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Nachrichten zur Nachrichtenübersicht
03.08.2006

Plädoyer für die Beziehungsmedizin
Harro Albrecht schreibt in der heutigen Online-Ausgabe der "Zeit" unter der Überschrift "Die Heilkraft des Vertrauens" einen langen Artikel über den Faktor Beziehung im Verhältnis von Arzt und Patienten.
Zitate:
"Diese »patientenzentrierte Kommunikation« hat noch eine weitere Wirkung: Sie senkt auch die Erkrankungsrate der Ärzte. »Für den Behandler selbst ist der Effekt ganz erheblich«, sagt der Neurologe und Psychosomatiker Peter Henningsen von der Klinik für Psychosomatische Medizin an der TU München. »Es geht ihm in der Regel viel besser im Umgang mit schwierigen Patienten.« Die Ärzte empfinden ihre anstrengende Arbeit als befriedigender und brennen beruflich nicht so schnell aus. All das ist ohne gewaltigen zeitlichen Mehraufwand möglich, wie ein Freiburger Modellversuch zeigt. Hausärzte wurden dort im besseren Umgang mit depressiven Patienten geschult. Bei gleichem Zeitaufwand der Ärzte waren die Patienten erheblich zufriedener.

Wie also sollte der perfekte Arzt sein? Patienten wissen meist sehr genau, was sie an Medizinern schätzen. In einer Umfrage der amerikanischen Mayo-Kliniken gaben die Patienten kürzlich an, sie wünschten sich ihre Ärzte selbstsicher, mitfühlend, persönlich, geradeheraus, respektvoll und gründlich. Der Autor der Studie, Leonard Berry, gibt seinen Kollegen gleich Dutzende guter Ratschläge: Augenkontakt halten, auch auf nonverbale Signale achten, sich auch mal nach persönlichen Interessen des Patienten erkundigen, Anweisungen aufschreiben, Medizinjargon meiden. Und das alles sollte nicht aufgesetzt daherkommen. »Das Wichtigste ist«, sagt Hans Förstl, Direktor der Klinik für Psychiatrie an der TU München, »dass der Arzt authentisch ist.« Schließlich kann nur ein Arzt, der selbst glaubt, was er sagt, dem Patienten gegenüber glaubwürdig erscheinen – und damit die Positivspirale der Selbstheilung in Gang setzen."…
"Ausgerechnet die Nöte des deutschen Gesundheitssystems könnten zu einer Renaissance der vergessenen Beziehungsmedizin führen. Krankenhäuser müssen im verschärften Wettbewerb auf Dauer viele Doppelstrukturen und überbordende Versorgungen abbauen. Lieb gewonnene und beruhigende Rituale für Ärzte und Patienten – hier noch eine Computertomografie, da noch ein Rezept – könnten dabei wegfallen. Dafür müsste so mancher Mediziner wieder lernen, statt dem technisch Machbaren mehr seinem Kopf und seiner Intuition zu folgen. Das ist in Ländern wie Großbritannien mit weniger Geld für die Gesundheitsversorgung schon lange üblich. Die im internationalen Vergleich exorbitant hohe Ärztezahl in Deutschland und die ausufernde Technik haben hierzulande befördert, was Balint eine »Verzettelung der Verantwortung« nannte. Statt heikle Entscheidungen zu treffen, wird ein neuer Test angeordnet oder ein Kollege hinzugezogen. Diese verschwommenen Behandlungskonturen führen oft nicht zum Ziel und fördern auch nicht das Vertrauen der Patienten."

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