In der TAZ von heute greift Dirk Baecker in einem Artikel über den Karikaturenstreit Gregory Batesons Schismogenese-Konzept zurück, um die Kulturkonflikte zu erklären, die sich an der Veröffentlichung der antimuslimischen Cartoons entzündet haben. Dem Cartoon selbst kommt dabei Baecker zufolge eine ambivalente Funktion zu, nämlich die Darstellung des Befremdlichen zu übersteigern und es gleichzeitig mit der Attitüde, es nicht ernst zu meinen, wieder zurück zu nehmen. "Dieser Unernst überlässt es der anderen, der dargestellten Position, ob sie sich ob der Darstellung angegriffen oder ob der Zurücknahme der Darstellung in dem Witz zugleich auch respektiert fühlt. Im Cartoon steckt damit eine zutiefst zivilisierende Leistung, die freilich alles andere als selbstverständlich ist. Denn sie setzt mindestens voraus, dass der Unernst als solcher akzeptiert wird. Wird der Unernst selbst als Affront empfunden, ist der Witz des Cartoons verspielt und wird die Darstellung zu einem Angriff, der auch als solcher beantwortet wird. Gregory Bateson hat Formen der kulturellen Ausdifferenzierung dieser Art in seinem Buch über die "Ökologie des Geistes" (Suhrkamp, 1985) als Schismogenese beschrieben, das heißt, als einen Prozess, der eine Kultur generiert, indem er eine Spaltung, eine Trennung, eine Zweiseitigkeit, einen Zusammenhang des Verschiedenen herausarbeitet und festschreibt. Man wird vermuten müssen, dass die gegenwärtige Lage der Streitigkeiten zwischen dem Westen und dem Islam nicht zuletzt deswegen so explosiv ist, weil der Prozess der Schismogenese hier noch nicht zum Abschluss gekommen ist."
Den ganzen Artikel lesen Sie in der TAZ-online-Ausgabe des heutigen Tages.
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