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19.05.2005
Fritz B. Simon zur Kapitalismuskritik: Bundesregierung trägt Mitschuld
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Prof. Fritz B. Simon,
Organisationsberater an der Universität Witten/Herdecke: Änderung der
Unternehmensbesteuerung war "historischer Fehler"
"Die Bundesregierung hat durch eine Änderung der Gesetzgebung selbst
die Bedingungen geschaffen, über die sich Herr Müntefering jetzt
beklagt", sagt Prof. Fritz B. Simon, Professor am Institut für
Familienunternehmen der Universität Witten/Herdecke zur
Kapitalismuskritik des SPD-Parteivorsitzenden.
In einer Studie hatte das renommierte Institut die Erfolgsmuster
langlebiger Familienunternehmen analysiert. Dabei kommen die Forscher
u.a. auch zu dem Schluss, dass Familienunternehmen oft höhere
Überlebenschancen haben als börsennotierte Unternehmen. Grund:
Kapitalgesellschaften müssten sich auf die Wünsche und Bedürfnisse von
Investoren einstellen, die an kurzfristigen Gewinnen interessiert
seien, statt auf die relativ berechenbare, langfristige Bindung an eine
Familie: "Die viel geschmähte Deutschland-AG mit ihren vielfältigen
Verflechtungen und Überkreuzbeteiligungen erweist sich als ein
Stabilitätsfaktor, der langfristige unternehmerische Entwicklungsziele
begünstigt", so Simon. Das `Old-Boys-Network´ von Vorständen
und Aufsichtsräten der gegenseitig miteinander verflochtenen
Unternehmen habe auf der Kapitalseite ähnliche, Stabilität schaffende
Wirkungen wie Familien als Eigentümer. Ermögliche es doch dem
Management eine Unternehmenspolitik, die relativ autonom sei gegenüber
der Unberechenbarkeit des Kapitalmarktes, von Analysten oder den
Pressionen angloamerikanischer Pensionsfonds.
Was passiert, wenn dieses Netzwerk nicht mehr funktioniert, zeige sich
aktuell am Beispiel der Deutsche Börse AG. "Sie wäre nicht zum
Spielball von Investoren geworden, die sie nun wahrscheinlich
zerschlagen und den Finanzplatz Frankfurt damit demontieren, wenn ihre
Anteile weiterhin mehrheitlich von deutschen Großunternehmen wie der
Deutschen Bank gehalten würden", beklagt Simon.
Die Verantwortung für diese Entwicklung sieht Simon im
Bundesfinanzministerium: "Erst die von Bundesfinanzminister Hans Eichel
vorgenommene Änderung der Gesetzgebung über die Besteuerung bzw.
Nicht-Besteuerung von Unternehmensverkäufen hat aus der bis dato sehr
erfolgreichen Deutschland-AG ein Spielfeld für die naiven Konzepte des
Shareholder Value gemacht", betont der Organisationsberater. Diese, die
Entflechtung gegenseitiger Beteilungen fördernden Maßnahmen, seien aus
wirtschaftspolitischer Perspektive "sträflich". Simon bezeichnete die
Eichelsche Gesetzgebung als den "wohl historisch größten Fehler" der
amtierenden Bundesregierung, da ihre Folgen offenbar zu wenig
reflektiert worden seien.
Torsten Groth, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut und Co-Autor
der Studie, fordert eine klarere Differenzierung in der derzeit
laufenden Kapitalismusdebatte: "Es kann nicht sein, dass alle
Unternehmen in einen Topf geworfen werden." Familienunternehmen sind
zumeist erfolgreich, gerade weil sie am Standort Deutschland
festhalten, langfristig in Generationenzeiträumen denken und v.a. weil
sie der Arbeitsplatzsicherheit ihrer Mitarbeiter die höchste Priorität
einräumen. Familienunternehmen können, gerade weil sie unabhängig vom
Kapitalmarkt agieren, auf längere Sicht eine bessere Performance
nachweisen als kurzfristig agierende börsennotierte Unternehmen: "Will
man vorbildhaft sehen, wie zukunftsfähige Unternehmen ausgerichtet
werden sollten, lohnt der Blick auf langlebige Familienunternehmen", so
Groth.
Pressekontakt:
Dr. Olaf Kaltenborn
fon: +49-2302-926-754, -848, -808
Kontakt:
Prof. Dr. F. B. Simon, Prof. Dr. R. Wimmer und Dipl. Soz.wiss. T. Groth
fon: +49-2302-926-541
mail: tgroth@uni-wh.de
Literatur:
"Erfolgsmuster langlebiger Familienunternehmen", Wittener Diskussionspapier Sonderband 2
Im Herbst 2005 erscheint außerdem:
Mehrgenerationen-Familienunternehmen. Wie C&A, Oetker und andere
Familienunternehmen ihr Überleben sichern, Carl-Auer-Systeme Verlag.
Heidelberg
Weitere Informationen:
Deutsche Bank Institut für Familienunternehmen
© 1995-2005 Informationsdienst Wissenschaft e.V.
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