Fremdheit“ gekennzeichnet sind, einzurichten und durchzuhalten.

Die Wanderung ist noch lang, wir nehmen noch mal eine kleine Abkürzung.

Kinderschutz bei körperlicher, psychischer und sexueller Misshandlung und Kindesvernachlässigung (Renate Blum-Maurice und Jürgen Pfitzner): Eingangs entwickeln die beiden Autoren sinnstiftende Hypothesen zur Gewalt von Eltern gegen Kinder, z.B. als Ausdruck des Versuchs, aus Angst vor weiteren Verletzungen bzw. Ohnmachtserfahrungen die bedrohliche Komplexität familiärer Beziehungen zu reduzieren und mit Gewalt unter Kontrolle zu halten. Sie benennen dann Einflussfaktoren wie z.B. den gesetzlichen Kontext, die dramatisierende und skandalisierende mediale Berichterstattung und markieren für Therapeuten die Notwendigkeit, sich normativ zu positionieren. Weitere zu berücksichtigende Aspekte in diesem Kontext sind u.a.:
  • Das Problem wird von einem erweiterten Hilfesystem benannt
  • Eltern haben die Hürde der Scham und der Vorerfahrungen mit institutionellen Eingriffen und evtl. selbst traumatische Erlebnisse
  • Insoweit stellt die Fähigkeit, Hilfe anzunehmen, schon eine Ressource dar
  • Die Aufteilung in Kinderschutz einerseits und Therapie andererseits provoziert Identifikationen mit einer Seite sowie Kampf- und Ausgrenzungsdynamiken
Zu Psychosen, Depression, Angst schreibt Gerhard Dieter Ruf. Ihm gelingt es ebenso, in knapper Form die wesentlichen Aspekte der therapeutischen Arbeit mit diesen „Störungsbildern“ zu skizzieren, deren Wirklichkeitskonstruktionen zu beschreiben und daraus therapeutische Haltungen, z.B. Veränderungsneutralität und spezifische Vorgehensweisen wie z.B. die Auflösung des Krankheitskonzeptes, Besetzen der passiven Seite bei Depression etc. abzuleiten.

Im Artikel von Cornelia Tsirigotis über Behinderung aus systemischer Perspektive ist mir besonders der kleine Abschnitt zu Empowerment und Teilhabe im Gedächtnis. Tsirigotis zeigt auf, welchen Unterschied ein ressourcenaktivierendes Vorgehen machen kann und sie formuliert Fragen für Therapeuten zur Selbstreflexion. Sehr hilfreich, gerade wenn es um die Arbeit mit Familien mit behinderten Kindern geht, die den täglichen Umgang mit einer harten Realität, sprich der Behinderung, gestalten müssen.

Berufsbezogene Probleme - Burnout:
Matthias Lauterbach wählt als Zugang das Gesundheitscoaching, das sich z.B. der Reorganisation von Lebensbalancen (Geben und Nehmen, erlebte Gerechtigkeit) zuwendet, Sinnfragen formulieren hilft. Lauterbach zitiert Viktor Frankl: Sinn bedarf der „Entdeckung einer Sinnmöglichkeit vor dem Hintergrund der Wirklichkeit“ . Nicht zu vergessen, das betont Lauterbach, sei die Aufmerksamkeit und das Wissen um die Bedeutung von Spiritualität.

Im Beitrag Forensik kennzeichnet Elisabeth Wagner nach einer kurzen Orientierungshilfe für den Arbeitskontext forensische Psychiatrie Entwicklung hin zu zunehmend psychoedukativen und kognitiv-behavioralen Behandlungsstrategien. Der systemische Therapeut in diesem Kontext muss darauf achten, sowohl zirkuläre Zusammenhänge zu erkunden und eine konstruktivistischen Haltung zu bewahren als auch auf die Verantwortlichkeit des Täters für sein Handeln zu fokussieren. Therapeuten haben Teilhabe an institutioneller Macht, die wiederum höchste Ansprüche an Transparenz generiert. Schließlich formuliert Wagner, dass die systemische Therapie als Ressource im schulenübergreifenden forensischen Dialog mit Hilfe ihrer systemtheoretisch basierten erkenntniskritischen Grundhaltung als Anregerin einer Reflexion der eigenen therapeutischen Schule dienen könnte. Eine reizvolle und riskante Rolle.

Der vierte Teil Kontexte beschreibt die verschiedensten Praxisfelder der Systemischen Therapie und Beratung:

Systemisches Arbeiten im hausärztlichen Kontext ist der Gegenstand von Jürgen Hargens, B. und E. Hansen-Magnusson, sie formulieren Wegweiser und Basisbausteine für diese Form einer Arbeitskooperation, mahnen zur Beachtung der unterschiedlichen Kontexte und postulieren eine Haltung der Kooperation, des Expertenstatus aller Beteiligten und geben mit Erfahrung angereicherte Tipps.

Familien-, Ehe-, Lebens- und Erziehungsberatung: Zum Einstieg zeichnet Wolfgang Loth den Wendepunkt im Selbstverständnis von Beratungsstellen, von anfänglicher Orientierung am Schema Diagnose/Beratung/Therapie hin zur unmittelbaren Kommunikation vor Ort, die „sich erst in der Organisation am zufälligen und Unkalkulierbaren des Alltags der Klienten als wichtiges Moment der Hilfe“ (Prof. Dr. Maria Kurz-Adam) erweise. Loth bezeichnet Beratungsstellen als den Ort, wo systemische Therapie am konsequentesten gestaltet werden kann. Systemische Leitvorstellungen wie multidisziplinäre Teams, Vernetzung vor Ort können am ehesten realisiert werden, die Eignung der systemischen Therapie in Beratungsstellen zeigt sich besonders bei Fragen des settings, der Auftragsklärung, der Methoden und des Umgangs mit Zeit. Loth zieht auch ein nüchternes Fazit: War die Unterscheidung von Therapie und Beratung bislang eine Frage, die sich im methodisch sauberen Abklären und Vereinbaren zwischen Hilfesuchenden und Hilfeanbietern unter dem Dach einer umfassenderen klinischen Theorie der systemischen Therapie entschied, somit Therapie und Beratung zum Produktspektrum von Beratungsstellen gehörte, haben sich nach Loth „die Akzente allerdings bereits verschoben“ hin zur Reservierung der systemischen Psychotherapie zur Verwendung als „Heilverfahren im Gesundheitswesen“ (Zitiert aus von Schlippe/Schweitzer: Lehrbuch der systemischen Therapie und Beratung 2012).

Barbara Bräutigam und Matthias Müller zeichnen in Aufsuchende Hilfen einen Überblick sowie Entwicklungslinien dieses vergleichsweise noch jungen Praxisfeldes nach, erwähnen die (erfreuliche) professionelle Diversität, zeigen spezifische Strukturmerkmale auf, um daraus zum Schluss Anforderungen an die Helfer zu formulieren. Komprimiert, nüchtern, klar.

Wir erlauben uns eine letzte Abkürzung. System Krankenhaus: Dass die Arbeit für Systemiker im System Krankenhaus Pioniercharakter hat und mitunter Steinbrecherqualitäten erfordert, wird aus dem Beitrag von Friedebert Kröger und Susanne Altmeyer deutlich. Sie beschreiben sachkompetent und nüchtern die Selbstorganisation des Systems Krankenhaus, seine weitgehende Geschlossenheit und Selbstrefenzialität, die durch den immensen Kostendruck nochmals verstärkt zu werden scheint. Sie erläutern Praxiskonzepte wie Liaisondienste, multiprofessionelle Arbeit von Psychotherapeuten mit Sozialarbeitern und Konsiliardienste etc. und kommen zu einem skeptischen Ausblick: „Die weitere Entwicklung des Systems Krankenhaus wird davon abhängen, ob eine qualitative Veränderung der Kommunikations- und Kooperationsstrukturen gelingen wird. Ohne diesen qualitativen Sprung bleibt Ressourcenaktivierung im System Krankenhaus auf reine Kostensteuerung beschränkt und wird schließlich die Rationierung medizinischer Leistungen unvermeidlich machen“.

Nicht viel optimistischer schätzt Ulrike Borst die Etablierung systemischen Denkens in der Psychiatrie ein. Obwohl die Familientherapie u.a. ihre Ursprünge in der Arbeit mit Familien mit Mitgliedern, die sog. schwere Störungen hatten/zeigten, ist die Psychiatrie als Fachgebiet der Medizin eine Domäne (objektiver) Diagnostik und (richtiger) Therapie. Säulenartige Hierarchien der Berufsgruppen erschweren Kooperationsbemühungen, die Struktur der Kostenträgerschaften behindern institutionsübergreifende Behandlung. Dass Systemische Therapie dennoch durchaus wirksam sein kann, zeigt Borst anhand systemischer Bausteine:
  • Krisen im Biografieverlauf verstehen
  • Über Behandlung verhandeln
  • Lebensweltorientierung
  • Grenzen zwischen stationär und ambulant aufweichen
Weiter werden erfolgreiche Modelle der Mitarbeiterweiterbildung z.B. SYMPA und ermutigende Konzepte der bedürfnisangepassten Behandlung, vornehmlich aus Skandinavien, dargestellt.

Im Beitrag über Suchtkliniken skizziert Rudolf Klein zunächst die Entwicklung der unterschiedlichen Vorstellungen und Konzepte von der Abstinenz bis zum kontrollierten Trinken, von Substitutionsprogrammen und sogar den Drogenkonsum akzeptierende Hilfen. Im Folgenden verweist Klein auf die durch Renten- und Krankenkassen finanzierten Fachkliniken, deren einziges Ziel die Abstinenz ist. Damit ist Alkoholabhängigkeit die einzige Störung, bei der das Ziel bereits vor Beginn der Therapie feststeht. Diese Ausrichtung ist weniger aus fachlich-therapeutischen Überlegungen denn aus politisch-juristischen Kontextmarkierungen zu erklären. Weiter schreibt Klein, wie die Abstinenzorientierung dann für Irritationen sorgen kann, wenn keine ausreichende Vorbereitung vor der Aufnahme in die Fachklinik erfolgt, z.B. die Prüfung, ob dieses festgelegte Ziel aus Sicht des Klienten passend erscheint.

Kinder-und Jugendpsychiatrie (Wilhelm Rotthaus): Man liest den früheren Leiter einer kinder- und jugendpsychiatrischen Klinik! Er markiert Eckpfeiler einer systemischen Ausrichtung: Eltern als Auftraggeber, konkrete anschauliche Aufenthaltsziele, Nutzen von Dilemmata bei Auftragsdiskrepanzen. Sensibilität für Triangulierungsprozesse zwischen Eltern, Kind und Mitarbeitern. Medikamente sind, wenn notwendig, eine Intervention auf das Verhalten des Kindes hin, nicht „wegen der Krankheit“. Ist Kooperation von Eltern gefährdet, ist ein baldiges Gespräch das Mittel der Wahl. Leitsatz ist: „Die Entlassung beginnt mit der Aufnahme“.

Dominik Rosenauer eröffnet dem Leser die Welten der Onlineberatung und fokussiert auf die nicht nur therapiepragmatische sondern auch die Ethik berührende Frage, welcher Kontext welche Zugänge eröffnen kann und welche spezifischen Ressourcen genutzt werden können, z.B. die Anonymität, der Fakt, dass der Klient zumeist in den eigenen Räumen ist. Gedachtes muss geschrieben, also externalisiert werden, wirkt dadurch stärker als „Eigenes“, da mit einem visuellen feedback verbunden. Hier habe ich was gelernt.

Kulturelle Kontexte: Kulturen und Milieus (Cornelia Oestereich und Thomas Hegemann): Diesen Artikel zu lesen, hat wirklich Spaß gemacht. Die Autoren formulieren zunächst, warum sie Kultursensibilität als eine Querschnittsaufgabe systemischer Therapie verstehen. Weiter beschreiben sie Dimensionen der Dynamik von Kultur: generativ, interaktiv, konstitutiv, um anschließend an einem Praxisbeispiel das Wechselspiel von Kultur und Kontexte zu zeigen. Die Autoren orten ihr Kulturkonzept als besonders anschlussfähig an das Konzept des sozialen Konstruktionismus und erläutern das anschließend. Ihr Fragenkatalog zum Kontext von Migration und kulturellen Weltbildern, die Darstellung der Phasen von Migration und letztlich ihre Gedanken zu Kultur und systemischer Praxis sind äußerst aufschlussreich, zeugen von Feldkompetenz und therapeutischer Erfahrung.

Im Kapitel Ethik und Recht stellt W. Rotthaus seine Grundlagen einer systemischen Ethik vor: Er zitiert Heinz von Foerster: „Objektivität ist der Irrglaube des Menschen, wahrnehmen zu können, ohne selbst daran beteiligt zu sein“
  • Ethik wird betrachtet als die Meta-Ebene von Moral
  • Eine Verantwortungsethik basiert auf den Grundlagen menschlicher Existenz. Kooperation wird somit zur Existenzfrage. Daraus ergeben sich ethische
  • Grundhaltungen: Der Klient wird als Experte betrachtet, Achtung und Respekt sind handlungsleitende Bedingungen, sie zeigen sich u.a. in Allparteilichkeit
  • Umgang mit Grenzen: Der Therapeut muss auf seine eigenen eigene Impulse achten, es gilt, die „Schutzhüllen der Klienten“ zu erspüren, ggf. Klienten daran erinnern, nur das zu sagen, was sie wirklich sagen wollen
  • Der Umgang mit Informationen ist geleitet von der Verpflichtung zu Verschwiegenheit und eine Aufforderung, u.a. auch über mögliche Nachteile von Therapie zu sprechen
Die Arbeit in Zwangskontexten stellt für Rotthaus die Bewährungsprobe für das ethische Handeln dar, neben vielen anderen wichtigen Punkten zählt hierzu die Verpflichtung, Transparenz herzustellen und zu wahren.

Tom Levold und Klaus Osthoff skizzieren in ihrem Beitrag über Aus- und Weiterbildung zunächst die wesentlichen Kapitel der Geschichte der systemischen Weiterbildung in Deutschland, beleuchten anschließend die aktuelle Weiterbildungssituation im Kontext der Anerkennung der systemischen Therapie als wissenschaftlich begründetes Therapieverfahren und beschreiben die Weiterbildung in systemischer Therapie und Beratung selbst als transdisziplinäres und multiprofessionelles Projekt. Hier schließt sich der Kreis wieder. Schließlich formulieren sie Merkmale für das Weiterbildungsziel Systemkompetenz: Theoriewissen, Systemtheorie, Feldwissen, Steuerungswissen, personales Wissen, um schließlich auch den Lehrenden ein paar Zeilen ins Stammbuch zu schreiben.

Das Kapitel über Forschung umfasst drei Beiträge der Autoren Bruno Hildebrand (Die Methoden einer interpretativen Sozialforschung als Vorgehen der Wahl bei der systemischen Therapieforschung), Günter Schiepek (Die Einheit von systemischer Forschung, Diagnostik und Therapie: Eine synergetische Perspektive) und Matthias Ochs sowie Jochen Schweitzer („Systemisch Forschen“: Erkenntnistheoretische Fragen und forschungspraktische Leitlinien), die ich mit großem Interesse gelesen habe. Die Beiträge zeigen, wie relevant, aufwendig und erkenntnisstiftend die unterschiedlichen Zugänge zu wiederum sehr unterschiedlichen Forschungsgegenständen sein könn(t)en und dass Forschung zu einem wissenschaftlich begründeten Therapieverfahren unverzichtbar ist.

Systemische Therapie - Perspektive und Ausblick: Zum Schluss ergreifen die Herausgeber noch einmal das Wort. Sie konstatieren, die systemischen Therapie, deren Entwicklung und Etablierung sie selbst wesentlich begleitet und gefördert haben, sei nun „angekommen“. Sie nehmen Bezug auf Krisen wie z.B. die Auseinandersetzungen und den Hype um die Aufstellungsarbeit von Bert Hellinger. Dass die systemische Therapie Promotor integrativer Entwicklungen der Psychotherapie ist, wird von den Autoren kenntnisreich anhand diverser Entwicklungslinien skizziert. Ebenso hat die systemische Therapie den sozialpädagogischen und sozialtherapeutisch Tätigen einen starken professionellen und konzeptuellen Rahmen gegeben.

Ihr Ausblick auf die Zukunft der systemischen Therapie und Beratung ist von Skepsis gekennzeichnet. Es gilt, den Spagat zwischen „einem pragmatischen Sich-einlassen“ um den Preis der Unterwerfung unter ein Wissenschaftsverständnis, das den Grundlagen einer systemischen Erkenntnistheorie diametral entgegensteht und der Bewahrung einer inhaltlichen Eigenständigkeit und eines eigenen Selbstverständnisses zu meistern. Diesen Konflikt zu moderieren, ist die zentrale Aufgabe der systemischen Therapie.

Die lange Wanderung ist zu Ende. Und es hat sich gelohnt, sie zu gehen und noch die vielen Eindrücke und Anregungen wirken zu lassen. Den Herausgebern ist ein großer Wurf gelungen. Ihr Leitfaden, Kontexte als Orientierung zu wählen, hat sich als stimmig erwiesen. Beeindruckend die geballte Dosis an Expertise durch so viele Autoren, die sich in der Dienst dieses Projektes gestellt haben. Es ist nicht nur eine Sammlung von Beiträgen, sondern gerade mithilfe aller Unterschiedlichkeit ein exzellenter Wanderführer.

Für Ausbildungsteilnehmer, Studenten, Praktiker, ob jung oder alt, ist dieses Buch eine Orientierung beim Wandern und eine wahre Fundgrube zugleich. Sie werden sowohl zur Neugier an Theorie und Praxis als auch zur Skepsis gegenüber den Verlockungen von scheinbaren Wahrheiten ermuntert. Das Buch kann ebenso als Mahnung verstanden werden, den systemischen Ansatz nicht zu verramschen, sondern den Diskurs zu pflegen und sich klug einzumischen. Damit wäre es auch ein politisches Buch. Es benennt Positionen, es beschreibt gesundheits- und sozialpolitische sowie ökonomische Interessen, identifiziert Auswirkungen einer linear-reduktionistischen Sichtweise auf menschliche Phänomene und wahrt die Seele des systemischen Ansatzes: Neugier, Respekt, selbstreflexive Beobachtung, Akzeptanz des ewig Ungewissen.

Was ist dieses Buch nicht? Es bedient kein Bedürfnis des schnellen Nachblätterns. Grundelemente des systemischen Ansatzes wie Neutralität, Zirkularität oder Hypothesenorientierung erklären sich nur aus dem Lesen ganzer Kapitel, insoweit erfüllt es nicht die Bedingungen eines Nachschlagewerks, es muss ganz gelesen werden. Ich habe das wahrlich große Lehrbuch mit Neugier und Spannung gelesen und kann es uneingeschränkt empfehlen.


 


Als Leseprobe das Kapitel "Systemische Therapie und Diagnostik" von Tom Levold.

Noch ein Blick ins Buch mit Vorwort, Leseproben, Autorenverzeichnis und Register





Verlagsinformation:

Dieses umfangreiche Lehrbuch bietet für Professionelle der unterschiedlichsten Berufsgruppen eine fundierte Einführung in die theoretischen und praktischen Grundlagen der systemischen Therapie und Beratung. Es vermittelt nicht nur Basiswissen mit den zugehörigen methodischen und behandlungstechnischen Fertigkeiten, sondern behandelt auch ausführlich die Praxisfelder und institutionellen Kontexte therapeutischen und beraterischen Handelns. Medizinisch-psychiatrische Diagnosesysteme werden in Problemkonstellationen übersetzt, die im Rahmen der systemischen Therapie und Beratung bearbeitet werden können. Beiträge zum Umgang mit kulturellen und ethischen Fragen, zur Aus- und Weiterbildung sowie zu den Perspektiven systemischer Forschung runden den Band ab. Mit 90 Kapiteln von 76 Autoren, die in der Mehrzahl auch erfahrene Aus- und Weiterbilder sind, bietet das Lehrbuch einen repräsentativen Querschnitt durch alle relevanten Themen der systemischen Therapie und Beratung auf aktuellem Stand der Kunst.

Mit Beiträgen von: Corina Ahlers • Susanne Altmeyer • Eia Asen • Renate Blum-Maurice • Ulrike Borst • Wiltrud Brächter • Barbara Bräutigam • Michael B. Buchholz • Wolfgang Budde • Andrea Caby • Filip Caby • Luc Ciompi • Ulrich Clement • Klaus G. Deissler • Angelika Eck • Andreas Eickhorst • Günther Emlein • Dörte Foertsch • Peter Fraenkel • Thomas Friedrich-Hett • Frank Früchtel • Werner Geigges • Michael Grabbe • Peter Hain • Bengta Hansen-Magnusson • Ernst Hansen-Magnusson • Reinert Hanswille • Jürgen Hargens • Christian Hawellek • Thomas Hegemann • Bruno Hildenbrand • Joachim Hinsch • Katharina Hinsch • Wolfgang Jansen • Ingrid Kellermann • Sabine Kirschenhofer • Rudolf Klein • Andre Kleuter • Heiko Kleve • Jürgen Kriz • Friedebert Kröger • Rudolf Kronbichler • Matthias Lauterbach • Tom Levold • Jürg Liechti • Wolfgang Loth • Kurt Ludewig • Matthias Müller • Cornelia Oestereich • Matthias Ochs • Klaus Osthoff • Jürgen Pfitzner • Günter Reich • Kersten Reich • Rüdiger Retzlaff • Wolf Ritscher • Bernd Roedel • Dominik M. Rosenauer • Wilhelm Rotthaus • Gerhard Dieter Ruf • Günter Schiepek • Hans Schindler • Arist von Schlippe • Gunther Schmidt • Jochen Schweitzer • Rainer Schwing • Felix Tretter • Cornelia Tsirigotis • Manfred Vogt • Elisabeth Wagner • Renate Weihe-Scheidt • Jan Weinhold • Bettina Wilms • Michael Wirsching • Ferdinand Wolf • Lorraine Wright.


Inhalt:

Levold, Tom & Michael Wirsching: Vorwort der Herausgeber. S. 9-12.

Levold, Tom: Grundlagen systemischer Therapie und Beratung (Einleitung). S. 13-14.

Levold, Tom: Systemische Therapie als transdisziplinäres und multiprofessionelles Konzept. S. 14-20.

Kriz, Jürgen: Medikalisierung versus psychosoziale Perspektive. S. 20-24.

Kriz, Jürgen: Berufliche Zugänge: Psychologie. S. 24-27.

Tretter, Felix: Das systembiologische Paradigma in der Medizin. S. 27-30.

Ritscher, Wolf: Berufliche Zugänge: Soziale Arbeit. S. 30-32.

Levold, Tom: Berufliche Zugänge: Sozialwissenschaften. S. 33-36.

Reich, Kersten: Systemisch-konstruktivistische Ansätze in der Pädagogik. S. 36-40.

Emlein, Günther: Berufliche Zugänge: Theologie/Seelsorge. S. 40-42.

Wright, Lorraine M.: Berufliche Zugänge: Krankenpflege. S. 42-45.

Levold, Tom: Systemische Epistemologie (Einleitung). S. 45-46.

Levold, Tom: Von Bertalanffys Allgemeine Systemtheorie. S. 47-50.

Levold, Tom: Zirkularität und Feedback: Kybernetisches Denken. S. 50-53.

Levold, Tom: Kommunikation und Beobachtung: Die Kybernetik 2. Ordnung. S. 53-58.

Levold, Tom: Radikaler Konstruktivismus. S. 58-60.

Ludewig, Kurt: Theorie autopoietischer Systeme – Humberto Maturana. S. 61-64.

Levold, Tom: Die Systemtheorie Niklas Luhmanns. S. 64-67.

Deissler, Klaus G.: Sozialer Konstruktionismus – Wandel durch dialogische Zusammenarbeit. S. 67-71.

Kronbichler, Rudolf: Narrative Therapie. S. 71-75.

Wolf, Ferdinand: Der lösungsfokussierte Ansatz. S. 75-78.

Schmidt, Gunther: Hypnosystemische Ansätze. S. 78-82.

Schiepek, Günter: Synergetik: Die Wissenschaft komplexer selbstorganisierender Systeme. S. 82-86.

Kriz, Jürgen: Personzentrierte Systemtheorie. S. 86-90.

Retzlaff, Rüdiger: Integrative systemische Therapiemodelle. S. 90-95.

Ciompi, Luc: Affektive Faktoren in der systemischen Therapie. S. 96-99.

Kirschenhofer, Sabine: Geschlecht und Gender. S. 99-103.

Eck, Angelika & Ulrich Clement: Sexualität. S. 103-106.

Reich, Günter: Die Mehrgenerationenperspektive und das Loyalitätssystem. S. 106-110.

Levold, Tom: Macht. S. 110-114.

Grabbe, Michael: Geheimnisse. S. 114-117.

Fraenkel, Peter: Zeit und Beziehung: Die Bedeutung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. S. 118-121.

Buchholz, Michael B.: Metaphern und der therapeutische Dialog. S. 121-130.

Levold, Tom: Systemische Therapie und Diagnostik. S. 130-150.

Schwing, Rainer: Allgemeine Grundlagen systemischer Praxis. S. 151-156.

Schwing, Rainer: Therapeutische Beziehung und Strukturierung des Erstinterviews. S. 156-166.

Schwing, Rainer: Fragetechnik, Reframing und aktivierende Methoden. S. 166-172.

Schwing, Rainer: Auftragsklärung. S. 172-174.

Schwing, Rainer: Beendigung der Therapie. S. 175-177.

Wirsching, Michael: Behandlungsabbrüche. S. 177-181.

Hinsch, Joachim & Katharina Hinsch: Paartherapie. S. 181-189.

Hanswille, Reinert: Familientherapie. S. 189-197.

Asen, Eia: Multifamilientherapie. S. 197-202.

Ahlers, Corina: Einzeltherapie. S. 203-210.

Wilms, Bettina: Gruppentherapie. S. 210-217.

Wirsching, Michael: Ko-Therapie und therapeutisches Team. S. 217-220.

Levold, Tom: Der Stellenwert von Tools und Methoden. S. 220-223.

Schlippe, A. von: Das Auftragskarussell: Ein Instrument der Klärung eigener Erwartungserwartungen. S. 223-227.

Kellermann, Ingrid & Bernd Roedel: Genogrammarbeit. S. 227-233.

Kleve, Heiko: Arbeit mit Skulpturen und Aufstellungen. S. 234-240.

Caby, Andrea & Filip Caby: Systeme visualisieren: Das Familienbrett und andere kreative Darstellungen. S. 241-246.

Schindler, Hans: Die Arbeit mit der Zeitlinie (Timeline). S. 246-250.

Caby, Filip: Reflektierendes Team. S. 250-255.

Hawellek, Christian: Videobasierte Beratung und Therapie. S. 255-260.

Schmidt, Gunther: Hypnosystemische und hypnotherapeutische Techniken. S. 261-268.

Hain, Peter: Humor in der (hypno)systemischen Therapie. S. 268-272.

Schweitzer, Jochen, Jan Weinhold & Schlippe, A. von: Rituale. S. 272-276.

Retzlaff, Rüdiger: Systemische Therapie mit Kindern und Jugendlichen. S. 277-281.

Levold, Tom: Kooperation und multiprofessionelle Zusammenarbeit im Hilfesystem: Chancen und Hindernisse. S. 281-285.

Levold, Tom: Helferkonferenzen. S. 285-287.

Kleve, Heiko: Case Management. S. 287-291.

Früchtel, Frank & Wolfgang Budde: Familienrat/Family Group Conference. S. 291-295.

Foertsch, Dörte: Supervision und Fallreflexion. S. 295-301.

Levold, Tom: Arbeit mit speziellen Problemkonstellationen (Einleitung). S. 302-302.

Eickhorst, Andreas: Entwicklungsprobleme von Säuglingen und Kleinkindern. S. 303-307.

Brächter, Wiltrud: Entwicklungsprobleme im Kindesalter. S. 307-313.

Liechti, Jürg: Entwicklungsprobleme in der Jugend. S. 313-319.

Schlippe, A. von: Systemisches Elterncoaching: Elterliche Präsenz und gewaltloser Widerstand. S. 319-324.

Levold, Tom: Schwangerschaftskonfliktberatung. S. 325-330.

Ahlers, Corina: Trennung und Scheidung. S. 331-343.

Hildenbrand, Bruno: Adoptiv- und Pflegefamilien. S. 343-348.

Vogt, Manfred: Geschwisterbeziehungen und Geschwisterkonstellationen. S. 349-354.

Klein, Rudolf: Süchte. S. 354-359.

Liechti, Jürg: Essstörungen. S. 360-365.

Blum-Maurice, Renate & Jürgen Pfitzner: Kinderschutz bei körperlicher, psychischer und sexueller Misshandlung und Kindesvernachlässigung. S. 366-371.

Ruf, Gerhard Dieter: Psychosen, Depression und Angst. S. 371-377.

Geigges, Werner: Systemische Familienmedizin. S. 377-386.

Tsirigotis, Cornelia: Behinderung aus systemischer Perspektive. S. 386-392.

Lauterbach, Matthias: Berufsbezogene Probleme I: Burn-out. S. 392-397.

Kleuter, Andre: Berufsbezogene Probleme II: Mobbing. S. 397-403.

Hanswille, Reinert: Traumatisierungen. S. 403-409.

Wagner, Elisabeth: Forensik. S. 410-416.

Friedrich-Hett, Thomas: Therapie und Beratung im Alter. S. 416-420.

Levold, Tom: Teil 4: Kontexte (Einleitung). S. 421-421.

Weihe-Scheidt, Renate: Systemische Therapie und Beratung in der psychotherapeutischen Praxis. S. 421-426.

Hargens, Jürgen, Bengta Hansen-Magnusson & Ernst Hansen-Magnusson: Systemisches Arbeiten im hausärztlichen Kontext. S. 426-431.

Loth, Wolfgang: Familien-, Ehe-, Lebens- und Erziehungsberatung. S. 431-435.

Bräutigam, Barbara & Matthias Müller: Aufsuchende Hilfen. S. 435-439.

Eickhorst, Andreas: Frühe Hilfen und Frühförderung. S. 439-442.

Jansen, Wolfgang: Schule. S. 442-446.

Ritscher, Wolf: Stationäre familienorientierte Jugendhilfe (Heimerziehung). S. 447-450.

Kröger, Friedebert & Susanne Altmeyer: System Krankenhaus. S. 451-459.

Borst, Ulrike: Psychiatrie. S. 459-463.

Klein, Rudolf: Suchtkliniken. S. 463-466.

Rotthaus, Wilhelm: Kinder- und Jugendpsychiatrie. S. 466-470.

Rosenauer, Dominik M.: Onlineberatung. S. 470-474.

Oestereich, Cornelia & Thomas Hegemann: Kulturelle Kontexte: Kulturen und Milieus. S. 474-495.

Levold, Tom: Ethik, Lehre, Forschung (Einleitung). S. 496-496.

Rotthaus, Wilhelm: Ethik und Recht. S. 497-509.

Levold, Tom & Klaus Osthoff: Aus- und Weiterbildung. S. 510-521.

Hildenbrand, Bruno: Die Methodologie einer interpretativen Sozialforschung als Vorgehen der Wahl bei der systemischen Therapieforschung. S. 521-528.

Schiepek, Günter: Die Einheit von systemischer Forschung, Diagnostik und Therapie: Eine synergetische Perspektive. S. 528-536.

Schweitzer, Jochen & Matthias Ochs: »Systemisch Forschen«: Erkenntnistheoretische Fragen und forschungspraktische Leitlinien. S. 537-543.

Wirsching, Michael & Tom Levold: Systemische Therapie – Perspektive und Ausblick. S. 544-549.


 Über die Herausgeber:

Tom Levold, Studium der Sozialwissenschaften, Psychologie und Völkerkunde; Lehrtherapeut, Lehrender Supervisor und Lehrender Coach (SG). Nach langjähriger Tätigkeit in Bereichen der Jugendhilfe seit 1989 in freier Praxis als Systemischer Therapeut, Supervisor, Coach und Organisationsberater tätig. Mitbegründer und Mitglied des Gründungsvorstands der Systemischen Gesellschaft. Zahlreiche Veröffentlichungen zur Theorie und Praxis Systemischer Therapie und Beratung. Mitherausgeber der Zeitschrift „Kontext“, Begründer und Herausgeber von „systemagazin – Online-Journal für systemische Entwicklungen“.

Michael Wirsching, Prof. Dr. med.; nach Habilitation bei Helm Stierlin in Heidelberg Professur bei Horst-Eberhard Richter in Gießen. Seit 1989 Lehrstuhl für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie an der Universität Freiburg i. Br. Gründer und langjähriger Vorsitzender der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Familientherapie (DAF, Vorläufer der DGSF). Gastprofessor an den Universitäten Shanghai, Peking, Hanoi, Hue und Isfahan. Mitherausgeber der Zeitschriften Family Process und Family Systems Medicine.



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