Nachdem kürzlich von dem am Berliner
Lateinamerika-Institut lehrenden chilenischen Historiker Víctor Farías
in einem im März 2005 erschienenen Buch behauptet worden ist, dass der
1973 ermordete chilenische Präsident Salvador Allende in seiner
medizinischen Doktorarbeit rassistische und antisemitische Thesen
vertreten und zudem dem gesuchten Naz-Verbrecher Walter Raulff geholfen
habe, sich der Verfolgung zu entziehen (systemagazin brachte eine
Nachricht darüber), erscheint heute ein großer Artikel von Bernd
Pickert in der taz zur Rehabilitation Allendes. Tenor: "Es ist die
Geschichte eines Rufmordes, der funktioniert hat".
Die Zitate, die Farias benutzt habe, seien nicht Ausdruck von Allendes
Denken gewesen, sondern verwiesen auf die forensischen Arbeiten von
Lombroso aus dem 19. Jahrhundert: " einem Absatz der gut 150 Seiten
umfassenden Doktorarbeit gibt Allende die Ansichten von Lombroso
wieder. Der schrieb: Zigeuner, manche arabischen und indischen Stämme
seien von Natur aus Verbrecher, und "die Juden charakterisieren sich
durch bestimmte Formen von Verbrechen: Betrug, Falschheit, Verleumdung
und vor allem Wucher". Aus der Tatsache, dass dieser Satz als Zitat in
Allendes Arbeit steht, zimmert Farías den Antisemiten Allende. Was der
allerdings von diesen Zuschreibungen Lombrosos hielt, machte er in
derselben Arbeit mehr als deutlich: Er beschäftigte sich keine Zeile
weiter damit, sondern endete den Absatz mit der schlichten
Feststellung, er verfüge über keinerlei Daten, die diese Zuschreibungen
bestätigen würden."
In Bezug auf den Vorwurf, Raulff vor dem Zugriff der Justiz zu
schützen, führt Pickert eine Passage aus Simon Wiesenthals Memoiren an,
die Allende entlasten.
Die spanische Fundación Presidente Allende habe in Absprache mit der Familie Allende inzwischen die gesamte Doktorarbeit ins Netz gestellt.
Wer den ganzen Artikel lesen möchte, bitte hier…
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