Kennen Sie Hamilton Naki? Wahrscheinlich nicht. Er war
mir auch bis heute völlig unbekannt. Diese Nachricht erscheint hier
auch nicht, weil er eventuell ein "Systemiker" war, was
unwahrscheinlich sein dürfte.
Aber er war ein Pionier der Herzchirurgie in Südafrika, der als solcher
nicht bekannt
werden durfte, weil er schwarz war. Christiaan Barnard, der weiße
Südafrikaner, der für die erste Herztransplantation weltweit bekannt
wurde, nahm ihn in sein Team auf, weil er ein herausragender Operateur
war. Dass er auf einigen gemeinsamen Bildern mit seinen Kollegen zu sehen
war, erzeugte Erklärungsbedarf, den das Krankenhaus löste, indem es ihn zu einem Putzmann bzw. Gärtner machte. Der
Perlentaucher macht in seiner heutigen Magazinausgabe auf einen Nachruf
im englischen Magazin "The Economist" aufmerksam, der verbreitet werden
sollte. So lange ist das alles ja noch nicht her.
Ein von Perlentaucher übersetzter Ausschnitt: "Naki hätte diesen Körper
eigentlich nicht berühren dürfen. Die junge Frau, Denise Darvall, war
weiß, und er war schwarz. Die Regeln des Krankenhauses sowie die
Apartheid-Gesetze des Landes untersagten es ihm, einen weißen
Operationssaal zu betreten, weißes Fleisch zu schneiden, oder mit
weißem Blut in Berührung zu kommen. Doch für Naki hatte das Groote
Schuur Krankenhaus eine geheime Ausnahme gemacht. Dieser schwarze Mann
mit seinen ruhigen, geschickten Händen und seinem rasiermesserscharfen
Verstand war einfach zu begabt für die heikle, blutige Arbeit der
Organtransplantation. Der Chefchirurg für Transplantationen, der junge,
gutaussehende, berüchtigt temperamentvolle Christiaan Barnard, hatte
ihn für sein Team angefordert. Das Krankenhaus hatte zugestimmt und -
wie Naki sich erinnerte - gesagt: 'Schauen Sie, wir erlauben Ihnen, das
hier zu tun, aber Sie müssen wissen, dass Sie schwarz sind, und dass
dies das Blut einer Weißen ist. Niemand darf davon erfahren.' Und in
der Tat - niemand erfuhr davon."
Den gesamten Nachruf lesen Sie hier.
T.L.
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