18.4.2006: In einem schönen Beitrag über das Paradox der Schule, nämlich mit Zwang zur Freiheit zu erziehen, kommentiert Dirk Baecker in der heutigen TAZ die aktuelle Debatte um die Vorgänge an der Berliner Rütli-Schule und anderswo. "Was ist, wenn die Freiheit nach der Schule nicht zu haben ist? … Dann bricht dieses Gebäude der Entschärfung einer Paradoxie durch ihre Entfaltung in die Zeit (jetzt der Zwang, später die Freiheit) zusammen und man bekommt es mit der Widersprüchlichkeit des Ganzen jetzt und sofort zu tun. Deswegen ist das Verhalten der Hauptschüler an der Rütli-Schule in Neukölln und andernorts systemkonformer, als man denken sollte. Sie fordern jetzt, was ihnen für später versprochen wird, denn die Versprechen laufen ins Leere, wenn niemand von ihnen nach Schulabschluss eine Lehrstelle erhält." Dies stellt Lehrer vor die wiederum paradoxe Herausforderung, sich mit den "Störern" intensiv zu beschäftigten, nicht um ihnen die ohnehin nicht vorhandene Perspektive zu vermitteln, sondern den anderen, "die der Inszenierung der Schule nur als eine Art Publikum beiwohnen und hoffen, irgendwie durchzukommen", gegenüber den Schulbetrieb halbwegs aufrechtzuerhalten, in der Hoffnung, dass wenigstens diese davon profitieren können. "Die paradoxe Situation der Schule wird also paradox dadurch stabilisiert, dass die einen die Paradoxie austragen, während die anderen durchschlüpfen. Aber wenn man das weiß, hält man es als Lehrer auch wieder aus. Denn dann kann man auf die glücklichen Zufälle, die Entwicklung zum Besseren, den Aufschwung hinter der Talsohle setzen, die das Medium sind, in dem die eigene Arbeit belohnt wird. Und zwischendurch setzt man auf jene Momente, in denen ein Schüler vielleicht doch zu sehen bekommt, was ein Text ist, wie man mit einer mathematischen Gleichung umgeht und was es heißt, eine Frage stellen zu können, ohne gleich eine Antwort zu wissen. Das ist die dann ganz tautologische Lösung des Problems: Man muss den Betrieb der Schule bedienen, damit er verschmerzt werden kann."
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