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Kurzvorstellung zur Übersicht
25.11.2007
Bodo Klemenz: Ressourcenorientierte Diagnostik und Intervention bei Kindern und Jugendlichen
Klemenz Diagnostik dgvt-Verlag, Tübingen 2003

368 S., broschiert

Preis: 24,80 €
ISBN-10: 3871599026
ISBN-13: 978-3871599026
dgvt-Verlag





Cornelia Tsirigotis, Aachen:

Ressourcen sind präziser zu fassen als „alles was irgendwie von Nutzen ist“ und Ressourcendiagnostik ist mehr als Störungsdiagnostik mit umgekehrten Vorzeichen. Hierzu hat der Autor eine umfassende Überblicksarbeit geleistet und sich zunächst mit dem breiten (beeindruckend vollständige Darstellung dessen, was in den letzten Jahren dazu geschrieben wurde) Spektrum von Ressourcenorientierung bzw. –perspektiven sowie ressourcentheoretischen Modellen für Therapie und Beratung auseinandergesetzt, ergänzt von bedürfnis- und konsistenz- sowie entwicklungstheoretischen Grundlagen. Ressourcen wozu? Zur Befriedigung der Grundbedürfnisse Orientierung und Kontrolle, Lustgewinn und Unlustvermeidung, Bindungsbedürfnis sowie Selbstwerterhöhung und Selbstwertschutz. Person- und Umweltpotenziale gelten für ihn dann als Ressourcen, wenn sie zur Befriedigung der Grundbedürfnisse oder zur Bewältigung von alterspezifischen Entwicklungsaufgaben und zur Konsistenzsicherung des psychischen Systems beitragen.
Auf der Basis dieser umfassenden Grundlagenprüfung und der Auseinandersetzung mit diagnostischen Konzepten (u.a. ICD 10 -Klassifikationen, Remschmidt, Döpfner) entwickelt er ein ausgefeiltes Breitbandkonzept multimodaler ressourcenorientierter Kinder- und Jugendlichendiagnostik. Spannend ist dabei auch, wie der vom Störungsdiagnostiker unterschiedene Blickwinkel (und die Haltung!) eines Ressourcendiagnostikers bei der Anwendung z.T. gleicher Testverfahren zu anderen - hilfreicheren - Auswertung- und Handlungskonsequenzen kommt. An Fallbeispielen wird immer wieder deutlich, wie Fragestellung an Diagnostik und Ressourcenperspektive ineinander greifen. Im letzten Teil geht es dann um Nutzbarmachung von Ressourcen in der Therapie. Ob der Anspruch vollständig umsetzbar ist, eine vollkommen umorientierte Diagnostik zu etablieren, bleibt für mich dann offen, wenn Ressourcendiagnostik nun „Ressourcendefizite“ feststellt. Dennoch: der Verdienst der Arbeit liegt m.E. darin, dass eine solcherart begründete Ressourcendiagnostik sehr gut dort die Fehde aufnehmen kann, wo defizitorientierte Störungsdiagnostik noch das Feld beherrscht.
Wegen seines komplexen Detailreichtums und der kenntnisreichen Gründlichkeit liest sich das Buch nicht einfach, ist aber zugleich mit seiner klaren Gliederung und übersichtlichen tabellarischen Darstellungen auch als Handbuch und Nachschlagewerk gut zu gebrauchen. Ich empfehle es jedem, der mit Kindern und Jugendlichen im Kontext von Beratung, Therapie oder Beurteilung zu tun hat. Es verhilft, Diagnostik auf breite ressourcenorientierte Füße zu stellen und bietet mit seinen fundierten Grundlagen hinreichend Arbeits- und Denkanstöße.
(mit freundlicher Erlaubnis aus systhema 2003)





Zu einem Aufsatz von Bodo Klemenz und Rainer Schulte über die Bedeutung von Diagnostik in der berufsbezogenen Bildung (DOC)





Verlagsinformation:

In der Kinder- und Jugendlichentherapie, die vornehmlich störungsorientiert arbeitet, fehlt es bisher an systematischen Ansätzen, die auch die positiven Möglichkeiten und Bedingungen von Kindern und Jugendlichen im diagnostisch-therapeutischen Prozess angemessen berücksichtigen. Um diesem gravierenden Mangel abzuhelfen wird mit diesem Buch eine grundlegende Einführung in die ressourcenorientierte Diagnostik und Intervention bei Kindern und Jugendlichen vorgelegt. Es werden theoriegeleitet und praxisnah unterschiedliche diagnostische und interventive Vorgehensweisen vorgestellt, die auf die Erfassung und Aktivierung der Person-Umwelt-Ressourcen des Klienten zielen, damit diese zur Störungsbearbeitung und für die Wohlbefindensförderung herangezogen und genutzt werden können. Das Buch ist konsequent Therapieschulen übergreifend konzipiert, sodass die einzelnen Methoden ohne weiteres von Kinder- und Jugendlichentherapeuten unterschiedlicher Richtungen oder auch von Fachleuten aus anderen psychosozialen Arbeitsfeldern in ihr Handlungsrepertoire übernommen werden können.


Inhalt:

Teil I
Zur Integration der Störungs- und Ressourcenperspektive in Diagnostik und Intervention bei Kindern und Jugendlichen

1. Störungen und Ressourcen bei Kindern und Jugendlichen
1.1 Störungsdiagnostische Ansätze
1.2 Zur Einseitigkeit von Störungsdiagnostik und -intervention
1.3 Störungs- und Ressourcenorientierung
1.4 Das Konstrukt der Ressourcenaktivierung
1.5 Ressourcenaktivierung in der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie
1.6 Ressourcenorientierung – ein neuer Ansatz?
1.7 Aktuelle Trends der Ressourcenorientierung in Therapie und Beratung
1.8 Positive Psychologie
1.9 Zur Ressourcenperspektive in der Psychotherapiediagnostik
1.10 Ressourcendiagnostik – Störungsdiagnostik mit umgekehrtem Vorzeichen?
1.11 Theoriegeleitete Ressourcendiagnostik und ressourcenorientierte Therapie

Teil II
Grundlagen ressourcenorientierter Diagnostik und Intervention

2. Ressourcentheoretische Grundlagen
2.1 Das Transaktionspotentialmodell von Gutscher et al.
2.2 Die Theorie der Ressourcenkonservierung von Hobfoll
2.3 Das Konzept der Beratung als Ressourcenförderung von Nestmann
2.4 Die Integrative Ressourcentheorie von Petzold
2.5 Die Ressourcentheorie von Foa
2.6 Zusammenfassung
2.7 Modellvergleich und -bewertung

3. Bedürfnistheoretische Grundlagen
3.1 Das Bedürfnismodell von Epstein
3.2 Zum Zusammenhang von Bedürfnis und Valenz bei Lewin

4. Konsistenztheoretische Grundlagen
4.1 Bedürfnisbefriedigung und Konsistenz psychischer Prozesse
4.2 Konsistenzprinzip und Ressourcenorientierung

5. Entwicklungspsychologische Grundlagen
5.1 Das Konzept der Entwicklungsaufgaben
5.2 Ressourcen als Mittel zur Bewältigung von Entwicklungsaufgaben
5.3 Ressourcendiagnostik und Interventionen zur Bewältigung von Entwicklungsaufgaben
5.4 Prädiktoren positiver Entwicklung und Ressourcenentwicklungsförderung

6. Zusammenfassung

Teil III
Ressourcenzentrierte Kinder- und Jugendlichendiagnostik

7. Definition von Ressourcen
7.1 Hypothesen
7.2 Prämissen und Strategien
7.3 Praxisbeispiele

8. Multimodale Ressourcendiagnostik bei Kindern und Jugendlichen
8.1 Eine Taxonomie zur Inventarisierung von Ressourcen
8.2 Multiaxiale und multimodale Ressourcendiagnostik
8.3 Multiaxiale Klassifikation von Person- und Umweltressourcen
8.4 Der ressourcendiagnostische Prozess
8.5 Zur Bedeutung von Ressourcendiagnostik für den Klienten
8.6 Zur Bedeutung von Ressourcendiagnostik für den Therapeuten
8.7 Ressourcenzentrierung – ein neuer diagnostischer Ansatz in der Kinder- und Jugendlichentherapie?
8.8 Einführung und Durchführung von Ressourcenexplorationen
8.9 Multimodale Ressourcendiagnostik im Verlauf des diagnostischen Prozesses
8.10 Ressourcenorientierte Gestaltung und Erweiterung des Settings
8.11 Entwicklung einer Geh-Struktur
8.12 Ressourcendiagnostik und Ressourcenaktivierung durch Netzkommunikation

9. Zur Erhebung von Person- und Umweltressourcen bei Kindern und Jugendlichen
9.1 Zur Erhebung von Personressourcen
9.1.1 Interessenanalyse
9.1.2 Attraktivitätsanalyse
9.1.3 Fähigkeits- und Fertigkeitsanalyse
9.2 Zur Erhebung von Umweltressourcen
9.2.1 Soziale Ressourcen
9.2.2 Ökonomische Ressourcen
9.2.3 Ökologische Ressourcen
9.3 Informationsquellen und Messinstrumente zur Ressourcenerfassung
9.4 Ressourcenkarten

Teil IV
Ressourcenorientierte Kinder- und Jugendlichentherapie

10. Therapeutische Zentrierung auf Personressourcen
10.1 Aktivierung verfügbarer Personressourcen
10.2 Nutzbarmachung nicht wahrgenommener Personressourcen
10.3 Optimierung der Ressourcennutzung
10.4 Zur Entwicklung personaler Ressourcen

11. Therapeutische Zentrierung auf Umweltressourcen
11.1 Aktivierung sozialer Ressourcen
11.2 Zur Nutzung oder Nutzbarmachung ökonomischer Ressourcen
11.3 Zur Nutzung oder Nutzbarmachung ökologischer Ressourcen

12. Einzelfalldarstellung
12.1 Problemdiagnostik
12.1.2 Vorstellungsgrund
12.1.3 Störungsrelevante anamnestische Informationen
12.1.4 Problemzentrierte Testdiagnostik
12.1.5 Problemorientiertes Lehrerurteil
12.1.6 Problemdiagnose
12.2. Ressourcendiagnostik
12.2.1 Ressourcenexploration (Mutter)
12.2.2 Ressourcenexploration (Klient)
12.2.3 Ressourcendiagnostische Testbefunde
12.2.4 Ressourcenzentriertes Lehrerurteil
12.2.5 Ressourcendiagnose
12.2.6 Ressourcen- und problemzentrierte Interventionsplanung


Einführung:

Über Ressourcen wird heutzutage oft mit dem Hinweis auf ihre Verknappung gesprochen, beispielsweise im Zusammenhang von Ressourcenknappheit und Energieverbrauch. In diesem Kontext werden unter Ressourcen die vermuteten Gesamtvorräte an nicht-regenerativen Energiequellen (z.B. Steinkohle, Erdöl) verstanden, deren Verfügbarkeit zeitlich begrenzt ist, sodass kein Zweifel an der Notwendigkeit des sparsamen Umgangs mit diesen Energieressourcen besteht.
Im aktuellen psychosozialen Diskurs ist gleichfalls von Verknappung die Rede, vor allem wenn es um das Thema der immer eingeschränkteren Verfügbarkeit von ökonomischen Ressourcen zur Bewältigung zunehmender Anforderungen geht. Beim Blick auf die nutzbaren Humanressourcen wird dagegen der allzu sparsame Umgang mit diesen menschlichen „Energiequellen“ beklagt, womit die mangelnde Berücksichtigung und Aktivierung von Person- und Umweltressourcen als Potentiale der psychosozialen Arbeit gemeint ist. Folgerichtig wird allerorten eine stärkere Orientierung an den Stärken, Kompetenzen, positiven Erlebnisfähigkeiten und Veränderungspotentialen des Klienten sowie den Ressourcen seiner Umwelt eingefordert.
Anlass zu dieser Forderung ist die zunehmende Kritik an einseitig defizitorientierten, pathogenetischen Behandlungskonzepten und -methoden, die wesentlich durch die Rezeption des Salutogenese-Ansatzes von Antonovsky (1979, 1987, 1990) beeinflusst wurde und in vielen Bereichen des Sozial- und Gesundheitswesens zunehmend thematisiert wird (z.B. Schüffel et al., 1998). Antonovsky hatte die Frage untersucht, warum bestimmte Menschen trotz erheblicher Belastungen und Krankheitsgefährdungen nicht erkranken, und als Erklärung „generalisierte Widerstandsressourcen“ gefunden, die Personen davor schützen, dass Belastungen nicht zu (Vor-)Bedingungen für Krankheit werden.
In der Psychologie und vornehmlich in der Psychotherapie hat sich die Diskussion über eine Erweiterung problemorientierter Ansätze um eine Ressourcenperspektive inzwischen zu einem Modethema entwickelt (Willutzki, 2000). Kaum ein Aspekt wird über alle therapeutischen Grundorientierungen hinweg derzeit so übereinstimmend betont wie die Notwendigkeit einer Ressourcenerfassung und -aktivierung des Klienten (Petzold, 1997; Grawe, 1998; Hermer, 2000; Borg-Laufs, 2001; Hungerige, 2001).
Mit der Einnahme einer Ressourcenperspektive durch den Therapeuten soll in der Diagnostik eine Korrektur von klinifizierenden Sichtweisen und damit eine vollständigere Beschreibung des Klienten und seines Lebensraumes erreicht werden. Desgleichen soll in der Therapie, aufbauend auf diesen ressourcenanalytischen Befunden, durch ressourcenorientierte Interventionen eine direkte Förderung des Wohlbefindens sowie der Aufbau einer erhöhten Veränderungsbereitschaft des Klienten bzw. günstige Voraussetzungen für die Problembearbeitung erzielt werden.
Im Bereich einer sich entwickelnden, an psychologischer Grundlagenforschung orientierten Psychotherapiewissenschaft entsteht allerdings der Eindruck, dass die Beschäftigung mit dieser Thematik, die in den letzten Jahren vor allem von Grawe (1995, 1997, 1998, 1999a, b) maßgeblich aktiviert worden ist, nicht nur einen vorübergehenden modischen Trend widerspiegelt, sondern eher den Beginn einer ressourcenorientierten Weiterentwicklung vieler therapeutischer Verfahren und des Grundverständnisses von Psychotherapie einleitet.
Das vorliegende Buch nimmt diese Diskussion auf und überträgt die von Grawe und seinen Mitarbeitern für Erwachsenenbehandlungen konzipierten ressourcentherapeutischen Überlegungen und Methoden auf den Bereich der Kinder- und Jugendlichentherapie mit der Zielsetzung, von einem bisher noch sehr allgemein gehaltenen Ressourcenverständnis, das in jedem Aspekt des seelischen Geschehens und der Lebenssituation eine mögliche Ressource sieht, zu einer ökonomisch handhabbaren Systematisierung zu kommen, die Ressourcen im jeweiligen Einzelfall gezielt zu identifizieren und zu nutzen hilft (Hermer, 2000).
Genauso wie für Störungsbehandlungen ist auch für ressourcenzentrierte Interventionen in der Kinder- und Jugendlichentherapie eine grundlegende Diagnostik unerlässliche Voraussetzung. Im Gegensatz zu der gut ausgearbeiteten Störungsdiagnostik (vgl. Döpfner et al., 2000b) besteht zur Analyse von Ressourcen allerdings ein Mangel an praxisrelevanten konzeptionellen und methodischen Ansätzen.
Mit dieser Publikation soll für den Bereich der ressourcenorientierten Diagnostik und Intervention bei Kindern und Jugendlichen über bisher vorliegende Ergebnisse zur Entwicklung derartiger Konzepte und Methoden informiert und ein neues Modell der ressourcenorientierten Diagnostik und Intervention für diese Zielgruppe vorgestellt werden.
Zur Darstellung der Grundlagen und Praxis einer solchen ressourcenorientierten Diagnostik und Intervention bei Kindern und Jugendlichen gliedert sich das Buch in vier Hauptteile mit insgesamt zwölf Kapiteln:
Der erste Teil Zur Integration der Störungs- und Ressourcenperspektive in Diagnostik und Intervention bei Kindern und Jugendlichen gibt eine Einführung in die Thematik des Buches, in der zunächst die Einseitigkeit störungsdiagnostischer Ansätze kritisiert und eine grundlegendere Analyseorientierung gefordert wird, die auch die positiven Möglichkeiten des Klienten und seiner Umwelt im diagnostischen Prozess hinreichend berücksichtigt. Zur Begründung dieser Forderung folgt eine Darstellung des Konstrukts der Ressourcenaktivierung in seiner aktuellsten Fassung (Grawe und Grawe-Gerber, 1999). Es schließt sich ein Überblick über den gegenwärtigen Stand ressourcenorientierter diagnostischer und interventiver Ansätze an. Zuvor jedoch wird auf diverse ressourcenzentrierte Konzepte in Therapie, Beratung, Sozialarbeit und Gesundheitspsychologie verwiesen, um deutlich zu machen, dass es sich bei der Ressourcenorientierung in Psychotherapie und Beratung keineswegs um eine gänzlich neue Perspektive handelt.
Der zweite Teil Grundlagen ressourcenorientierter Diagnostik und Intervention enthält eine Darstellung verschiedener Ressourcentheorien (Gutscher et al., Hobfoll, Petzold und Foa) sowie eines ressourcenorientierten Beratungsansatzes (Nestmann). Es folgt ein Vergleich dieser ressourcentheoretischen Konzepte, indem Gemeinsamkeiten und Unterschiede sowie Ansatzpunkte für eine ressourcenzentrierte Kinder- und Jugendlichenbehandlung herausgearbeitet werden. Anschließend werden zwei bedürfnistheoretische Modelle (Epstein, Lewin) und konsistenztheoretische Ansätze (Festinger, Irle, Grawe) vorgestellt, anhand derer sich die Bedeutung von Ressourcenaktivierungen als Mittel zur Befriedigung von Grundbedürfnissen und damit zur Inkonsistenzreduktion von Individuen aufzeigen lässt. Abschließend wird unter Bezugnahme auf entwicklungspsychologische Grundlagen auf die Möglichkeiten von Ressourcenaktivierungen zur Unterstützung der besseren Bewältigung von altersspezifischen Entwicklungsaufgaben und Familienentwicklungsaufgaben eingegangen.
Im dritten Hauptteil Ressourcenzentrierte Kinder- und Jugendlichendiagnostik wird, unter Einbeziehung der vorangegangenen theoretischen Überlegungen, eine Ressourcendefinition vorgestellt sowie eine Methodologie des diagnostischen Vorgehens abgeleitet (Kapitel 7).
Das achte Kapitel vermittelt, ausgehend von einer Ressourcentaxonomie, einen multiaxialen und multimodalen Diagnostikansatz, mit dem gezeigt werden soll, wie im Rahmen einer multiaxialen Diagnostik (Diagnostik von psychischen, physischen, sozialen, ökonomischen und ökologischen Ressourcen) auf mehreren Ebenen (z.B. Eltern-, Klienten-, Therapeutenebene bzw. Person- und Umweltebene) und anhand unterschiedlicher Erhebungsmethoden (z.B. ressourcenzentrierte Exploration, Beobachtung, Testdiagnostik) die Erschließung der Person-Umwelt-Ressourcen von Kindern und Jugendlichen erfolgen kann. Es schließen sich Überlegungen und Vorschläge zur multiaxialen Klassifikation von Person- und Umweltressourcen bei Kindern und Jugendlichen an, die analog zu den z.B. auf der Basis von ICD-10 erarbeiteten multiaxialen Klassifikationen psychischer Störungen im Kindes- und Jugendalter (vgl. Remschmidt et al., 2001) als Orientierungshilfe für den Ressourcendiagnostiker dienen könnten. Im Anschluss daran wird der ressourcendiagnostische Prozess im Detail dargestellt.
Im neunten Kapitel wird anhand von Beispielen aus der diagnostischen Praxis gezeigt, welche Methoden zur Erfassung der Person- und Umweltressourcen von Kindern und Jugendlichen derzeit verfügbar sind und in welcher Form individualisierte ressourcendiagnostische Befunde auf so genannten Ressourcenkarten für den Praxisgebrauch im Überblick wiedergegeben werden können.
Die Darstellung wird um Vorschläge zur Erhebung von ökonomischen und ökologischen Ressourcen erweitert, weil diese als spezifische nicht-soziale Umweltressourcen gleichfalls zum potentiellen Ressourcenreservoir von Kindern und Jugendlichen gehören können. In der Tabelle 9 findet der Leser eine Zusammenstellung von Informationsquellen und Messinstrumenten zur Erfassung von Person-Umwelt-Ressourcen bei Kindern und Jugendlichen.
Der vierte Hauptteil Ressourcenorientierte Kinder- und Jugendlichentherapie gibt eine Einführung in ressourcentherapeutische Ansätze und vermittelt anhand von Praxisbeispielen verschiedene Möglichkeiten der Aktivierung, Optimierung und Entwicklung von Personressourcen sowie der Aktivierung, Nutzung oder Nutzbarmachung von Umweltressourcen, wobei zwischen sozialen, ökonomischen und ökologischen Umweltressourcen unterschieden wird. Im zwölften Kapitel dieses Abschnitts wird die Praxis der multimodalen Ressourcendiagnostik und -behandlung an einem Fallbeispiel demonstriert. Dabei werden ressourcenanalytische Befunde mit störungsdiagnostischen Ergebnissen in eine Fallkonzeption integriert, die als Grundlage der vorgestellten Therapieplanung dient.
Das Buch schließt mit einem Ausblick, in dem Überlegungen zur Weiterentwicklung ressourcendiagnostischer und -therapeutischer Ansätze bei Kindern und Jugendlichen erörtert werden und auf Arbeiten von US-Vertretern einer „Positiven Psychologie“ hingewiesen wird, die nicht nur das hier vorgestellte Diagnostik- und Therapiemodell stützen, sondern erwarten lassen, dass die Ressourcenperspektive auch im Mainstream der psychologischen Grundlagenforschung und im Grundverständnis von Diagnostik und Therapie an Bedeutung gewinnen wird.
Im Anhang befinden sich das Muster einer Ressourcenkarte, in die der Diagnostiker seine ressourcendiagnostischen Befunde eintragen kann, sowie ein Interviewleitfaden zur Erhebung von Kinderinteressen.
Die Ressourcenorientierte Diagnostik und Intervention bei Kindern und Jugendlichen ist in erster Linie als Angebot für die Praxis von Kinder- und Jugendlichentherapeuten, für mit Kindern und Jugendlichen arbeitende Psychologen oder Kinder- und Jugendpsychiater sowie als Einführung für Studenten dieser Fachgebiete gedacht. Das Buch richtet sich aber auch an Berufsgruppen in unterschiedlichen psychosozialen Arbeitsfeldern, die es gleichfalls für wichtig erachten, die ihnen anvertrauten Kinder und Jugendlichen nicht nur aus der Defizit- und Störungsperspektive zu betrachten, sondern sie verstärkt auch in ihren positiven Möglichkeiten wahrzunehmen und zu unterstützen. Hierbei ist z.B. an (Beratungs-)Lehrer und Lehrerinnen aller Schulformen sowie an Diplompädagogen, Sozial- oder Heilpädagogen gedacht, die mit den vorgestellten Methoden der ressourcenorientierten Diagnostik und Intervention über ein Instrumentarium verfügen können, das zur Erweiterung ihrer diagnostischen und interventiven Möglichkeiten beitragen kann.



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