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14.02.2005
Psychotherapie & Sozialwissenschaft 4/02 erschienen
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Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,
liebe Interessentinnen und Interessenten von „Psychotherapie und Sozialwissenschaft“,
soeben ist das neue Heft von „Psychotherapie und Sozialwissenschaft.
Zeitschrift für Qualitative Forschung“ – leicht verspätet – erschienen,
das ich Ihrer Aufmerksamkeit empfehlen möchte.
Maria Egbert und Jörg Bergmann stellen in ihrer Arbeit "Angst - Von der
Phänomenologie zur Interaktion" an einem Fallbeispiel dar, wie Angst in
einer psychotherapeutischen Situation kommuniziert wird. Ihrer
ethnomethodologischen und konversationsanalytischen Orientierung
entsprechend verstehen sie Angst im therapeutischen Gespräch nicht als
ein nur psychisches, sondern gerade auch als soziales Phänomen.
Sie sehen die Mitteilung von Angst im Gespräch nicht als eine
nur individuelle Leistung des Patienten, und sie zeigen, in
welchem Maß die Darstellung von Angst ein interaktives Geschehen ist,
in das nicht nur der Patient, sondern auch der Psychotherapeut
involviert ist.
Armin Koerfer, Rainer Obliers und Karl Köhle berichten ("Emotionen in
der ärztlichen Sprechstunde. Zur Förderung empathischer Kommunikation
durch Fortbildung in der psychosomatischen Grundversorgung") über
Möglichkeiten der Förderung von Empathie als Teil der kommunikativen
Kompetenz des Allgemeinarztes. Der Umstand, dass sich die gegenwärtige
Psychiatrie für die Gehirne ihrer Patienten viel, für die subjektive
Welt der Patienten kaum noch interessiert, ist nicht nur daraus zu
erklären, dass die pharmazeutische Industrie großen Einfluss hat; das
starke professionelle Interesse am Gehirn und das kleine Interesse an
der Person ist vermutlich begründet in der Angst der
Ärzte vor den Gefühlen ihrer Patienten. Das machen die Autoren
eindrucksvoll deutlich an ihrer Studie, die eine restriktive
Kommunikation von Allgemeinärzten mit ihren
Patienten belegt: Vielfältige Befürchtungen veranlassen die
Ärzte, den Gefühlen der Patienten keinen Raum zu geben oder sie zu
überhören. Gefühle sind unsicheres Terrain, "Glatteis", potentiell
unkontrollierbar und haben deshalb in der ärztlichen Sprechstunde
häufig keinen Platz. Das gilt es zu berücksichtigen, wenn Empathie -
etwa im Rahmen der psychosomatischen Grundversorgung für Ärzte -
gefördert werden soll.
Sandra Reinecke, Eva Hampel, Hertha Richter-Appelt, Olaf Hiort und Ute
Thyen stellen mit ihren „Erfahrungen mit Intersexualität – Ergebnisse
einer Interviewstudie mit Eltern und Betroffenen“ die komplexe Vielfalt
der psychischen, sozialen, kulturellen und auch ethischen Probleme der
Eltern von Kindern und die von betroffenen Erwachsenen dar, deren
Geschlecht nicht eindeutig zuzuordnen ist. Intersexualität, so zeigen
die Autoren, ist nicht ein nur durch körperverändernde Eingriffe zu
korrigierender Zustand. Die sozialen Begleitumstände der Störung können
für die Betroffenen oftmals weit schwerwiegender sein als die
biologische Abweichung selbst.
Vera Saller schließlich stellt auf dem Hintergrund von Erfahrungen mit
der Behandlung türkischer Patienten die Frage, „Ist die Psychoanalyse
ein modernes Heilritual?“ und will mit dem Bericht über die
psychoanalytische Behandlung einer türkischen Patientin Auffassungen
von Tobie Nathan entgegentreten, der davon ausgeht, dass Angehörige
fremder Kulturen immer nur im Horizont ihrer eigenen, je spezifischen,
kulturell geprägten Auffassungen von Gesundheit und Krankheit
psychotherapeutisch behandelt werden können, während die Psychoanalyse
in ethnozentrischen, vom westlichen Denken geprägten Theorien gründe,
die dem Denken der Angehörigen anderer Kulturen – etwa Schwarzafrikas –
fremd und deshalb für sie auch ungeeignet seien.
Das letzte Heft des Jahrgangs 2004 ist zugleich die letzte Ausgabe von
„Psychotherapie und Sozialwissenschaft“, die bei Vandenhoeck &
Ruprecht erscheint. Der Verlag hat uns als Herausgeber über die
vergangenen sechs Jahre hinweg immer gut und sehr professionell
begleitet. Ab diesem Jahr wird unsere Zeitschrift im
Psychosozial-Verlag (www.psychosozial-verlag.de) in Gießen erscheinen,
der unter der Leitung von Hans-Jürgen Wirth ein namhaftes Buch- und
Zeitschriftenprogramm mit psychologisch-psychotherapeutischem und
sozialwissenschaftlichem Schwerpunkt führt.
Der Verlagswechsel ist mit Änderungen der Zeitschrift selbst verbunden:
Zukünftig werden wir nicht mehr mit vier, sondern nur noch mit zwei
Heften pro Jahrgang erscheinen, und zwar jeweils Anfang Juni und Anfang
Dezember, dafür aber mit 120 Seiten je Heft. Zudem wird sich das
Abonnement aufgrund einer anderen Kalkulationsgrundlage deutlich
verbilligen! Das Jahresabonnement wird € 25.- (zzgl. Versandkosten)
kosten, der Preis für ein Einzelheft wird € 14,90 (zzgl. Versandkosten)
betragen.
Wir sind sicher, dass uns der Psychosozial-Verlag ein hervorragendes
neues publizistisches Umfeld für unsere Zeitschrift bietet und wir mit
Ihrer Unterstützung auch weiterhin eine anregende und lesenswerte
Zeitschrift gestalten können.
Für die Herausgeber
Ulrich Streeck und Tom Levold
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