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Neuvorstellung zur Übersicht
10.06.2009
Carole Gammer: Die Stimme des Kindes in der Familientherapie
Gammer Die Stimme des Kindes Carl Auer-Verlag, Heidelberg, 2007

Aus dem Englischen von Theo Kierdorf

351 S., broschiert

Preis: 29,95 €

ISBN-10: 3896705385
ISBN-13: 978-3896705389
Carl-Auer-Verlag





Peter Luitjens, Sudweyhe (Bremen):

Ein Buch für die Praxis, fast schon ein Leitfaden, wie Kinder nicht nur als Teil eines Familiensystems wahrgenommen werden können, sondern im Rahmen eines dezidiert familientherapeutischen Vorgehens als Akteure Gehör finden, ohne ihre Stimme erheben zu müssen.
Dazu stellt die Autorin zunächst Behandlungsmethoden (162 S.) vor, die die speziellen Erlebens- und Ausdrucksformen von Kindern aufnehmen und ermöglichen, ihnen in einer ihrem Entwicklungsstand angemessenen Weise zu begegnen. Sie geht jeweils einleitend kurz auf die Herkunft und Entwicklung der jeweiligen Methode ein, um dann ihren spezifischen Einsatz sowie ihren besonderen Effekte darzustellen und durch kurze Fall-Vignetten zu illustrieren. Die Therapeutin bindet hier keinen spektakulären „Methoden-Strauß“, sondern liefert eine fundierte Darstellung grundlegender Formen wie die „videogestützte Intervention“ (wobei sie über der Orientierung am Vorgehen ihres Mannes G. Downing den Beitrag von Maria Aarts übersieht), das „Externalisieren“, gestalterische Methoden etc. In ihrer Auseinandersetzung mit dem „Spiel“ in der Therapie werden Unterschiede zur „Spieltherapie“ mit Kindern deutlich benannt.
Im Praxis-Teil (68 S.) räumt Carole Gammer der Darstellung des Erstgesprächs (sie plant hierfür viel Zeit und eine Pause ein) entsprechend viel Bedeutung ein und entwickelt das weitere Vorgehen analog dazu. Sie tritt dabei entschieden für ein familientherapeutisches Vorgehen ein, das Eltern und Kinder in gemeinsamen therapeutischen Terminen erreicht. Der Auseinandersetzung mit den Themen „Geschwisterbeziehungen“ (u.a. bei chronischer Erkrankung) sowie „ADS/ADHS“ gibt die Autorin besonderen Raum (68 S.). Ein abschließender Theorie-Teil (20 S.) macht deutlich, dass die Autorin einen eigenen Standpunkt in der Auseinandersetzung mit grundlegenden systemischen Themen wie Kausalität, Zirkularität und Konstruktivismus gefunden hat, der hilfreiche therapeutische Perspektiven eröffnet („ein umfassenderes Verständnis des Familiensystems“).
Fazit: ein empfehlenswertes Buch, das endlich die Überlegungen dieser bekannten amerikanischen Familientherapeutin, die seit über zwei Jahrzehnten in Europa praktiziert und ausbildet, allgemein zugänglich macht. Mit ihrer eigenständigen Entwicklung eines kindorientierten familientherapeutischen Vorgehens ist sie in der Gesellschaft von Systemikern wie Rotthaus, Bonney und Wilson zu sehen, die mit ihren Veröffentlichungen bereits in den Vorjahren auf die Notwendigkeit und die Möglichkeiten kindorientierter Vorgehensweisen hingewiesen haben.

(mit freundlicher Erlaubnis aus systhema 1/2008)





Zur website von Carole Gammer





Verlagsinformation:

Was geschieht mit dem Kind in der Familientherapie? Wie soll die Therapie auf das Kind ausgerichtet sein? Mit diesen Fragen beginnen Carole Gammers Ausführungen über die "Stimme des Kindes in der Familientherapie". In ihrer Arbeit stellt die international renommierte Familientherapeutin das Kind konsequent in den Mittelpunkt.Das Kernstück des Buches bilden ausführliche Darstellungen und Erklärungen spezifischer Behandlungsmethoden, wie Rollenspiel oder die Arbeit mit Metaphern, die dem Entwicklungsstand der Kinder angepasst werden. Zahlreiche praktische Erläuterungen für die Arbeit mit Kindern jeder Alterstufe machen Gammers Vorgehensweise Schritt für Schritt nachvollziehbar. Die Behandlung ausgewählter Probleme, wie schwierige Geschwisterbeziehungen oder Hyperaktivität, wird an konkreten Sitzungsverläufen erläutert. Zum Abschluss werden zugrundeliegende theoretische Aspekte erörtert. Eine Fundgrube für Familientherapeuten: zur Erweiterung des Repertoires und als Denkanstoß für die tägliche Praxis.


Inhalt:


Teil I - Zur Theorie

1. Ein erster Blick auf die Theorie.

Teil II - Methoden

2. Dramatisierung.

2.1 Wiederholungsdramatisierung
2.2 Positive Zukunftsdramatisierung.
2.3 Negative Zukunftsdramatisierung.
2.4 Dramatisierung versus Enactment.

3. Videogestützte Intervention.

3.1 Video-Mikroanalyse-Technik.
3.2 Vorteile der videogestützten Intervention.
3.3 Leitfaden für eine videogestützte Intervention.
3.4 Videogestützte Interventionen mit Säuglingen und Kleinkindern.

4. Arbeit mit Metaphern.

4.1 Patientengenerierte Metaphern.
4.2 Implikationsexploration.
4.3 Assoziationsexploration.
4.4 Vorteil der Implikationsexploration.
4.5 Zukunftsprojektion.
4.6 Metaphern und die Entwicklung des kindlichen Spiels.
4.7 Mehr über Assoziationsexploration.
4.8 Arbeit mit Entscheidungskonflikten.

5. Systemisch-gestalterische Methoden.

5.1 Gestalterische Techniken zu Beginn der Therapie.
5.2 Zwei-Bilder-Aufgaben.
5.3 Arten gestalterischer Arbeit.
5.4 Weitere therapeutische Schritte.
5.5 Familiendiagnostische Aspekte.
5.6 Variationen des Vorgehens.

6. Externalisierung.

6.1 Kind und Problem unterscheiden lernen.
6.2 Ein geeignetes Etikett finden.
6.3 Den Einfluss des Problems explorieren.
6.4 Positive Ausnahmen suchen.
6.5 Externalisierung mit jüngeren Kindern.
6.6 Gestalterische Aufgaben und Externalisierung.
6.7 Kognitive und verhaltensmodifizierende Techniken und Externalisierung.
6.8 Weitere Techniken.

7. Umgang mit Grenzen.

7.1 Kognitive und verhaltenstherapeutische Techniken im systemischen Kontext.
7.2 Regeln und Werte.
7.3 Konsequenzen.
7.4 Aufforderungen und Direktiven.
7.5 Punktesysteme.
7.6 Auszeit.

8. Die Wiederbelebung des Spiels.

8.1 Ziele

8.2 Therapeutische Schritte.
8.3 Verlauf der Sitzung.
8.4 Zu Hause.
8.5 Die folgenden Sitzungen.
8.6 Entwicklungsverzögerte und geistig behinderte Kinder.
8.7 Kinder, die in einem Heim oder in einer Pflegefamilie leben.
8.8 Kinder mit aggressivem Verhalten.

9. Verbindungen zur Vergangenheit.

9.1 Die drei Vergangenheiten.
9.2 Die Vergangenheit der Familie.
9.3 Die individuelle Vergangenheit der Eltern.
9.4 Die Mehrgenerationenperspektive.
9.5 Der richtige Zeitpunkt zur Beschäftigung mit der Vergangenheit.

Teil III - Praxis

10. Der Anfang: Das Erstgespräch.

10.1 orbereitung des Therapieraums.
10.2 Die fünf Phasen der Arbeit.
Exkurs: Die Therapeutin und die Kinder.


11. Der weitere Therapieverlauf.

11.1 Aufwärmphase.
11.2 Erkundung von Veränderungen.
11.3 Zielfestlegung.
11.4 Zielexploration.
11.5 Veränderungsarbeit.
11.6 Pause.
11.7 Abschluss.

Teil IV - Spezielle Themen

12. Geschwisterbeziehungen.

12.1 Formen problematischer Geschwisterbeziehungen.
12.2 Exploration der Geschwisterbeziehungen.
12.3 Leitfaden für den Umgang mit Konflikten.
12.4 Familien mit einem behinderten oder chronisch krankem Kind.
12.5 Familientherapeutische Arbeit mit Geschwisterbeziehungen in Abwesenheit der Eltern.

13. Kinder mit einer Aufmerksamkeits-/Hyperaktivitätsstörung (ADS und ADHS).

13.1 Zur Ätiologie.
13.2 Die Funktionsweise des Gehirns.
13.3 Die Diagnose.
13.4 Medikamentöse Behandlung.
13.5 Systemtherapeutische Prinzipien.
13.6 Auftragsklärung und therapeutische Strategien.
13.7 Zeitmanagement.
13.8 Bewältigung der Hausaufgaben.
13.9 Instruierende Anleitung und Formulierung von Aufforderungen.
13.10 Selbstberuhigungsstrategien.
13.11 Eltern und Kinder einander emotional wieder näher bringen.

Teil V - Theorie

14. Eine genauere Betrachtung theoretischer Fragen.

14.1 Ein historischer Rückblick: Bateson und seine Kollegen.
14.2 Eine andere Auffassung.
14.3 Das Konzept der zirkulären Kausalität.
14.4 Alternative Konzepte der Kausalität.
14.5 Alternative Konzepte des nonverbalen systemischen Einflusses.
14.6 Multikausalität.
14.7 Das Konzept der Repräsentationen.
14.8 Das Konzept der Handlungswirksamkeit.
14.9 Wie stringent ist der Zusammenhang?
14.10 Konstruktivistisches Denken.
14.11 Nachteile des konstruktivistischen Modells.
14.12 Vorteile des konstruktivistischen Modells.
14.13 Das Repertoire unserer Konzepte.
14.14 Ein umfassenderes Verständnis des Familiensystems.
14.15 Zum Abschluss.

Literatur.
Über die Autorin.


Vorwort von Wilhelm Rotthaus:

Systemische Therapeutinnen und Therapeuten, die mit Kindern und Jugendlichen und ihren Angehörigen arbeiten, leben heute in einer spannenden Zeit: Die Systemische Therapie mit Kindern und Jugendlichen wird immer bunter und vielfältiger, tiefgründiger und differenzierter. Dazu leistet dieses Buch einen wesentlichen Beitrag.
Carole Gammer , unter systemischen Therapeutinnen und Therapeuten, die vornehmlich mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, schon lange kein "Geheimtipp" mehr, beschreibt in diesem Buch in sehr ausgefeilter Weise und anhand vieler Fallbeispiele die von ihr (weiter)entwickelten Vorgehensweisen. Ihr Anliegen ist es, die Stimmen der Kinder in der Familientherapie laut werden zu lassen. Und so konzentriert sie sich auf die Darstellung und die besondere Ausgestaltung von Methoden, die die speziellen Erlebens- und Ausdrucksformen von Kindern aufnehmen und es ermöglichen, ihnen in einer ihrem Entwicklungsstand angemessenen Art und Weise zu begegnen und ihnen den Weg zu bereiten, sich in der Familientherapie adäquat Gehör zu verschaffen.
Vielleicht muss sich der eine oder die andere Leser erst in den Stil des Buches einlesen. Aber es lohnt sich. Hier wird nicht in spektakulärer Weise ein Blumenstrauß an Ideen vorgestellt. Vielmehr entfaltet die Autorin ebenso gründlich wie systematisch die unterschiedlichen Facetten der einzelnen, von ihr vorgestellten Methoden, schildert die dem jeweiligen Entwicklungsstand der Kinder angepassten Varianten und diskutiert den Gewinn, den verschiedene Modifikationen der einzelnen Methoden erbringen können. Auf diese Weise lernt die Leserin kognitiv die Differenzialindikation für die jeweiligen Vorgehensweisen. Darüber hinaus erläutert die Autorin jede Variante mit kurzen Berichten aus ihrer Praxis. Diese Fallbeispiele lassen das Dargestellte nicht nur sehr anschaulich und lebendig werden. Sie verhelfen vor allem zu einem intuitiven Lernen, sodass man in einer der nächsten eigenen Therapiesitzungen fast versehentlich eine der von ihr beschriebenen Vorgehensweisen umsetzt und ihre Wirksamkeit staunend erleben kann.
Das Buch spiegelt auf jeder Seite den großen Erfahrungshintergrund der Autorin als Therapeutin und Supervisorin wider. Dabei ist es eindrucksvoll, wie die dargestellten Methoden genutzt werden, um wirklich systemisch zu arbeiten - nicht nur isoliert mit dem Kind vor Augen und Ohren der Eltern oder isoliert mit den Eltern vor Augen und Ohren des Kindes, sondern tatsächlich unter systemischer Einbeziehung aller Familienmitglieder. Dies geschieht jeweils mit dem Ziel einer Veränderung der Familienbeziehungen, und man gewinnt den Eindruck, dass diese Veränderungen in einer sehr unspektakulären, aber umso wirkungsvolleren Art und Weise gelingen.
Zugleich lässt sich die Autorin nicht aus ideologischen Gründen davon abhalten, beispielsweise auch verhaltenstherapeutische Techniken einzusetzen, wenn sie ihr helfen, dem vereinbarten Ziel näher zu kommen. Selbst vor der Anwendung der Auszeit scheut sie nicht zurück. Allerdings verliert sie nie - und darin liegt ein wichtiges Differenzierungsmerkmal - den systemischen Bezug aus den Augen. Außerdem erläutert und empfiehlt Carole Gammer Trainingselemente für Eltern ebenso wie für Kinder, wodurch sie einen interessanten Beitrag zu der aktuellen Diskussion beisteuert, inwieweit systemische Therapeuten bei der Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und ihren Angehörigen zuweilen nicht auch bereit sein müssen, die Rolle des systemischen Coachs einzunehmen. Entsprechendes gilt für die Haltung und das Verhalten der Therapeutin in den Situationen, in denen die Familie nach kurzfristiger Symptombesserung dazu neigt, die Arbeit mit der Therapeutin zu beenden, während die Therapeutin noch Problembereiche sieht, deren Bearbeitung längerfristig gesehen beispielsweise für die Geschwister von Bedeutung wäre. Diese Gratwanderung zwischen systemischem Therapeuten und Coach demonstriert sie durch anschauliches Praxismaterial.
Andere Beispiele für die Bereitschaft und die Fähigkeit der Autorin, je nach Situation zwischen beiden Rollen zu wechseln, finden sich unter anderem in dem Kapitel über die Wiederbelebung des gemeinsamen Spielens von Eltern und Kindern, in dem die Autorin im Übrigen viele Bausteine für eine systemische Spieltherapie zusammenträgt - eine Spieltherapie, deren wesentliches Ziel darin besteht, die verloren gegangene Fähigkeit von Eltern zu einem gemeinsamen Spiel mit ihrem Kind wiederherzustellen.
Carole Gammer reflektiert mit ihrem Vorgehen, wie mir scheint, eine Besonderheit der Therapie mit Kindern und Jugendlichen und ihren Angehörigen: Die immer präsente Entwicklungsperspektive führt in dieser Arbeit dazu, dass in stärkerem Maße direktive Vorgehensweisen - beispielsweise Informationen über entwicklungsbedingte Fähigkeiten und Fertigkeiten sowie altersgemäße bzw. nichtaltergemäße Verhaltensweisen und die Aufklärung über kindliche Bedürfnisse im Hinblick auf das elterliche Fürsorge- und Erziehungsverhalten - eine größere Rolle spielen als in der Systemischen Therapie allgemein vertreten. Dabei hält sie sich von einem oberflächlichen Expertentum und Ratgeberverhalten fern und bezieht solche verstärkt direktiven Elemente wie selbstverständlich in ihre systemischen Reflexionen mit der Familie ein.
Carole Gammers Buch wird einen wichtigen Platz in der Systemischen Kinder- und Jugendlichentherapie einnehmen!


Über die Autorin:

Carole Gammer, Dr. phil., Dipl.-Psych., war als klinische Psychologin in der kinderpsychiatrischen Abteilung der Harvard-Universität tätig. Seit 1980 lebt sie in Paris und bildet systemische TherapeutInnen in Deutschland, der Schweiz, Frankreich und Spanien aus. Sie lehrt und supervidiert in multiplen kinder-, jugend- und erwachsenenpsychiatrischen Kliniken, Beratungsstellen, Jugendämtern, Suchtkliniken und ähnlichen Institutionen.



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