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Neuvorstellung zur Übersicht
10.01.2007
Nancy Sorge, Sandra Schwarze: „Ich esse eure Suppe nicht!“ – Systemische Perspektiven magersüchtigen Verhaltens
Sorge Schwarze Magersucht verlag modernes lernen, Dortmund 2006

222 S., Paperback

Preis: 19,50 €
ISBN: 3808005904
verlag modernes lernen





Dennis Bohlken, Bad Zwischenahn:

Die Autorinnen verfolgen zwei Ziele mit der Veröffentlichung ihres Buches. Zum einen plädieren sie für eine Aufgabe des Krankheitsmythos „Anorexia nervosa“ und favorisieren stattdessen eine systemische Sichtweise. Zum anderen stellen sie dar, wie mit Hilfe systemischen Denkens, der Entwicklung kooperativer Arbeitsformen und vor allem mit „angemessen ungewöhnlichen Fragen“ Sichtweisen verflüssigt und verändert werden können.
In sieben übersichtlich und inhaltlich fundierten Kapiteln gehen die Autorinnen auf die verschiedensten Inhalte zur o.g. Thematik ein. Sie zeigen zum Schluss eines jeden Kapitels reflektierende Gedanken auf, die sich kritisch mit dem vorher Beschriebenen befassen.
Die ersten beiden Kapitel beziehen sich auf die Einführung in die Thematik „Anorexia nervosa“ und beschreiben die geschichtliche Entwicklung der Selbstaushungerung. Innerhalb dieser Abschnitte werden erste Auffälligkeiten bzgl. der Umgangformen mit der Nahrungsaufnahme erwähnt, die bis ins Jahr 895 zurückgehen. So entschieden sich Frauen zu dieser Zeit für das Symptom Hungern, um Autonomie zu erlangen sowie sich der Sexualität zu verweigern (S. 30).
Das dritte Kapitel beschäftigt sich mit der psychiatrischen Sichtweise der Anorexia nervosa. Anhand einer tabellarischen Gegenüberstellung der Klassifikationsmanuale ICD-10 und DSM-IV wird veranschaulicht, dass es trotz der Anwendung einer phänomenologisch operationalisierten Diagnostik im Laufe der Jahre zu einer Annäherung und zugleich zu einer Unterschiedsbildung hinsichtlich der Kriterien der Anorexia nervosa kam. Die Autorinnen kamen zu dem Entschluss, dass beide Klassifikationsmanuale als Sammlung von Anregungen zur Hypothesenbildung bezüglich aktueller Systemkonstellationen genutzt werden sollten. Unter Anwendung konstruktivistischer, systemischer und ressourcenorientierter Betrachtungsweisen können die psychiatrischen Klassifikationen als Ideenlieferanten für „handlungsspielraumerweiternde Unterstützungen“ auch in der systemischen Therapie einen Beitrag leisten (S. 57). Im weiteren Verlauf dieses Kapitels beziehen sich die Autorinnen vor allem auf die Schwerpunkte Körperwahrnehmungsstörungen; schonungsloses Streben nach Gewichtsreduktion; körperliche Veränderungen; ständiges Kreisen der Gedanken um Nahrung, Gewicht und Körper; Streben nach Perfektion und fehlende Krankheitseinsicht. Darüber hinaus werden epidemiologische Faktoren aufgezeigt, die von Forschern gewonnen wurden, die die psychiatrische Sichtweise der Anorexia nervosa bevorzugen. Um das Kapitel abzuschließen, gehen die Autorinnen auf die Prävalenz, das Erkrankungsalter, die Geschlechterverteilung, die sozioökonomische Verbreitung und die Ätiologie ein, wozu die biologisch-genetischen, die familiären und die gesellschaftlichen Einflüsse zählen.
Im vierten Abschnitt wird der Tenor auf die systemtheoretischen Grundlagen sowie die Entwicklung der systemischen Familientherapie gelegt und auf 35 Seiten ausführlich beschrieben. Der grundsätzliche Systembegriff wird anschaulich mit Hilfe der Begrifflichkeiten „Konzept der Autopoiese“, „struktureller Kopplung“ und dem „Konzept der Kybernetik 2. Ordnung“ erklärt und anschließend werden die Merkmale sozialer Systeme u.a. mit den Begrifflichkeiten „Double-Bind-Botschaften“, „innerer Landkarte“, „zirkulärer Kausalität“ und „Selbstorganisation“ beleuchtet. Die historischen Akzente der systemischen Familientherapie werden am Beispiel des „Palo-Alto-Teams“, des „Mailänder Modells“ und der „Heidelberger Schule“ kurz und prägnant dargestellt. Darüber hinaus haben die Autorinnen anhand einer Abbildung zentrale Personen, Konzepte und Schulen angeführt, welche die systemische Therapie beflügelt haben (S. 76). Die Autorinnen haben sich bezüglich der inhaltlichen Auseinandersetzung von familientherapeutischen Schulen und Modelle auf drei begrenzt. Sie gehen ausführlich auf das „Strategische Modell“, auf den „Strukturellen Ansatz“ sowie das „Mailänder Modell“ und auf den „Lösungsorientierten Kurzzeittherapieansatz“ ein.
Das fünfte Kapitel beschäftigt sich mit der systemischen Perspektive der Anorexia nervosa, der Familie mit ungewöhnlichem Essverhalten und der Innenwelt der Anorexia nervosa. Neben den „narzisstischen“ Strukturen der relevanten Umwelten wie z.B. Gesellschaft, Medien, Schulen und Peergroups werden die Schwerpunkte auf die Beziehungsstrukturen familiärer Situationen wie z.B. Verstrickung, Rigidität, Überfürsorglichkeit, Mangel an Konfliktlösungsfähigkeiten und Opferbereitschaft gelegt. Leider wird die inhaltliche Auseinandersetzung der einzelnen Strukturen auf zu engem Raum abgehandelt, so dass Sekundärliteratur hinzugezogen werden müsste. Dafür wird jedoch die Innenwelt der Anorexia nervosa sehr ausführlich anhand der Fragestellung „Anorexia nervosa – eine Krankheit?“, der funktionalen Aspekte des Symptoms Hungern oder Hungern als Lösung und an den positiven Funktionen des freiwilligen Hungerns beschrieben.
Der für PraktikerInnen gebräuchlichste Teil des vorliegenden Buches wird im sechsten Kapitel – die Kunst (Ver-) Änderung zu bewirken - vorgestellt. Auf rund 25 Seiten haben die Autorinnen einen systemischen Fragen- und Gesprächskatalog zusammengestellt, mit Hilfe dessen sich magersüchtiges Verhalten und andere Essprobleme verflüssigen und auflösen könnten. Im Vorfeld dieses Abschnittes wird auf die klinische Behandlung der „Krankheit“ Anorexia nervosa eingegangen. Die Autorinnen lernten in ihrer praktischen Arbeit in einer Kinder- und Jugendpsychiatrie medizinische Arbeitsmethoden kennen, die sich vorrangig mit der Gewichtserhöhung beschäftigt. Hierzu haben sie eine Abbildung in ihrem Buch eingeflochten, die die Hausordnung einer Station für Essstörungen einer Kinder- und Jugendpsychiatrie aufzeigt. Die Fragen, die ungewöhnlich erscheinen, aber angemessen sind beziehen sich auf folgende Inhalte: Fragen zum Auftragskontext; Fragen zu den Sichtweisen des Sachverhaltes; Verflüssigen von Eigenschaften; Wahrnehmungsaspekt; Bewertungsaspekt; Erklärungsaspekt; räumlicher Aspekt; zeitlicher Aspekt; Beziehungsaspekt; Veränderungsaspekt; zirkuläres Fragen; Skalierungsfragen; Klassifikationsfragen; Übereinstimmungsfragen; Subsystem-Vergleiche; zukunftsgerichtete Fragen; Fragen nach Ausnahmen; Fragen nach Ressourcen; die Wunderfrage usw. Die gesamten Fragen lassen sich hervorragend in die eigene Praxis übertragen, weil sie bewusst darauf verzichtet haben, die Fragen auf Fallbeispiele zu beziehen. Abgerundet wird dieses Kapitel mit einem Fragenkatalog als Übersicht für die Vor- und Nachbereitung einer Therapie oder Beratung.
Die letzten Seiten des „Reiseführers“ widmen die Autorinnen der Zusammenfassung, dem Ausblick in ein noch unentdecktes Land und der Veröffentlichung unterschiedlichster Linkseiten zum Thema Anorexia nervosa. Hierzu zählen englischsprachige Seiten, wissenschaftliche Links und Diskussions-Foren.
Das vorliegende Buch ist m.E. besonders für diejenigen geeignet, die sich in der Ausbildung zum systemischen Familienberater bzw. –therapeuten befinden und sich mit der o.g. Thematik beschäftigen. Sie erhalten zudem eine gute und kompakte Einführung in die Grundlagen systemischer Familientherapie. Darüber hinaus bekommen in der praktischen Arbeit mit magersüchtigen Menschen befasste Experten durch die systemischen Fragestellungen, Darstellungen und kritischen Bemerkungen vielfältige Anregungen für ihr professionelles Handeln.





Verlagsinformation:

"Einige ungewöhnliche Verhaltensweisen, die sich ums Essen drehen, werden in unserer Gesellschaft vorrangig medizinisiert. Sie werden als Krankheit betrachtet, entsprechend behandelt und auch mit pathologisierenden Begriffen belegt. Aus systemischer Sicht ergibt sich die Bedeutung der Verweigerung von Nahrung oder vom Vertilgen großer Mengen in kürzester Zeit aus dem jeweiligen Zusammenhang., in den dieses Verhalten eingebettet ist. Man geht von einer „Funktionalität im Kontext“ aus. Folgerichtig sind auch die Möglichkeiten des Umgangs mit problematischem Essverhalten andere. Die beiden Autorinnen vergleichen traditionelle mit systemischen Beschreibungen und Erklärungen von Essstörungen. Sie zeigen anschließend in ausführlicher Form, wie mit Hilfe systemischer Fragen und Gespräche magersüchtiges Verhalten und andere Essprobleme verflüssigt und aufgelöst werden können. Das Buch richtet sich an alle, die mit diesem Thema befasst und auf der Suche nach neuen und zusätzlichen Sichtweisen und Lösungen sind."


Über die Autoren:

Die Autorinnen Sandra Schwarze und Nancy Sorge absolvierten an der Universität Erfurt den Magister-Studiengang mit den Schwerpunkten Erziehungswissenschaft und Bildungsmanagement sowie den Baccalaureus-Studiengang in den Bereichen Erziehungswissenschaft und Rechtswissenschaften. Sie verfügen über eine Ausbildung in systemischer Beratung und Gesprächsmoderation. Zurzeit arbeiten sie an ihren Promotionen über die Thematik des Buches „Essprobleme aus systemischer Sicht“.


Vorwort des Herausgebers Wilfried Palmowski:

"
Dass etwas selbstverständlich ist, heißt ja nicht, dass wir es verstehen, sondern nur, dass wir es nicht in Frage stellen" schreibt Fritz Simon (1995, 18). Im vorliegenden Buch versuchen zwei Autorinnen, einen Sachverhalt in Frage zu stellen, der auf den ersten Blick sehr selbstverständlich erscheint: Die Überzeugung, dass es sich bei magersüchtigen Verhaltensweisen um eine Krankheit handelt - Anorexia nervosa.
Geht man nämlich von den Aussagen aus, die viele betroffene Mädchen, Frauen oder junge Männer über ihr merkwürdiges Verhalten äußern - Sie werden in diesem Buch etliches hierzu finden - dann kann man sich schon wundern, wie die Idee einer Krankheit überhaupt ins Spiel kommen konnte.
Die Sichtweisen der "Symptomträger" und der medizinisch orientierten Experten liegen hier oft diametral gegenüber. Die psychosozialen Gründe oder familiären Zusammenhänge, die von Patientinnen im Zusammenhang mit ihrem Essverhalten genannt werden, werden von medizinisch orientierten Experten mit dem Argument der "fehlenden Krankheitseinsicht" an die Seite geschoben, (wobei diese Position es zusätzlich ermöglicht, die eigenen Annahmen nicht in Frage stellen zu müssen). Das Ergebnis ist, dass Personen mit merkwürdigem Essverhalten und die sie behandelnden Mediziner häufig eher einen Machtkampf austragen, als dass sie kooperieren. Auch dies und die Ergebnisse dieses Kampfes können Sie im Einzelnen nachlesen.
Wohlgemerkt, es kann nicht darum gehen, ungewöhnliche Formen des Essens selber in Frage zu stellen, diese sind nicht zu bestreiten. Vielmehr geht es um ihr Verständnis und die sich daraus ergebenden Konsequenzen. Das im Mittelalter so beliebte Erklärungsmodell der "Dämonologie" wird heute nur noch sehr selten benutzt, die gegenwärtig zu Hilfe genommenen Sichtweisen sind die Idee der Krankheit und die der Annahme, dass ungewöhnliche Verhaltensweisen am besten in ungewöhnlichen Kontexten entstehen und aufrechterhalten werden. Es wird auch nicht darum gehen können, welche dieser Sichtweisen am meisten der Wahrheit entspricht, diese Frage wird sich nicht beantworten lassen, (vielleicht hatten die Dämonologen ja doch recht, wer kann das wissen?), es wird schlicht nur zu überlegen sein, welche Konsequenzen für praktisches Handeln sich aus welchen Grundannahmen ergeben, und als wie nützlich und hilfreich diese von den Beteiligten angesehen werden.
Die grundsätzliche Differenz, auf der auch das Thema dieses Buches aufbaut, ist somit nicht neu: "Der Mythos von der seelischen Krankheit" von Thomas Szasz erschien bereits 1972 auf Deutsch (Keupp, 1972), und auf "Die Kontextabhängigkeit psychiatrischer Diagnosen" (Rosenhan, 1979) sind wir auch schon vor einiger Zeit aufmerksam gemacht worden. Mir erscheint es merkwürdig und unverständlich, dass in manchen Bereichen medizinischen Denkens und Handelns an einem mechanistischen Menschenbild aus dem 18. Jahrhundert festgehalten wird, obwohl plausiblere und nützlichere Alternativen bekannt sind.
Die Aufgabe des vorliegenden Bandes kann es allerdings weder sein, sich ausführlich mit der Frage zu befassen, wie es möglich ist, dass trotz besseren Wissens "die Medizinisierung abweichenden Verhaltens" - übrigens auch in der (Sonder-) Pädagogik - voranschreitet, noch werden Sie eine grundsätzliche Erörterung des Krankheitsbegriffes und seines dichotomen Gegenübers, der Gesundheit finden. Diese Aspekte streifen die Autorinnen eher im Vorübergehen, sie weisen auf die Problematik hin, machen sie aber nicht zu ihrem zentralen Thema. Ihr Anliegen ist spezifischer.
Das erste Ziel dieses Buches ergibt sich aus ihrer Erfahrung, Wahrnehmung und Bewertung des gegenwärtigen Umgangs mit Menschen, die ungewöhnliche Muster beim Essen zeigen. Die Autorinnen plädieren für eine Aufgabe des Krankheitsmythos "Anorexia nervosa" und favorisieren stattdessen eine systemische Sichtweise. Die Darstellung und der Vergleich beider Sichtweisen sprechen für sich.
Neben Salvador Minuchin (1995) haben vor allem die systemisch orientierten Therapeuten der Mailänder Gruppe merkwürdige Verhaltensweisen beim Essen mehrfach zum Thema gemacht (u.a. Boscolo, Cecchin, Hoffman, Penn, 1992, 230ff; Cecchin, 1993, 96ff; Boscolo, 1997, 314ff). Auch ihnen ging es inhaltlich häufig um eine Verflüssigung des Krankheitskonzeptes, das Angebot von Sichtweisen, die dem Verhalten eine andere Bedeutung geben und eine wesentlich konturiertere Berücksichtigung des Kontextes.
"Mutter:    Was Sue anlangt, sie ißt immer noch nicht richtig.   
Cecchin:    Es ist nicht Anorexie.   
Mutter:    Sie übergibt sich immer noch.   
Cecchin:    Die meisten Leute haben schlechte Eßgewohnheiten." (Boscolo, u.a. 1992, 297)
Arnold Retzer (1996, 259) zeigt am Beispiel der Psychose, in welche Falle man tappen kann, wenn man ungewöhnliche Verhaltensweisen als Krankheit beschreibt, (wobei eines der negativen Merkmale sogenannter psychischer Krankheiten im Vergleich zu physischen Krankheiten darin besteht, dass auch nach einer Gesundung immer ein "Restverdacht" - sowohl bei dem Betroffenen wie seinen Familienmitgliedern - bestehen bleibt, der in nicht seltenen Fällen der Auslöser für einen tatsächlichen Rückfall sein dürfte: "Sie hat heute schon wieder nicht richtig gegessen!").
Er - Arnold Retzer - weist darauf hin, dass psychotisches Verhalten in dem Maße stabil bleibt, als die Betroffenen und ihre Angehörigen davon ausgehen, dass es ein Merkmal psychotischen Verhaltens ist, immer stabil zu bleiben. Sie haben sich entschieden, an die "Krankheit Psychose" (und ihre Implikationen: lebenslänglich, therapieresistent, nur stationär zu behandeln, völlige Verrücktheit, etc.) zu glauben. Positive Entwicklungen können eintreten, wenn "die Verflüssigung des Krankheitskonzepts" gelingt. Es geht demnach auch bei derartigen Störungen weniger um diese an sich, als mehr um die Bedeutung, die ihnen in Sprache gegeben wird.
Gleiches dürfte für andere Muster gelten, die wir als Störungen wahrnehmen und beschreiben. Die Stigmatheorie hat deutlich herausgearbeitet, dass die Verleihung eines Etiketts - psychotisch, lernbehindert, magersüchtig, verhaltensgestört, schizophren, etc. - durch Experten einen entscheidenden Schritt in der Verfestigung des Problemverhaltens darstellt. Auch die daraus zu ziehende Konsequenz einer sensibleren, relativierenderen und depathologisierenden Sprache ist längst noch nicht in alle Bereiche der Zusammenarbeit mit Menschen, die sich schwierig zeigen, vorgedrungen.
Das zweite Ziel dieses Buches besteht darin zu zeigen, wie mit Hilfe systemischen Denkens, der Entwicklung kooperativer Arbeitsformen und vor allem mit "angemessen ungewöhnlichen Fragen" Sichtweisen verflüssigt und verändert werden können. Die umfangreiche Sammlung von Fragen ist auf die spezifische Thematik hin zugeschnitten, dürfte aber für den in der systemischen Therapie bewanderten Leser eher zu Effekten des Wiedererkennens als des Neuartigen führen. Für diejenigen, die ungewöhnliches Eßverhalten bisher mit Selbstverständlichkeit als Krankheit angesehen haben, dürfte die hier zusammengetragene Vielzahl von Möglichkeiten unterschiedlicher Sichtweisen dazu beitragen, "den Mythos von der seelischen Krankheit" nachhaltig in Frage zu stellen.
Insofern bietet sich das Buch vor allem für drei potentielle Zielgruppen an:
  • Zum einen richtet es sich an alle Leser, die neugierig sind, etwas über diejenigen zu erfahren, die sich weigern, alleine die Suppe auszulöffeln, die sich ein ganzes System eingebrockt hat.  
  • Zum zweiten bietet es allen, die beruflich in diesem Feld zu Hause sind, eine Sichtweise an, die sie ermutigen könnte, andere oder zusätzliche Angebote in ihr bisheriges Handlungsrepertoire (die Autorinnen sprechen von "Werkzeugen") mit aufzunehmen. Dass es keine Rezepte geben kann, die lineares Behandeln beschreiben, dürfte selbstverständlich sein.
  • Schließlich könnte dieses Buch auch eine Hilfe sein für Betroffene und Beteiligte, die auf der Suche sind nach einem für sie akzeptablen Verständnis eines merkwürdigen Verhaltens und nach einem sich daraus ergebenden Umgang damit, der auf die Kennzeichnung als Krankheit verzichten kann.

Inhalt:

1. Einleitung
2. Zur Einführung in die Thematik Anorexia nervosa
3. Zur psychiatrischen Sichtweise der Anorexia nervosa
4. Vom Suchen und Finden systemtheoretischer Grundlagen
5. Zur systemischen Perspektive von Anorexia nervosa
6. Die Kunst (Ver-) Änderungen zu bewirken
7. Die letzten Seiten des "Reiseführers"
Netzgeflüster oder Linkliste zum Thema Anorexia nervosa



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