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Veranstaltungsbericht zur Berichtsübersicht
28.05.2006
„Praxis der Multi-Familien-Therapie. Familien als Experten, mit Therapeuten auf dem Rücksitz” vom 5.-6.5.2006 in Heidelberg
Eia Asen Eia Asen
Hede Andresen-Kühn, Tübingen:

Vom 5. bis 6. Mai 2006 fand in Heidelberg eine bemerkenswerte Arbeitstagung zum genannten Thema statt. Referent war Eia Asen, Leiter des Marlborough Family Services London, Veranstalter das hsi (Helm Stierlin Institut), Jochen Schweitzer hatte die Moderation.
Eia Asen, gebürtiger Berliner, ist seit 35 Jahren als Arzt, Psychiater und Psychotherapeut in London tätig. Im Einzugsgebiet des Marlborough Family Centers, dessen ärztlicher Leiter er ist, leben 250.000 Menschen. Die Einrichtung betreut Multi-Problemfamilien aus 50 Nationalitäten. Kriterien für die Bestimmung von Multi-Problem-Familien sind:
  • mehr als ein Familienmitglied hat Probleme (psychisch, medizinisch, erzieherisch)
  • „chaotische Familien“ (Gewalt, Missbrauch, Drogenabhängigkeit, wechselnde Partner, etc.)
  • soziale Benachteiligung (Armut, Isolation, Arbeitslosigkeit, Diskriminierung)
  • Ablehnung von Therapieangeboten (unfreiwillig, „unmotiviert“)
  • multiples Helfersyndrom (Multi-Institutionen-Familien)
  • chronische Beziehung zwischen Helfern und „Hilflosen“
Das Marlborough-Modell der Multi-Familien-Tagesklinik setzt in seiner Arbeit auf „naturalistische“ Settings mit „Live“-Problemen. Man wählt den Kontext, von dem Menschen glauben, dass da ihre Probleme auftreten und weist sie nicht in Kliniken ein. Dreimal im Jahr beginnt ein 12-Wochen-Programm. Vier bis sechs Familien werden in einer Gruppe zusammengefasst. Die Multi-Familien-Therapie schafft verschiedene Kontexte, innerhalb derer verschiedene Subgruppen gebildet werden. Die Therapie wird maßgeschneidert. Kollegen der verschiedensten therapeutischen Richtungen sind im Center tätig, aber der systemische Ansatz ist übergreifend.
Der Stundenplan des Programms ist hart. Ganz klare Strukturen sind aber wichtig und sinnvoll. Die Morgenrunde wird in den ersten drei Wochen von Therapeuten geleitet, dann setzt die „Staffettenablösung“ durch die Teilnehmer ein. Überhaupt ist der Familientherapeut nur anfangs Regisseur und Akteur und rückt dann allmählich in den Hintergrund. Die Grundhaltung heißt: Da sein, aber nicht ununterbrochen zur Verfügung stehen! In der Vormittagsarbeit, die in verschiedenen Kontexten stattfindet, ergeben sich für die Klienten schneller Lösungen als in herkömmlichen Settings.
So oft wie möglich gibt es Review-Meetings. Überhaupt: Reflecting-Team, „Blitzlicht“-Runden am Ende des Tages, zirkuläres Fragen: Die Familien lernen schnell und werden Experten in der Beratung für die jeweils anderen Familien, ja sogar zu Coaches füreinander. Nicht nur dadurch, sondern auch aufgrund der vielfältigen Aktivitäten im Center während der Therapiezeit (gemeinsames Kochen und Essen, Theaterspiel, Ausflüge, etc.), entsteht auch ein soziales Netzwerk für die bislang isolierten Familien. Erfahrene „graduierte“ Eltern und Kinder („Kumpel“) nehmen „neuen“ Familien deren Ängste und werden darüber hinaus zu „Botschaftern“ des Modells.
Ins Center kommen anfangs alle mit, die zur Familie gezählt werden, auch der Großvater, die Freundin der Mutter, der Busfahrer oder der Kellner von der Eckkneipe.  In diesem Kontext entstehen dann die Ideen, wie es weiter gehen soll, und es zeigt sich, ob die Konstrukte, die am Anfang in den Köpfen der Therapeuten waren, noch passen. Es wird völlig offen und transparent gearbeitet. Eine über die andere Woche arbeiten die Gruppen drei bis vier Tage bzw. zwei Tage im Center und sind die übrige Zeit wieder in ihrer gewohnten Umgebung (die Familien sollen nach draußen exportieren!), dort werden sie einen Tag betreut. Arbeitenden Vätern ermöglicht Urlaub oder  eine Krankschreibung (70 bis 80 % haben eine psychiatrische Auffälligkeit!) die Teilnahme am Programm. Die Teilnahme der Väter ist unabdingbar.
Innerhalb der Tagesklinik-Arbeit gibt es ein Schulprojekt, das in Kooperation mit 15 Schulen arbeitet. Aus diesen Schulen werden hoch auffällige Schüler in das Marlborough Education Center übernommen. Aufnahmebedingung ist, dass die Kinder wenigstens eine Minute pro Woche ihre Heimatschule besuchen. Dieses Verhältnis dreht sich im Lauf der Wochen um: Das Education Center wird immer weniger, die Heimatschule immer mehr besucht.     
In der Familienschule erhalten die Kinder eine Mischung aus Erziehung und schulischer Ausbildung. Der Lehrer ist im Raum und gibt die Aufgaben. Die Eltern im Hintergrund sind „Learning assistents“ und werden aktiv bzw. greifen ein, wenn Kinder nicht arbeiten. Jedes Kind hat Ziele, die täglich mit Hilfe einer einfachen Bewertungsskala auf ihr Erreichen hin überprüft werden. Im Plenum wird am Ende jedes Schultages von jedem Kind das eigene Tagesergebnis vorgetragen. Erreichen und Nicht-Erreichen hat Konsequenzen, die von den Eltern durchgeführt und durchgesetzt werden müssen. Die Eltern wiederum erhalten Unterstützung und Rückmeldung durch die andern Eltern der Gruppe durch die tägliche Feedbackrunde. Die Erfolgsquote der Familienschule beträgt 95%!
Eia Asen gab am zweiten Tag Einblicke in die Gruppen-Familien-Therapie bei psychotischen Störungen und Anorexie.
Seit 6 Jahren wird das Modell für Familien mit anorektischen Kindern/Jugendlichen in Sachsen (Dresden) durchgeführt: Beeindruckend die Videosequenzen und durchaus nachvollziehbar, dass fast alle Kinder nach drei Monaten ihr Gewicht erreicht und auch gehalten haben!
Eia Asen verstand es, mit seinen komprimierten humorvollen Referaten und vielen Videoausschnitten (viele davon – wie anders – von den Klienten aufgenommen!) aus der Arbeit des MFS die ca. 80 Tagungsteilnehmer zu „Fans“ der Multi-Familien-Therapie zu machen. Es zeigte sich im übrigen, dass es auch bei uns schon Ansätze dieser Therapierichtung gibt.
Zu bedauern ist allerdings, dass, von einigen Aufsätzen abgesehen, die meisten Schriften und vor allem das Hauptwerk, das von Eia Asen zum Thema verfasst wurde, bislang nur in Englisch erschienen sind. Deutsche Übersetzungen würden sicher dieser zukunftsweisenden Therapieform bessere Startmöglichkeiten hierzulande ermöglichen.
Es besteht übrigens die Möglichkeit, Eia Asen am 15. Juni 2006 in Baden-Baden bei der PiD-Tagung und am 16. Juni mit einem Fachvortrag zur „Mehr-Familien-Therapie“ in der Europahalle in Karlsruhe zu hören. Veranstalter dort sind die Stadt Karlsruhe und die „Ohlebusch Sozial-Therapeutische Jugendhilfe GsEB mbH“.



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