Start
Bücher
Neuvorstellungen
kurz vorgestellt
Klassiker
Vorabdrucke
Zeitschriften
Familiendynamik
Konfliktdynamik
Journ. of Fam.Ther.
Family Process
Kontext
OSC
perspekt. mediation
Psychoth. im Dialog
Psychother.Soz.Wiss.
rpm
Soziale Systeme
systeme
System Familie
systhema
ZSTB
Links
Beiträge
Feldpost
Salon
Interviews
Nachrufe
Glossen
Luhmann-Special
Kongressgeschichten
"Das erste Mal"
Begegnungen
Blinde Flecke
Mauerfall 1989
Von Klienten lernen
Bibliothek
edition ferkel
Berichte
Nachrichten
Kalender
Newsletter
Konzept
Institute
Info
Autoren
Kontakt
Impressum
Druckversion Druckversion
Copyright © 2013
levold system design
Alle Rechte vorbehalten.
systemagazin logo

Nachrichten zur Nachrichtenübersicht
05.09.2005

Arist von Schlippe: Nachruf auf Klaus Grawe
Am 10. Juli verstarb Klaus Grawe im Alter von gerade 62 Jahren. Plötzlich und unerwartet wurde er mitten aus einem aktiven Leben gerissen. Mit ihm verliert die deutschsprachige Psychotherapie eine wichtige Kristallisationsfigur, an der sich viele heftige, doch durchaus fruchtbare Auseinandersetzungen entzündet hatten.
Seit 1978 war er in Bern als Professor tätig gewesen, vorher hatte er lange Jahre am UKE in Hamburg gearbeitet. Er war ein renommierter Psychotherapieforscher und gleichzeitig hoch engagiert in der psychotherapeutischen Praxis. Seine Metaanalyse über den Stand der Wirksamkeitsforschung in der Psychotherapie hatte in den 90-er Jahren für Aufsehen und zahlreiche Kontroversen gesorgt. Sie hatte eine wesentliche Diskussionsgrundlage für das Psychotherapeutengesetz dargestellt, das nach langen Jahren der Auseinandersetzung 1999 endlich Realität wurde, in einer Form, mit der er übrigens selbst überhaupt nicht zufrieden war.
Das Verhältnis von ihm zur systemischen Therapie und Familientherapie – und umgekehrt - war zwiespältig. Viele Systemiker fühlten sich von ihm, der sein Denken sehr klar an strengen Standards vergleichender Psychotherapieforschung orientierte, oft missverstanden. Dabei konnte man ihm nie vorwerfen, ignorant zu sein, war er doch dem systemischen Denken gegenüber durchaus aufgeschlossen und auch bereit, sich selbst immer wieder zu hinterfragen und neu auszurichten. In der „Psychotherapie im Dialog“ vom Juni 2005 hat er in seinem letzten Interview vor seinem Tod im Gespräch mit Steffen Fliegel eine Analyse der derzeitigen psychotherapeutischen Landschaft und den aus seinen Forschungen erwachsenen notwendigen Zukunftsperspektiven vorgenommen. In diesem Gespräch hat er den Beitrag der Systemtherapie sehr explizit gewürdigt. Gleichzeitig hat er noch einmal sehr deutlich gezeigt, welche Bedeutung für ihn eine schulenübergreifende und auch die Schulen überwindende Sichtweise hatte. Er benannte fünf Perspektiven, die er in ihrer Gesamtheit als für Psychotherapie bedeutsam ansah und zu deren Weiterentwicklung die einzelnen Richtungen unterschiedlich stark beitragen könnten (Störungs-, Beziehungs-, Ressourcen-, entwicklungsgeschichtliche und motivationale Perspektive) – gegen Monopolansprüche hat er sich stets zur Wehr gesetzt: „Fast alle Ansätze haben etwas Positives beigetragen. Aber alle haben auch wirklich ihre Grenzen“, sagte er in dem o.a. Interview. Die Bereitschaft, mit allen Ansätzen auf gleicher Augenhöhe zu diskutieren, kritisch, engagiert, durchaus hart, aber gleichzeitig wertschätzend, war ein besonderes Kennzeichen von ihm. Wir werden ihn vermissen als Persönlichkeit, die aktiv die Integration der Psychotherapie weiter vorantreibt.

Arist von Schlippe, Witten/Herdecke

(Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung aus systhema - Heft 2/05)



Suche
Heute ist der
Aktuelle Nachrichten
15.06.2014
Die Systemische Gesellschaft sucht zum 1. Januar 2015 neue Geschäftsführung
10.04.2014
W 3 Endowed Professorship for Systemic Family Therapy in Freiburg
08.04.2014
Gesundheitsausgaben 2012 übersteigen 300 Milliarden Euro
28.01.2014
Fast jede zweite neue Frührente psychisch bedingt
17.12.2013
Diagnose Alkoholmissbrauch: 2012 wieder mehr Kinder und Jugendliche stationär behandelt

Besuche seit dem 27.1.2005:

Counter