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Veranstaltungsbericht zur Berichtsübersicht
02.01.2005
"Die Zukunft der Supervision zwischen Person und Organisation. Neue Herausforderungen - Neue Ideen" - Tagung des Verbändeforums Supervision in Schloss Montabaur vom 26. - 27.11.2004
Schloss Montabaur Schloss Montabaur. Quelle: www.wikipedia.de (Wikimedia Foundation Inc.)
Im Januar 2003 trafen sich auf Einladung der Deutschen Gesellschaft für Supervision (DGSv) in Köln verschiedene Fachverbände für Supervision zu einem ersten - und durchaus kontroversen - Meinungsaustausch über die Lage der Supervision und die Interessen der jeweiligen Verbände.
Ein erstes Ergebnis dieses Treffens war die Gründung eines informellen „Verbändeforums Supervision“, das diese Tagung ausrichtete. Mitglieder dieses Forums sind der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP)/Deutsche Psychologen Akademie (DPA), der Deutsche Arbeitskreis für Gruppenpsychotherapie und Gruppendynamik (DAGG), die Deutsche Gesellschaft für Pastoralpsychologie (DGfP), die Deutsche Gesellschaft für Supervision (DGSv), die Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie und Familientherapie (DGSF), die Ev. Konferenz für Familien- und Lebensberatung (EKFuL), die Gesellschaft für wissenschaftliche Gesprächspsychotherapie (GwG) und die Systemische Gesellschaft (SG).
Die Initiative für diese Tagung lag zunächst bei DGSv und BDP/DPA, bei denen auch die organisatorische Durchführung und wirtschaftliche Abwicklung verblieb, während die inhaltliche Konzeption und die Zusammenstellung des Programms von den Vertretern des Verbändeforums gemeinschaftlich geleistet wurde.
Das Ergebnis zeigte, dass es der Vorbereitungsgruppe - Jörg Fellermann (DGSv), Hella Gephart (DAGG), Wolfgang Kinzinger (EKFuL), Helmut Kreller (DGfP), Tom Levold (SG), Anni Michelmann (DGSF), Gerd Schweers (GwG) und F.-W. Wilker (BDP/DPA) - gelang, die teilweise recht unterschiedlichen Perspektiven der beteiligten Verbände und Personen ganz gut unter ein Dach zu bringen.
Leitvorstellung war dabei, nicht die berufspolitischen (Streit-)Fragen in den Mittelpunkt zu rücken, sondern die unterschiedlichen inhaltlichen Akzente der Supervisionskonzepte zu präsentieren, und in der Tat ist daraus eine bunte Mischung geworden.
Das Ambiente war ausgesprochen angenehm, Schloss Montabaur ist ein kleiner, aber feiner Veranstaltungsort (für max. 200 Teilnehmer, was dazu führte, dass viele Interes–senten sich nicht mehr anmelden konnten!), der mittlerweile im Eigentum der Akademie der Deutschen Genossenschaften ist und deren zentrale Weiterbildungsstätte geführt wird.
Am Freitagabend, dem 26.11.04, wurde die Tagung mit einem Vortrag von Stefan Kühl zur Professionalisierung der Supervision mit anschließender Diskussion eröffnet. Kühl ist Soziologe: Studium in Bielefeld u.a. bei Niklas Luhmann, verschiedene Auslandsaufenthalte, Assistenz bei Ulrich Beck in München und nun Professor an der Bundeswehr-Hochschule in Hamburg. Dieser Programmpunkt erwies sich als voller Erfolg. Kühls Vortrag, frei gehalten, war die spritzige, intellektuell anregende wie unterhaltende Eröffnung, die eine solche Tagung braucht, um in Fahrt zu kommen. Das zeigte auch die lange Diskussion im Anschluss, die schließlich nur durch den aufkommenden Appetit auf das Buffet ein Ende fand.
Kühl stellte zunächst den überraschenden Erfolg der Supervision (als "Parasit der Sozialarbeit") dar, der seiner Meinung nach nicht zuletzt darin besteht, dass sich die Supervision von der eigenen Herkunftsdisziplin hat unabhängig machen können und dass es ihr gelungen sei, ein eigenes Interventionsfeld zu spezifizieren, ohne anderen Disziplinen damit auf die Füße zu treten. Freilich machte er zugleich die Schwäche der SV deutlich, die darin liege, dass es ihr nicht gelinge, die Coaching-Szene erfolgreich einzubinden, gerade weil sie den Stallgeruch der Sozialarbeit nicht richtig loswerde und sie nunmehr Gefahr laufe, auf dem Markt einer Coaching-Dominanz zu unterliegen, die sich bislang noch an keinen wirklichen Professionalisierungsbedingungen orientieren müsse.
Im dritten Teil beschrieb er einige interessante Professionalisierungsdilemmata der Supervision, die gerade darin zu finden seien, dass die SV verführbar sei, ihr angestammtes Territorium zu verlassen und im Bereich der Organisationsberatung (als "Supernanny der Organisation") zu wildern, was ihr einerseits die Offenheit für neue Entwicklungen erhalte, andererseits aber die Gefahr mit sich brächte, dass damit das allen Professionen eigene Gefühl für die eigenen Grenzen verloren ginge. Umgekehrt könnte die Selbstbeschränkungen auf das selbstdefinierte professionelle Feld dazu führen, dass man sich von neueren Entwicklungen abschottet. Die SV müsste selbst entscheiden, welchen Professionalisierungsgrad sie anstrebe, und welchen Preis sie dafür zu entrichten bereit wäre.
Kein Wunder, dass sich an diesen Vortrag eine äußerst lebhafte und sehr spannende Diskussion in einem äußerst heterogen zusammengesetzten Plenum gab. Anne Dudler hatte in ihrer Eingangsmoderation zu Anfang gebeten, dass sich die Mitglieder aller teilnehmenden Verbände einmal durch Aufstehen outen, und ich war überrascht, wieviele Teilnehmer entweder der DGSF oder der SG (oder beiden) bei sonst deutlicher Dominanz der DGSv angehörten. Aber auch alle anderen Verbände waren erkennbar gut vertreten. Insgesamt schien mir das eine repräsentative Mischung zu sein.
Nach einem angenehmen Abend gab es am nächsten Morgen zwei Plenarvorträge, bevor zwei Workshop-Staffeln den Nachmittag bestritten. Sabine Scheffler, FH-Professorin aus Köln, hielt einen leider missglückten Vortrag über "Frauenwelten - Männerwelten in der Supervision" - aggressiv und klagend im Ton, argumentativ schwach (reihenweise apodiktische Behauptungen ohne eine einzige Herleitung - Zitate erspare ich mir an dieser Stelle, da man das noch im Zusammenhang wird nachlesen können) und von der Präsentation her im schlechtesten Sinne akademisch (Ganzseitentexte als OHP-Folien usw.). Zudem fehlte im gesamten Vortrag jeder Zusammenhang mit dem Supervisionsthema, der erst in der Diskussion im Nachhinein ansatzweise deutlich wurde. Insgesamt eine verschenkte Chance der Auseinandersetzung mit dem Gender-Thema.
Der zweite Vortrag von Michael Klessmann, Professor an der evangelischen Hochschule in Wuppertal, versuchte die Notwendigkeit zu verdeutlichen, in Supervisionen jenseits der Herbeiführung auftragsbezogener Handlungskompromisse Raum (und vor allem  auch: Zeit) für die Reflexion von Sinn-Annahmen zu schaffen, die sowohl dem Organisationshandeln als auch dem Handeln der einzelnen Supervisanden zugrunde liegen. Er schlug vor, das altbekannte Schema von Wolfgang Weigand, der Supervision in einem Spannungsfeld zwischen Person, Beruf, Klient und Organisation verortete, um die Sinndimension zu erweitern, die allerdings nicht als 5. Bezugspunkt, sondern als umfassende Metaperspektive zu sehen sei. Dies fand in der Diskussion die spontane Zustimmung von Weigand selbst, aber wiederum nicht die vom ebenfalls anwesenden Kurt Buchinger, der die Auffassung dagegensetzte, dass die Sinndimension implizit ohnehin schon in allen Supervisionsprozessen angelegt sei.
Alle Vorträge haben nachhaltig das Diskussionsklima der Tagung geprägt - überhaupt wurde angesichts der kurzen und vollgepackten Zeit sehr konzentriert gearbeitet und intensiv diskutiert.
Am Nachmittag fanden zwei Workshopstaffeln statt, von denen ich leider nicht berichten kann, die Zusammenfassungen finden sich im ausführlichen Programm.
Die Tagung wurde von einem launigen Reflexionsdialog zwischen Wolfgang Weigand und Kurt Buchinger abgeschlossen, die es nach den Workshops noch einmal allen Teilnehmern ermöglichte, im Plenum zusammenzukommen und mit einem - so empfand ich es - sehr zufriedenen Gefühl nachhause zu fahren.
Fazit: Das geplante Konzept ist voll aufgegangen. Der Verzicht auf berufspolitische Themen hat ermöglicht, dass man sich gegenseitig in der Vielfalt unterschiedlicher Ansätze auch persönlich begegnen konnte, ohne sich sogleich wieder abgrenzen zu müssen. Als vorherrschende emotionale Qualität habe ich Neugier und Wohlwollen wahrgenommen. Insofern war es die richtige Veranstaltung zur richtigen Zeit - und alle an der Veranstaltung Beteiligten sind mit den individuellen Interessen ihrer Verbände ostentativ hinter die gemeinsame Sache zurückgetreten. Eine Haltung, für die es auch zum Abschluss viel Beifall gab. Wenn das Ganze als berufspolitisches Forum veranstaltet worden wäre, hätte es sicher einen anderen Verlauf nehmen können, aber das war auch Allen klar.
Der Stand der Dinge ist nun: Es gibt verschiedene Verbände mit je eigenen Standards für Supervision, die ein eigenes inhaltliches Profil zu bieten haben, diese Tatsache auch respektieren und die willens und imstande sind, gemeinsame Projekte durchzuführen. Dahinter geht es nicht mehr so leicht zurück.
Die Veranstalter haben beschlossen, die Dokumentation nicht einer Fachzeitschrift zu überlassen, sondern selbst im Eigenverlag (bei Kostenteilung)  eine Broschüre zu erstellen, in der ein Tagungsbericht sowie alle Plenarvorträge veröffentlicht werden. Diese Broschüre wird an alle Teilnehmer der Tagung versandt, die Restauflage wird an die beteiligten Verbände zur Nutzung für eigene Zwecke verteilt. Auch dies ein Ausdruck  der partnerschaftlichen Organisation und der Gleichwertigkeit der Verbände.

Tom Levold



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