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Neuvorstellung zur Übersicht
29.11.2013
Günter Schiepek, Heiko Eckert & Brigitte Kravanja (Hrsg.) (2013): Grundlagen systemischer Therapie und Beratung. Psychotherapie als Förderung von Selbstorganisationsprozessen
Schiepek et al.: Grundlagen systemischer Therapie Hogrefe Verlag, Göttingen 2013

113 S., kart.

Preis: 24,95 €

ISBN: 978-3-8017-2475-7
Hogrefe-Verlag





Wolfgang Loth, Bergisch Gladbach: Was Grund legt und mehr: neue Reihe, neues Buch


Ja, es ist wohl so, Systemische Therapie und Beratung „haben es geschafft“. Ein gutes Vierteljahrhundert nach der ersten großen Bestandsaufnahme „Von der Familientherapie zur systemischen Perspektive“ (Reiter et al., 1988) hat es den Eindruck, als ob das Füllhorn jetzt ohne Pause ausschüttet: Lehrbücher sind generalüberholt (von Schlippe & Schweitzer 2012), lexikalisiert (Wirth & Kleve 2012), auf der Zielgeraden (Levold & Wirsching 2014) oder in Form einer persönlich geprägten Reflexion entzerrt (Ludewig 2013). Eine Buchreihe „Systemische Horizonte" (bei Carl-­Auer) schöpft aus dem Vollen, andere Reihen sind in Vorbereitung. Und nun ist ein weiteres Projekt auf den Weg gebracht, von dem man annehmen kann, dass es ein Flaggschiff werden könnte, eingereiht unter dem Namen „Systemische Praxis“, publiziert bei Hogrefe und herausgegeben von Günter Schiepek, Heiko Eckert, Matthias Ochs und anderen.

Der Eindruck drängt sich somit auf: das Feld ist weit geworden und die Landkarten dazu gibt es in allen gängigen Maßstäben. Macht da eine weitere Kartierung Sinn? Die Frage stellte sich mir, als ich davon hörte, dass Günter Schiepek sich mit diesem Ansinnen trägt. Die Entwicklung dieses jetzt weit gewordenen Feldes habe ich von Beginn an beobachtet, die beinahe explosionsartige Entwicklung Ende der 1970er und in den 1980er Jahren, das Umschalten auf die Mühen der Ebene in der Zeit danach und jetzt diese Zeit der Ernte. In seinem Vortrag auf der diesjährigen Tagung der SG in Berlin sprach der Bielefelder Soziologe Stefan Kühl von den Merkmalen, die den Prozess der Professionalisierung begleiten und kennzeichnen. Professionalisierung konsequent weitergedacht bedeutet, so wie Kühl das diskutierte, ein zunehmend profunderes Bemühen um das Gewährleisten von Normverläufen und entsprechenden Leitlinien, somit auch um Abweichungskontrolle (Kühl 2006, 2009). Das dürfte nun nur bedingt dem entsprechen, was als Motivation und Vision beim Entstehen systemischer Perspektiven getragen hat. Da macht dann Vielfalt schon einen beruhigenden Sinn, und somit auch eine Vielfalt an „Grundlagen“-Beschreibungen. Eine weitere Reihe ist somit aus meiner Sicht grundsätzlich ein Gewinn. Ob aus dem Grundsätzlichen in der Praxis ein Vorteil erwächst, wird sich zeigen. Aus solcher Sicht: Wie macht sich das nun vorliegende neue Grundlagenbuch?

Bei Günter Schiepek habe ich immer aufgehorcht. Er gehört zu denjenigen, deren Publikationen ich – soweit es mir möglich war – von Anfang an mit besonderem Interesse verfolgt habe. Er gehört darüber hinaus zu denjenigen, die ich für die Nachhaltigkeit ihres Engagements, für die Breite und Tiefe des von ihnen beackerten Materials, aber auch für ihre intellektuelle Redlichkeit stets besonders geschätzt habe. Das schließt namentlich seine Bereitschaft und Fähigkeit ein, mit Durststrecken umzugehen und auch bei Gegenwind für die eigene Position einzustehen und daran zu glauben, dass mit dieser Position und aus ihr heraus etwas zu machen ist. Sein 2009 eingerichteter Lehrstuhl an der Paracelsus Medizinische Privatuniversität (PMU) in Salzburg ist sowohl Lohn dafür als auch Basis für eine seit­ dem offenbar noch einmal intensivierte Forschungstätigkeit (1). Und hieraus, scheint mir, ergeben sich auch die Qualitäten, die diese neue Reihe, und im speziellen Fall dieses neue Grundlagenbuch, zu einer wertvollen Ergänzung zu den anderen Grundlagenwerken machen. Dies kann man auf zwei Arten verstehen. Zum einen betrifft die Ergänzung den naturwissenschaftlichen Fokus, der durch Schiepeks Arbeiten in stärkerem Maß bedient wird als in Form der eher geisteswissenschaftlich getönten Arbeiten ähnlichen Anspruchs (von Schlippe, Schweitzer, Ludewig, Levold u. a.). Zum anderen betrifft die Ergänzung die bisherigen Arbeiten von Schiepek selbst, die – zumindest in Buchform – einen veritablen Umfang einnehmen (z.B. Haken & Schiepek 2005; Strunk & Schiepek 2006). Das hier vorgestellte Buch ist demgegenüber handlich und bei aller Kompaktheit der Information eher leicht geschrieben.

Nun regt der Titel der Reihe – „Systemische Praxis“ – zunächst einmal Vorstellungen an, hier werde in erster Linie beschrieben, „wie man das macht“, das systemische Arbeiten. Mir scheint, dass es hierzu unterschiedliche Einschätzungen geben könnte. Das liegt nicht daran, dass dieses Buch unpraktisch wäre. Aus einer bestimmten Perspektive kann man sogar sagen: im Gegenteil! Das Buch kann durchaus als ein sehr praxisorientiertes verstanden werden – die Wahrscheinlichkeit dafür dürfte jedoch abhängen von der eigenen Akzeptanz naturwissenschaftlicher Verfahren der Datengenerierung und Modellierung. Darüber hinaus dürfte der Praxisteil, für den Schiepek und KollegInnen ein Alleinstellungsmerkmal beanspruchen können – das Synergetische Navigationssystem (SNS) und dessen Übersetzung in Praxishandeln – ein gewisses Vertrauen in Digitalisierungstechniken unbedingt voraussetzen. Ich stelle mir vor, dass das Interesse von digital natives bei diesem Teil schneller und tiefergehend geweckt sein wird. Allerdings soll nicht verschwiegen werden, dass ein gestandener Praktiker wie Martin Rufer (2012) Schiepeks Vorschläge in verständliche Anregungen für eine Alltagspraxis übersetzen konnte, allerdings in besonderem Maß aufbauend auf den „Generischen Prinzipien“ (S. 59-50 im hier besprochenen Buch Kapitel 4). Diese Generischen Prinzipien können m. E. als eine Art Sinn-Scharnier zwischen naturwissenschaftlicher Methode und vertraut-praktischer Haltung wirken.

Ein Blick auf den Inhalt. Das Buch liefert eine ebenso kompakte wie verständliche Skizze erkenntnistheoretischer Prämissen und empirisch erforschter Wechselwirkungen im Bereich professioneller Hilfen. Wie aus den bisher vorliegenden Arbeiten Schiepeks bekannt, argumentieren er und seine MitautorInnen konsequent in Richtung einer schulenübergreifenden Psychotherapie und auch Beratung. Die Gründe müssen hier nicht noch einmal vorgestellt werden, das Buch liefert sie noch einmal in Ruhe auf den Punkt gebracht. Das Buch zeigt sich dabei recht nüchtern selbstbewusst: Systemische Therapie gehöre „nicht mehr zu den neuen Ansätzen, ein vielleicht einmal vorhandenes Provokationspotenzial ist verblasst, und störungsspezifische (…) wie auch tätigkeitsfeld- und settingspezifische Varianten (…) haben sich etabliert“, so heißt es gleich zu Beginn (S. 9). Mir gefällt, dass die AutorInnen nun nicht den neureichen Weg erfolgsverwöhnter easiness einschlagen, sondern ebenso klar betonen: "Systemische Ansätze haben sich zudem das Image einer besonders leicht zu lernen­ den Vorgehensweise erworben, was begrifflicher Präzision nicht unbedingt förderlich ist“ (S. 9). Folgerichtig unternehmen sie einiges, um zu verdeutlichen, dass systemische Perspektiven keine Leichtgewichte sind, sondern allen Grund haben, ernst genommen zu werden. Wobei, wenn ich die Argumentationslinie von Schiepek und KollegInnen im Blick behalte, dann bezieht sich das Ernstnehmen nicht auf „Systemisches“ an sich, sondern auf systemische Perspektiven innerhalb des Spektrums einer von allgemeinen Faktoren in besonderem Maße genährten Psychotherapie (und Beratung). Im vergangenen Jahr ist in der Zeitschrift „Kontext“ Schiepeks (erneuter) Vorstoß, seine Konzeptualisierung Systemischer Therapie als umgreifendes und generelles Verfahren aufzugreifen, aus verschiedenen Blickwinkeln diskutiert worden (2). Schiepeks Anliegen stieß dabei überwiegend auf Skepsis. Das ändert aus meiner Sicht nichts daran, dass Schiepeks Ansatz unbedingt berücksichtigt werden muss – auch wenn dies bis auf Weiteres vielleicht „nur“ als verstörende, aber notwendige und herausfordernde Ko-­Respondenz zum entwickelten mainstream systemischer Diskurse wirksam wird.

Ich gehe allerdings davon aus, dass sich das Umfeld solcher Diskurse im nächsten Jahrzehnt eher dahingehend ändert, dass Schiepeks Ansatz größere Bedeutung erlangt. Dies hat wohl auch damit zu tun, dass sich Schiepeks Konzept leichter in ein ökonomisiertes Gesundheitswesen einbauen lassen dürfte als geisteswissenschaftlich getönte Gesprächskulturen, so wie sie in der traditionellen „Welt“ des Beratens und therapeutisch motivierten Helfens zum Tragen kommen. Die schärfste Konkurrenz für Schiepek dürfte daher eher in den extrem effizienzbetonten Ansätzen liegen, wie sie etwa aus der patient focused research stammen (z.B. Lambert & Ogles, 2004, Miller et al. 2005). Im vorliegenden Buch wird auf entsprechende Literatur hingewiesen. Ich frage mich in diesem Zusammenhang, ob es Schiepek gelingt, seinen im Kern humanistischen und individuell-wertschätzenden Fokus beibehalten zu können. Im eingestreuten Lesekasten zum Synergetischen Navigationssystem (SNS) stellen die AutorInnen ihre Rücksicht auf „hochgradig individuelle und auch durch Krisen gekennzeichnete Entwicklungsverläufe“ in erkennbaren Kontrast zu Ansätzen, die sich aus Michael Lamberts Arbeiten zur patientenfokussierten Forschung ableiten: Das SNS geht explizit „nicht von Normverläufen oder aus Mitteilungen über Klienten gewonnenen ‚Standard­Tracks‘ aus, wie die Ampel im System von Lambert“ (S. 45). Solche Verfahren orientieren sich an mittleren Standardverläufen. Diese Standardverläufe werden errechnet aus den Ergebnissen von Fragebogenerhebungen. Im Falle von Abweichungen vom Standardverlauf geht das Bemühen dahin, PatientInnen wieder auf die erwartete Spur zu führen. Deren Feedback dient in diesem Fall erkennbar der Abweichungskontrolle. Im Unterschied dazu dienen die von den KlientInnen/PatientInnen erhobenen Daten bei Schiepek der Motivierung, Anregung und Feinabstimmung eines je individuell-sinnhaften Prozesses.

Die „Systemische Praxis“, die das vorliegende Buch skizziert, besteht m. E. aus einer beeindruckenden Wechselwirkung von Annahmen über therapeutisch (und beraterisch) relevante Wirkfaktoren einerseits und digitalisierenden Verfahrensweisen andererseits. Letztere liefern die datentechnischen Grundlagen für Modellierungen nichtlinear dynamischer Prozesse. Diese Modellierungen bilden sowohl Langzeit­ als auch Echtzeitpools für veränderungsrelevante Feedbacks zu den individuell erfassten Therapie- und Beratungsverläufen.

Bei den Annahmen bilden die bereits erwähnten „Generischen Prinzipien“ für mich den Kern (Kap. 4). Die acht Prinzipien, verstanden als „Reflexions­ und Entscheidungshilfe in der Therapie­ und Beratungspraxis“, werden durch beispielhafte Fragen illustriert und somit handhabbar (Kasten S. 48ff.). Wie bereits erwähnt, hat Rufer hierzu an anderer Stelle Anregendes für die Praxis zusammengetragen (2012).

Die Grundformel des SNS als datentechnik-basiertes Anwendungsverfahren lässt sich als „Verschränkung von Monitoring und Therapie“ beschreiben (Kap. 8, S. 77-84). Verschiedene Formen des Messens und Auswertens werden skizziert und in einem ausführlichen Fallbeispiel (S. 63-76) illustriert. Zumindest ansatzweise wird dabei deutlich, wie Therapieverläufe als Ordnungsübergänge verstanden werden können und wie im konkreten Fall Auswertungen der gesammelten Daten zum Verständnis und zum Unterstützen individueller Therapieverläufe dienen können.

Mir erscheinen die Überlegungen der AutorInnen plausibel. Und ich kann mir auch gut vorstellen, dass die skizzierten Vorgehensweisen für Menschen, die sich in für sie unüberblickbaren Notlagen befinden, von erkennbarem Nutzen sein können. Dies insbesondere in solchen Notlagen, bei denen körperliche Beschwerden dominieren. Ich habe keine Zweifel, dass Günter Schiepek dabei grundlegend humanistisch motiviert an diese Aufgaben heran­geht und dass er als Reihenmitherausgeber auch bei seinen MitstreiterInnen davon ausgeht – auch wenn mir nun gerade das Foto auf S. 54, das ein SNS-basiertes Therapiegespräch illustrieren soll, den Monitor ins Zentrum stellt. Dass ich mich in meiner Alltagspraxis von den hier diskutierten Angeboten „nur“ bei den generischen Prinzipien bediene – und das dankbar und als sehr hilfreich empfunden – und nicht am SNS, möchte ich nicht nur meiner Verankerung in vordigitalen Zeiten zuschreiben. Das müsste ich mir ansonsten möglicherweise auch einer mangelnden Bereitschaft zum Lernen zuschreiben. Ich nehme an, dass meine Zurückhaltung in dieser Hinsicht eher mit meiner Einschätzung zu tun hat, dass diese Art Technologie letztlich ebenso viel Disziplin abverlangt, für den konstruktiven (den „gemachten“ anstelle den „gegebenen“) Teil wachsam zu bleiben und sich darin als verantwortlich zu erkennen, wie es bei der (ebenfalls plausibel begründeten) Übernahme des „Störungs“-Begriffs in eher geisteswissenschaftlich orientierte Lehrbücher der Fall war. Und auch hier bin ich skeptisch angesichts der unablässig wirkenden Prägnanztendenzen. Am Anfang war das Wort und dann kam die Rechnung.

Was mich nach wie vor sehr beeindruckt ist Schiepeks Fähigkeit, umfassendere professionelle Hilfesituationen zu orchestrieren. Ich gehe daher davon aus, dass Schiepeks Ansatz in besonderer Weise immer dann nutzen kann, wenn es um das Koordinieren komplexerer Hilfesituationen geht, z. B. in Kliniken. Bezeichnenderweise entstammt auch das im vorliegenden Buch dargestellte Fallbeispiel einem solchen Setting. Für bedenkenswert halte ich auch die gegen Ende des Buches geäußerte Überlegung, das „Selbstorganisationsmodell als mögliche Synthese von medizinischem Modell und dem Modell unspezifischer Wirkfaktoren“ zu begreifen (S. 90). Nach wie vor fasziniert mich die „Möglichkeit, einer systemwis­senschaftlichen Erklärung für systemische Reorganisationsprozesse (…), welche sehr spezifisch (durch Prozessmonitoring und Prozessfeedback) unterstützt werden können“ (S. 91). Das hat nicht nur mit pragmatischen (und womöglich pragmatisch-naiven oder pragmatisch-furchtsamen) Wünschen zu tun, „wirksam/wirklich“ helfen zu können, sondern auch mit existenziell-sinnhaften: das vorgestellte Modell verknüpft einen hocheffizienten Umgang mit Komplexität mit einem ebenso hochsensiblen Respekt vor individuell erlebtem Leben (und Leiden). Das hat schon was … und es bleibt – und daher mein Zögern – angewiesen auf die Vertrauenswürdigkeit derjenigen, die das anbieten. So hoffe ich, dass mit der zunehmenden Erfahrung mit SNS und SNS-basierten Gesprächen auch die Sensibilität dafür bleibt, wie ausgeklügelte „Behandlungskonzepte“, insbesondere technisch hochgerüstete, ihren „Grund“ in Emanzipation und Teilhabe sehen anstelle in Macht und Sicherung von Ordnung. Mit anderen Worten: Ich verstehe das vorgestellte Konzept als ein differenziertes „Hilfsmittel“ dabei, sich in der Komplexität des eigenen Lebens, seiner physischen, psychischen und sozialen Bezüge, klarer zu werden und darin eine eigene Lebens-Form zu finden. Der immer wieder explizit betonte Respekt vor der individuellen Auseinandersetzung mit „den Umständen“ ist mir hier ein Wort, auf das ich mich verlasse. Dieses Vertrauen und eine ebenso ausgeprägte Vorsicht lassen mich neugierig darauf sein, wie es weitergeht. Um das nicht zu vergessen: Ich empfehle die Lektüre dieses Buches sehr, bin gespannt auf die Fortsetzung der Reihe und wünsche ihm und ihr nicht nur viele LeserInnen, sondern mehr noch viele, die sich ernsthaft damit auseinandersetzen. Dann wäre diese Reihe viel­ leicht nicht nur eine weitere, die einen eigenen Akzent setzt (das tut sie), sondern auch eine, die einen dann tatsächlich umgreifenderen Unterschied macht. Ernsthafte Empfehlung!


Anmerkungen:

(1) Siehe Beiträge dazu in Systeme 23(1), 2009, S. 81-92
(2) Es handelt sich dabei um Heft 4/2012 des „Kontext“. Von verschiedenen DiskutantInnen wurde darin Schiepeks Beitrag: Systemische Therapie – Eine Annäherung (S. 338-362) erörtert und kommentiert.


Literatur:

Haken, H., Schiepek, G. (2005). Synergetik in der Psychologie. Selbstorganisation verstehen und gestalten. Göttingen: Hogrefe (2. korr. Auflage 2010).
Kühl, S. (2006). Die Professionalisierung der Professionalisierer? Das Scharlatanerieproblem im Coaching und der Supervision und die Konflikte um die Professionsbildung. (Working paper 4/2006). Im web: http://www.uni­bielefeld.de/soz/organisationssoziologie/pdf/p0406.pdf
Kühl, S. (2009). Die blinden Flecken der systemischen Beratung. Eine Beobachtung der Beobachtun­ gen durch systemische Berater (Working paper 1/2009). Im web: http://www.uni­bielefeld.de/ soz/forschung/orgsoz/Stefan_Kuehl/pdf/Paper_1_2009_a_Blinde_Flecken_systemischer_ Beratung_090228.pdf
Lambert, M. J., Ogles, B. M. (2004). The Efficacy and Effectiveness of Psychotherapy. In: Lambert, M. J. (Hrsg.). Bergin and Garfield's Handbook of Psychotherapy and Behavior Change. 5th Ed. New York: Wiley, S. 139-193.
Levold, T., Wirsching, M. (Hrsg.) (2014). Systemische Therapie und Beratung. Das Große Lehrbuch. Heidelberg: Carl-Auer.
Ludewig, K. (2013). Entwicklungen systemischer Therapie. Einblicke, Entzerrungen, Ausblicke. Heidelberg: Carl-Auer.
Miller, S.D., Duncan, B.L., Hubble, M.A. (2005). Outcome-informed Clinical Work. In: Norcross, J.C., Goldfried, M.R. (Hrsg.). Handbook of Psychotherapy Integration. 2nd ed. New York: Oxford University Press, S. 84-102.
Reiter, L., Brunner, E. J., Reiter-Theil, S. (Hrsg.) (1988). Von der Familientherapie zur systemischen Perspektive. Berlin: Springer (2., neu konzipierte Auflage 1997).
Rufer, M. (2012). Erfasse komplex, handle einfach. Systemische Psychotherapie als Praxis der Selbstorganisation – ein Lernbuch. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.
Schiepek, G. (2012). Systemische Therapie – Eine Annäherung. Kontext 43(4), S. 338-362.
Schlippe, A. von, Schweitzer, J. (2012). Lehrbuch der systemischen Therapie und Beratung. Das Grundlagenwissen (völlig neu überarb. Aufl.). Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.
Strunk, G., Schiepek, G. (2006). Systemische Psychologie. Eine Einführung in die komplexen Grundlagen menschlichen Verhaltens. München: Elsevier – Spektrum Akademischer Verlag.
Wirth, J.V., Kleve, H. (Hrsg.) (2012). Lexikon des systemischen Arbeitens. Grundbegriffe der systemischen Praxis, Methodik und Theorie. Heidelberg: Carl-Auer.

(mit freundlicher Genehmigung aus systhema 3/2013)





Hier kann man online in das Buch hineinschauen.





Verlagsinformation:

Das Buch gibt eine gut verständliche Einführung in die Grundlagen systemischer Therapie und Beratung. Systemisches Arbeiten wird in diesem Buch als ein Schaffen von Bedingungen für Selbstorganisationsprozesse verstanden, wie sie in psychischen, interpersonellen und biologischen Systemen ablaufen. Da solche Systeme aufgrund ihrer Nichtlinearität und Komplexität zu spontaner Musterbildung und zu chaotischen Dynamiken fähig sind, läuft diese Dynamik in manchen Fällen in unerwünschte oder „pathologische“ Zustände hinein. Therapie besteht dann darin, die Selbstorganisationsfähigkeit der Systeme zu nutzen, um Musterwandel, Ordnungsübergänge und Lernprozesse anzuregen. Wie mit der Dynamik solcher Ordnungsübergänge im klinischen Alltag gearbeitet werden kann, wird anhand eines ausführlichen Fallbeispiels illustriert. Neben einem prozessadäquaten Einsatz von Therapietechniken kommt es dabei auf die Modellierung und Beschreibung der Systeme und Muster an, deren Entwicklung in der Therapie gefördert werden soll. Zur Erfassung der dynamischen Prozesse werden in der systemischen Praxis internetbasierte Monitoring-Verfahren genutzt, die ebenfalls praxisorientiert vorgestellt werden. Ausgehend von der Synergetik als Theorie selbstorganisierender Systeme stellt der Band eine neue Konzeption für eine schulenübergreifende, integrative systemische Therapie und Beratung vor.


Inhalt:

1 Was ist Systemische Therapie?
2 Am Ende der Therapieschulen
2.1 Welchen Beitrag leisten Interventionen und Behandlungstechniken?
2.2 Laien in der Psychotherapie
2.3 Der "Dodo-Bird"-Effekt
2.4 Allegiance: Die ldentifiziertheit mit dem eigenen Ansatz
2.5 Sudden Changes
2.6 The Heroie Client
2.7 Sollen wir uns an Manualen orientieren?
2.8 Die Therapeutin
2.9 Die therapeutische Beziehung
2.10 Psychotherapie als komplexes System
3 Psychotherapie als Schaffen von Bedingungen für Selbstorganisation
3.1 Was ist Synergetik?
3.2 Wie funktioniert Selbstorganisation?
3.3 Neuronale und psychische Selbstorganisation
4 Bedingungen für die Förderung von Selbstorganisation: Die generischen Prinzipien
4.1 Stabilitätsbedingungen
4.2 Identifikation von Mustern des relevanten Systems
4.3 Sinnbezug
4.4 Kontrollparameter und Veränderungsmotivation
4.5 Destabilisierung und Fluktuationsverstärkung
4.6 Kairos, Resonanz und Synchronisation
4.7 Gezielte Symmetriebrechung
4.8 Stabilisierung neuer Muster
5 Synergetisches Prozessmanagement
6 Das Synergetische Navigationssystem (SNS)
6.1 Ambulatory Assessment und Real-Time-Monitoring in der Psychotherapie
6.2 Funktionalitäten des SNS
7 Fallbeispiel
7.1 Probleme und Ressourcen
7.2 Therapieverlauf mit Ordnungsübergang
7.3 Systemmodellierung
8 Die Verschränkung von Monitoring und Therapie
8.1 Therapeutische Effekte von Feedbacksystemen
8.2 SNS-basierte Therapiegespräche
8.3 Reaktive Messungen
9 Konzeptionelle Entwicklungen
9.1 Dynamische Mustererkennung und Prozesssteuerung als Komponenten therapeutischer Praxis
9.2 Evidenzbasierung und relativ rationale Begründung des Vorgehens
9.3 Das Verhältnis von common factors und generischen Prinzipien
9.4 Das Selbstorganisationsmodell als mögliche Synthese von medizinischem Modell und dem Modell unspezifischer Wirkfaktoren
10 Was sind systemische Therapien?
10.1 Systemische Neurotherapien
10.1.1 Echtzeit-Neurofeedback mit fMRT
10.1.2 Neuromodulation
10.2 Systemische Therapien


Über Günter Schiepek:

Leiter des Instituts für Synergetik und Psychotherapieforschung an der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Salzburg. Professor ebendort sowie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Gastprofessor an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt und an der Donau-Universität Krems. Geschäftsführer des Center for Complex Systems (Stuttgart/Salzburg). Studium der Psychologie in Salzburg (Promotion 1984), Habilitation für Psychologie in Bamberg (1990). Langjährige Vertretung des Lehrstuhls für Klinische Psychologie an der Universität Münster und Leiter des Forschungsprojekts „Synergetik der Psychotherapie“ am Universitätsklinikum der RWTH Aachen (1998-2003). Mitglied der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste (Academia Scientiarium et Artium Europaea). Ehrenmitglied der Systemischen Gesellschaft (Deutscher Dachverband für systemische Forschung, Therapie, Supervision und Beratung).




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