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22.03.2005
Sloterdijk über die Globalisierung
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Der Philosoph Peter Sloterdijk hat unter dem Titel "Im
Weltinnenraum des Kapitals" einen Entwurf "Für eine philosophische
Theorie der Globalisierung" vorgelegt. Mit Peter Sloterdijk sprach
Matthias Kamann, das Interview ist in der "Welt" vom 22.3.2005
erschienen.
"DIE WELT: Was wir Globalisierung nennen, beschreiben Sie als
Verlangsamung: Sie sprechen von Hemmungen, vom Zwang zur Kooperation.
Die Deutschen hingegen empfinden die Globalisierung als Prozeß extremer
Beschleunigung, bei dem sie abgehängt werden. Irren sie sich?
Peter Sloterdijk: In gewisser Weise schon, sie fallen auf die
Selbstreklame der Prozeßgestalter herein. Doch man muß einräumen, daß
die Prozeßgestalter ihrerseits auf ihre eigenen Begriffe hereingefallen
sind. Denn wenn es tatsächlich so ist, daß sich alle in Bewegung
setzen, um den finalen Beschleunigungsvorteil zu erringen, dann ergibt
sich naturgemäß ein totaler Stau. "Stau" ist eine Metapher für einen
Aktionsraum, in dem sehr viele Agenten gleichzeitig zirkulieren, mit
dem Ergebnis, daß alle von den Initiativen aller unter Druck gesetzt
werden. Sie bremsen sich allesamt gegenseitig aus. Entgegen ihrer
Selbstreklame ist Globalisierung kein Beschleunigungs-, sondern ein
Verdichtungsvorgang. Witzigerweise ist es tonangebenden
Autohypnotiseuren gelungen, eine Welt, die auf gegenseitiger
Behinderung aufbaut, als eine Welt umfassender Kooperation
darzustellen. Die illusionäre Botschaft lautet: Gemeinsam sind wir
schneller. Die wahre Nachricht hieße: Gemeinsam verwalten wir den
Stillstand besser.
DIE WELT: Zum Beispiel?
Sloterdijk: Die deutsche Gesellschaft ächzt zur Stunde unter der
bitteren Entdeckung, daß das, was man bisher für Politik gehalten hat,
nicht mehr möglich ist. Der politische Raum ist bereits so stark vom
Gesetz der gegenseitigen Behinderung geprägt, daß es de facto nur noch
simulatorische Politik geben kann. Die größte Leistung des Politikers
besteht heute darin, in der Bevölkerung die Phantasie am Leben zu
halten, unter seinen Händen würden die Dinge im Land souverän
vorangetrieben. Das ist im übrigen eine Stärke des heutigen
Bundeskanzlers. Der wirkliche König der Lethargie war aber sein
Vorgänger Kohl, der seinen Thron über dem totalen Stau errichtete."
Lesen Sie den vollständigen Text des Interviews hier.
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