In einem schönen Text über Sigmund Freud als Erzähler denkt der Schriftsteller, Essayist und Leiter des Goethe-Institutes von Bratislava für die TAZ über die narrative Qualität von Freuds Falldarstellungen und Monografien nach, die sich durch einen "sense of urgency" auszeichneten, ihre narrative Struktur eben nicht der Erfindung ihrer Figuren verdankt, sondern ihrer Erforschung verdankt: "Freud wollte gar nicht erzählen. Er musste es. Er war ein bedeutender Novellist und Romanschriftsteller wider Willen".
"Spezifisch erzählerisch bedeutend und rührend werden Sie bei der Freud-Lektüre vielmehr das abenteuerliche Schauspiel einer Intelligenz und Einfühlungsgabe finden, die sich auf den schlimmsten Unsinn und das unerklärlichste, verbohrteste Unglück einerseits vollkommen einlässt, andererseits sich selbst bewahrt, unterscheidet und deshalb, wenn es gut geht, den Wahnsinn erlösen kann. Es sind Geschichten über Abgründe, und sie führen über Abgründe hinweg. So, denke ich als Leser von Freud angesichts dieser krausen und sich plötzlich dennoch enträtselnden Symptome dann immer, wird es mit mir und den Meinen auch ausgehen. Man wird unterhalten, belehrt und getröstet. Die Zeit ist vergangen, ohne dass man es gemerkt hätte (und in der Erinnerung trotzdem viel genauer präsent, als hätte man nicht gelesen; Proust hat auf dieses Paradox aufmerksam gemacht). Man hat alles erlebt, was ein Leser großer und schöner erzählender Literatur erleben soll."
Den vollständigen Artikel finden Sie hier… |