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Neuvorstellung zur Übersicht
21.01.2011
Günter Schiepek (Hrsg.): Neurobiologie der Psychotherapie (2. vollständig neu bearb. und erw. Auflage)
Schiepek Neurobiologie der Psychotherapie 2 Schattauer-Verlag, Stuttgart 2011

702 S., mit 224 Abbildungen und 32 Tabellen, gebunden

Preis: 119,00 €

ISBN-10: 3794526740
ISBN-13: 978-3794526741
Schattauer-Verlag





Andreas Manteufel, Bonn: Neurobiologie der Psychotherapie „reloaded“

Im Jahre 2003, nach neurowissenschaftlicher Zeitrechnung also vor Urzeiten, erschien die erste Auflage des vorliegenden Buches. Leider muss jedem Besitzer des Erstlingswerks zugemutet werden, sich die Neuauflage zu besorgen. Zuviel ist in diesem interdisziplinären Forschungsfeld zwischen Hirnforschung und Psychotherapie in der Zwischenzeit passiert. Diese Zweitauflage ist ein völlig neues Buch mit brandaktuellen Artikeln. Ich empfehle wärmstens, mit Schiepek neu durch zu starten und sich auf den aktuellen Stand zu bringen.

Schiepek ist es gelungen, die sonst durchaus unterschiedlichen Perspektiven der rund 100 (!) renommierten Autoren unter einem konzeptuellen Dach zu vereinen. In seinen herausgeberischen Händen erhält das Gebiet der „Neurobiologie der Psychotherapie“ einen systemwissenschaftlichen Rahmen, wie er speziell in der Synergetik von Hermann Haken formal und mathematisch ausgearbeitet ist, also in der Theorie komplexer, selbstorganisierender Systeme. Das Forschungsgebiet des menschlichen Gehirns und seine Nutzbarmachung für die Psychotherapie stehen damit auf einer glasklaren systemischen Grundlage. Ich finde das bemerkenswert. Für Schiepek selbst ist das die logische Entwicklung seiner Forscherbiographie. Für die Neurobiologie füllt sich damit eine Lücke an integrierender Theoriebildung. Für die systemische Therapie stellen die definitorischen Klarstellungen von Schiepek eine Stärkung auf der einen, sowie eine Herausforderung, an der sich auch mancher reibt, auf der anderen Seite dar.

Empfehlung zur „Blitzlektüre“:
Zum Einstieg und Gesamtüberblick empfiehlt es sich, Schiepeks Eingangskapitel („Die neurowissenschaftliche Erforschung der Psychotherapie“) und – als psychotherapeutisches Herzstück des Bandes – sein Kapitel über das Synergetische Prozessmanagement (s.u.) zu lesen. Von Wolf Singer („Das Gehirn – ein komplexes, sich selbst organisierendes System“) und Hermann Haken („Synergetik der Gehirnfunktionen“) wird fundiert und komplex, aber in klarer, nachvollziehbarer Sprache der systemwissenschaftliche Rahmen der Selbstorganisation geklärt. Auch in den beiden Abschlusskapiteln findet sich jeder ohne Vorkenntnisse sofort zurecht: Hans Westmeyer mahnt in seinen wissenschaftstheoretischen Exkursen den Umgang mit „Konstrukten“ in der Neurobiologie an. Zu vorschnell werde immer wieder von einem „neurobiologischen Korrelat“ oder gar „Substrat“ einer psychischen Funktion gesprochen. Wer Westmeyers Ausführungen folgt, wird vorsichtiger gegenüber der vorschnellen Gleichsetzung von psychologischen und biologischen Begrifflichkeiten. Zur sogenannten Neurobiologie des Unbewussten gibt es z.B. viel Schundliteratur, in der weder das Konstrukt an sich noch der Übertragungsweg vom psychologischen zum neurobiologischen Modell reflektiert wird. Dass neben der Kommunikation über (z.B. MRT-) Bilder des Gehirns noch immer sehr sorgfältig auf die Worte zu achten ist, ist die wichtige Botschaft dieses Artikels. Walter und Müller schließlich lassen im Abschlusskapitel viele notwendige ethische Fragen, vor allem solche nach „Risiken und Nebenwirkungen“ des neurobiologischen Ansatzes, an uns vorbei ziehen.

Die übrigen Beiträge:
Da die Neurobiologie mittlerweile die Erforschung emotionaler und sozialer Prozesse in den Mittelpunkt gestellt hat, sind diesen Themen mehrere Artikel gewidmet. Northoff unternimmt den anspruchsvollen Versuch, den so schillernden Begriff des Selbst neurobiologisch zu untermauern. Das spannende Thema der Spiegelneuronen wird von Gallese, Bertram und Buccino lebendig und detailreich vorgestellt. Und das, was es an ersten Ansätzen in der Erforschung von therapeutischen Interaktionen mittels neurobiologischer Methoden überhaupt gibt, also das methodisch extrem schwierige simultane Erfassen von aufeinander reagierenden Gehirnprozessen („Societies of brains“) in therapeutischen Interaktionen, fasst Schiepek zusammen.
Viele Artikel sind anspruchsvoll, aber der Vertiefung wert, wenn man mehr als Oberflächenwissen über das Thema erwerben will, z.B. die drei Kapitel über die bildgebenden Verfahren (funktionelle Magnetresonanztomographie, PET, SPECT, NIRS, EEG-f MRT-Kombination). Weitere Themen sind Neurogenese, Psychoneuroimmunologie, Neurobiologie von psychophysischer Entspannung, Hypnose und Meditation und natürlich Zusammenfassungen des neurobiologischen Wissens über einzelne psychische Krankheitsbilder (Depression, Angst- und Zwangsstörung, Psychosen, ADHS, Sucht und Autismus, somatoforme und Essstörungen, und, besonders ergiebig, Borderlinesyndrom und Posttraumatische Belastungsstörungen). Im Kapitel „Wie verlernt das Gehirn den Schmerz“ (Flor und Diers) wird gezeigt, wie die Plastizität des Gehirns therapeutisch gezielt genutzt werden kann, z.B. über Neurofeedback.

Neuromodulation:
Im Ausblick auf die Zukunft einer „Neuropsychotherapie“ gilt es, sich in den Kapiteln 39 und 40 mit Techniken der gezielten Hirnstimulation (Tass) und des Neurofeedback mit Echtzeit- fMRT (Mathiak und Weiskop) vertraut zu machen. Erfolge der „desynchronisierenden Hirnstimulation“ kann Tass bislang vor allem im Kampf gegen die Parkinson-Krankheit berichten.
In einer Art Kombination von gezielter Störung und Selbstorganisation können pathologische Übersynchronisationen von Nervenzellverbänden, die sich im Tremor äußern, de-synchronisiert werden und gehen dann selbständig in physiologische Rhythmen über. Mehr und mehr gelingt es mittlerweile auch, den „Rückfall“ in das pathologische Muster zu verhindern, d.h. eine dauerhafte Musterveränderung an zu stoßen. Die Übertragung solcher Methoden auf komplexe psychische Erkrankungen wird angedeutet, löst bei mir allerdings überwiegend Fragen und Bedenken aus. Neurofeedback mit Echtzeit-fMRT wird als noch junge Technik vorgestellt. Ob sie auch bei psychischen Erkrankungen zur effektiven Therapie eingesetzt werden kann, ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht zu beantworten. Ohnehin ist klar: Hier wird über ganz frische, noch nicht ausreichend erprobte Methodenentwicklungen gesprochen. „Für diese wie wohl auch für andere neuromodulatorische Ansätze ist allerdings zu erwarten, dass sie ohne Einbindung in ein therapeutisches Gesamtkonzept wenig Erfolg versprechend sein dürften“, so Mathiak und Weiskopf (S. 603), vielleicht in Anlehnung an die Rolle des EMDR in der Behandlung posttraumatischer Belastungsstörungen.

Psychotherapie mit dem Synergetischen Prozessmanagement:
Für uns Psychotherapeuten vertrauter ist es, sich in die Methode des „Synergetischen Prozessmanagements“ mit Hilfe des „Synergetischen Navigationssystems“ ein zu lesen (Kapitel 38). Was so technisch klingt ist die konsequente Umsetzung einer Prozessbetrachtung von Psychotherapie. Die fortlaufende Erhebung von psychologischen Daten z.B. über Befindlichkeiten, bestimmte Emotionen, Einstellungen, den Grad der Zielerreichung etc. wird über praktikable Eingabegeräte ermöglicht, die die Daten sofort in eine Datenbank transportieren, wo sie verrechnet und in stets aktuelle „Verlaufsdarstellungen“ transformiert werden. Neben den Verlaufskurven der einzelnen Items werden Kennwerte des gesamten Prozesses, des „Zusammenwirkens“ der Items errechnet. Erkannt werden so systemische Eigenschaften des Therapieverlaufs, etwa die „Stabilität“ bzw. „Instabilität“, das Auftreten von „kritischen Fluktuationen“ oder von „Phasenübergängen“, also plötzliche Musterveränderung. Immer wieder werden dem Patienten diese Verlaufskurven am PC zur Reflexion rückgemeldet („Wo stehen wir gerade?“). An ausführlichen Beispielen und anhand vieler Abbildungen veranschaulicht das Autorenteam um Schiepek diese ganz neue Herangehensweise. Für mein Dafürhalten verbinden sich hier modernste technische Möglichkeiten und auch naturwissenschaftlich-mathematisch begründetes systemwissenschaftliches Know-How mit guten alten psychotherapeutischen Tugenden des Dialogs und der humanistischen Therapie (Psychotherapie als „Schaffen von Bedingungen für Selbstorganisation“). In den acht „generischen Prinzipien“ formuliert Schiepek die wesentlichen, wirksamen Faktoren einer erfolgreichen Therapie in der Sprache des Synergetischen Prozessmanagements (Stabilitätsbedingungen, Identifikation von Mustern im System, Sinnbezug, Kontrollparameter/Energetisierungen, Destabilisierung/Fluktuationsverstärkungen, Beachtung von „Kairos“/Ermöglichung von Resonanz und Synchronisation, Vorbereitung gezielter Symmetriebrechung, Re-Stabilisierung“, S. 570). Das wirft Fragen und breiten Diskussionsbedarf auf. Es ist zu hoffen, dass dieser in der therapeutischen Szene auch aufgegriffen wird, eine große Chance zur „Modernisierung“ bliebe sonst auf der Strecke.

Die Tagung zum Buch:
Dass ich dieses Buch uneingeschränkt empfehle, ist nun deutlich geworden. Auch das Lay-Out und die reichhaltige Bebilderung unterstützen die Lektüre. Wie im systemagazin vor kurzem bereits angekündigt, findet vom 1.-3.7.2011 in Salzburg auch die Tagung „Neurobiologie der Psychotherapie“ statt, natürlich unter der wissenschaftlichen Federführung von Günter Schiepek. Schauen Sie sich, wenn Sie’s verpasst haben, unter dem Datum des 12.1.2011 die Ankündigung und das geplante Programm im systemagazin an und wenn Sie Lust auf eine anregende Tagung in angenehmer Umgebung haben, ganz im Geiste dieses Buches, melden Sie sich an. Ich werde auch dort sein.


Matthias Ochs, Heidelberg:

Das vorliegende Herausgeberwerk von Günter Schiepek „Neurobiologie in der Psychotherapie“ kann nicht anders als monumental bezeichnet werden, und zwar in verschiedener Hinsicht: Es wiegt 2,5 Kg, ist fast 700 Seiten stark und kostet stolze 119.-€ - ist aber, um gleich zu einem weiteren Aspekt seiner Monumentalität, nämlich jener der inhaltlichen zu kommen, jeden einzelnen Cent wert. Denn dieser Band unternimmt den gelungenen Versuch, ein umfassendes, auf Systemwissenschaften basierendes Verständnis von Psychotherapie zu entwickeln, das weit über sozialsystemisches Denken hinausgeht und auch nicht, wie der Titel des Bandes vermuten lässt, bei neurobiologischen Reduktionismen stehen bleibt. Die erste Auflage des Bands ist bereits 2004 erschienen; die vorliegende zweite Auflage ist gegenüber der ersten überarbeitet sowie deutlich erweitert.
Das Buch gliedert sich in neun Kapitel, wobei im ersten Kapitel der Herausgeber mit Mitarbeitern einen brandaktuellen Überblick gibt zur neurowissenschaftlichen Erforschung von Psychotherapie. Das zweite Kapitel stellt neurowissenschaftliche Messmethoden vor, nämlich die Magnetresonanztomographie (MRT), das in der Forschung wohl wichtigste bildgebende Verfahren, dann die Positronenemissionstomographie (PET), die Einzelphotonen-Emissionstomographie (SPECT), die Nahinfrarot-Spektroskopie (NIRS) und schließlich die aus der Psychophysiologie bekannte Elektronenenzephalographie (EEG). Das dritte Kapitel trägt den Titel „Molekulare Neurobiologie von Gehirn, Immun- und Endokrinsystem“. In diesem finden sich sehr lesenswerte Ausführungen etwa zur Neuroplasitiztät im Erwachsenenalter sowie zur Psychoneuroimmunologie und –endokrinologie. Das nächste Kapitel versammelt Arbeiten, die sich mit der Konzeptualisierung des Gehirns als komplexes System befassen. Herausragend sind in diesem Kapitel die Beiträge von Wolf Singer, einer der bekanntesten und anerkanntsten Neurophysiologen und Hirnforscher, und von Hermann Haken, dem Begründer der Synergetik, dem vielleicht fruchtbarsten systemtheoretischen Ansatzes für die empirisch orientierten Humanwissenschaften. Das fünfte Kapitel beleuchtet verschiedene psychische Funktion, wie Emotionen, Selbstbewusstsein oder Meditation, aus einer systemwissenschaftlichen Perspektive, die eben auch stark neuronales Geschehen mit einbezieht. Das darauffolgende Kapitel würde man in einem Band mit dem Terminus „Neurobiologie“ im Titel nicht unbedingt vermuten: in diesem geht es nämlich um soziale Prozesse. Auch manchen Autoren würde man in diesem Kontext vielleicht nicht erwarten, wie etwa die Tiefenpsychologin Anna Buchheim, die über sozio-emotionale Bindung schreibt, oder der Psychiater und Philosoph Thomas Fuchs, der aus einer geisteswissenschaftlichen Sichtweise heraus eine systemisch-ökologische Konzeption psychischer Krankheit entwirft (m.E. die mit überzeugendste Arbeit in dem Band).
Im siebten Kapitel schließlich werden einzelne psychische Störungen von der Neurobiologie und Psychotherapie her kommend (aber eben erfreulicherweise nicht nur) „durchdekliniert“. Dieses umfassendste Kapitel in dem Band kann für jeden Professionellen, der mit psychischen Störungen in seinem Arbeitsfeld zu tun hat, als essentiell angesehen werden, eben aufgrund der Zusammenschau von „Neuro“ und „Psycho“ – aber auch aufgrund der exquisiten Auswahl der Autoren: der Analytiker Peter Henningsen informiert zu somatoformen Störungen (er hat auch an der Verfassung der Behandlungsleitlinien hierzu mitgewirkt); Wolfgang Herzog, Leiter der Psychosomatik am Universitätsklinikum Heidelberg, und Beate Wild, eine u.a. hervorragende Methodikerin, schreiben zu Essstörungen, Wolfgang Miltner zu Ängsten, Herta Flor zu Schmerzen etc.- die Reihe an beitragenden Koryphäen liese sich hier weiterführen. Das achte Kapitel erörtert dann Konsequenzen aus den vorhergegangen Ausführungen für die Therapie und Beratung. Hier sind vor allem der Beitrag von Schiepek selbst zum Synergetischen Navigationssystem, eines der innovativsten Instrumente der Psychotherapieforschung, hervorzuheben und jener von Peter Tass, der eine im Grunde streng an den Prinzipien der Synergetik sich haltende Therapie krankhafter neuronaler Synchronisationen (wie etwa die Epilepsie) entwickelt hat und am Beispiel der Tinnitusbehandlung veranschaulicht. Im abschließenden Kapitel beschäftigen sich zwei Arbeiten mit wissenschaftstheoretischen und ethischen Fragen. Sehr lesenswert ist hier der epistemologisch orientierte Artikel des Berliner Psychologieprofessors Hans Westmeyer.
Was Günter Schiepek mit der Konzeption dieses Bands vorschwebt ist visionär – und geht über das, was wir heute noch unter systemischer Therapie/Psychotherapie verstehen, deutlich hinaus: letztlich hat Schiepek eine Art biopsychosoziale Komplexitätstherapie im Sinne, die auf der Grundlage der Synergetik als Disziplinen übergreifende Strukturwissenschaft (und mit ihren zentralen Konzepten der Selbstorganisation, der Ordnungs- und Kontrollparameter, der mikro-, meso- und makroskopischen Systemebenen, der Bifurkationspunkte und der nichtlinearen Phasenübergängen) es erlaubt, je nach Notwendigkeit und Bedarf auf der neurobiologischen, psychologischen oder sozialen Ebene zu intervenieren. Dies mag sich für den ein oder anderen vielleicht anhören wie die allumfassenden Auslassungen lediglich eines weiteren Ganzheitlichkeits-/ Neues Denken-Visionärs im Stile eines Fridjof Capras, Ken Wilbers oder Rupert Sheldrakes, bei denen man bei aller Innovationskraft dennoch ab und an (hoffentlich) aufgrund des manchmal undifferenzierten alles und jeden umfassenden Integrationswillens, bei dem dann Gebilde herausgekommen, in dem mit Fakten und Spekulationen so jongliert wird, dass sie nicht mehr zu unterscheiden sind, ein wenig skeptisch wird und ein mulmiges Gefühl bekommt. Der Unterschied zu dieser Form der Ganzheitsphilosophierei besteht im vorliegenden Band darin, dass niemals der tragende Boden der Empirie sowie der wissenschaftlich begründeten Systemtheorie (und der Vernunft) verlassen wird, ohne dabei im neurobiologischen Empirismus stecken zu bleiben oder sich in abstrakt-abgehoben systemtheoretischen akademischen Spielereien zu verlieren (wenngleich ein empirisches Interesse an neurobiologischen Befunden Voraussetzung ist, um an dem Buch Freude zu haben). Ob sich die Systemtheorie als das multiple Disziplinen integrierende Brückenprogramm durchsetzen wird, das Schiepek vorschwebt, dies wird sich zeigen. Dass sie das Zeug dazu hat, dies macht dieser grundlegende Band deutlich.

(mit freundlicher Genehmigung aus systemisch-forschen.de)





zur website des Center for Complex Systems von Günter Schiepek





Verlagsinformation:

Die Psychotherapie hat durch die neurobiologische Forschung sowohl eine handfeste Bestätigung ihrer Wirksamkeit als auch neue Impulse für die Weiterentwicklung des Faches erfahren. Günter Schiepeks „Neurobiologie der Psychotherapie“ war in der 1. Auflage 2003 eines der ersten systematischen Textbücher zum Thema. In der Zwischenzeit haben sich die Erkenntnisse der Neurobiologie so rasant und umfassend weiter entwickelt, dass die 2. Auflage zu einem völlig neu bearbeiteten aktuellen Handbuch ausgereift ist. Es bietet dem Leser einen ebenso breiten wie vertieften Einblick in aktuelle Forschungsgebiete und -trends, die für die Psychotherapie und ihre schulenübergreifenden Fortschritte von Bedeutung sind. Gleichzeitig zeigt das Buch den Stand bei der neurowissenschaftlichen Überprüfung psychotherapeutischer Effekte auf. Über 100 Autorinnen und Autoren stellen die Funktionsweise des Gehirns bei der Generierung und Verarbeitung von Emotionen, Kognitionen und interpersoneller Kommunikation (Affective, Cognitive, Social Neuroscience) dar und bieten dem Leser eine Einführung in wichtige Messmethoden (MRT, PET, EEG), in die molekularen und zellulären Grundlagen von Hirnfunktionen sowie in die Psychoneuroimmunologie und Psychoneuroendokrinologie. In der Neuauflage nehmen die klinischen Aspekte der Neurobiologie und die hirnphysiologischen Korrelate psychischer Störungen breiten Raum ein. Diskutiert werden auch praktische Konsequenzen der Hirnforschung für eine Psychotherapie der Zukunft. In mehreren Beiträgen wird das Gehirn als komplexes, nichtlineares System vorgestellt, in dem Prozesse der Synchronisation und Selbstorganisation eine zentrale Rolle spielen (Systemic Neuroscience). Mit den Themengebieten der Systemischen und Sozialen Neurowissenschaft werden höchst aktuelle und zukunftsweisende Entwicklungen aufgegriffen. Dem Herausgeber Günter Schiepek ist es gelungen, für die einzelnen Themenbereiche international führende Experten zur Mitarbeit zu gewinnen, wodurch ein hohes fachliches Niveau, Aktualität und gute Verständlichkeit gleichermaßen gewährleistet sind.


Inhalt:

Schiepek, Günter, Stephan Heinzel & Susanne Karch: Die neurowissenschaftliche Erforschung der Psychotherapie. S. 3-34.

Windischberger, Christian, Wolfgang Bogner, Stephan Gruber & Ewald Moser: Magnetresonanztomographie (MRT): Physikalische Grundlagen, Auswertung und Analyse. S. 35-48.

Pöppel, Thorsten D. & Bernd-Joachim Krause: Positronenemissionstomographie (PET), Einzelphotonen-Emissions-tomographie (SPEeT) und Nah-infrarot-Spektroskopie (NIRS) in der funktionellen Bildgebung des Gehirns. S. 49-60.

Pogarell, Oliver, Susanne Karch, Gregor Leicht & Christoph Mulert: Elektroenzephalographie (EEG) und EEG-fMRT-Kombination. S. 61-72.

Korte, Martin: Zelluläre und molekulare Mechanismen neuronaler Plastizität bei Lern- und Gedächtnisvorgängen. S. 73-85.

Aigner, Ludwig & Sebastien Couillard-Despres: Die Neuentstehung von Nervenzellen im erwachsenen Gehirn. S. 86-94.

Schubert, Christian: Neuroimmunologie der Psychotherapie. S. 95-116.

Klumbies, Elisabeth: Psychoneuroendokrinologie. S. 117-132.

Singer, Wolf: Das Gehirn ein komplexes, sich selbst organisierendes System. S. 133-141.

Eickhoff, Simon B. & Christian Grefkes: Systemtheorie und Dynamic Causal Modelling. S. 142-174.

Haken, Hermann: Synergetik der Gehirnfunktionen. S. 175-192.

Müller, Viktor, Hubert Preißl, Werner Lutzenberger & Niels Birbaumer: Komplexität und nichtlineare Dynamik von EEG und MEG. S. 193-210.

Perlitz, Volker, Birol Cotuk, Andreas Besting, Gero Müller, Manfred Lambertz, Nicolai Maass & Uwe Heindrichs: Synergetik der autogenen psychophysischen Entspannung. S. 211-232.

Vaitl, Dieter: Emotionen. S. 233-249.

Menning, Hans: Positive Emotionen. S. 250-262.

Piefke, Martina & Hans J. Markowitsch: Gedächtnis, Emotion und stressbedingte Gedächtnisstörungen. S. 263-272.

Leube, Dirk & Tilo Kircher: Die Fragmente des Ich-Bewusstseins. S. 273-279.

Northoff, Georg: Neurobiologische Grundlagen des phänomenalen Selbstbewusstseins. S. 280-285.

Halsband, Ulrike: Hypnose und Meditation. S. 286-308.

Vogeley, Kai & Leo Schilbach: Sozial-kognitive Leistungen. S. 309-322.

Gallese, Vittorio, Wulf Bertram & Giovanni Buccino: Spiegelneurone, verkörperte Simulation, Intersubjektivität und Sprache. S. 323-338.

Buchheim, Anna: Sozio-emotionale Bindung. S. 339-349.

Villmann, Thomas, Tina Geweniger, Beate Bergmann & Antje Gumz: Soziophysiologie von Therapieprozessen - die Beziehung zwischen Therapeut, Patient, und gesprochenem Wort. S. 350-364.

Schiepek, Günter & Zbigniew J. Kowalik: Societies of brains: Nichtlineare Ordnungsübergänge in der psychotherapeutischen Interaktion. S. 365-374.

Fuchs, Thomas: Gehirnkrankheiten oder Beziehungsstörungen? Eine systemisch-ökologische Konzeption psychischer Krankheit. S. 375-384.

Straube, Thomas & Wolfgang H. R. Miltner: Ängste und Phobien. S. 385-397.

Aldenhoff, Josef: Depressionen. S. 398-404.

Schiepek, Günter, Susanne Karch, Igor Tominschek & Oliver Pogarell: Zwangsstörungen. S. 405-432.

Bohus, Martin, Christian Schmahl & Jana Mauchnik: Borderline-Persönlichkeitsstörungen. S. 433-449.

Flatten, Guido: Posttraumatische Belastungsstörungen. S. 450-471.

Gaebel, Wolfgang, Jürgen Zielasek & Wolfgang Wölwer: Schizophrenie. S. 472-485.

Tretter, Felix & Sabine M. Grüsser-Sinopoli: Sucht und Suchttherapie. S. 486-508.

Noll-Hussong, Michael, Harald Gündel, Claas Lahmann & Peter Henningsen: Somatoforme Störungen. S. 509-522.

Flor, Herta & Martin Diers: Wie verlernt das Gehirn den Schmerz? S. 523-531.

Friederich, Hans-Christoph, Beate Wild & Wolfgang Herzog: Essstörungen. S. 532-542.

Poustka, Luise, Martin Holtmann, Tobias Banaschewski & Sven Bölte: Autismus-Spektrum-Störungen. S. 543-555.

Frodl, Thomas: Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) im Erwachsenenalter. S. 556-566.

Schiepek, Günter, Angelica Zellweger, Helmut Kronberger, Wolfgang Aichhorn & Wilfried Leeb: Psychotherapie. S. 567-592.

Mathiak, Klaus & Nikolaus Weiskopf: Neurofeedback mit Echtzeit-fMRT. S. 593-605.

Tass, Peter A.: Verlernen krankhafter Synchronisation mittels desynchronisierender Hirnstimulation. S. 607-618.

Aigner, Martin & Gerhard Lenz: Psychopharmakotherapie und Psychotherapie. S. 619-630.

Westmeyer, Hans: Wissenschaftstheoretische Exkurse zur Neurobiologie der Psychotherapie. S. 631-645.

Walter, Henrik & Sabine Müller: Neuroethik der Neuropsychotherapie. S. 646-655.


Über den Autor:

Vorsitzender der Unternehmensleitung und Inhaber des Center for Complex Systems (München). Studium der Psychologie in Salzburg (Promotion 1984), Habilitation für Psychologie in Bamberg (1990). Langjährige Vertretung des Lehrstuhls für Klinische Psychologie an der Universität Münster und Leiter des Forschungsprojekts „Synergetik der Psychotherapie“ am Universitätsklinikum der RWTH Aachen (1998-2003). Professor an der Universität Bamberg. Visiting-Professor an der Donau-Universität Krems. Leitung der Forschungseinrichtung für Dynamische Systeme am Institut für Psychologie der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt.
Arbeitsschwerpunkte: Synergetik und Dynamik nichtlinearer Systeme in Psychologie, Management und in den Neurowissenschaften. Prozess-Outcome-Forschung in der Psychotherapie. Neurobiologie der Psychotherapie. Computerbasiertes Real-Time Monitoring in verschiedenen Anwendungsfeldern. Sozialpsychologie. Management. Kompetenzforschung.
Forschungskooperationen: Klinik für Psychosomatik Windach/Ammersee, Universitätsklinik für Psychiatrie an der LMU München und Universitätsklinik für Psychiatrie Wien (Projekt „Brain Dynamics of Human Change Processes, Fokus: Zwangsstörungen“); Psychsomatisches Zentrum Eggenburg / Niederösterreich; Medizinische Universität Innsbruck (Psychoneuroimmunologie). Wissenschaftlicher Beirat zahlreicher Institute, Verbände und Fachzeitschriften. Etwa 140 internationale und deutschsprachige Publikationen.



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