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systemagazin special: "Kongressgeschichten"
Cornelia Tsirigotis: Halma auf der DGA


Aachen, 1997, DAF-Tagung. Ich bin noch in der Ausbildung zur systemischen Familientherapeutin, wandere den schmalen Grat, das neben meiner Arbeit zu tun, Seminar-Zeiten herauszuarbeiten. Für Tagungen und Extrawürste ist eigentlich keine Zeit. Aber eine Tagung in Aachen, fahrradnah von der Arbeitsstelle, bietet die Möglichkeit, durch flexible Zeitgestaltung Workshops zu besuchen. Ich taste mich also vorsichtig hinein. Die von mir besuchten Workshops - sie haben thematisch irgendetwas mit Behinderung und systemischem Arbeiten zu tun - gefallen mir.  Dann Plenumsvorträge: Arist von Schlippe: „Sprachliche Umwelten körperlicher Erkrankungen“. Er erzählt die Geschichte einer Familie und wie „Mr. Asthma“ die Bühne betritt (nachzulesen in systhema  1-1999, 50-61, www.if-weinheim.de/systhema/99.php) Ich bin höchst beeindruckt, gibt es doch in den Familien, mit denen ich arbeite, ganz offensichtlich einen „Mr. Hörschaden“, der ganz ähnliche Inszenierungen  auf die Bühne bringt wie der beschriebene Mr. Asthma. Für mich beginnt eine kleine Wende in meinem Arbeiten an diesem Tag.
Weiter, Peter Heinl spannt Seile über die Bühne. Er erzählt von seiner Arbeit mit einem Klienten und seiner Eingebung, ihm am liebsten ein Lätzchen umzubinden und ihn zu füttern. Später steht Peter Heinl in der Cafeteria in der Kaffeeschlange vor mir. Ich trau mich, ihn anzusprechen, dass mir sein Vortrag gefallen hat und sein Buch auch. Dass ich bei seinem Vortrag an meine in der Nachkriegszeit schlecht gefütterten Brüder gedacht habe. Viel später ergibt sich eine schöne Zusammenarbeit, als er für systhema schreibt. Auch andere schöne Begegnungen am Rande dieser Tagung ermöglichen später redaktionelle Zusammenarbeit, z.B. mit Charlotte Strobl, deren Workshop mich beeindruckte, so dass sie später für ein Heft von schrieb.
Es sind gar nicht immer nur die „großen“ Tagungsthemen, die nachhaltig bleiben, es können auch die vielen schönen kleinen Begegnungen drumherum sein.

Halma auf der DGA

Ich schlage einen Bogen von der DAF-Tagung in ein ganz anderes Feld und verbleibe im Tagungsort Klinikum Aachen: einige Jahre nach dieser DAF-Tagung stehe ich selbst dort das erste mal als Vortragende auf der Jahrestagung der deutschen Gesellschaft für Audiologie (kurz DGA), und Mediziner und Audiologen bilden nun auch eine ganz andere Tagungsatmosphäre als Systemiker… (und Knie werden ganz schön weich, wenn der Tagungs-Monitor zeigt: 15.15 Uhr Tsirigotis). Mein Thema: „Familien mit  hörgeschädigten Kindern in der Vernetzung der Institutionen – eine systemisch – familienorientierte Betrachtung“ (auch unter www.tsirigotis.de). Mr. Hörschaden, kurz Mr. H., und die ganze Familien- und Fachleutebande ist mitgekommen: von meinem Mann Sotiris liebevoll ausgesägt, steht er als Ohr mit zwei Beinen gut eingerichtet zwischen allen.
Als ich mit meinen beiden riesigen Kisten mit den Figuren hereinkomme, grummelt es erstaunt im Hörsaal. Ob das Bild, das ich damit den Figuren auf den grüngestreiften Klinikumsteppich baue, andockt, kann ich nicht entscheiden. Zumindest erhalte ich ein Foto, das ein interessierter Zuhörer aus dem Kreis der Physiker und Audiologen gemacht hat. Titel: „Halma auf der DGA.“



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