Start
Bücher
Neuvorstellungen
kurz vorgestellt
Klassiker
Vorabdrucke
Zeitschriften
Familiendynamik
Journ. of Fam.Ther.
Family Process
Kontext
OSC
perspekt. mediation
Psychoth. im Dialog
Psychother.Soz.Wiss.
rpm
Soziale Systeme
systeme
System Familie
systhema
ZSTB
Links
Beiträge
Feldpost
Salon
Interviews
Nachrufe
Glossen
Luhmann-Special
Kongressgeschichten
"Das erste Mal"
Begegnungen
Blinde Flecke
Mauerfall 1989
Bibliothek
edition ferkel
Berichte
Nachrichten
Kalender
Newsletter
Konzept
Institute
Gästebuch
Neuer Eintrag
Übersicht
Info
Autoren
Kontakt
Impressum
Druckversion Druckversion
Copyright © 2008
levold system design
Alle Rechte vorbehalten.
amazon-link

systemagazin logo

Christoph Schmidt-Lellek: Mauerfall und Reichsprogromnacht

Diese Tage habe ich in prägnanter Erinnerung, weil ich mich mit einer ganz anderen unüberwindlich erscheinenden „Mauer“ befasst habe, nämlich der zwischen Juden und Deutschen. Es war die zweite Wuppertaler Tagung zum Holocaust, veranstaltet von der Universität Wuppertal in Zusammenarbeit mit dem israelischen Psychologen Dan Bar-On, Professor an der Universität Beer-Sheva. Daran teilgenommen haben u.a. etliche Mitglieder einer Dialoggruppe zwischen Kindern von Holocaust-Opfern und Kindern von Nazi-Tätern, die Bar-On ins Leben gerufen hat. In dieser außerordentlich dichten und spannungsreichen Atmosphäre war die Erinnerung an die genau 51 Jahre zurückliegende „Reichspogromnacht“ als Beginn der handfesten Judenverfolgung und -vernichtung sehr präsent.
Thema dieser Tagung waren nicht nur wissenschaftliche Untersuchungen über die Nachwirkungen der Nazizeit in Deutschland und in Israel, sondern auch Konzepte, wie diese Spuren in der Seele der Nachgeborenen verarbeitet und überwunden werden können – angefangen bei der Anerkennung der historischen Tatsachen, die bis heute noch nicht unbestrittenen sind (siehe Bischof Williams), bis hin zur emotionalen Bewältigung des Bewusstseins, dass die Eltern sich an unvorstellbaren Verbrechen beteiligt haben. Die Begegnungs- und Dialoggruppen sind ein Teil dieses Prozesses der Verarbeitung.
Ich bin von Dan Bar-On zu dieser Tagung eingeladen worden, weil ich zusammen mit meiner Kollegin Barbara Heimannsberg ein Jahr zuvor ein Buch über die Wahrnehmungen der psychischen Auswirkungen der Nazivergangenheit in der Psychotherapie herausgegeben habe („Das kollektive Schweigen. Nationalsozialistische Vergangenheit und gebrochene Identität in der Psychotherapie“, 2. erw. Aufl. 1992). Ende der 80er Jahre gab es viele erneute Bemühungen um eine Aufarbeitung der Nazizeit, um eine differenzierte Wahrnehmung ihrer Spuren in unserer Gesellschaft. Im Zusammenhang mit diesen Diskussionen hörte ich 1988 in einem Rundfunkgespräch mit dem jüdischen Philosophen Hermann Levin Goldschmidt den Satz: „Die Nach-Hitler-Zeit fängt jetzt an.“
Als am Morgen des 10. November unter den Teilnehmern der Tagung die Nachricht von den Ereignissen der letzten Nacht kursierte, sagte ich mir nach einem ersten ungläubigen Erstaunen: Das passt ja – auch damit zeigt sich, dass die Nach-Hitler-Zeit jetzt anfängt.

Die Vorträge der Wuppertaler Tagung sind dokumentiert in: Konrad Brendler & Günter Rexilius (Hrsg.): Drei Generationen im Schatten der NS-Vergangenheit (Bd. 4 der Schriftenreihe des Fachbereichs Gesellschaftswissenschaften). Wuppertal: Gesamthochschule Wuppertal, 1991.



Suche
Heute ist der
Aktuelle Nachrichten
17.07.2010
12.200 Sorgerechtsentzüge im Jahr 2009
23.02.2010
Nur 5,3% aller Gefangenen in Deutschland sind Frauen
04.02.2010
Erneute Bevölkerungsabnahme für 2009 erwartet
04.02.2010
Durchschnittliche Kinderzahl 2008 in den neuen Ländern angestiegen
04.02.2010
Jeder vierte Jugendliche lebt in einer alternativen Familienform

Besuche seit dem 27.1.2005:

Counter

RSS Newsfeeds Verzeichnis RSS-Scout - suchen und finden