Start
Bücher
Neuvorstellungen
kurz vorgestellt
Klassiker
Vorabdrucke
Zeitschriften
Familiendynamik
Konfliktdynamik
Journ. of Fam.Ther.
Family Process
Kontext
OSC
perspekt. mediation
Psychoth. im Dialog
Psychother.Soz.Wiss.
rpm
Soziale Systeme
systeme
System Familie
systhema
ZSTB
Links
Beiträge
Feldpost
Salon
Interviews
Nachrufe
Glossen
Luhmann-Special
Kongressgeschichten
"Das erste Mal"
Begegnungen
Blinde Flecke
Mauerfall 1989
Von Klienten lernen
Bibliothek
edition ferkel
Berichte
Nachrichten
Kalender
Newsletter
Konzept
Institute
Info
Autoren
Kontakt
Impressum
Druckversion Druckversion
Copyright © 2013
levold system design
Alle Rechte vorbehalten.
systemagazin logo

Nachrichten zur Nachrichtenübersicht
29.03.2006

Stellungnahme zur Bonner Erklärung aus kindertherapeutischer Perspektive
Wiltrud Brächter, Köln:

Der Kritik an den geplanten Verengungen therapeutischer Möglichkeiten kann ich mich nur anschließen. Aus kindertherapeutischer Sicht erscheint mir eine symptombezogene Zuordnung von Therapieverfahren vollends absurd.
Nach ICD klassifizierbare Symptome sehe ich als Eintrittskarte, um mit einem Kind (und seiner Familie) arbeiten zu können. Wobei es in dieser – jeweils einzigartigen - Therapie dann wirklich geht und wie weit größere Systeme einzubeziehen sind, stellt sich erst im Prozess heraus. Aufmerksamkeitsprobleme können mit der Sorge um einen Vater einhergehen, der trinkt, Einnässen mit unausgesprochenen Trennungsabsichten der Eltern, Schulangst mit dem Verantwortungsgefühl für eine psychisch instabil wirkende Mutter, gesteigerte Aktivität mit Misshandlungserfahrungen oder dem Versuch, die Präsens der Eltern hervorzulocken, Mutismus mit der Unmöglichkeit, über Gewalt in der Ehe der Eltern zu sprechen. Die Liste ließe sich beliebig verlängern, Symptome und Kontextvariablen sind dabei weitgehend austauschbar.
Auch wenn sie in keinem ICD erfasst sind, werden die angesprochenen Zusammenhänge in einer systemisch orientierten Kindertherapie aufgegriffen und mit „behandelt“, sofern sich der Auftrag entsprechend erweitern lässt - und soweit es möglich ist. Die institutionellen Rahmenbedingungen dafür sind schlecht genug.
Die Symptome eines Kindes einfach „wegzutherapieren“, ohne wenigstens zu versuchen zu verstehen, was das Kind beschäftig, halte ich für problematisch. Eine wesentliche Aufgabe von Psychotherapie sehe ich darin, Kinder mit geeigneten – schulenübergreifend verwendeten – Methoden dabei zu unterstützen, sich auszudrücken (und dadurch vielleicht Symptome nicht mehr zu benötigen), darüber hinaus, ihre Perspektive in die Arbeit mit der Familie einzubringen und Veränderungsprozesse anzuregen, die ein gelingendes Zusammenleben von Eltern und Kindern ermöglichen.
Mir stellt sich auch die Frage nach dem Menschen- und Gesellschaftsbild (und dem Berufsbild von TherapeutInnen), das den geplanten Änderungen zugrunde liegt. Wird Therapie als Mittel gesehen, Auffälligkeiten möglichst effizient zu beseitigen und Menschen an eine von außen gesetzte Norm anzupassen, oder geht es um die Erweiterung von Wahl- und Gestaltungsmöglichkeiten für das eigene Leben? In diesem Sinne geht es mir auch um die Wertschätzung und Bewahrung von Vielfalt – nicht nur von Therapieverfahren!

Wiltrud Brächter
Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin
Systemische Therapeutin (SG)





Suche
Heute ist der
Aktuelle Nachrichten
15.06.2014
Die Systemische Gesellschaft sucht zum 1. Januar 2015 neue Geschäftsführung
10.04.2014
W 3 Endowed Professorship for Systemic Family Therapy in Freiburg
08.04.2014
Gesundheitsausgaben 2012 übersteigen 300 Milliarden Euro
28.01.2014
Fast jede zweite neue Frührente psychisch bedingt
17.12.2013
Diagnose Alkoholmissbrauch: 2012 wieder mehr Kinder und Jugendliche stationär behandelt

Besuche seit dem 27.1.2005:

Counter