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    <title>Willkommen im systemagazin! - Beiträge</title>
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    <description>Das Online-Journal für systemische Entwicklungen</description>
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    <pubDate>Thu, 09 May 2013 06:38:51 GMT</pubDate>

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    <title>Psychiatrische Diagnostik als &quot;McGuffin&quot;</title>
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    <author>nospam@example.com (Tom Levold)</author>
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    I&lt;!-- s9ymdb:612 --&gt;&lt;img width=&quot;97&quot; height=&quot;110&quot; src=&quot;http://www.systemagazin.de/serendipity/uploads/epstein.thumb.jpg&quot; style=&quot;float: left; border: 0px none; padding-left: 5px; padding-right: 5px;&quot; class=&quot;serendipity_image_left&quot; /&gt;m psychiatriekritischen Internetforum &amp;quot;Mad in America. Science, Psychiatry and Community&amp;quot; haben Eugene Epstein (Foto), Manfred Wiesner und Lothar Duda anlässlich der aktuellen Veröffentlichung des DSM-V einen &lt;a href=&quot;http://www.madinamerica.com/2013/01/from-psychiatry-and-psychotherapys-grand-delusion-toward-constructions-of-a-post-therapeutic-state/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;kritischen Beitrag über psychiatrische Diagnostik im Zuge der Globalisierung westlicher Psychiatrie und Psychotherapie&lt;/a&gt; verfasst, dessen deutsche Übersetzung heute in der&lt;a href=&quot;http://www.systemagazin.de/bibliothek/e_bibliothek.php&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt; Systemischen Bibliothek&lt;/a&gt; im systemagazin erscheint. Im Abstract heißt es: &amp;quot;Die Autoren gehen von der These aus, dass der psychiatrische und der psychotherapeutische Diskurs (in der westlichen Welt) inzwischen die gesamte Gesellschaft infiltriert haben. Mit dem DSM-5  dehnen sich diese Diskurse weiter aus. Das Denken und Sprechen über psychisches Empfinden und Leiden wird damit  zunehmend global uniformiert. Im Resonanzraum dieses Vokabulars sind wir alle potentielle PatientInnen. Hierdurch bietet sich das DSM-5 im Sinne eines MacGuffins auch als Vehikel an, den Wirtschaftsfaktor psychiatrisch/psychotherapeutische Versorgung weiter am Laufen zu halten. Die Pathologisierung des Individuums und die Trübung des Blicks für gesellschaftliche Veränderungsnotwendigkeiten sind hierbei zwei Seiten einer Medaille. Der globalen Homogenisierung des Blicks auf psychisches Befinden stellen die Autoren die Kultivierung von Diversität bei der Beschreibung und Einordnung psychischen Empfindens und Leidens gegenüber. Sie proklamieren die Überwindung der Hegemonie des traditionellen psychiatrischen und psychotherapeutischen Diskurses und rufen dazu auf,  mit der Entwicklung einer posttherapeutischen Welt zu beginnen.  In einer ersten Annäherung hieran gehen sie darauf ein, wie die Ausbildung von Helfern im Lichte eines solchen veränderten Denkens gestaltet werden sollte.&amp;quot;&lt;br /&gt;&lt;a href=&quot;http://www.systemagazin.de/bibliothek/texte/epstein_posttherapeutische_welt.pdf&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Zum vollständigen Text geht es hier&lt;/a&gt; 
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    <pubDate>Thu, 09 May 2013 08:38:51 +0200</pubDate>
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    <title>Die Befehle des Alltags. Glosse von Hartwig Hansen</title>
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    <author>nospam@example.com (Tom Levold)</author>
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    &lt;i&gt;&lt;!-- s9ymdb:249 --&gt;&lt;img width=&quot;85&quot; height=&quot;110&quot; src=&quot;http://www.systemagazin.de/serendipity/uploads/hansen_hartwig.thumb.jpg&quot; style=&quot;float: left; border: 0px none; padding-left: 5px; padding-right: 5px;&quot; class=&quot;serendipity_image_left&quot; /&gt;Vertrauen Sie Ihrem Bauchgefühl!&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;Nein, das ist keine ermutigende Aufforderungsformulierung, die ich in der letzten Beratung verwendet habe, sondern steht mit großen Lettern auf einer Plakatwand, an der ich gestern auf dem Weg zur Arbeit vorbeifuhr.&lt;br /&gt;Ach, wieder so ein Imperativ, was wir zu tun und zu lassen haben. &lt;br /&gt;Diesmal also &lt;i&gt;Vertrauen Sie Ihrem Bauchgefühl!&lt;/i&gt; Und darunter &lt;i&gt;Vertrauen Sie uns! Schauinsland Reisen&lt;/i&gt;.&lt;br /&gt;Mein Bauchgefühl sagt: Das ist dreist! Ich kenne die doch gar nicht ... Wieso befehlen sie mir, dass ich ihnen vertrauen soll?&lt;br /&gt;Vor Weihnachten waren mir die Plakate der Hamburger Tafel aufgefallen. Darauf das Motiv eines strengen Nikolaus und der Slogan: &lt;i&gt;Schauen Sie nicht weg!&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;Übersetzt: Anderen geht es nicht so gut wie Ihnen  Schauen Sie nicht weg, spenden Sie für die Tafel! Boah, fehlte nur noch die Rute des Nikolaus auf den Plakaten und die Mahnung: Warst du denn auch immer artig?&lt;br /&gt;Besonders auf die Nerven gehen mir diese permanenten Jetzt wechseln!-Aufrufe, die einen geradezu anschreien im Alltag. Wechseln Sie jetzt Ihren Mobilfunktarif, Ihren Pay-TV-Anbieter, Ihre Haarfarbe usw. Eine große Hamburger Bank wirbt mit dem Slogan: &lt;i&gt;Mit dem offiziellen HSV-Konto ist der HSV immer an Ihrer Seite. Jetzt wechseln!&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;Will ich den HSV immer an meiner Seite? Nicht dass ich wüsste.&lt;br /&gt;Was soll ich bitte schön noch alles ändern in meinem Leben? Und zwar sofort!&lt;br /&gt;&lt;i&gt;Hier aussteigen für die Karriere!&lt;/i&gt;, schlägt eine Zeitarbeitsfirma in der S-Bahn vor.&lt;br /&gt;Den Sicherheitshinweis: Aber bitte nicht während der Fahrt ... suche ich allerdings vergebens.&lt;br /&gt;Dafür fehlt in den Waggons nicht das Warnschild über den Türen: &lt;i&gt;Kommen Sie nicht auf die schiefe Bahn!&lt;/i&gt; Das meint nun allerdings die schiefe Bahn des Schwarzfahrens.&lt;br /&gt;Im Grunde werden wir jeden Tag angeschrien und gemaßregelt: Befehle, Imperative, Ausrufezeichen im öffentlichen Raum, wo man hinschaut. Von der leidigen Werbung im Fernsehen ganz zu schweigen. &lt;br /&gt;Mir gefällt das nicht, genauso wenig wie im privaten Telefongespräch, wenn ich dann mal wieder höre: Machs gut! oder Werd schnell wieder gesund!  Das ist anstrengend.&lt;br /&gt;&lt;i&gt;Erfüllen Sie sich Ihre Träume!&lt;/i&gt; Raten Sie mal, wer mir das entgegenschleudert.&lt;br /&gt;Das kann alles sein, da haben Sie recht. Diesmal ist es ein Synonym für: Notleidende Banken bitten um Ihre Hilfe bei ihrer Rettung. Nehmen Sie jetzt Ihren persönlichen Privatkredit auf! Sonst verdienen wir nichts mehr. &lt;i&gt;Erfüllen Sie sich Ihre Träume!&lt;/i&gt; Logisch.&lt;br /&gt;Das beste Imperativ-Plakat fand ich allerdings vor ein paar Wochen in einem Einkaufszentrum. Das Schild im Schaufenster war schlicht, aber deutlich: &lt;i&gt;Jetzt stricken lernen!&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;Ich schaute durchs Fenster in den Verkaufsraum: Die Wandregale voll von Wollknäueln und Strickzeitschriften. Ich fühlte mich nicht wirklich angesprochen, musste aber kurz überlegen, was passieren würde, wenn ich nicht sofort diesen Laden betreten und kundtun würde: Sie haben recht. Ja, ich muss heute noch stricken lernen! &lt;br /&gt;Wahrscheinlich würde ich sofort den Weltuntergang auslösen. &lt;br /&gt;Dann vielleicht doch lieber sofort stricken lernen!&lt;br /&gt;Wie war das noch? &lt;i&gt;Vertrauen Sie Ihrem Bauchgefühl!&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;Meins sagt: Lasst mich doch alle in Ruhe!!!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hartwig Hansen 
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    <pubDate>Tue, 05 Feb 2013 15:40:55 +0100</pubDate>
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    <title>Wenns kommt, dann kommts richtig</title>
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            <category>Beiträge</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Tom Levold)</author>
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    &lt;br /&gt;
&lt;!-- s9ymdb:216 --&gt;&lt;img width=&quot;80&quot; height=&quot;110&quot; class=&quot;serendipity_image_right&quot; style=&quot;float: right; border: 0px none; padding-left: 5px; padding-right: 5px;&quot; src=&quot;http://www.systemagazin.de/serendipity/uploads/sollmann_ulrich.thumb.jpg&quot; /&gt;Zum Abschluss des diesjährigen Adventskalenders schreibt Ulrich Sollmann aus Bochum über eine Reise nach Indien&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;i&gt;Es war einmal&lt;/i&gt; eine Reise nach Indien, bei der ich wie so manch anderer in der damaligen Zeit (ich glaube, wir schrieben das Jahr 1976) auf der Suche nach einem alten Mann war, der unter einem noch älteren Baum saß und gerade durch seine anmutige, in sich ruhende Haltung und natürlich den entsprechenden weisen, langen, weißen Bart, die (aus heutiger Sicht natürlich idealisierte) erhoffte Weisheit verkörperte, um an dieser Weisheit zu partizipieren. &lt;br /&gt;Damals, mit dem Auto unterwegs nach Indien, machte ich derweil so manche eigentümliche Erfahrung. Eine dieser Erfahrungen erschütterte mich und mein Verständnis davon, wie die Welt wohl zu funktionieren habe. Aber leider nicht funktionierte.&lt;br /&gt;In Südindien, in der Nähe von Madras, wurde mir über Nacht meine Fotoausrüstung gestohlen. Ich hatte eine Ahnung, wer der Dieb wohl hätte sein können, wähnte mich daher sicher, als ich die Polizei beauftragte, den Dieb zu suchen.&lt;br /&gt;Der Polizist, ein freundlicher Inder, setzte sich zu mir und wollte den Vorfall aufnehmen. Ganz zu meiner Überraschung fragte er sehr ausführlich nach den Dingen, die nicht gestohlen wurden, die also noch da waren. Dinge, die der Dieb zurückgelassen hatte.&lt;br /&gt;Trotz meines mehrfachen Drängens bemühte er sich weiterhin gerade diese Dinge aufzulisten, um mich mit einem weiterhin freundlichen Lächeln zu vertrösten: Es bliebe ja immer noch genug Zeit, den Dieb zu suchen, ich sollte mich doch nicht so eilen.&lt;br /&gt;Wenns kommt, dann kommts richtig! - Ich verstand damals Gott und die Welt nicht mehr, hatte ich doch Sorge, dass je länger wir warteten, desto weiter sich der Dieb vom Tatort entfernen könnte. &lt;br /&gt;Zwar wusste ich um die kulturellen Unterschiede zwischen Deutschland und Indien. War daher mental gut vorbereitet. Zwar hatte ich mich, da ich mit dem Auto unterwegs war und so einige Zeit bereits in Indien verbracht hatte, an die dortigen Gepflogenheiten gewöhnt. Jetzt, im Ernstfall, versagte aber all mein so erworbenes kulturelles Wissen. Ich fühlte mich radikal auf mich selbst zurückgeworfen, spürte die Erschütterung in meinem Körper, konnte nur noch aufspringen, als der Polizist weiterhin lächelte und mich befragte, um im Raum auf und abzurennen. All das, was ich wusste, all das, was ich mir vorgenommen hatte, all das, was mir geraten wurde, all das funktionierte auf einmal nicht mehr, und ich erlebte mich nur noch körperlich tief erschüttert und gerade diesem körperlichen Erlebensprozess ausgeliefert.&lt;br /&gt;Schnitt. &lt;br /&gt;Inzwischen bin ich in verschiedenen kulturellen Kontexten beruflich unterwegs. Sei es in der Arbeit mit Kroaten in der Ausbildung, sei es in dem kollegialen Austausch mit Chinesen über Kommunikation und Psychotherapie im interkulturellen Kontext. Sei es über Workshops bei internationalen Kongressen. In der Regel, wenn die mir sonst vertrauten Möglichkeiten des Verstehens und des Austauschs versagen, erlebe ich eine ähnliche, unmissverständliche, körperliche Resonanz, wie damals in Indien. Inzwischen bin ich immer noch erschüttert (das kann dann starke Verunsicherung, aber auch überraschende Freude und Neugier sein). Und doch bringen mich solche Erfahrungen nicht mehr so aus dem Lot wie es damals der Fall war, bedingt durch das freundliche Lächeln und die doch so ganz einfachen Fragen des indischen Polizisten es vermochten.&lt;br /&gt;Die Begegnung in der Arbeit mit Menschen aus anderen Kulturkreisen, vor allem wenn die Worte versagen, wird erleichtert gerade durch solche körperlich gespürten Erschütterungsprozesse. Erschütterungen auf beiden Seiten. Erschütterungen, die &lt;i&gt;mich&lt;/i&gt; wach halten. Erschütterungen, die, wenn &lt;i&gt;beim anderen&lt;/i&gt; wahrgenommen, gegenseitiges implizites Verstehen erleichtern.&lt;br /&gt;Inzwischen bin ich davon überzeugt, dass es ein nicht zu unterschätzendes Merkmal von interkulturellen Erfahrungsprozessen ist, auf solche paradoxen Begegnungen zu stoßen. Man kann ihnen nicht entgehen, sind sie doch gerade auch Merkmal einer interkulturellen Erfahrung.&lt;br /&gt;Und das ist auch gut so. &lt;br /&gt;Übrigens, natürlich habe ich den weisen Mann mit dem weißen Bart in sich ruhend unter dem alten Baum nicht getroffen. Stattdessen bin ich mir selbst begegnet und habe gemerkt, wo immer ich hingehe, habe ich mich selbst im Rucksack mit dabei. &lt;img src=&quot;http://www.systemagazin.de/serendipity/templates/default/img/emoticons/wink.png&quot; alt=&quot;;-)&quot; style=&quot;display: inline; vertical-align: bottom;&quot; class=&quot;emoticon&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 
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    <pubDate>Wed, 26 Dec 2012 00:00:00 +0100</pubDate>
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    <title>Am anderen Ende der Welt und total vernetzt</title>
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    <author>nospam@example.com (Tom Levold)</author>
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    &lt;br /&gt;
Normalerweise ist bei jedem Adventskalender am 24.12. Schluss. Deshalb gibt es für den 25.12. auch kein Adventskalenderbildchen. Ich habe aber versprochen, alle eingegangenen Beiträge für den diesjährigen Kalender zu veröffentlichen, und deshalb gibt es heute und morgen noch an dieser Stelle die beiden letzten Texte zum Thema interkultureller Begegnung. Lisa Reelsen, Lehrerin mit systemischer Weiterbildung und langjährige systemagazin-Leserin, hat schon in den vergangenen Jahren etwas zu den Adventskalendern beigesteuert. Dieses Mal schreibt sie aus dem sommerlichen Chile, wo sie seit Jahresanfang tätig ist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;!-- s9ymdb:1637 --&gt;&lt;img width=&quot;110&quot; height=&quot;92&quot; class=&quot;serendipity_image_left&quot; style=&quot;float: left; border: 0px none; padding-left: 5px; padding-right: 5px;&quot; src=&quot;http://www.systemagazin.de/serendipity/uploads/LisaReelsenChile2012.thumb.jpg&quot; /&gt;Schreiben über interkulturelle Begegnungen in Beratungssituationen? Keine Zeit dafür, ich lebe sie täglich, die Begegnungen, und erlebe die damit eng verbundenen Herausforderungen an mich. So dachte ich, als ich das diesjährige Thema für den Adventskalender las. &lt;br /&gt;In dieser Woche blieben 2 Armbanduhren und ein Wecker stehen. Vielleicht doch ein Hinweis darauf, mal kurz in der besinnlichen Zeit inne zu halten und einen Rückblick zu wagen? &lt;br /&gt;Seit Februar 2012 bin ich nun beruflich in Chile, dem Land, das ich vor 20 Jahren bereist hatte. Ich arbeite in Santiago als Dozentin an Deutschlands weltweit kleinsten Pädagogischen Hochschule und bin stolze Besitzerin einer chilenischen RUT (Rol Unico Tributario), einer sogenannten Seriensteuernummer, die jeder Chilene besitzt und auswendig kennt und die sich das ganze Leben lang nicht mehr verändert. Ich habe lange darauf gewartet, denn ohne den Ausweis mit dieser Nummer kann man keine Internetverbindung beantragen, keinen Handy-Vertrag abschließen und nicht mal einen Kühlschrank kaufen. &lt;br /&gt;Das Land begeistert mich. Die Menschen, denen ich begegne, sind sehr freundlich und ich fühle mich wohl. Völlig neue Düfte im Frühling konnte ich hier im November genießen, die Natur ist überwältigend. Der Umgang mit Zeit allerdings ist ein wahrnehmbar anderer hier. Obwohl ich die Erfahrungen damit im südamerikanischen Bereich schon wiederholt machen konnte, wirft es mich nach einigen Jahren Aufenthalt in Deutschland doch immer wieder zurück in die feste Erwartung von Pünktlichkeit, Einhaltung vereinbarter Gesprächszeiten und Effizienz. Und genau das wird als typisch deutsch belächelt. Tja, so deutsch kann man sein, auch ich wohl. &lt;br /&gt;An den Kassen im Baumarkt sind lange Schlangen, ich stehe mittendrin und meine Geduld scheint nicht besonders groß zu sein. Ich werde unruhig und schaue mit etwas düsterem Blick auf die Kassiererin, die sich deshalb oder angesichts der langen Schlange noch lange nicht anschickt, auch nur eine Spur schneller zu arbeiten. Ich schaue mich um und sehe tatsächlich keine genervten Gesichter. Man unterhält sich nett, schaut fröhlich auf die Weihnachtsdekoration. Gut, dann übe ich mich etwas in Geduld und Demut. Nimm es als Lerngeschenk, mahnt es in mir. &lt;br /&gt;So beginnen auch meine Veranstaltungen. Fröhliche Studentinnen und Studenten begrüßen mich mit Wangenkuss. Viele kommen zu spät, holen zuerst ihr Handy aus ihren Taschen und legen es auf den Tisch. Andere klappen gleich ihren laptop auf. Tja, ich beginne wie üblich freundlich und relativ sachlich das Seminar mit der Bekanntgabe des Themas und der Intentionen. Es klingelt ein Handy, dann das Zweite, jemand geht mit dem Handy raus, ein anderer kommt dazu. Manche beginnen zu frühstücken, denn sie hatten eine lange Fahrt und andere schlafen aus gleichem Grund fast ein. Das war ich nicht gewohnt. Seit elf Jahren bin ich nun in der Lehrerbildung tätig und die Lehreranwärterinnen und Lehreranwärter in Deutschland sind Beamte auf Probe und haben somit quasi die Dienstpflicht, pünktlich zu sein. Ich überlege, wie ich vermitteln kann, dass ich das Verhalten, vor allem das dauernde Schauen auf den Bildschirm des Handys, als respektlos empfinde, ohne durch meine Direktheit selbst respektlos zu erscheinen. Ich bitte freundlich darum, die Handys auszuschalten und in die Taschen zu packen. Das klappt zunächst gar nicht. Das sei eben so hier und ein kultureller Unterschied, heißt es, jeder habe sein Handy permanent im Blickfeld. Ich habe ja bedingt noch Verständnis dafür, gehe auch selten ohne Handy aus dem Haus, doch während der Veranstaltungen brauche ich es doch nicht, erkläre ich den Studenten. Schon wieder klingelt ein Handy. Ich schaue wegen der Unterbrechung empört in die Runde. Es kommt aus Ihrer Tasche, grinst eine Studentin. In der Tat, ich hatte mir ein neues gekauft, kannte den Klingelton noch nicht und hatte es offensichtlich auch vergessen auszustellen. Köstliche Erheiterung in der ganzen Gruppe, auch ich muss lachen. Im Laufe des Jahres lassen die Studenten ihre Handys nur noch aus ihren Taschen brummen und summen. Ob die Bevorzugung der direkten Kommunikation etwas mit der Attraktivität meiner Veranstaltungen zu tun hat, möchte ich gerne glauben. Doch ich vermute eher, man hat sich einfach nur meines Anliegens erbarmt. &lt;br /&gt;Im Restaurant neulich schaute ich mich um. Tatsächlich viele Handys lagen auf den Tischen. Ich erblickte ein Ehepaar mit ihren 2 kleinen Kindern. Die Eltern unterhielten sich miteinander, während die höchstens 3 oder 4 Jahre alten Kinder (vermutlich noch jünger) beide mit ihrem I-Pad umgingen wie die Experten. Ich war beeindruckt von so viel Medienkompetenz, aber auch gleichzeitig ziemlich sprachlos. Dass auch einige Lehrerinnen in den Schulen während einer Unterrichtsmitschau und den anschließenden Beratungsgesprächen ihre Handys auf den Tisch legten, konnte mich nicht mehr irritieren. &lt;br /&gt;Die Studentinnen des letzten Studienjahres spiegelten mich in der Abschlussfeier in einem Sketch wunderbar und sehr wohlwollend in einer Parodie zu meinem Verhalten und wohl  meinem Lieblingswort in der Didaktik-Veranstaltung: Transparenz im Unterricht. Schüler/innen sollen ja schließlich wissen, was sie lernen können. Anfangs wusste ich noch nicht, was ich alles lernen würde, aber meine Lernergebnisse sind vielfältig.&lt;br /&gt;Nach einem langen intensiven Jahr voller neuer Erfahrungen und wunderbaren Begegnungen fuhren eine Freundin und ich am Wochenende mit dem Bus ans Meer. Nach ein und einer halben Stunde Bewegung setzten wir uns in ein Strandlokal. Wir schauten aufs Wasser. Da man Handtaschen in Chile auf keinen Fall auf den Boden stellt, auch nicht zu Hause, da sie sonst Beine bekämen, sagt man, lasse ich meine auf dem Schoß und packe  reflexartig mein Handy auf den Tisch. Unter dem entsetzten Blick meiner Freundin lasse ich es schnell wieder in der Tasche verschwinden. Mein hilfloses Ich wollte doch nur kurz schützt mich nicht mehr vor ihrem strafenden Kommentar. &lt;br /&gt;Heute noch bringe ich meine Uhren zur Reparatur, oder vielleicht auch erst morgen oder übermorgen, mal sehen.Vielleicht lasse ich mich auch absurderweise im Einkaufscenter bei 30 Grad Außentemperatur in einer riesigen Schneekugel, durch die Styroporkugeln geblasen werden, mit einem Weihnachtsmann in einer Kutsche fotografieren. Ich habe nun ja Zeit, der Urlaub beginnt. Oh du fröhliche Weihnachtszeit. &lt;br /&gt;Mein Handy klingelt, ich muss los.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 
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    <pubDate>Tue, 25 Dec 2012 00:00:00 +0100</pubDate>
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    <title>Bleiben will ich, wo ich nie gewesen bin</title>
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    <author>nospam@example.com (Tom Levold)</author>
    <content:encoded>
    &lt;br /&gt;
&lt;!-- s9ymdb:205 --&gt;&lt;img width=&quot;79&quot; height=&quot;110&quot; class=&quot;serendipity_image_left&quot; style=&quot;float: left; border: 0px none; padding-left: 5px; padding-right: 5px;&quot; src=&quot;http://www.systemagazin.de/serendipity/uploads/advent24.thumb.jpg&quot; /&gt;Das Türchen zum Weihnachtstag im systemagazin-Adventskalender macht heute Lothar Eder mit einer Geschichte über eine Kultur auf, die verloren zu gehen droht:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wenn man wie ich ursprünglich aus Niederbayern kommt, dort wo der Bayerische Wald liegt, fällt es nicht schwer, Menschen aus anderen Kulturen zu begegnen. Das Fremdartige fängt dann bereits in Oberbayern an, von München ganz zu schweigen. Norddeutschland beginnt spätestens ab Frankfurt, und Augsburg und Aschaffenburg sind eigentlich schon Ausland. &lt;br /&gt;Doch im Ernst: Psychotherapie ist ein Begegnungsraum, in dem man fortwährend auf Andersartiges, Fremdes trifft, und dieses Fremde enthält doch immer auch Vertrautes, Bekanntes, und geht dadurch in Resonanz mit dem eigenen Innenraum. Wenn ich über Begegnungen mit fremden Kulturen nachdenke, fällt mir ein Patient ein, der meine Deutsche Nationalität hat, paradoxerweise aber dennoch aus einem anderen Kulturkreis kommt: er stammt aus der ehemaligen DDR, einem vergangenen Land, das mir entfernt vertraut und letztlich doch so fremd ist, als habe es auf einem anderen Kontinent gelegen.&lt;br /&gt;&lt;!-- s9ymdb:1481 --&gt;&lt;img width=&quot;79&quot; height=&quot;110&quot; class=&quot;serendipity_image_right&quot; style=&quot;float: right; border: 0px none; padding-left: 5px; padding-right: 5px;&quot; src=&quot;http://www.systemagazin.de/serendipity/uploads/lothareder.thumb.jpg&quot; /&gt;Es kam zu mir in die Therapie letztes Jahr, ein älterer Mann, er war Mitte Sechzig, also noch nicht wirklich alt, aber er wirkte alt und sah sehr alt aus. Zum einen lag dies an seiner äußeren Erscheinung, er hatte fahle und sehr faltige, fast morsche Haut, war gebeugt und sehr hager. Zudem haftete ihm etwas sehr Trauriges an. Alles in allem war er tief erschöpft und niedergeschlagen. Das war angesichts seiner Geschichte auch nicht verwunderlich. In der DDR war es ihm als junger Mann zu eng geworden, somit unternahm er einige Fluchtversuche, die zunächst zu Verhaftungen und Gefängnisaufenthalten führten. Schließlich gelang ihm die Flucht über die damalige Tschechoslowakei, im Motorraum eines LKW. Die Eltern und Verwandten hatte er nicht eingeweiht. Deutlich erinnerte er das schmerzvolle Schreien der Mutter am Telefon, als er vom Westen aus anrief und sie über die Flucht informierte. Mein Sohn, mein Sohn habe sie nur geschrien und konnte sich nicht beruhigen. Als er davon erzählte, wurde spürbar, dass er diesen Schrei vor seinem inneren Ohr so hörte als geschähe er gerade eben. 16 Jahre zuvor war bereits eine seiner Schwestern geflohen, und damals, in den 60er und 70er Jahren, gab es so gut wie keine Aussicht, sich je wieder zu sehen.&lt;br /&gt;Im Westen Fuß zu fassen gelang ihm nie wirklich, trotz eines erfolgreichen Studiums und eines ebensolchen Berufslebens bis zur mittlerweiligen Rente. Von Westdeutschland aus unterstützte er die Flucht mehrerer Freunde, was ihm eine Aufgabe gab. Die damalige linksorientierte Haltung seiner Kommilitonen befremdete ihn, der den real existierenden Sozialismus hautnah mitbekommen hatte. Er schilderte das in einer netten kleinen Episode. Mit einem Mitstudenten sei er, immer noch fasziniert vom glitzernden Warenangebot, in einem Kaufhaus umhergegangen und habe mit ironischem Unterton bemerkt, dies hier sei ja wohl ein herausragendes Beispiel für den vor sich hinfaulenden Kapitalismus. Jedem DDR-Bürger wären seiner Meinung nach die Augen aus dem Kopf getreten und es wäre ihm gewiss keine antikapitalistische Kampfparole in den Sinn gekommen beim Anblick dieser Fülle. Der Kommilitone aber habe die Ironie nicht bemerkt und habe sehr ernst und beifällig mit dem Kopf genickt. Er selbst sei sich damals vorgekommen wie in einem Museum und habe sich manchmal gewundert, dass die Leute in diesem sonderbaren Land Deutsch sprächen.&lt;br /&gt;Seine Ehe mit einer Südländerin ist letztlich nicht glücklich verlaufen, ein Sohn, als Frühgeburt zur Welt gekommen, starb bald nach der Geburt. Den Verlust hat das Paar zu keiner Zeit mitsammen verarbeitet, er selbst kann nicht verstehen, dass die Frau so tue, als sei der Sohn nie dagewesen. Das Paar adoptierte eine Tochter, seine Frau jedoch tat dies nur halbherzig, sodass auch hieraus ein Konfliktthema wurde. Vor mehr als zwanzig Jahren hatte er seinen ersten Psychiatrieaufenthalt, dem weitere folgten. Die Therapie bestand aus Medikamentengaben gegen Depressionen. Antriebslos und wie gelähmt sei er oft, und es bedurfte keiner großen Deutungskompetenz, zusammen mit ihm dahinter seine Erschöpfung, seinen Schmerz und seine Trauer zu erkennen. &lt;br /&gt;Ich erzähle von diesem Patienten aber vor allem deshalb, weil er ein großartiger Erzähler ist und weil in seinen Erzählungen die Zeit still zu stehen scheint. Nein, er ist kein Rafik Schami, aber er erzählt von einer längst vergangenen Zeit, die schon deshalb nicht mehr wiederkommen kann, weil das Land, in das diese Zeit gehört, gestorben ist. Und dieses Erzählen ist paradox. Denn er hat diese vermeintliche Idylle ja voller Abscheu verlassen, und ist darüber ein Heimatloser geworden. Es gibt ein Gedicht von Thomas Brasch, das lautet &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Was ich habe, will ich nicht verlieren, aber&lt;br /&gt; Wo ich bin, will ich nicht bleiben, aber&lt;br /&gt; Die ich liebe, will ich nicht verlassen, aber&lt;br /&gt; Die ich kenne, will ich nicht mehr sehen, aber&lt;br /&gt; Wo ich lebe, da will ich nicht sterben, aber&lt;br /&gt; Wo ich sterbe, da will ich nicht hin:&lt;br /&gt; Bleiben will ich, wo ich nie gewesen bin.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich erinnerte es nur bruchstückhaft, kannte auch den Titel nicht, aber ich empfahl es ihm zu lesen. Als er in der nächsten Stunde berichtete (er hatte es in einer Anthologie gefunden), war er tief berührt (was bei einem depressiv strukturierten Patienten äußerst  positiv zu werten ist). &lt;br /&gt;Die Eltern, die  gegen die herrschende politische Linie  einen kleinen Betrieb hatten, hätten von früh bis spät gearbeitet. Aber es habe keine Hektik gegeben. Sie hätten immer Zeit gehabt, wenn er einen Ansprechpartner gebraucht habe. Und man sei jeden Abend beisammen gesessen, die Familie und die Angestellten, und dann sei gegessen und gesungen worden. So gerne würde er wieder mit anderen gemeinsam singen, nicht im Chor, sondern abends am Tisch. Empört schaut er, als er davon erzählt, dass heute Fernsehen und Internet regierten. Mehrmals habe er den Test auf die modernen Zeiten gemacht. Als Beispiel erzählt er die Suche nach neuen Winterreifen. Vor 20 Jahren noch hätte er sich, wenn er neue Winterreifen gebraucht hätte, mit Freunden zum Bier getroffen, und sie hätten miteinander beratschlagt. Wenn er heute einen frage, bekäme er nur noch zur Antwort, er solle doch im Internet nachschauen. So war dieser Mann ein Suchender, mit Proust auf der Suche nach der oder besser nach seiner verlorenen Zeit. Und dies in der Gewissheit, dass diese Zeit nicht wiederkommen kann. Diese unstillbare Sehnsucht danach aber trieb und treibt ihn um. Die Verluste, der Schmerz und die Trauer hatten ihn wund gerieben und so gebrauchte er mehrmals eine treffende Metapher: er fühle sich oft, als habe er keine Haut mehr.&lt;br /&gt;Der Patient sprach etwas an, was mich selbst sehr beschäftigt. Es soll ja vorkommen, dass Therapeuten mit dem was Patienten erzählen, in Resonanz gehen und nicht nur umgekehrt. Er erzählte nämlich von etwas, was es immer weniger gibt. Vom Zeithaben, vom Sich-Zeit-nehmen, vom unabgelenkten Zusammensein mit anderen. Vor allem kam dies in seinen Erzählungen von den vergangenen Weihnachtsfesten in seiner Herkunftsfamilie zum Ausdruck. Wie da wochenlang vorher gebacken worden war, wie das ganze Haus geduftet hat, wie es immer geheimnisvoller wurde je näher der Weihnachtstag rückte, wie die Räuchermännchen aufgestellt wurden und wie dann die Familie zusammengesessen hat und miteinander gesungen hat. Wer könne denn heute noch Weihnachtslieder singen? Da werde doch der Fernseher angemacht oder die CD aufgelegt, aber das sei doch etwas ganz anderes. Wir haben alles, sagt er einmal, Kühlschrank und Waschmaschine, aber Zeit haben wir nicht mehr.&lt;br /&gt;Ich finde, er hat Recht. Er erzählt von einem Verlust, den wir in Kauf oder zumindest hinnehmen. Wer nimmt sich tatsächlich die Zeit, mit anderen stundenlang zu sitzen und gar zu singen, ohne daran zu denken, dass er ja mal seine Emails checken oder mal in seinem Smartphone in facebook gehen sollte? Es scheint uns allen etwas verloren gegangen zu sein, nicht nur diesem Patienten. &lt;br /&gt;Dann unterbrach er die Therapie für mehrere Monate, weil er mit seiner Frau in das Haus in einem südeuropäischen Bergdorf fahren wollte, das sie vor langer Zeit gekauft hatten und in dem sie viele Jahre nicht gewesen waren. Ein Abenteuer. Denn vieles würde zu reparieren sein nach so langer Zeit. Und ob die Matratzen noch zu gebrauchen seien, sei ungewiss. Aber dort verginge die Zeit langsamer. Wenige Menschen seien noch in diesen Bergdörfern, die meisten hätten sie verlassen, um in die Stadt zu gehen. Wenn man aber durchs Dorf gehe, um eine Besorgung zu machen, müsse man einen halben Tag einplanen, denn mit jedem den man unterwegs träfe, ergebe sich ein Plausch.&lt;br /&gt;Als er zurückkam, ging es ihm besser. Seine Traurigkeit schien eine Heimat gefunden zu haben. Auf der Reise durch Europa sei im schmerzlich klar geworden, dass Europa im Äußeren immer gleicher werde, eine Reise sei kein Abenteuer mehr wie noch vor 30 oder 40 Jahren. Auch hier kommt er wieder in eine Erzählung hinein, die über Südeuropa in die DDR und zu seinem anfänglichen Leben im Westen führt. Und es wird klar, dass diese Orte sich verbinden durch die Themen, über die er spricht. Traurig mache ihn, dass Dinge aus der Welt verschwänden und nicht mehr wiederkämen, weil niemand mehr sie wisse, z.B. die alten Handwerke. In seinem Bergdorf sei er in einer Welt gewesen, in der fast niemand mehr lebt; die Dörfer sind von den Jungen aufgegeben. Die Leute verlassen ihre Träume, sagt er, und: Die Leute, die die Dörfer verlassen, sind oft fremd in der Welt. Spätestens da wird klar, von wem er eigentlich spricht: von sich. Leute, die ihre Träume verlassen, ohne es zunächst zu wissen, sind danach fremd in der Welt. Sie suchen und finden nicht mehr, allenfalls vorübergehend. Die Zeit dort aber habe ihm gut getan: weniger Ärzte, weniger Telefonate, weniger Schriftkram, mehr Beschaulichkeit. Er sei nicht mehr so depressiv, habe mehr Antrieb, sei körperlich aktiver, habe mehr Zutrauen in sich selbst. Und sein Schlaf sei besser. Er schaut kurz auf und ein seltenes Lächeln ist auf seinem Gesicht, dann ist die Stunde zu Ende.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 
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    <pubDate>Mon, 24 Dec 2012 00:00:00 +0100</pubDate>
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    <title>Diskriminierung und Rassissmus</title>
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    <author>nospam@example.com (Tom Levold)</author>
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    &lt;br /&gt;
&lt;!-- s9ymdb:204 --&gt;&lt;img width=&quot;88&quot; height=&quot;110&quot; class=&quot;serendipity_image_right&quot; style=&quot;float: right; border: 0px none; padding-left: 5px; padding-right: 5px;&quot; src=&quot;http://www.systemagazin.de/serendipity/uploads/advent23.thumb.jpg&quot; /&gt;Heute schreibt Gerti Saxer, Einzel-, Paar- und Familientherapeutin mit einem Schwerpunkt auf der Beratung binationaler Paare in Rorschach in der Schweiz für den systemagazin-Adventskalender:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als ich vor drei Wochen mit Berufskollegen in einem Restaurant sass, betraten zwei Frauen das Lokal, wobei die eine, mit indischer Herkunft, mich freundlich  anschaute und während dem Essen immer wieder nach mir hinüberblickte. Mir kam sie auch bekannt vor, da ich aber mit vielen ausländischen Menschen zu tun habe, konnte ich sie nirgendwo einordnen. Als ich das Restaurant verlassen wollte, stand sie auf und sprach mich an: Grüezi Frau Saxer, wie geht es ihnen? Erst als ich nach ihren Familiennamen fragte, habe ich sie wiedererkannt. Vor gut 10 Jahre waren sie und ihr Mann bei mir in Beratung. Der Grund, er legte ihr kurz &lt;!-- s9ymdb:1636 --&gt;&lt;img width=&quot;83&quot; height=&quot;110&quot; class=&quot;serendipity_image_left&quot; style=&quot;float: left; border: 0px none; padding-left: 5px; padding-right: 5px;&quot; src=&quot;http://www.systemagazin.de/serendipity/uploads/gerti_saxer.thumb.jpg&quot; /&gt;von der Hochzeit einen Ehevertrag vor, der sie sehr verletzte und sie sich deshalb weigerte, diesen zu unterschreiben. Er, Ingenieur und Lehrer an einer Berufsschule, lernte die wunderschöne Frau während seinen Ferien in einer diesen herrlichen Inseln im indischen Ozean kennen. Sie arbeitete dort im Hotel an der Rezeption, konnte deshalb bereits einige Fremdsprachen sprechen. Nach einer kurzen Zeit, während sie die Beziehung via Telefongespräche weiterführten, lud der Mann sie in die Schweiz zu einem Besuch ein. Sie entschieden sich zu heiraten,  was zur Folge hatte, dass sie nicht mehr zurückreisen würde. Das war die Ausgangssituation. Ich bin selber Migrantin und war geübt in der Beratung mit Menschen  aus Südamerika, dessen Kultur ich gut kannte. Hier war ich herausgefordert und meine interkulturellen Kompetenzen in der Beratung auf der Probe gestellt.&lt;br /&gt;
So konnten zwei wichtige Themen gut bearbeitet werden und ich dazu etwas ganz wichtiges gelernt. Als ich  nachfragte, wer für und wer gegen diese Heirat war, kam da einiges zum Vorschein. Die Eltern des Bräutigams, sehr konservative Menschen aus der Innenschweiz, glaubten nicht, dass so eine Verbindung gelingen könnte. Der Vater der Braut, der muslimischen Religion zugehörend, fühlte sich in seiner Ehre verletzt, dass ein Fremder seine Tochter geraubt hatte. Dann haben wir darüber gesprochen, wie er wieder zu seiner Ehre und Würde zurückfinden könnte, damit die Tochter nicht von der Familie ausgeschlossen würde. So haben wir einen Text eingeübt, wobei der Mann den Vater am Telefon um die Hand der Tochter beten sollte, was ihm zuerst sehr widerstrebte. Es tat es mit gutem Erfolg und wurde so von der Familie aufgenommen.&lt;br /&gt;
Dann gingen wir die Gründe nach, weshalb es der Frau so Mühe machte, den Vertrag zu unterschreiben,  der sie von jeglichen finanziellen Vorteilen ausschloss. Das Paar konnte sich dann darauf einigen, dass der Mann ihr eine in ihrer Kultur üblichen Brautgabe in Form eines Geldbetrages, entsprechend einer Ferienreise in der Heimat, auf ihr eigenes Konto überweisen würde. Das wäre für sie eine Garantie, dass wenn es mit der Beziehung nicht klappen würde oder sie starkes Heimweh bekäme, nach Hause reisen könnte.&lt;br /&gt;
Dann fragte ich der Frau, ob sie hier Erfahrungen mit Diskriminierung und Rassismus gemacht hätte, was sie verneinte. Wunderte mir auch nicht, denn nebst ihre Schönheit besass sie ein bezauberndes Lächeln und ausgezeichnete soziale Kompetenzen.  Intuitiv frage ich den Mann, ob er irgendwelche Erfahrung der gleichen Art gemacht hätte. Er bekam gleich Tränen in den Augen und berichtete, ein Kollege, der die Frau gar nicht kannte, habe ihm im Lehrerzimmer vor alle anderen gefragt, aus welchem Katalog  er seine Braut gekauft hätte. Seither gebe ich sehr darauf Acht, auch der einheimischer Partner oder Partnerin über Erfahrungen mit Diskriminierung anzusprechen. &lt;br /&gt;
Beim Abschied im Restaurant fragte ich der Frau, wie es ihnen gehe und ob sie Kinder hätten. Sie erzählte, sie hätte gleich im ersten Jahr hier eine Arbeit auf einer Bank bekommen und war immer noch dort. Die Ehe habe nur vier Jahre gedauert, sie seien geschieden, sie habe nicht wieder geheiratet. Von ihren Wurzeln hatte sie sich freiwillig getrennt, ihre Flügel wollte sie sich jedoch nicht stutzen lassen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 
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    <pubDate>Sun, 23 Dec 2012 00:00:00 +0100</pubDate>
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    <title>Antidoron - die Geschichte vom gesegneten Brot</title>
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            <category>Beiträge</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Tom Levold)</author>
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    &lt;br /&gt;
&lt;a class=&quot;serendipity_image_link&quot; href=&quot;http://www.systemagazin.de/serendipity/uploads/advent22.jpg&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;&lt;!-- s9ymdb:203 --&gt;&lt;img width=&quot;99&quot; height=&quot;110&quot; class=&quot;serendipity_image_right&quot; style=&quot;float: right; border: 0px none; padding-left: 5px; padding-right: 5px;&quot; src=&quot;http://www.systemagazin.de/serendipity/uploads/advent22.thumb.jpg&quot; /&gt;&lt;/a&gt;Weihnachten rückt näher. Zwei Tage vor dem Fest lässt uns Cornelia Tsirigotis, Schulleiterin einer Förderschule für Gehörlose in Frankfurt am Main und Herausgeberin der Zeitschrift für Systemische Therapie und Beratung hinter ihr Adventskalendertürchen schauen:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Meinen kulturellen Rucksack habe ich in unterschiedlichen Lebensphasen gefüllt und umsortiert: Bruder mit Austauschschüler aus Griechenland, Kindheit mit ersten Gastarbeiterfamilien, deren Babys ich spazieren fahren durfte, ein Jahr in Griechenland nach dem Studium in einer Hütte ohne Strom und Wasser, mit Olivenernte, Arbeit in der Kneipe, mit Lektüre griechischer Zeitungen und Gedichte... und dann mit meinem Mann in nunmehr über 30jähriger bikultureller Lebenspartnerschaft mit vielfältigen Erfahrungen mit dem deutschen Umfeld wie mit der Familie in Griechenland. All das hat meine Perspektive und meine Haltung zum Thema Kultur immer wieder verändert, manchmal mit Tränen, immer bereichernd. &lt;br /&gt;&lt;a target=&quot;_blank&quot; href=&quot;http://www.systemagazin.de/serendipity/uploads/tsirigotis2.jpg&quot; class=&quot;serendipity_image_link&quot;&gt;&lt;!-- s9ymdb:1101 --&gt;&lt;img width=&quot;100&quot; height=&quot;72&quot; src=&quot;http://www.systemagazin.de/serendipity/uploads/tsirigotis2.thumb.jpg&quot; style=&quot;float: left; border: 0px none; padding-left: 5px; padding-right: 5px;&quot; class=&quot;serendipity_image_left&quot; /&gt;&lt;/a&gt;In den unterschiedlichen Arbeitskontexten hatte ich es immer wieder mit KlientInnen, SchülerInnen, kundigen Menschen mit Migrationshintergrund zu tun und mit ganz unterschiedlichen Zugängen und Modellen der Gestaltung ihres eigenen kulturellen Wandels. Oft hat mir in Elterngesprächen mein griechischer Nachname als erster Türöffner geholfen: die Unterstellung, Diskriminationserfahrungen beim Leben in Deutschland zu kennen, oder Familiendruck aus der Heimat&lt;br /&gt;Die Art, wie wir Geschichten aus der Arbeit mit KlientInnen aus anderen kulturellen Kontexten erzählen, verraten etwas von unserer Beobachterperspektive und von der Einstellung unserer Brille im kulturellen Rucksack. Vielleicht führt das dazu, dass mir die diesjährige Adventskalendergeschichte nicht so leicht aus der Feder fließt wie Kongressgeschichten oder systemische Begegnungen. &lt;br /&gt;Mein derzeitiges Arbeitsfeld ist eine Schule und ein überregionales Beratungs- und Förderzentrum mit dem Förderschwerpunkt Hören. Die Schülerinnen und Schüler, die meine Stammschule besuchen und nicht in Regelschulen inklusiv beschult werden, haben zu 80 % Migrationshintergrund, durch ihre Hörschädigungen ist ihnen der Zugang zur Kommunikation doppelt erschwert, viele Familien sind von Armut betroffen. Darüber hinaus ist auch die Gehörlosen- und Gebärdenkultur ein Teil der kulturellen Herausforderungen meines Arbeitsalltages.&lt;br /&gt;Eine griechische Schülerin, nennen wir sie Aliki, hat und macht vielfältige Schwierigkeiten. Wenn sie sich ungerecht behandelt fühlt, flippt sie aus. In der Vergangenheit waren Aggressivität und das Erlangen von Selbstkontrolle immer wieder ein Thema. Die Kolleginnen haben sich angewöhnt, wenn sie mit ihr nicht mehr klarzukommen, sie zu mir zu schicken. Manchmal beruhigt die Muttersprache sie, manchmal, wenn sie gar nicht mehr zugänglich ist, redet sie auch mit mir nur deutsch. Wenn sie dann wieder griechisch spricht, ist sie wieder ansprechbar, ist die Kraft der zuwendenden Beziehung wieder da.&lt;br /&gt;Die wenigsten meiner SchülerInnen sind katholisch, der katholische, gebärdenkompetente Gehörlosenpfarrer sehr engagiert. Er hat zurzeit eine Lerngruppe, die sich mit unterschiedlichen Religionen beschäftigt. So meldet er für die vergangen Woche eine Exkursion in die griechisch-orthodoxe Kirche an, die mich zu einem spontanen: Ich gehe mit! veranlasst. Der dortige Pfarrer hat den Schülern sehr schön erklärt, was in der orthodoxen Kirche wichtig ist, die Ikonen, die Symbolik. Aliki wusste ganz viel und der Pfarrer bedankte sich immer wieder, da sie ihn an etwas erinnert hatte. Die anderen SchülerInnen waren interessiert und aufmerksam genug. Alle haben sich gut benommen. Aliki wurde als Expertin akzeptiert, das war eine ganz neue und sehr aufregende Erfahrung für sie. &lt;br /&gt;Wir bekamen, weil Feiertag war, ein gesegnetes Brot, Antidoron, geschenkt. Das konnten wir dann erst am nächsten Tag anschneiden. &amp;#8232;Dazu hatte Aliki die Gruppe in der Pause zusammengetrommelt, ich hatte das Brot schön auf einen Teller mit Weihnachtsserviette platziert - und das Messer vergessen. Aliki stürzt hilfsbereit los, um eins zu organisieren. Wegen einiger Vorerfahrungen geben die Kollegen Aliki kein Messer, ich muss es selbst holen. Sie erklärt mir noch einmal, wie ich das Brot anschneiden soll. Ich lasse sie es selbst machen. Sie macht dreimal mit dem Messer das Kreuz darüber, wie es sich gehört vor dem Anschneiden. Sie verteilt das Brot an die Gruppe, an dazu kommende Lehrerinnen, an andere SchülerInnen, die interessiert dazu kommen. Wir heben je ein Stück für ihre Eltern, für unsere griechischen Putzfrauen und für meinen Mann auf. Aliki erlebt sich als Expertin für ihre Kultur, als selbstwirksam und von den anderen geschätzt. Ein Rahmen, in dem ein ganz anderes Verhalten möglich ist.&lt;br /&gt;Mich freut einfach so eine Entwicklung. Den Umständen zum Trotz.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 
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    <pubDate>Sat, 22 Dec 2012 00:00:00 +0100</pubDate>
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    <title>Multifamilientherapie in einem Satz</title>
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    <author>nospam@example.com (Tom Levold)</author>
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    &lt;a target=&quot;_blank&quot; href=&quot;http://www.systemagazin.de/serendipity/uploads/advent21.jpg&quot; class=&quot;serendipity_image_link&quot;&gt;&lt;!-- s9ymdb:202 --&gt;&lt;img width=&quot;110&quot; height=&quot;100&quot; src=&quot;http://www.systemagazin.de/serendipity/uploads/advent21.thumb.jpg&quot; style=&quot;float: right; border: 0px none; padding-left: 5px; padding-right: 5px;&quot; class=&quot;serendipity_image_right&quot; /&gt;&lt;/a&gt;Björn Enno Hermans, Leiter und Geschäftsführer eines Trägerverbundes der Jugend-, Familien- und Gefährdetenhilfe in Essen, Systemischer Supervisor und Therapeut in freier Praxis und stellvertretender DGSF-Vorsitzender macht heute den Adventskalender auf:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Im Jahr 2007 hatte ich die Leitung der Tagesklinik der Elisabeth-Klinik (Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und psychotherapie) in Dortmund übernommen und nach einigen Monaten gemeinsam dort mit dem Team ein Multifamilientherapie-Angebot eingeführt.&lt;br /&gt;Begeistert und fast ein wenig beseelt von diversen Workshops und Tagungen mit Eia Asen und anderen war ich überzeugt, dass genau ein solches Angebot das richtige für die jeweils 10 Familien der 7-13 jährigen Kinder der Tagesklinik sei. Also starteten wir zunächst mit monatlichen Nachmittagen in einem benachbarten Theater, wo auch schon die Gruppentherapie stattfand, da die Tagesklinik für solche Veranstaltungen deutlich zu klein geraten war.&lt;br /&gt;&lt;a target=&quot;_blank&quot; href=&quot;http://www.systemagazin.de/serendipity/uploads/enno_hermanns.jpg&quot; class=&quot;serendipity_image_link&quot;&gt;&lt;!-- s9ymdb:1635 --&gt;&lt;img width=&quot;93&quot; height=&quot;110&quot; src=&quot;http://www.systemagazin.de/serendipity/uploads/enno_hermanns.thumb.jpg&quot; style=&quot;float: left; border: 0px none; padding-left: 5px; padding-right: 5px;&quot; class=&quot;serendipity_image_left&quot; /&gt;&lt;/a&gt;Die ersten Termine verliefen auch toll; die Stimmung war lösungs- und ressourcenorientiert, die Bedenken der Skeptiker im Team sanken und auch bei den Familien stieg die Solidarität und damit Aktivität bei der Mitarbeit.&lt;br /&gt;Aufgrund der Lage der Tagesklinik mitten in der Stadt, kamen die Familien häufig aus vielen verschiedenen Herkunftsländern und Kulturen, manchmal bis zu 7 verschiedene Herkunftsländer bei 10 Kindern und ihren Familien.&lt;br /&gt;Nach den ersten Monaten dieses Angebots, gab es dann einen Multifamilientherapie-Termin, an dem nur noch zwei Familien teilnahmen, denen dieses Angebot schon vertraut war und insgesamt 8 neue Familien.&lt;br /&gt;Fast alle dieser Familien waren zu diesem Zeitpunkt sehr resigniert über die Symptomatik ihrer Kinder, die häufig in der Zuschreibung ADHS zusammengefasst war. Viele waren von der Schule oder anderen Instanzen geschickt und hatten aufgrund der bisherigen Erfahrungen und des bisherigen Verlaufs wenig Hoffnung auf Veränderung. &lt;br /&gt;Das machten sie auch gleich in der Anfangsrunde der Multifamiliengruppe deutlich und so sollte es auch in den folgenden beiden Stunden bleiben. &lt;br /&gt;Es schien fast so, als ob das auch so sein müsste und jedes Mehr an Lösungsorientierung geradezu eine Zumutung wäre.&lt;br /&gt;Einer der beiden Väter, die das Multifamilientherapie-Angebot nun schon länger kannten, erinnerte sich schnell an seinen ersten Termin in diesem Setting. Die aus der Türkei stammende Familie hatte sich mit ihrem 11-jährigen Sohn in eben einer solchen hilflosen und scheinbar ausweglosen Situation befunden und der Idee, nun mit vielen anderen Familien gemeinsam an Themen zu arbeiten, zunächst sehr wenig abgewinnen können. Mittlerweile hatte dieser türkische Vater jedoch die Erfahrung gemacht, dass sich in der Familie viele Themen hatten ansprechen und zum Teil auch klären lassen und sich die Symptomatik des Sohnes deutlich verändert und damit die gesamte Situation entspannt hatte.&lt;br /&gt;Dabei hatte er besonders auch die Multifamilientherapie als hilfreich und wirksam erlebt.&lt;br /&gt;So versuchte er in der besagten Sitzung nahezu alles, ja es glich einem Werbefeldzug die anderen neuen Familien vom Sinn und den Möglichkeiten der Multifamilientherapie zu überzeugen. Dabei machte er viele Angebote, berichtete detailliert von den eigenen Erfahrungen usw. &lt;br /&gt;Zunächst leider ohne Erfolg, denn die versammelte Familienschar verharrte in ihrer Überzeugung, dass es für sie sicher kein hilfreiches Setting sei.&lt;br /&gt;Etwas enttäuscht ging dann also jener Vater nach Ende des Treffens neben mir zurück in Richtung Tagesklinik, wo anschließend immer ein Familien-Kaffeetrinken angeboten wurde. Nach einigem Schweigen, wandte er sich dann zu mir und sagte einen Satz auf türkisch, den ich nicht verstand, um ihn dann aber gleich zu übersetzen:&amp;#8232;Ach, Herr Hermans, man müsste für die Anderen die Hoffnung erfinden.&lt;br /&gt;Über diesen wunderbaren Satz sind wir dann nicht nur lange ins Gespräch gekommen und haben fast die gesamte nächste Multifamilientherapie zu diesem Thema gearbeitet; ich nutze ihn und diese schöne kleine Geschichte bis heute gerne als Titel und Auftakt für Vorträge und Workshops über Multifamilienarbeit. Besser und authentischer kann ich das Wirkprinzip nicht beschreiben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 
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    <pubDate>Fri, 21 Dec 2012 00:00:00 +0100</pubDate>
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    <title>Das Training ist vorbei!</title>
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    <author>nospam@example.com (Tom Levold)</author>
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    &lt;a class=&quot;serendipity_image_link&quot; href=&quot;http://www.praxis-am-platz.de/gir/gir_start.html&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;&lt;!-- s9ymdb:1634 --&gt;&lt;/a&gt;&lt;a class=&quot;serendipity_image_link&quot; href=&quot;http://www.systemagazin.de/serendipity/uploads/advent20.jpg&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;&lt;!-- s9ymdb:201 --&gt;&lt;img width=&quot;110&quot; height=&quot;98&quot; class=&quot;serendipity_image_left&quot; style=&quot;float: left; border: 0px none; padding-left: 5px; padding-right: 5px;&quot; src=&quot;http://www.systemagazin.de/serendipity/uploads/advent20.thumb.jpg&quot; /&gt;&lt;/a&gt;Inge Liebel-Fryszer, Wolfgang Nöcker und Petra Girolstein (Foto: &lt;a href=&quot;http://www.praxis-am-platz.de/gir/gir_start.html&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;http://www.praxis-am-platz.de&lt;/a&gt;) waren im April dieses Jahres in China, um dort zusammen mit einem Team chinesischer Trainerinnen und Trainer eine Weiterbildung für 75 chinesische PsychiaterInnen und Psychotherapeuten zu leiten. Es handelte sich um das zweite von vier Seminaren innerhalb des &amp;quot;Fifth Chinese-German Advanced Training Program For Systemic Family Therapy&amp;quot;, ein Kooperationsprojekt der Deutsch-Chinesischen Akademie für Psychotherapie, dem Institute Of Mental Health Bejing University und dem Center Of Clinical Psychology Bejing University. Petra Girolstein macht heute das 20. Adventskalendertürchen mit einem Bericht vom letzten Seminartag auf:&lt;a target=&quot;_blank&quot; href=&quot;http://www.praxis-am-platz.de/gir/gir_start.html&quot; class=&quot;serendipity_image_link&quot;&gt;&lt;!-- s9ymdb:1634 --&gt;&lt;img width=&quot;79&quot; height=&quot;110&quot; src=&quot;http://www.systemagazin.de/serendipity/uploads/girolstein.thumb.jpg&quot; style=&quot;float: right; border: 0px none; padding-left: 5px; padding-right: 5px;&quot; class=&quot;serendipity_image_right&quot; /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Heute war der letzte Seminartag. Noch purzeln alle Eindrücke durcheinander. Am Anfang unsere Aufregung, die fremde Sprache, die große Gruppe, lectures auf Englisch! An jedem Tag gab es so viel Neues dass wir abends erfüllt und platt waren und uns erstaunt fragten ob wir wirklich erst ein, zwei oder drei Tage da wären. Die ersten lectures, der erste Abendvortrag, die erste Supervision, das erste Team mit den chinesischen Trainern, die erste Live-Familie! Wir drei, Wolfgang, Inge und ich, die erst eher zusammengewürfelt als abgestimmt schienen. In Deutschland hatten wir uns zweimal zur Vorbereitung getroffen, und in Bejing ging die Zusammenarbeit von null auf hundert los.&lt;br /&gt;Es ist uns gut gelungen! JedeR von uns konnte seinen oder ihren Stil leben und auf den Support der anderen bauen. Kooperationsmomente klappten nahezu mühelos und wir hatten viel Spaß!&lt;br /&gt;In der Mitte des Seminars erlebten wir eine Wende: Die Aufregung ließ nach, die Energie langsam auch. Es gab mehr Genuss auch während der Arbeit  und abends fielen wir halbtot ins Bett.&lt;br /&gt;Die chinesischen Teilnehmer machten es uns leicht. Kaum hatten wir Bilder oder Metaphern angesprochen, wetteiferten sie darum sie zu kreieren. Rollenspiele oder Aufstellungsarbeit waren kein Problem sondern immer eine energetische Freude. Zum ersten Mal in der Geschichte dieser Weiterbildung wurde bei einer Live-Familie mit Skulpturen gearbeitet. Dass es das erste Mal war erfuhren Wolfgang und ich zum Glück erst danach.&lt;br /&gt;Chinesen scheinen ihre Energie wie auf Knopfdruck nutzen zu können. Sie haben unglaubliche Talente beim Singen, Spielen und Erzählen  Letzteres brachte uns so manches Mal in die Bredouille, wenn wir den chinesischen Wortschwall stoppen wollten, nicht verstanden und deshalb keine Lücke fanden. Genauso schnell wie sie den Raum füllen verlassen sie ihn auch wieder, wie ein Spuk oder eine Erscheinung nach der man sich fragt ob man sie erlebt hat oder nicht.&lt;br /&gt;Wir lernten unglaublich viel von chinesischer (Familien-) Geschichte der letzten Jahrzehnte und staunten über manch unerwartete Unterschiede. In diesem Land scheint so viel im Umbruch und in tiefgreifenden Veränderungsprozessen zu sein, dass die Verführung groß ist mitmischen zu wollen. Es gäbe so viel zu tun für Therapeuten, Sozialarbeiter und Beraterinnen! Doch wäre es wirklich mehr als bei uns oder nur anders?&lt;br /&gt;Nun ist es Abend, fast Nacht. Wir waren in der Peking-Oper, ein irres Erlebnis an fremden Klängen und wunderschönen Stimmen. Die Klänge manchmal schrill für unsere Ohren, es fehlt die europäische Lieblichkeit. Hier gehen auch kleine Kinder und Jugendliche in die Oper, meist mit ihren Großeltern während die Eltern hinterherlaufen oder gar nicht da sind.&lt;br /&gt;Das Gebäude ist imposant und ein architektonisches Wunderwerk. Von außen sehen wir eine riesige gläserne Kuppel. Innen schwappt ein See über die Glasdecke und und Rolltreppen führen in Stockwerke die mit einer Vielzahl an Materialien und immer neuen Formen und Winkeln gebaut wurden.&lt;br /&gt;Nach der Vorstellung versuchten wir vergeblich ein Taxi anzuhalten. Schließlich fuhren wir zu dritt mit einer Rikscha durch die Nacht bis der Radfahrer an einer Kreuzung ein Taxi für uns ergatterte. Der Taxifahrer brauchte eine Weile um zu entscheiden ob er uns fahren könne  Beijing ist anscheinend zu groß um alle Stadtteile kennen zu können. Schließlich brachte er uns unter unserem Applaus ins Hotel. Die erste Nacht nach dem Seminar wartet. &lt;br /&gt;Gute Nacht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 
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    <pubDate>Thu, 20 Dec 2012 00:00:00 +0100</pubDate>
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    <title>Sich zeigen ist Gold, reden ist Silber</title>
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            <category>Beiträge</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Tom Levold)</author>
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    &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;!-- s9ymdb:199 --&gt;&lt;p&gt;&lt;!-- s9ymdb:200 --&gt;&lt;img width=&quot;79&quot; height=&quot;110&quot; class=&quot;serendipity_image_right&quot; style=&quot;float: right; border: 0px none; padding-left: 5px; padding-right: 5px;&quot; src=&quot;http://www.systemagazin.de/serendipity/uploads/advent19.thumb.jpg&quot; /&gt;Wie gestern ist auch das heutige Adventskalendertürchen eine Gemeinschaftsproduktion von Liane Stephan und Mohammed El Hachimi aus Bergisch Gladbach:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein Paar kommt zu uns in die Praxis.&lt;br /&gt;Sie ist Deutsche, er Schwarzafrikaner. Sie haben miteinander zwei Kinder im Alter von drei und sieben Jahren. Sie kommen wegen vieler Streitigkeiten in der Erziehung ihrer Kinder.&lt;br /&gt;Die Frau klagt: Mein Mann kennt Erziehung nicht. Er weiß nicht, wie man Grenzen setzen muss und was es heißt, Verantwortung &lt;!-- s9ymdb:1632 --&gt;&lt;img width=&quot;97&quot; height=&quot;110&quot; class=&quot;serendipity_image_left&quot; style=&quot;float: left; border: 0px none; padding-left: 5px; padding-right: 5px;&quot; src=&quot;http://www.systemagazin.de/serendipity/uploads/liane.thumb.png&quot; /&gt;zu übernehmen.&lt;br /&gt;Der Mann erwidert: Ich verstehe nicht, was meine Frau meint. Ich erziehe die Kinder, ich achte auf sie. Auf die Frage, was denn beide unter Erziehung verstünden, antwortet die Frau, es ginge darum, den Kindern klare Wege aufzuzeigen und entsprechend Grenzen zu setzen und Herausforderungen zu stellen.&lt;br /&gt;Der Mann betont dagegen, ihm sei wichtig, die Kinder unter sich spielen und einfach mitlaufen zu lassen, sie dürfen überall dabei sein, sie sind einfach da. Sie bräuchten keine spezielle Aufmerksamkeit.&lt;br /&gt;Im weiteren Gespräch bitten wir die beiden, mit Hilfe der in der Praxis vorhandenen Gegenstände ein typisches Bild ihrer eigenen Kindheit aufzubauen.&lt;br /&gt;&lt;!-- s9ymdb:1633 --&gt;&lt;img width=&quot;110&quot; height=&quot;100&quot; class=&quot;serendipity_image_right&quot; style=&quot;float: right; border: 0px none; padding-left: 5px; padding-right: 5px;&quot; src=&quot;http://www.systemagazin.de/serendipity/uploads/mohammed.thumb.png&quot; /&gt;Die Frau holt sich einen Stuhl und einen kleinen Tisch, sucht sich zwei Puppen aus und spielt auf dem Tisch ein Rollenspiel: Vater, Mutter, Kind. Sie sitzt dabei sehr aufrecht und akkurat.&lt;br /&gt;Der Mann nimmt sich ein Seil und formt einen größeren Kreis daraus. Er legt sich auf den Boden, die Beine überkreuzt, die Hände hinter dem Kopf und schaut in die Sterne, den Himmel, hört,  wie die anderen Kinder mit einer Blechdose Fußball spielen, schreiende Babys alles wirbelt Staub auf.&lt;br /&gt;Nachdem sie erzählen konnten, welche Ressourcen in diesen beiden Bildern stecken und wie gerade diese Unterschiede die Kinder auch bereichern könnten, gibt es eine erste Annäherung an das gemeinsame Dritte.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;
 
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    <pubDate>Wed, 19 Dec 2012 00:00:00 +0100</pubDate>
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    <title>Die Geschichte von einem, der nach Hause kam...</title>
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            <category>Beiträge</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Tom Levold)</author>
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    &lt;br /&gt;
&lt;!-- s9ymdb:199 --&gt;&lt;img width=&quot;100&quot; height=&quot;110&quot; class=&quot;serendipity_image_left&quot; style=&quot;float: left; border: 0px none; padding-left: 5px; padding-right: 5px;&quot; src=&quot;http://www.systemagazin.de/serendipity/uploads/advent18.thumb.jpg&quot; /&gt;Heute öffnen Liane Stephan und Mohammed El Hachimi aus Bergisch Gladbach gemeinsam das Adventskalendertürchen:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein kleiner vierjähriger Junge wird im Kindergarten wegen seiner Hautfarbe gehänselt. Die deutschstämmigen Eltern haben vor drei Jahren das Kind aus West-Afrika legal adoptiert. Er reagiert laut der Erzählung der Erzieher sehr aggressiv auf die Hänseleien. Er spucke und schlage um sich etc., wodurch andere Kinder gefährdet seien.&lt;br /&gt;Den Eltern wird seitens des Kindergartens nahegelegt, für das Kind in einer Therapie oder einer anderen pädagogischen Einrichtung Unterstützung zu suchen. Die Adoptiveltern sind ratlos und glauben inzwischen nicht an eine Besserung. Sie haben &lt;!-- s9ymdb:1632 --&gt;&lt;img width=&quot;97&quot; height=&quot;110&quot; class=&quot;serendipity_image_right&quot; style=&quot;float: right; border: 0px none; padding-left: 5px; padding-right: 5px;&quot; src=&quot;http://www.systemagazin.de/serendipity/uploads/liane.thumb.png&quot; /&gt;schon alles mögliche versucht, mit der Kitaberaterin, mit den Eltern der anderen Kinder und mit den Erziehern ausführliche Gespräche geführt. Ein Kita-Wechsel komme für sie aus beruflichen Gründen nicht in Frage. Aber auch die Kita weiß sich nicht mehr zu helfen.&lt;br /&gt;In der Therapie erklärt der Junge sein Verhalten mit den Worten: &amp;quot;sie ärgern mich und sagen ,Neger, Neger zu mir und dann muss ich mich wehren. Wir schlagen den Eltern ein Experiment vor: Machen sie mit dem Kind in Westafrika eine Woche Urlaub und zeigen dem kleinen Jungen seine eigentliche Herkunft, jedoch sollten Sie auf keinen Fall die (allen dreien &lt;!-- s9ymdb:1633 --&gt;&lt;img width=&quot;110&quot; height=&quot;100&quot; class=&quot;serendipity_image_left&quot; style=&quot;float: left; border: 0px none; padding-left: 5px; padding-right: 5px;&quot; src=&quot;http://www.systemagazin.de/serendipity/uploads/mohammed.thumb.png&quot; /&gt;unbekannten) leiblichen Eltern suchen und treffen. Die Eltern sind einverstanden und führen die Reise wie vorgeschlagen durch.&lt;br /&gt;Nach der Rückreise berichten sie Folgendes: Es sei fast ein Wunder geschehen Dem Jungen ginge es gut in der Kita, er würde jetzt auch nicht mehr aggressiv reagieren.&lt;br /&gt;Wenn die anderen Kinder ihn wieder mit dem Wort Neger reizen wollten oder ansprächen, würde er antworten: &amp;quot;ja, ich war in Afrika, ich bin Afrikaner&amp;quot;.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 
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    <pubDate>Tue, 18 Dec 2012 00:00:00 +0100</pubDate>
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    <title>Küsse aus Brasilien</title>
    <link>http://www.systemagazin.de/serendipity/index.php?/archives/2464-Kuesse-aus-Brasilien.html</link>
            <category>Beiträge</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Tom Levold)</author>
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    &lt;br /&gt;
&lt;!-- s9ymdb:198 --&gt;&lt;img width=&quot;89&quot; height=&quot;110&quot; class=&quot;serendipity_image_right&quot; style=&quot;float: right; border: 0px none; padding-left: 5px; padding-right: 5px;&quot; src=&quot;http://www.systemagazin.de/serendipity/uploads/advent17.thumb.jpg&quot; /&gt;Roswitha Keicher ist die Integrationsbeauftragte der Stadt Heilbronn, &lt;a target=&quot;_blank&quot; href=&quot;http://www.heilbronn.de/ord_soz/integration/&quot;&gt;in deren Diensten mehr als 45 kulturelle Mittler/innen übersetzen&lt;/a&gt;, vermitteln und über kulturelle Unterschiede in Heilbronn aufklären. Sie sind im Einsatz bei Beratungsgesprächen verschiedener Einrichtungen aus dem professionellen Feld der Sozialen Arbeit. Aus deren Alltag hier eine Begebenheit mit einer brasilianischen kulturellen Mittlerin für das heutige Adventskalendertürchen:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wie immer saß die Kulturelle Mittlerin bereits vor dem eigentlichen Beratungsgespräch mit der Beraterin in deren Büro. Wie groß war die Verwunderung der Beraterin als die Klientin ins Büro hereintrat und die Kulturelle Mittlerin herzlich begrüßte, dabei umarmte und küsste. So eine Begrüßung würde in Deutschland nur eins  bedeuten: dass diese Menschen ganz enge Freunde sind.  Während des Gespräches übersetzte (zum großen Erstaunen der Beraterin) die Mittlerin dann neutral, kompetent und professionell. Keine Spur mehr von der vorherigen Emotionalität?! Die Beraterin war sichtlich verwirrt. Erst nach dem Gespräch fasste sie sich und fragte die Mittlerin, woher sie die Klientin so gut kenne?! Die Mittlerin war über diese Frage sichtlich überrascht und wollte wissen, wie die Beraterin darauf käme, woraufhin die Beraterin die Begrüßungssituation ansprach. Die Mittlerin lachte herzlich und erklärte, dass es in Brasilien beim Begrüßungsritual üblich ist, dass die Leute sich umarmen und fröhlich begrüßen - völlig unabhängig davon, ob man die Person persönlich kennt oder nicht. Beide waren erleichtert, dass es sich nur um ein kulturelles Missverständnis gehandelt hat, das zum Glück so schnell durch kompetente Aufklärung beseitigt werden konnte.&lt;br /&gt;Informationen zu den kulturellen Mittler/innen über integration@stadt-heilbronn.de&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 
    </content:encoded>

    <pubDate>Mon, 17 Dec 2012 00:00:00 +0100</pubDate>
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    <title>Mitmachen?</title>
    <link>http://www.systemagazin.de/serendipity/index.php?/archives/2461-Mitmachen.html</link>
            <category>Beiträge</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Tom Levold)</author>
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    &lt;!-- s9ymdb:197 --&gt;&lt;img width=&quot;130&quot; height=&quot;132&quot; src=&quot;http://www.systemagazin.de/serendipity/uploads/advent16.jpg&quot; style=&quot;float: right; border: 0px none; padding-left: 5px; padding-right: 5px;&quot; class=&quot;serendipity_image_right&quot; /&gt;Edelgard Struß, systemische Supervisorin und Coach aus Köln, berichtet hinter dem heuten Kalendertürchen von einer Supervision in einem multikulturellen Team:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Supervision im 11köpfigen Team einer Institution, die Betreuung und Beratung für psychisch kranke Erwachsene anbietet: 9 deutsche Männer und Frauen, 2 türkische Frauen (sie sagen zu sich türkisch, obwohl sie beides sind, Deutsche wie Türkinnen). Eine deutsche Kollegin berichtet von einem Fall, einem jungen Mann, der seit zwei Jahren versucht, selbstständig in seinem Apartment zurechtzukommen. Sehr mühselig das Ganze. Die Eltern, griechische Türken, belagern ihren Sohn täglich und kümmern sich um alles. Am schlimmsten, sagt die Betreuerin, ist es, wenn ich mit den Eltern zu tun habe: sie fassen mich dauernd an, wenn wir reden, nicht zum Aushalten. Dieses  Anfassen geht eigentlich gar nicht für mich, Handgeben am Anfang und am Ende geht klar, aber dann ist Schluss.&lt;br /&gt;&lt;!-- s9ymdb:1096 --&gt;&lt;img width=&quot;100&quot; height=&quot;133&quot; src=&quot;http://www.systemagazin.de/serendipity/uploads/struss2.jpg&quot; style=&quot;float: left; border: 0px none; padding-left: 5px; padding-right: 5px;&quot; class=&quot;serendipity_image_left&quot; /&gt;In der Runde ist jetzt die Rede von der Übergriffigkeit der Eltern, distanzlosem Verhalten, Versuchen, die Betreuerin ins Familiensystem zu ziehen. Aber was habt ihr denn mit dem Anfassen! ruft eine türkische Kollegin. Das ist doch ganz normal! Die griechischen und türkischen Leute fassen sich dauernd an untereinander! Warum sollen sie euch nicht auch anfassen?! Ich versteh das nicht! Man blickt sich an in der Runde, einige sagen, ja, weiß ich auch nicht, dann wird das Thema fallen gelassen.&lt;br /&gt;Die deutsche Kollegin erzählt weiter. Ganz eigenartig sei auch, wie es zu den Treffen in der Wohnung des jungen Mannes komme. Wenn ich mich mit ihm verabrede, sagt sie, muss ich ihn immer ein-zwei Stunden vor dem Treffen anrufen und nochmal Bescheid sagen, dass ich um soundso viel Uhr komme. Ohne diese zusätzliche Ansage, so behauptet der junge Mann, vergesse er den Termin. Tatsächlich, lacht die Betreuerin, habe ich selbst schon einmal vergessen, ihn vorher anzurufen und ihn dann nicht angetroffen. &lt;br /&gt;Die Runde ist amüsiert über das Hin und Her der Vergesslichkeiten, findet aber, dass das eigentlich zu weit geht und dadurch das abhängige Verhalten des jungen Mannes gefördert werde. Irgendwie sei es aber wie ein Spiel, aus dem man nicht aussteigen kann, ohne dass etwas kaputt geht.&lt;br /&gt;Ist doch ein Spiel, sage ich, machen Sie mit! Das nächste Mal rufen sie ihn vorher an und sagen: Hören Sie mal, wie ist das eigentlich, sind wir heute verabredet!?&lt;br /&gt;Ja genau, sagt die türkische Kollegin, man muss mitmachen, wenigstens ein bisschen. Sonst geht es nicht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 
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    <pubDate>Sun, 16 Dec 2012 00:00:00 +0100</pubDate>
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    <title>Psychotherapie kann so einfach sein. Eine interkulturelle Lernerfahrung</title>
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            <category>Beiträge</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Tom Levold)</author>
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    &lt;!-- s9ymdb:182 --&gt;&lt;img width=&quot;130&quot; height=&quot;107&quot; src=&quot;http://www.systemagazin.de/serendipity/uploads/advent15.jpg&quot; style=&quot;float: left; border: 0px none; padding-left: 5px; padding-right: 5px;&quot; class=&quot;serendipity_image_left&quot; /&gt;Heute ist &lt;a href=&quot;http://www.christian-zniva.at/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Christian Zniva&lt;/a&gt;, Psychotherapeut in freier Praxis aus Linz in Österreich an der Reihe, ein Adventskalendertürchen zu öffnen:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Geschichte, die ich erzählen will,  stammt aus einem persönlichen Kontakt mit einem Priester aus Nigeria, der in Österreich seine Ausbildung zum Psychotherapeuten (Systemische Familientherapie) absolvierte. Meine Begegnung mit ihm fand in einer Veranstaltung zu dem Thema Religion als Gegenüber, als Herausforderung und als Ressource für Psychotherapie statt. Beeindruckt hat mich die Einfachheit seines Vortrags. Zentraler Inhalt seiner Ausführungen war die Frage: Wie kann man sich Psychotherapie in Nigeria vorstellen? Zwei Punkte, die mir besonders in Erinnerung geblieben sind, möchte ich an dieser Stelle kurz wieder geben. Der erste bezieht sich auf das Thema Setting, der zweite auf das Thema Methodik. Zum Setting:  In Nigeria findet Psychotherapie immer in Anwesenheit der Familie statt.  Dem Aussprechen von Problemen in Anwesenheit der Familie und dem Bekenntnis eigener Verantwortung zur Problementstehung vor der Familie wird in Nigeria eine heilende Funktion zugeschrieben. Intimität und Verschwiegenheit werden im Gegensatz zu unserem Kulturkreis nicht als lösungsfördernde Rahmenbedingungen angesehen. Vielmehr wird die Anwesenheit von Familie und anderen relevanten Personen als Ressource genutzt, ja geradezu als Voraussetzung für das Gelingen von Psychotherapie angesehen. Zur Methodik: In Nigeria hat das Ritual eine zentrale Funktion in der Psychotherapie. Gefragt nach den psychotherapeutischen rituellen Handlungen, die in Nigeria Anwendung finden, antwortete der Priester: In Nigeria ist das ganz einfach. Es gibt fünf Sachen, die der Seele gut tun: Reden, Weinen, Lachen, Tanzen und Singen. Auch wenn ich mich nicht der Illusion hingeben will, Weisheiten aus Nigeria 1:1 auf Psychotherapie in Zentraleuropa übertragen zu können, leitete ich zwei Aspekte für meine Arbeit aus dem Vortrag ab. Erstens: Ich denke auch bei erwachsenen Klienten öfter daran das Setting zu erweitern und Personen aus dem Herkunftssystem in die Therapie einzuladen. Zweitens: Auch wenn Probleme komplex erscheinen mögen, können Lösungen einfach sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 
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    <pubDate>Sat, 15 Dec 2012 00:00:00 +0100</pubDate>
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    <title>Küsse für den Therapeuten - Begrüßungsrituale</title>
    <link>http://www.systemagazin.de/serendipity/index.php?/archives/2459-Kuesse-fuer-den-Therapeuten-Begruessungsrituale.html</link>
            <category>Beiträge</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Tom Levold)</author>
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    &lt;br /&gt;
&lt;!-- s9ymdb:196 --&gt;&lt;img width=&quot;88&quot; height=&quot;110&quot; class=&quot;serendipity_image_right&quot; style=&quot;float: right; border: 0px none; padding-left: 5px; padding-right: 5px;&quot; src=&quot;http://www.systemagazin.de/serendipity/uploads/advent14.thumb.jpg&quot; /&gt;Kurt Ludewig, der das heutige Adventskalendertürchen öffnet, ist als Deutsch-Chilene ohnehin für kulturelle Unterschiede sensibilisiert, musste aber die Erfahrung machen, dass sich auch diese Unterschiede im Laufe der Zeit schneller ändern können als erwartet:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In September 1987 wurde ich eingeladen, eine einmonatige Gastdozentur am Instituto de Psicología der Universidad de La Frontera in Temuco, Chile, durchzuführen. Ich sollte die dortigen Hochschuldozenten auf den neuesten Stand in Sachen systemisches Denken und systemische Praxis bringen. Als gebürtiger Chilene hatte ich, obwohl ich schon mehr als 25 Jahre im Ausland gelebt hatte, wenig Schwierigkeiten, mich in der spanischen Sprache zu Hause zu fühlen. Allenfalls fehlten mir hier und da einige Fachbegriffe, die ich dann aber auf Englisch äußerte, sodass einer der teilnehmenden Kollegen sie ins Spanische übersetzten konnte. Der jugendliche Slang und einige Sitten hatten sich seit meiner Auswanderung zwar etwas verändert, doch gelang es mir, fast alles zu verstehen und mich angemessen zu verhalten. Erstaunt war ich allerdings zunächst, als ich von den Frauen, die ich zum ersten Mal begegnete, gleich mit einem Wangenkuss begrüßt wurde. Der gegengeschlechtliche Wangenkuss hatte sich als Begrüßungszeremoniell etabliert. Eine solche Form der &lt;!-- s9ymdb:119 --&gt;&lt;img width=&quot;80&quot; height=&quot;110&quot; class=&quot;serendipity_image_left&quot; style=&quot;float: left; border: 0px none; padding-left: 5px; padding-right: 5px;&quot; src=&quot;http://www.systemagazin.de/serendipity/uploads/ludewig.thumb.jpg&quot; /&gt;Annäherung war damals in Deutschland ziemlich undenkbar und wäre als distanzlos bzw. grenzüberschreitend gewertet worden. Für mich war sie anfangs gewöhnungsbedürftig. Mit dem Wetter im südchilenischen Frühling hatte ich ebenfalls wenig Schwierigkeiten. Es war dort genau so kühl und regnerisch wie das Wetter im Hamburger Frühling, an den ich mich mittlerweile gewöhnt hatte. Die Stadtbilder der Gegend, aus der ich kam, nämlich Zentralchile, hatten sich stark verändert. Die gemächlichen Chalets und die baumschattigen Alleen, die meiner Geburtsstadt ein besonders Flair verliehen, waren größtenteils mehrstöckigen Wohnblöcken und breiten Autostraßen gewichen. Schließlich hatte sich die Bevölkerung im letzten Vierteljahrhundert mehr als verdoppelt. Chile stand zu der Zeit immer noch unter einer Militärdiktatur, und das hatte darüber hinaus Vieles im Umgang der Menschen untereinander verändert. An der Universität wurde ich früh gewarnt, sparsam mit öffentlichen politischen Äußerungen umzugehen, denn man rechnete damit, dass unter den Dozenten Spitzel waren. Bei privaten Treffen unter Menschen, die sich gegenseitig vertrauten, war es aber möglich, über alles offen zu reden. Und das tat man auch ausführlich. Man konnte dabei eine Ahnung davon bekommen, dass die Zeiten der Diktatur in nicht all zu großen Ferne zu Ende gehen würden. Das geschah auch zwei Jahre später, als der Diktator durch öffentliche freie Wahlen abgewählt wurde.&lt;br /&gt;Im Rahmen meiner Gastdozentur hatte ich mir vorgenommen, einige Live-Demonstrationen von Familientherapien durchzuführen. Dafür sollte die vorhandene Einwegscheibe genutzt werden. Die teilnehmenden Dozenten würden dem Familiengespräch von draußen anschauen und später mit mir diskutieren. Meine erste Sitzung mit einer chilenischen Familie hat mich zu Anfang ziemlich verunsichert, eigentlich sollte ich sagen: &amp;#8223;entwaffnet. Es handelte sich um ein junges Ehepaar mit drei Kindern zwischen sechs und elf Jahren. Als ein in Deutschland, zumal in Norddeutschland beruflich sozialisierter Familientherapeut hatte ich mir angewöhnt, die Sitzung mit einer eher distanzierten Haltung zu beginnen. Das sollte sowohl der Familie als auch mir ermöglichen, uns langsam aneinander anzunähern, ohne uns durch zu starke Involviertheit gegenseitig zu überfordern.&lt;br /&gt;So war meine Erwartung auch, als die chilenische Familie den Therapieraum betrat. Ich ging auf sie zu und bot ihnen meine Hand zur Begrüßung an. Der Familienvater nahm meine Hand und drückte sie herzlich - so weit, so gut. Dann wandte ich mich der Mutter zu und bot ihr ebenfalls die Hand an. In typisch chilenischer Manier übersah sie diese Geste, ging statt dessen auf mich zu und küsste mich auf die Wange. Ich stand da ziemlich ratlos und wusste zunächst nicht, was ich als nächstes tun sollte. Es war aber nicht nötig, dass ich etwas tat, denn die drei Kinder kamen der Reihe nach auf mich zu und drückten mich sanft nach unten, um mir mit einem &amp;#8223;Hola tio auf die Wange zu küssen. (In Chile war es damals und ist vielleicht heute noch Usus, dass Kinder für sie wichtige Erwachsene mit &amp;#8223;tio anreden, also als Onkel bezeichnen.)&lt;br /&gt;Dankenswerterweise hat die Kollegin, die mit mir als Kotherapeutin die Sitzung durchführen sollte, die Situation übernommen und einige Zeit damit verbracht, der Familie die Besonderheiten des Settings zu erklären. Diese Zeit habe ich tatsächlich gebraucht, um mich von der Überraschung und Verunsicherung zu erholen, die diese vielen Küsse ausgelöst hatten. Das weitere Gespräch ging um die Probleme, die sie überwinden wollten. Das unterschied sich nicht wesentlich von dem, was ich aus Deutschland kannte. Zum Abschluss des Gesprächs wurde ich aber wieder von der Frau und den drei Kindern herzlich geküsst. Bis dahin hatte ich mich aber daran gewöhnt und war nicht mehr überrascht. Ich begann zu verstehen, dass das Ansinnen, die Durchführung von therapeutischen Gesprächen nach standardisierten Maßgaben zu gestalten, nur dann Sinn macht, wenn man sie an den Gepflogenheiten einer bestimmten Kultur orientiert. Diese Erfahrung sollte mir dann in späteren Jahren bei den Gesprächen helfen, die ich in anderen Ländern als Demonstration durchführte. Ich lernte, mit geringeren vorgefertigten Erwartungen an die Klienten heranzugehen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 
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    <pubDate>Fri, 14 Dec 2012 00:00:00 +0100</pubDate>
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    <title>(Noch mehr) Ukrainische Episoden</title>
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            <category>Beiträge</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Tom Levold)</author>
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    &lt;br /&gt;
&lt;!-- s9ymdb:195 --&gt;&lt;img width=&quot;110&quot; height=&quot;107&quot; class=&quot;serendipity_image_right&quot; style=&quot;float: right; border: 0px none; padding-left: 5px; padding-right: 5px;&quot; src=&quot;http://www.systemagazin.de/serendipity/uploads/advent13.thumb.jpg&quot; /&gt;Nachdem gestern Rudolf Klein mit uns seine Impressionen aus der Weiterbildungsarbeit in der Ukraine geteilt hat, gibt es heute noch einen zweiten Blick auf diese Zeit von Barbara Schmidt-Keller, die gemeinsam mit ihm diese Zeit in Ivano-Frankivsk erlebt und gestaltet hat:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;b&gt;Ukrainische Episoden&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Einige Episoden während unserer verschiedenen Aufenthalte in der Ukraine sind mir besonders im Gedächtnis geblieben. Vassily hatten wir ja bereits in Deutschland kennen gelernt. Igor, sein Freund und Kollege und unser Chauffeur, hatte uns in Lemberg vom Flughafen abgeholt (Die Abenteuer der transukrainischen Autofahrten sind schon gestern an dieser Stelle ausführlicher behandelt worden). Am nächsten Tag lernten wir den Rest der Kerngruppe kennen, die zusätzlich aus  Viktor und Ira, beides Psychiater, und Oleg, der als Dolmetscher für uns arbeitete, bestand. Ira, eine attraktive Frau um die 40, hatte in der Vorbereitungsphase neben ihrer Tätigkeit in der Klinik und an der Uni zusätzlich Sekretariatsarbeit für das Systemische Projekt übernommen  und unsere ins Ukrainische übersetzten Handouts und Arbeitsblätter gestaltet.&lt;br /&gt;&lt;!-- s9ymdb:1629 --&gt;&lt;img width=&quot;83&quot; height=&quot;110&quot; class=&quot;serendipity_image_left&quot; style=&quot;float: left; border: 0px none; padding-left: 5px; padding-right: 5px;&quot; src=&quot;http://www.systemagazin.de/serendipity/uploads/barbaraschmidtkeller.thumb.jpg&quot; /&gt;In den ersten Kontakten mit ihnen und auch mit der Gesamtgruppe sind mir die Rituale der Begrüßung und Kontaktaufnahme am Anfang ein Rätsel geblieben.Während Rudi von den einzelnen Teilnehmern der Gruppe mit großer Höflichkeit und sehr respektvoll begrüßt wurde, nickte man mir eher aus der Ferne zu. &lt;br /&gt;Ich überprüfte kurz, ob ich einen Stenoblock in der Hand und einen Bleistift hinter dem Ohr hatte, dem war nicht so. Auf den nächsten Würdenträger, der uns vorgestellt wurde, es war der Chefarzt der Klinik, der uns die Räume für das Seminar zur Verfügung gestellt hatte, trat ich dann auch entschlossen zu und schüttelte ihm die Hand. Er schien etwas überrascht, reagierte aber souverän. &lt;br /&gt;Oleg, unser  Dolmetscher, erklärte mir anschließend, dass es in der  Ukraine als unhöflich angesehen werde, einer Frau die Hand zu geben, weil dies als eine Respektlosigkeit angesehen werde (Ob die Erklärung stimmt, welche ich an anderer Stelle gelesen habe, vermag ich nicht zu beurteilen. Diese besagt, dass die Frau, die nach einem Händeschütteln in die Küche zurückkehrt, die ihr angestammter Platz ist, sich die Hände dann ständig waschen müsse, bevor sie wieder mit den Lebensmitteln hantiert, und dass man ihr dies respektvoll ersparen möchte).&lt;br /&gt; Ob es auch als respektlos  angesehen wurde, als Frau diesbezüglich initiativ zu sein und die Hand eines verdutzten Mannes zu ergreifen, oder ob hier andere Bewertungskategorien gelten, ist mir nie wirklich klar geworden. Aber im Laufe der beiden Jahre begegnete man mir mit freundlicher Nachsicht. Meine rechte Hand führte manchmal ein Eigenleben und wollte schneller Guten Tag sagen, als mein Gedächtnis brauchte, um die kulturellen Unterschiede in den Arbeitsspeicher zu laden.&lt;br /&gt;Und so stellten wir uns wechselseitig darauf ein, uns die Hände zu schütteln oder auch nicht, je nach dem, welcher Impuls auf welcher Seite vom jeweiligen Gegenüber zuerst dekodiert wurde.&lt;br /&gt;Rudi berichtet an anderer Stelle über die korrekte Zusammensetzung eines ukrainischen Frühstücks, das wir häufig in einem Café zu uns nahmen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;!-- s9ymdb:1631 --&gt;&lt;img width=&quot;380&quot; height=&quot;380&quot; src=&quot;http://www.systemagazin.de/serendipity/uploads/barbara_ukraine.jpg&quot; style=&quot;border: 0px none; padding-left: 5px; padding-right: 5px;&quot; class=&quot;serendipity_image_center&quot; /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es bestand aus Eiern in jeder Zubereitungsform, süßen und salzigen Pfannkuchen, eingelegten oder frittierten Fischen, Würstchen, Kuchen, Buchweizengrütze, Brot und Butter, Marmelade, Käse oder Aufschnitt. Längere Zeit gingen wir davon aus, dass diese Angebotspalette typisch für dieses spezifische Café war, und eine Ähnlichkeit mit dem typischen ukrainischen Frühstück nicht bestünde. &lt;br /&gt;Weit gefehlt. Staunend hörten wir dem Bericht einer jungen Germanistikstudentin zu, die Oleg gelegentlich beim Dolmetschen vertrat, als diese höflich nach unserem Frühstück gefragt und anschließend erzählt hatte, welche verschiedenen kalten und warmen Gerichte sie an diesem Morgen bereits zu sich genommen hatte. &lt;br /&gt;Ihre Mutter, so erzählte sie, stehe an jedem Morgen um 5:00 Uhr auf, um der Familie ein Frühstück zu bereiten, welches mindestens aus drei warmen und frisch zubereiteten Gerichten bestehe.  Danach gehe sie selbst zur Schule, wo sie als Lehrerin arbeite.&lt;br /&gt;Alles andere sei mit der weiblichen Ehre und dem Anspruch, eine gute Ehefrau und Mutter zu sein, nicht zu vereinbaren. &lt;br /&gt;Oxana &amp;amp; Svetlana, zwei gestandene Frauen im mittleren Alter mit fast erwachsenen Kindern und beide als Oberärztinnen in der Psychiatrie tätig, bestätigten mir das in einer Unterhaltung am Rande der Mittagspause. Allerdings erzählten sie auch, wie erschöpft  von diesem Mammutprogramm in Familie, Haushalt und Beruf sie waren.&lt;br /&gt;Die Situation der Frauen in der Ukraine blieb ein besonderes Thema. Viele Frauen sorgten alleine für das Einkommen der Familien. Die Arbeitslosigkeit der Männer war sehr hoch und für Frauen gab es Jobs auf dem grauen Arbeitsmarkt von Pflege, Kinderbetreuung und als Hausangestellte. Der Anteil weiblicher Migranten, die zum großen Teil illegal im Dienstleistungssektor im westlichen Europa tätig waren (und oft in der Zwangsprostitution landeten), lag damals im 7-stelligen Bereich - die genaue Größenordnung weiß ich nicht mehr. Ob es mittlerweile weniger oder doch eher mehr geworden sind? Der Versuch, die Zahl schnell zu googlen, führte auf eine unendliche  Anzahl von einschlägigen Kontaktbörsen.&lt;br /&gt;Auch eine ukrainische Familie, die wir im Rahmen eines Live-Interviews in der Klinik kennenlernten, war von dieser Thematik betroffen. Die 20jährige Ola, die seit ihrem 16. Lebensjahr fast schon Dauergast in der Psychiatrie war, war von ihrem behandelnden Psychiater mit ihren Eltern eingeladen worden. Ola hatte bereits die meisten  Interventionen der osteuropäischen Psychiatrie kennengelernt. Sie war mit Elektroschocks, Neuroleptika, Insulinschock und Hypothermie behandelt worden. Eine Besserung wurde nicht erreicht. Jetzt sollte die Wunderwaffe der Systemischen Therapie zum Einsatz kommen. &lt;br /&gt;Wir bemühten uns, einerseits die Erwartungen der Gruppe zu minimieren und andererseits, uns auf die Familie einzustellen. Die Mutter lebte mit der älteren Tochter seit 4 Jahren in den USA und arbeitete mit greencard in einem privaten Haushalt. Ein halbes Jahr nach ihrer Abreise war Ola zum erstenmal psychiatrisch behandelt worden.&lt;br /&gt;Der Vater war seit etlichen Jahren arbeitslos und trank zuviel. Die Ehe bestand zumindest formal noch, der Vater hatte aber nicht ohne die Großmutter mit in die USA  umziehen wollen. Die Großmutter väterlicherseits lebte in der Nähe. Sie war 1947 im Rahmen der polnischen Operation Weichsel zwangsumgesiedelt worden, war früh verwitwet und hatte ihre beiden Söhne alleine großgezogen. Ola und ihr Vater waren die einzigen Angehörigen in der Nähe, der andere Sohn mit seiner Familie lebte in Portugal. &lt;br /&gt;Ola wollte nicht ohne den Vater emigrieren, die Mutter nicht ganz zurückkommen. Olas ältere Schwester war mittlerweile in den USA verheiratet. Zum Zeitpunkt des Familiengesprächs war die Mutter wegen der Krise der jüngeren Tochter für einige Wochen in die Ukraine zurückgekehrt. &lt;br /&gt;Wir sprachen mit der Familie über die Nöte der vergangenen Jahre, die sich wechselseitig blockierenden Loyalitäten und die Auswirkungen von Ola &#039;s psychotischen Krisen auf Bindung und Distanz. &lt;br /&gt;Die Tochter hatte seit einem halben Jahr kaum etwas geredet und niemandem auf der Station ihr Gesicht gezeigt, welches sie unter einer tief in die Stirn gezogenen Baseballmütze versteckte. Wir fragten die Eltern, ob sie es für möglich hielten, dass Ola sich in sich zurückgezogen habe, da die Optionen für eine befriedigende Veränderung zur Zeit so unerreichbar schienen.  Ola schob die Mütze zurück und beteiligte sich am Gespräch. &lt;br /&gt;Als das Gespräch vorbei und die Familie bereits verabschiedet war, kehrte der Vater in den Seminarraum zurück und schenkte uns eine Tüte mit Äpfeln. Eine würdevolle Geste, die uns berührte. Wir saßen mit der Gruppe zusammen und aßen Äpfel und ließen den Tag ausklingen.&lt;br /&gt;
 
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    <pubDate>Thu, 13 Dec 2012 00:00:00 +0100</pubDate>
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    <title>Alles ist okay!!</title>
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    <author>nospam@example.com (Tom Levold)</author>
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    &lt;br /&gt;
&lt;!-- s9ymdb:194 --&gt;&lt;img width=&quot;110&quot; height=&quot;100&quot; class=&quot;serendipity_image_left&quot; style=&quot;float: left; border: 0px none; padding-left: 5px; padding-right: 5px;&quot; src=&quot;http://www.systemagazin.de/serendipity/uploads/advent12.thumb.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
Interkulturelle Zusammenarbeit kann sehr oft ungemein komisch sein, und davon gibt es heute jede Menge. Rudolf Klein hat in den Jahren von 2003 bis 2005 gemeinsam mit seiner Frau Barbara Schmidt-Keller ein systemisches Weiterbildungscurriculum in der Ukraine durchgeführt, ein Projekt mit vielen Hindernissen und wunderlich-wunderbaren Erfahrungen. Aus seinen Tagebuchnotizen hat er einen Text für den Adventskalender erstellt, für dessen Lektüre man sich unbedingt Zeit nehmen sollte:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;b&gt;Ukraine hin und zurück  Tagebuch einer interkulturellen Zusammenarbeit&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Barbara Schmidt-Keller und ich waren lange Jahre in einer Suchtberatungsstelle des Caritasverbandes beschäftigt. Die zuständige Diözese unterhielt eine Partnerschaft mit einer Diözese in der Ukraine  Ivano-Frankivsk. Dort war ein Hochschullehrer für Psychiatrie namens Wasilij neben seiner Hochschultätigkeit in der Jugendarbeit engagiert.&lt;br /&gt;&lt;!-- s9ymdb:89 --&gt;&lt;img width=&quot;86&quot; height=&quot;110&quot; class=&quot;serendipity_image_right&quot; style=&quot;float: right; border: 0px none; padding-left: 5px; padding-right: 5px;&quot; src=&quot;http://www.systemagazin.de/serendipity/uploads/klein.thumb.jpg&quot; /&gt;Wasilij hatte die Idee, eine psychotherapeutische Ausbildung mit dem Schwerpunkt Sucht aus Deutschland zu importieren. Er war aufgrund seiner deutschen Sprachkenntnisse und seines Einblickes in den psychotherapeutischen Bedarf seiner ukrainischen Heimat für eine solche organisatorische Aufgabe prädestiniert.&lt;br /&gt;Wasilij besuchte im Rahmen eines Aufenthalts in Deutschland mehrere psychotherapeutische Institute, sprach mit den jeweiligen Ausbildern und entschied sich letztlich für eine systemische Ausbildung. In diesem Zusammenhang lernte er auch Barbara und mich kennen und fragte an, ob wir Interesse hätten, eine solche Ausbildung für eine von ihm handverlesene Gruppe anzubieten. Die Kosten für dieses Projekt wurden durch die EU gedeckt. Träger war der Caritasverband. &lt;br /&gt;Die Ausbildung setzte sich aus sechs fünftägigen Wochenkursen im Abstand von etwa drei Monaten zusammen und fand von 2003 bis 2005 in der Psychiatrie von Ivano-Frankivsk statt. Die Anreise erfolgte mit dem Zug nach Frankfurt, mit dem Flugzeug nach Lemberg (Lviv) und dann mit dem Auto nach Ivano-Frankivsk, das ca. 180 km südlich von Lemberg in den Ausläufern der Karpaten liegt. Die Übersetzung sollte durch einen eigens dafür engagierten Übersetzer erfolgen. Alle anderen organisatorischen Regelungen wie Unterkunft und Verpflegung sollten von Wasilij vorgenommen werden. &lt;br /&gt;Die besonderen Erlebnisse, die sich aus der Begegnung zwischen teilweise unterschiedlich kulturell geprägten Erwartungen ergaben, habe ich damals in einer Art Tagebuch festgehalten. Einige Auszüge habe ich für den diesjährigen Adventskalender ausgesucht.  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;i&gt;1. Woche    &lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Anreisetag&lt;br /&gt;Die Reise verläuft bis Lemberg unproblematisch. Züge und Flugzeug sind pünktlich. Wir werden in Lemberg von Wasilij und dem Fahrer Igor abgeholt. Igor lernen wir erst hier kennen. Er ist Psychiater, nimmt am Kurs teil und hat sich seinen alten Ford durch Maurerarbeiten während seines Urlaubs in London verdient. Die Autofahrt von Lemberg nach Ivano-Frankivsk wirkt abenteuerlich, gibt aber auch einen ersten Einblick in die ökonomischen und sozialen Verhältnisse der Ukraine. Zur Bewältigung der ca. 180 Km langen Strecke benötigen wir dreieinhalb Stunden. Die relativ lange Fahrdauer ist u.a. auch dadurch zu erklären, dass an der Grenze zwischen zwei Provinzen die Straße am Ende der einen Provinz ca. ein Meter höher liegt als sie am Beginn der anderen Provinz weitergeht. Beide Provinzen können sich seit Jahren nicht über den genauen Grenzverlauf einigen, sodass eine auf gleicher Höhe verlaufende Straße bisher nicht realisierbar war. Dieser Umstand wird bis ans Ende unserer Ausbildungsreihe so bleiben. Dieses unüberwindliche Hindernis kann nur durch eine Ausweichstrecke über einen Feldweg umfahren werden. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;1. Tag&lt;br /&gt;Der Kurs startet offiziell mit 22 Personen. Unangemeldet sind noch zwei Psychiaterinnen erschienen und werden von Wasilij aufgenommen. Ein Sponsor der Gruppe aus Lemberg (er bezahlt für einige Teilnehmer aus Lemberg den gesamten Aufenthalt, ist Geschäftsmann und Abgeordneter in irgendeinem politisch bedeutsamen Gremium) wünscht die Teilnahme seiner Gattin. Diese wird ebenfalls aus strategischen Gründen aufgenommen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;3. Tag&lt;br /&gt;Der direkte Vorgesetzte von Wasilij und Igor lädt sich selbst in einem Befehlston ein und droht bei Verhinderung damit, den beiden die nächsten Kurse schwerer zu machen (Urlaub nicht genehmigen usw.). Es besteht die Hypothese, dass er seine Tochter noch in dem Kurs unterbringen will. Er erscheint verspätet, da er es als die Pflicht von Igor ansieht, ihn mit dem Auto abzuholen und anschließend wieder zurück zu fahren. Igor musste allerdings zuerst uns transportieren. &lt;br /&gt;Der Vorgesetzte sitzt anfangs im Außenkreis und wird während einer Rückmelderunde in den Kreis integriert. Nach der ersten Einheit verabschiedet er sich. Barbara und ich bedanken uns für sein Interesse und teilen ihm mit, dass er bei einem erneuten Besuch willkommen sei.&lt;br /&gt;Die Ehefrau und Tochter (ca. 8 Jahre) von Pater Vitali, einem Teilnehmer des Kurses, erscheinen verspätet und möchten als interessierte Gäste zuhören. Mit Vitali und der Ehefrau wird in freundlichem Ton geklärt, dass diese Veranstaltung eine Lehrveranstaltung ist, Schweigepflicht besteht und persönliche Dinge zur Sprache kommen. Daher sei ihre Teilnahme nicht möglich. Außerdem sei die achtjährige Tochter vermutlich überfordert.&lt;br /&gt;Eine Musiktherapeutin erscheint und möchte unangemeldet integriert werden. Parallel muss ein vom Bischof angemeldeter Priester seine Teilnahme absagen. Dieser wird durch einen anderen Priester ersetzt. Mit diesem Argument gelingt es Wasilij auch besser, die Musiktherapeutin abzuweisen. Der Kurs besteht inzwischen aus 25 Personen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;i&gt;2. Woche&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Anreisetag&lt;br /&gt;Statt um 11.20 Uhr fliegt das Flugzeug erst um 21.00 Uhr nach Lemberg, nachdem zunächst wegen eines Schneesturmes in Kiew von einer zweistündigen, dann von einer fünfstündigen Verspätung und dann von einem Flug ab 21.00 Uhr nach Kiew informiert wurde. Eine Zwischenlandung in Lemberg sei aufgrund des Nebels nicht machbar. Die Rückreise nach Lemberg sollte von Kiew aus mit dem Bus in der Nacht erfolgen. Kurz vor Abflug in Frankfurt erhalten wir auf Nachfrage die Information, dass eine Landung doch noch in Lemberg vorgesehen sei. Ein Anruf bei Wasilij ermöglicht, dass wir um 24.00 Uhr in Lemberg abgeholt werden. Die Autofahrt inklusive Zollkontrollen ermöglicht den Bezug des Hotelzimmers in Ivano-Frankivsk um 3.30 Uhr.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;1. Tag&lt;br /&gt;Wir beginnen mit zwei Stunden Verspätung  wegen der Anreiseprobleme. Der Vorlesungssaal ist verschlossen. Der Schlüsselinhaber ist für unbekannte Zeit unterwegs. Die Gruppe begnügt sich mit einem zu kleinen Raum. Es erweist sich als positiv, dass die Priester noch fehlen (Wochenende), da nicht alle einen Platz finden würden. Nach zwei Stunden ist der Vorlesungssaal geöffnet  allerdings ist er so kalt, dass man darin nicht arbeiten kann. Es bleibt am heutigen Tag bei dem kleinen Raum. Für den nächsten Tag ist das Erwärmen des Vorlesungssaales vorgesehen. Möglicherweise ist wegen des Wochenendes nicht geheizt.  &lt;br /&gt;Eine Teilnehmerin ist in die BRD ausgewandert. Dafür rückt eine neue Teilnehmerin nach. Sie ist eine frisch promovierte Ärztin, Tochter des Lehrstuhlinhabers, der in der ersten Woche unangemeldet erschien und als Beobachter fungierte. Angenehmer Nebeneffekt: Alle Teilnehmer, die an der Universität angestellt sind, sind nun offiziell für die Veranstaltungen freigestellt. Der organisatorische Hintergrund ist damit zusätzlich abgesichert. Wir werten die Aufnahme der neuen Teilnehmerin durch Wasilij als eine taktisch kluge Entscheidung.&lt;br /&gt;Ein Auszubildender in systemischer Familientherapie erscheint unangemeldet und bittet um den Status eines Beobachters. Dies wird von Wasilij abgelehnt mit dem Hinweis an uns, dieser Kollege sei ein Spion der analytisch orientierten Psychotherapie.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;3. Tag&lt;br /&gt;Wir beginnen mit einer Verspätung von 30 Minuten, weil der für uns vorgesehene neue Raum vormittags zwar für uns reserviert wurde, nun jedoch noch nicht zur Verfügung steht. Die Benutzung des Vorlesungssaales wird nicht mehr ernsthaft in Erwägung gezogen. Nach einer gewissen Verzögerung entpuppt sich der neue Raum als das Schulzimmer auf der kinderpsychiatrischen Station. Der Raum ist größer als der andere Ausweichraum, allerdings zur Hälfte mit Schultischen und integrierten Bänken versehen. Die Heizung ist kaputt und der Raum somit kalt.&lt;br /&gt;Die Gruppe lässt sich von diesen Veränderungen und Vorkommnissen überhaupt nicht beeindrucken. Sie arbeiten konzentriert und offensichtlich mit Spaß.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;i&gt;3. Woche&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Anreisetag &lt;br /&gt;Wir sind bei 8 Grad plus in Frankfurt weggeflogen und bei minus 9 Grad gelandet. Dieses Mal sind wir in einem anderen Hotel untergebracht. Ein Hotel von historischer Bedeutung: 1918 wurde hier die westukrainische Republik ausgerufen. Möglicherweise sogar aus dem Hotelzimmer zur Straße hin, in dem wir nun wohnen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;1. Tag: &lt;br /&gt;Heute liegt die Temperatur bei minus 14 Grad. Außer vier Gruppenmitgliedern sind alle anwesend. Eine Teilnehmerin hat vermutlich gerade ihr Kind bekommen. Ein Priester ist wegen der bevorstehenden Fastenzeit unter Arbeitsdruck. Zwei Mitglieder fehlen noch ohne Begründung. Dafür ist ein neues Mitglied, Anatolj, in die Gruppe aufgenommen worden  ein weiterer Psychiater. Die Gruppe besteht nun aus 26 Personen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;2. Tag:&lt;br /&gt;Es wird wärmer: 8 Grad minus. Die vier gestern noch fehlenden Gruppenmitglieder sind heute da. Die frisch gebackene Mutter ist auch anwesend. Sie hat einen Sohn geboren und muss während des Tages zum Stillen nach hause. Morgen beginnt die Fastenzeit. Vermutlich wird dann auch der noch fehlende Priester erscheinen. Am Abend nach dem heutigen Seminar fing es zu regnen an. Das führt zu starkem Glatteis, was die Abfahrt in der Psychiatrie wegen völlig vereisten Autoscheiben erheblich verzögert. Die Fahrt ist ebenfalls langwierig, funktioniert aber ohne Unfälle.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;3. Tag:&lt;br /&gt;Noch wärmer: 0 Grad. Allerdings hat es in der Nacht weiter geregnet und gleichzeitig gefroren. Es befinden sich ca. 3 cm Eis auf allen Gehsteigen und Seitenstraßen. Die Bewegungsfähigkeit ist enorm eingeschränkt. Ein Glatteis wie schon lange nicht mehr. Wir kommen ca. 45 Minuten zu spät. Interessanterweise sind (fast) alle Teilnehmer bereits da. Auch der gestern noch vermisste Priester.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;5. Tag:&lt;br /&gt;Über Nacht hat es zwischen 5 und 8 cm geschneit. Außerdem müssen wir noch bestellten Kuchen aus einer Bäckerei abholen. Wir fahren dennoch zur normalen Zeit ab und kommen entsprechend spät in der Psychiatrie an. Die Gruppe ist vollständig anwesend. Da am heutigen Tag v.a. Übungen, Rollenspiele und Supervisionsanliegen bearbeitet werden, werden verschiedene Kleingruppen gebildet. Die Gruppe überrascht uns erneut ob ihres Improvisationsvermögens: Fünf Kleingruppen in einem Raum. Die Kleingruppen haben nur feste Schulbänke zur Verfügung, die sie, je nach Gruppengröße, im Raum immer wieder neu verteilen und so mit einer hohen Disziplin arbeiten.&lt;br /&gt;Wir erfahren heute von einer Beschwerde der Köchin, die für uns in der Psychiatrie eigens das Mittagessen zubereitet. Es gab immer eine Vorspeise, einen Hauptgang, einen Nachtisch und anschließend Kaffee. Die Köchin, eine kleine und ziemlich korpulente Frau hat Wasilij mitgeteilt, dass wir unhöflich seien: Die trinken ja noch nicht einmal Wodka nach dem Essen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;6. Tag:&lt;br /&gt;Dieses Mal fahren wir nur eine Stunde verspätet von Ivano nach Lemberg. Die Gründe sind unklar. Die Fahrt durch schneebedeckte Landschaften und vorbei an vereisten Sträuchern ist jedoch sehr schön. Die HWS-Symptome nehmen aufgrund mangelhafter Stoßdämpfer im alten Ford merklich zu. Lemberg ist sehr schön. Wir trinken am alten Marktplatz phantastisch guten Espresso. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;7. Tag:&lt;br /&gt;Eine Stunde vor Abfahrt mit dem Taxi zum Flughafen beginnt es stark zu schneien. Dies hat zur Folge, dass der Abflug um eine Stunde verzögert wird. Alle Anschlusszüge sind damit unerreichbar. Die von Wasilij ausgehändigten 50 Gryvna (falls das Taxi teurer werden sollte), wird mir an der Zollkontrolle vor der Ausreise von einem (vermutlich korrupten) Zollbeamten ohne Aushändigung irgendeiner Quittung abgenommen. Den Rest von zwei Gryvna und einigen Kopeken darf ich als Souvenir behalten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;i&gt;4. Woche&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Anreisetag&lt;br /&gt;Auf der Fahrt von Lemberg nach Ivano-Frankivsk werden wir darüber informiert, dass der Chef des Lehrstuhls, dessen Tochter Mitglied in der Gruppe ist, uns für Spione hält und davon ausgeht, diese Ausbildung mache die Auszubildenden zu Zombies. Allerdings scheint er dies nur den Kollegen der Abteilung vorzuwerfen. Seine Tochter bleibt dennoch weiterhin Ausbildungsteilnehmerin. Neben psychiatrischen Diagnosen wird von Wasilij und Igor noch eine zerebrale Schädigung des Chefs als Erklärungsursache in Erwägung gezogen. &lt;br /&gt;Igor, bislang einer der langsamsten, reaktionsverzögertsten, vorsichtigsten und unsichersten Fahrer unseres bisherigen Lebens, erweist sich heute  als wahrer Henker am Steuer. Das einzige, was ihm geblieben zu sein schien, ist die langsame Reaktion.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;1. Tag    &lt;br /&gt;Das Gebäude der Psychiatrie ist frisch gestrichen. Am Fahnenmast hängt eine deutsche Flagge  zu Ehren der deutschen Gäste. Damit sind wir gemeint. Das Seminar findet heute im großen Vorlesungssaal statt, der auch zu Beginn der Ausbildung als Ausbildungsraum gedient hat. Auch dieser ist komplett renoviert. Das Dach ist repariert, der Boden ausgebessert und lackiert, Fenster erneuert, die Wände gestrichen, neue Heizkörper hängen an der Wand. Es ist hell, freundlich und aufgrund des Wetters angenehm temperiert. Allerdings dünstet der Fußbodenlack in einer Art aus, dass man Leberschädigungen und Hirnschwund befürchten muss.   &lt;br /&gt;Ein unbekannter Kollege erscheint und bittet um eine Position als Gasthörer. Nach eingehender Diskussion wird dies aus Rücksicht auf die Gruppendynamik von Wasilij abgelehnt. Da der Kollege in einer systemisch orientierten Arbeitsgruppe in Lemberg eingebunden ist, bietet ihm Wasilij eine Kooperation außerhalb der Ausbildungsgruppe an.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;2. Tag&lt;br /&gt;Zwei der fehlenden KollegInnen erscheinen heute. Die drei anderen KollegInnen lassen sich entschuldigen, da sie aus finanziellen Gründen die Reise von ihren jeweiligen Heimatstädten nach Ivano-Frankivsk und den Aufenthalt z.Zt. nicht finanzieren können.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;4. Tag&lt;br /&gt;Wir beginnen mit dem Seminar erst um 12.00 Uhr, da der Übersetzer, Oleg, in seinem Hauptberuf als Professor für Germanistik (Schwerpunkt: Metaphern) noch Diplomprüfungen abnehmen muss. &lt;br /&gt;Außerdem müssen wir unser Visum um einen Tag verlängern lassen. Aus Sicht von Wasilij stellt das aber kein Problem dar. Alles ist okay!! (Wahlspruch und Kampfruf  oder Beschwörungsformel (?) von Wasilij).&lt;br /&gt;Es erweist sich als komplizierter als gedacht. Gestern, am Nationalfeiertag, hat Wasilij zumindest die schriftliche Vorbereitung für die Verlängerung des Visums vorgenommen. Der Caritasdirektor hat diesen Antrag aber noch nicht unterschrieben. Seine Sekretärin ist auch noch nicht zum Dienst erschienen. Der Direktor war gestern in Lemberg und kam spät nach hause. Ohne seine Unterschrift sinken die Chancen, kurzfristig eine Verlängerung des Visums zu bekommen. Wir verbringen die Wartezeit mit einem Frühstück (wir: Pfannkuchen mit Quarkfüllung und Kaffee; Wassilij und Igor: Pfannkuchen mit Pilzfüllung, Würstchen, Suppe, Schweinefleisch und Tee). &lt;br /&gt;Endlich liegt die Unterschrift des Direktors vor und wir fahren zum Ausländeramt. Dort wird hinter verschlossenen Türen irgendetwas verhandelt. Wir benötigen nur noch zwei Passbilder, dann ist alles okay. Dies geschieht im Raum gegenüber der Antragsstelle. Den Raum teilen sich vier Personen, von denen einer arbeitet (die Passbilder macht) und die anderen sehr interessiert zuschauen. Dann stellt sich heraus, dass Wasilij morgen erneut mit den Passbildern und irgendwelchen Bescheinigungen des Caritasverbandes beim Amt erscheinen muss, damit der Rest (hoffentlich) erledigt werden kann. Aber: Alles ist okay!.&lt;br /&gt;Nachdem dieser Vorgang insgesamt zweieinhalb Stunden gedauert hat, versuchen wir den Fahrer Igor zu finden, der die Zeit brauchte, um seine Vorderreifen vulkanisieren zu lassen. Leider ist er zu spät, da die Straßen nach einem sehr langen Wochenende (Nationalfeiertag) total verstopft sind. Während der Wartezeit bekommen wir per Handy die Information, dass der Übersetzer Oleg dienstverpflichtet wurde und zwei Stunden länger bleiben muss. Glücklicherweise kommt ein deutsch sprechender Mitarbeiter der Malteser, Igor, vorbei und erklärt sich zur zweistündigen Übersetzung bereit: Alles ist okay!!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;5. Tag&lt;br /&gt;Wasilij kommt später zum Seminar, da er die Angelegenheit mit unserem Visum erledigen muss. Gegen 11.30 Uhr erscheint er im Seminar und erklärt, dass alles geregelt sei. Allerdings mussten die Pässe noch im Amt bleiben. Sie können erst am nächsten Tag (Abreisetag nach Lemberg) abgeholt werden. Aber: Alles ist okay!&lt;br /&gt;Da Wasilij morgen um 14.00 Uhr Promotionsprüfungen hat, vereinbaren wir, dass er einen Fahrer besorgt, der uns nach Lemberg fährt. Die Abfahrt wird auf 11.30 Uhr festgelegt.&lt;br /&gt;Das Seminar endet in guter Stimmung und das Organisationsteam um Wasilij, Victor, Ira und Igor lädt uns zu einem Wochenendhaus eines Freundes am Fuße der Karpaten ein  zu einem Abschlussessen, wie es heißt. Dort erwartet uns eine wunderschöne Landschaft mit einem abgelegenen neuen Holzhaus und einem Weiher, durch den ein Bach fließt und in dem man angeln kann. Es werden insgesamt 5 Hechte gefangen (einer von mir!!), von denen einer sofort zu einer Suppe verarbeitet wird. Anschließend gibt es gegrillte Fleischspieße mit Blumenkohlsalat und danach die gegrillten übrigen Hechte mit einem Kartoffel-Pilz-Püree  und reichlich Wodka. Es ist ein sehr schöner Abend, an dem ein Trinkspruch den anderen jagt: Auf die Frauen,  Auf die Liebe, Auf den Frieden, Auf die Gesundheit, Auf die deutsch-ukrainische Freundschaft, Auf die orangene Revolution, Auf das Leben, Auf die Kinder, Auf die Zukunft, gefolgt von einem Glas Wodka, wobei Wodka-Gläser in der Ukraine fast hiesigen Wassergläsern entsprechen. Für die anwesenden Frauen gibt es statt Wodka süßen Wein. Wir kehren erst weit nach Mitternacht eher mehr als weniger betrunken in unser Hotel zurück.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;6. Tag&lt;br /&gt;Wasilij will heute die Sache mit den Visa endgültig klären. Die Abfahrt soll um 11.30 Uhr erfolgen. Die Spannung steigt. Das Visum wird problemlos verlängert: Alles ist okay! &lt;br /&gt;Allerdings verzögert sich die Abfahrt, da der Fahrer vom Malteser-Chef für eine andere dringendere Fahrt eingesetzt wurde. Früheste Abfahrt: 12.30 Uhr. Der Fahrer erscheint pünktlich, bittet jedoch um eine zehnminütige Pause. Die Abfahrt erfolgt letztlich kurz vor 13.00 Uhr. Die Fahrt verläuft unproblematisch. Unterwegs sehen wir zwei fliegende Störche und ein Nest auf einer Kapelle mit mindestens drei jungen Störchen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;i&gt;5. Woche&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Anreisetag&lt;br /&gt;Wasilij und Igor holen uns am Flughafen ab. Igor wird durch extrem schlechte Straßenverhältnisse (der Winter hat seine Spuren in Form riesiger Schlaglöcher hinterlassen) davon abgehalten, uns mit einer unnachahmlichen Mischung aus halsbrecherischer Fahrweise und langsamer Reaktion von Lemberg nach Ivano-Frankivsk zu befördern. Man kann ja auch mal Glück haben.&lt;br /&gt;Wasilij teilt uns mit, dass der Übersetzer Oleg kurzfristig nach Kiew abgeordnet wurde und daher eine Studentin von ihm die Übersetzung übernehmen wird.  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;1. Tag&lt;br /&gt;Der Hörsaal, angekündigt als seit langer Zeit fest organisierter Raum für die fünf Tage, ist besetzt. Wir müssen erneut in das Schulzimmer der Kinderpsychiatrie ausweichen. Das kennen wir ja bereits. Morgen soll alles anders werden. Elena, die Übersetzerin tut ihr bestes. Allerdings überträgt sich ihre Unsicherheit etwas auf uns, was den Anfang nicht gerade einfach macht. Da müssen wir durch. Ersatz gibt es nicht. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;3. Tag&lt;br /&gt;Der Seminartag verläuft ohne besondere Vorkommnisse. Eine Kiewer Torte, die eine Teilnehmerin (Natalja) mitbringt, schmeckt ausgezeichnet. Dadurch wird zwar die Nachmittagspause zu lang  wir teilen die Torte mit allen  es lohnt jedoch.  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;5. Tag&lt;br /&gt;Heute ist Sonntag. Das Seminar neigt sich dem Ende zu. Dennoch eine sehr positive Überraschung. Die Toilettenspülung in der Psychiatrie funktioniert heute zum ersten Mal für diese Woche. Das Wasser läuft hörbar in den Spülkasten und er lässt sich betätigen. Wir freuen uns und sind auf die sechste Woche gespannt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;6. Tag&lt;br /&gt;Heute geht es zurück nach Lemberg. Wasilij und Igor fahren uns. Wir starten pünktlich. Unterwegs besichtigen wir Halics (garantiert falsch geschrieben), zwischen 1100 und 1200 Sitz eines Königs, mindestens aber eines Fürsten. Eine schöne kleine Stadt mit einer interessanten Festung, die sich gerade im Wiederaufbau befindet. Barbara macht schöne Fotos. Danach wieder in Richtung Lemberg. Igor fährt wie ein Irrer. Wir versuchen uns strikt an der Überlegung zu orientieren, dass Igor sicher genau so wenig vorzeitig ums Leben kommen möchte wie wir und er zwischen den Seminaren auch Auto fährt  ohne erkennbaren körperlichen Schaden. Irgendwie scheint er Situationen völlig anders einzuschätzen als wir. &lt;br /&gt;Einmal überqueren ca. 30 Gänse die Straße. Die Gänsegruppe ist von weitem gut zu erkennen. Igor fährt ungerührt mit gleicher Geschwindigkeit auf die Gänsegruppe zu.  Etwa 10 Meter vor den Gänsen tritt er plötzlich mit aller Entschiedenheit auf die Bremse und rutscht in die Gänsegruppe. Die Tiere springen, fliegen, rennen, schnattern. Federn flirren auseinander. Der Anblick erinnert an eine Kissenschlacht. Igor wartet einen kurzen Moment ungerührt. Die Tiere  alle leben noch  verlassen beleidigt die Straße. Igor drückt  aufs Gas und weiter gehts. &lt;br /&gt;Die Begegnung Igors mit dem Fahrradfahrer, der in der Abenddämmerung mit einem uralten, unbeleuchteten Fahrrad auf der linken Straßenseite unterwegs ist und mit letztem Schwung kopfüber den lebensrettenden Straßengraben erreicht, muss nicht detailliert erzählt werden.  &lt;br /&gt;In Lemberg angekommen machen wir eine kleine Stadtbesichtigung, trinken wieder einmal hervorragenden Espresso und merken langsam, dass uns das Seminar viel Kraft gekostet hat.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;i&gt;6. Woche&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Anreisetag&lt;br /&gt;Die letzte Ausbildungswoche bricht an. Die Fahrt nach Ivano-Frankivsk verläuft wie immer. Igor fährt aber vorsichtig, jedoch extrem unsicher. Auf der Fahrt erfahren wir, dass der Dolmetscher Oleg nicht engagiert werden konnte. Stattdessen soll uns die Dolmetscherin vom letzten Aufenthalt, Elena, übersetzen. Angeblich habe sich die Ehefrau von Oleg durchgesetzt. Diese monierte, dass Oleg zeitgleich einen Auftrag in Österreich annehmen könne  mit dem Vorteil, dass die ganze Familie dort Urlaub machen kann. &lt;br /&gt;Die Hitze in Ivano-Frankivsk ist fürchterlich. Die Temperatur in unserem Zimmer unter dem Dach erinnert stark an die schlimmsten Nächte in Korsika. Die Moskitos auch. Nur verfügten wir in Korsika über Moskitonetze. Hier sind wir leichte Beute. Unbeeindruckt von der Hitze scheinen die ukrainischen Autofahrer und Discobesucher sich an neue Lautstärkenrekorde heranzuwagen. Die Bässe der Autos, die Musik- und Auspuffanlagen vollbringen wahre Wunder  bis ca. 3.00 Uhr in der Nacht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;2. Tag&lt;br /&gt;Ein Abschlussfest am Ende dieser Woche ist zwar oft kommuniziert worden, keineswegs aber organisiert. Zunächst sieht es danach aus, dass es im Caritas-Gebäude stattfinden soll. Heute fährt Wasilij zur Caritas und bittet einen Pater, die Gruppe am Samstag zu segnen. Plötzlich könnte der Seminarsaal die bessere Lokalität sein. Warum, ist unklar. Nun soll es nach Ende des Seminars eine kleine Feier geben. Diese wird mit nicht-alkoholischen Getränken bestritten, da mindestens zwei bekennende trockene Alkoholiker in der Gruppe sind. Außerdem soll es süße Speisen geben (Kuchen, Kekse usw.). Allerdings weiß der Chefarzt der Klinik noch nichts davon. Wasilij will alles klären: Ist kein Problem. Alles ist okay.   &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;3. Tag&lt;br /&gt;Heute wird endgültig festgelegt, dass morgen nach dem Seminar die Abschlussfeier stattfinden wird. Dazu soll das Seminar bereits um 17.30 Uhr enden. &lt;br /&gt;Am Abend trifft der Referent aus Deutschland eigens für die Zertifikatübergabe ein. Wasilij hat auch den Chefarzt eingeladen. Oxanna wird in ihrer Doppelrolle als Bezirkspsychiaterin und Kursteilnehmerin gemeinsam mit einem Vertreter der Stadt der Feier einen offiziellen Charakter verleihen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;!-- s9ymdb:1630 --&gt;&lt;img width=&quot;380&quot; height=&quot;273&quot; src=&quot;http://www.systemagazin.de/serendipity/uploads/ukraine.jpg&quot; style=&quot;border: 0px none; padding-left: 5px; padding-right: 5px;&quot; class=&quot;serendipity_image_center&quot; /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;4. Tag&lt;br /&gt;Für den Abend ist die Abschlussfeier mit Zertifikatübergabe geplant. Wasilij und das Organisationsteam verbringen fast die gesamte Mittagspause damit, Kuchen und Süßigkeiten zu kaufen.&lt;br /&gt;Nach Abschluss des Seminartages kann die Abschlussfeier beginnen. Allerdings sind die Zertifikate von uns noch nicht unterschrieben. Das ist aber insofern kein Problem, weil sich herausstellt, dass der Bischof samt seinem Nachfolger irgendwohin gefahren ist und ebenfalls noch nicht unterschrieben hat. Das Zertifikat kann somit nicht übergeben werden. Die Gruppe trifft sich möglicherweise zu diesem Zweck noch einmal. Oder Wasilij versendet die Zertifikate per Post: Alles ist okay! &lt;br /&gt;Oxanna kann nun doch nicht kommen  ebenso wie vier Teilnehmer. Sie sind auf verschiedenen Hochzeiten eingeladen. Diese häufen sich, weil dies der letzte Samstag vor einer zweiwöchigen Fastenzeit ist und während der Fastenzeit nicht geheiratet wird. Der Priester, der die Gruppe segnen wollte (oder sollte) erscheint ebenfalls nicht. Die Stimmung ist dennoch (oder gerade deshalb?) gut.  Es werden mehrere rührende und durchaus glaubhafte Dankesreden gehalten. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;5. Tag&lt;br /&gt;Heute ist der letzte Seminartag von insgesamt 30. Es herrschen ambivalente Gefühle. Einerseits eine gewisse Erleichterung, dass es nun ein Ende hat. Wir haben doch viel Energie gelassen und viel gearbeitet. Andererseits eine gewisse Wehmut, v.a. der Gruppe gegenüber. Wir sind gespannt, wie es laufen wird. &lt;br /&gt;Die Gruppe ist vollzählig anwesend. Der Tag verläuft ruhig. Die Verabschiedung ist humorvoll und nicht zu überschwänglich. Wir werden reich beschenkt, was mit Sicherheit Transportprobleme aufwerfen wird. Wir verabschieden uns von allen. Jetzt ist es vorbei.&lt;br /&gt;Nach Ende des Seminars besuchen wir einen Künstler in seinem Atelier. Ein Besuch, der schon oft angekündigt worden war, bislang aber nicht realisiert werden konnte. Auf dem Weg dorthin sehen wir Straßen mit beeindruckend schönen, aber heruntergekommenen Häusern, die eine Ahnung über das Vorkriegsleben in Ivano-Frankivsk zulassen. &lt;br /&gt;Das Atelier war so, wie man sich ein Atelier vorstellt: Chaotisch, vollgepackt mit irgendwelchen Dingen und Bilder über Bilder. Diese sind sehr unterschiedlich. Teils gegenständlich, teils abstrakt, teils an Ikonen erinnernd. Wir kaufen nach einiger Überlegung ein Bild und freuen uns, nun auch Kunst aus der Ukraine in unserem Haus zu haben. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;6. Tag&lt;br /&gt;Es regnet in Strömen. Wir frühstücken in einem kleinen Lokal, das nach Wasilij Angaben den Charme der ehemaligen Sowjetunion versprüht. Es gibt starken Kaffee und Vareniki (vermutlich auch falsch geschrieben: eine Art Ravioli mit einer Quark-Kartoffelfüllung, zerlassener Butter und Speck).&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;7. Tag&lt;br /&gt;Wir fahren pünktlich vom Hotel zum Flughafen. Dort erwartet uns Wasilij und verabschiedet uns. Das Projekt ist für uns zu Ende. Wir checken pünktlich ein, wir sitzen pünktlich in der Maschine, das Flugzeug hebt pünktlich ab, wir landen pünktlich und wir erwischen sogar den Zug, der uns pünktlich mit drei Umstiegen um 15.06 Uhr nach Hause bringt.&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;&lt;i&gt;Nachlese:&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;So viel Zeit ist vergangen, so viele Menschen haben wir kennen gelernt, so viele Eindrücke in einem für uns fremden Land bekommen und so viel Unerklärliches, Unfassbares, Unergründliches erfahren. Soviel Ärgerliches, Lustiges, Liebevolles erlebt. Dennoch hat immer nur einer recht behalten: Wasilij. Denn: Alles ist okay!&lt;br /&gt;Zwei Jahre nach Abschluss des Kurses  wir hatten bereits mit Wasilij darüber nachgedacht, einen Aufbaukurs anzubieten, bekamen wir die traurige Nachricht, dass Wasilij im Alter von 43 Jahren plötzlich verstorben war. Mit seinem Tod endete das Projekt, an das wir heute noch gerne denken. Und gerne riefe ich ihm noch zu: Alles ist okay. Ich bin sicher, dass er beim Lesen dieser Zeilen auf seine ganz persönliche und schöne Art lachen würde. &lt;br /&gt;Wasilij, Ira, Victor, Igor, Oleg, Elena, Oxanna und alle anderen werden uns in Erinnerung bleiben. Eine Fotografie der Ausbildungsgruppe hat einen Ehrenplatz in unserer Praxis.&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 
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    <pubDate>Wed, 12 Dec 2012 00:00:00 +0100</pubDate>
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    <title>Du sein Künstler</title>
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    <author>nospam@example.com (Tom Levold)</author>
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    &lt;!-- s9ymdb:193 --&gt;&lt;img width=&quot;88&quot; height=&quot;110&quot; src=&quot;http://www.systemagazin.de/serendipity/uploads/advent11.thumb.jpg&quot; style=&quot;float: right; border: 0px none; padding-left: 5px; padding-right: 5px;&quot; class=&quot;serendipity_image_right&quot; /&gt;Nachdem gestern ein Beitrag aus Österreich den systemagazin Adventskalender bereichert hat, tut das heute ein Text von Martin Rufer aus der Schweiz:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich erzähle von einem Mädchen, das den Bombenangriff  auf Sarajewo zwar überlebte, aber unter posttraumatischen Symptomen litt. Zum Termin, den ich in unserer Beratungsstelle vereinbarte,  kamen Melina (deren Name ich geändert habe) und ihre Mutter, die aber beide kaum Deutsch sprachen. Die Mutter selber wollte meinen Praxisraum, trotz freundlicher Einladung, auch nicht betreten, gab mir aber zu verstehen, dass Melina später vom Vater hier abgeholt würde.&lt;br /&gt;Aufgrund der Verständigungsprobleme, aber spürbarer Offenheit und Neugier, entschied ich mich, mit Zeichnungen zu arbeiten. Melina begann auch sofort zu zeichnen und es gelang ihr wider mein Erwarten erstaunlich gut, ihre Traumageschichte (Luftangriff, Schutzraum, Angst, Ressourcen) zu Papier zu bringen, so dass wir nach kurzer Zeit eine Anzahl Zeichnungsblätter vor uns liegen hatten.&lt;br /&gt;&lt;!-- s9ymdb:1216 --&gt;&lt;img width=&quot;91&quot; height=&quot;110&quot; src=&quot;http://www.systemagazin.de/serendipity/uploads/rufer.thumb.jpg&quot; style=&quot;float: left; border: 0px none; padding-left: 5px; padding-right: 5px;&quot; class=&quot;serendipity_image_left&quot; /&gt;Genauso wie die Eltern - sowohl im Prozess des Zeichnens  (in sensu), wie schliesslich auch auf den Zeichnungen selber (figürlich) - präsent waren, genauso wurde für mich beobacht- und spürbar, was in der Literatur als &amp;quot;Resilienz&amp;quot; oder bei Antanovsky als &amp;quot;sence of coherence&amp;quot; beschrieben wird.&lt;br /&gt;Ich war in dieser auch für mich ungewohnten Stille tief berührt und somit selber in leichter Trance, als plötzlich die Türe aufgestossen wird und ein grosser, kräftiger, sichtlich überraschter Mann, den ich sofort als Melinas Vater identifiziere, in meinem Praxisraum steht, auf mich zukommt und sagt: &amp;quot;Ich habe gedacht, meine Tochter gehen zu Doktor und jetzt ich sehen Du sein Ki(ü)nstler&amp;quot;. Er drückt mir fest und fast freundschaftlich die Hand, nimmt seine Tochter liebevoll in die Arme, bedankt sich und beide - in sichbar entspannter Mimik und Gestik - verabschieden sich&lt;br /&gt;Geblieben sind mir die Zeichnungen und eine berührende Erinnerung, was Psychotherapie ausmacht (Selbstorganisation!) und warum ich bis auf den heutigen Tag gerne systemisch &amp;quot;therapiere&amp;quot;... &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 
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    <pubDate>Tue, 11 Dec 2012 00:00:00 +0100</pubDate>
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    <title>Erinnerungen an Kopftuchzeiten </title>
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    <author>nospam@example.com (Tom Levold)</author>
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    &lt;br /&gt;
&lt;!-- s9ymdb:192 --&gt;&lt;img width=&quot;101&quot; height=&quot;110&quot; class=&quot;serendipity_image_left&quot; style=&quot;float: left; border: 0px none; padding-left: 5px; padding-right: 5px;&quot; src=&quot;http://www.systemagazin.de/serendipity/uploads/advent10.thumb.jpg&quot; /&gt;Sabine Klar, Lehrtherapeutin aus Wien, ist Autorin der Geschichte zum 10.12. im Adventskalender. Sie berichtet eindrucksvoll und freimütig vom Versuch eines inneren Kulturwechsels, der mißlang und gleichzeitig in eine andere Form innerer Unabhängigkeit führte:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich bin eine Grenzgängerin - man kann das als verrückt bezeichnen, als Narretei - für mich ist es der Versuch, der Vielfalt, der ich in meinem Leben begegne und begegnet bin, gerecht zu werden und mich dennoch verantwortlich zu entscheiden. Es war für mich immer schon so, dass mir viele verschiedene Wege gleichermaßen richtig erschienen, daß ich sie verstehen und nachvollziehen konnte. Zeitweise habe ich mich auf einen dieser Wege verpflichtet - weil ich ihn intensiver, sozusagen von innen heraus verstehen wollte. Zu anderen Zeiten habe ich mich von denselben Wegen gelöst - um andere Menschen besser begreifen zu können und um wieder mehr Weite und Freiheit zu erfahren. &lt;br /&gt;Vor inzwischen etwa 15 Jahren bin ich ein Jahr lang unter dem Kopftuch gegangen - im vollen Bewusstsein der Provokation, die damit für mein Umfeld verbunden war, denn ich war damals schon zehn Jahre lang Psychotherapeutin, fünf Jahre Lehrtherapeutin und voll in meinem &lt;!-- s9ymdb:142 --&gt;&lt;img width=&quot;94&quot; height=&quot;94&quot; src=&quot;http://www.systemagazin.de/serendipity/uploads/klar_sabine.thumb.jpg&quot; style=&quot;float: right; border: 0px none; padding-left: 5px; padding-right: 5px;&quot; class=&quot;serendipity_image_right&quot; /&gt;Beruf und in das konstruktivistische Denken integriert. Ich konnte meine Entscheidung damals gut nachvollziehen, wollte Heimat in einer religiösen Bindung erleben und mich gleichzeitig mit Haut und Schleier auf eine Liebesgeschichte mit einem Mann einlassen. Daher stürzte ich mich in den Fluss und schwamm an ein völlig unbekanntes Ufer, kehrte zu einem einfachen Kinderglauben zurück, trat ein in eine Welt, wo es Gerechtigkeit gibt, Ordnung, Vorherbestimmung und Sicherheit. Vieles war echte Suche und echtes Finden - sich einem Gott überlassen, von dem man sich kein Bild machen darf und in dieser Hingabe Frieden finden; die Integration dieser Haltung in den Alltag; die Einfachheit und Nüchternheit des Ritus. Ich wollte zuhause sein - bei dem islamischen Mann, bei den islamischen Frauen, in der religiösen Gemeinschaft. Außerdem war ich vom Exotischen fasziniert und habe bei manchen Aussagen genickt und gestrahlt, obwohl sich mein Denken und mein Gefühl dagegen sträubten. Ich habe zugestimmt, um dazuzugehören. In diesem Rollenverhalten hätte ich mich fast verloren. Ich wußte gar nicht mehr, wer ich war - zeigte mich in der Arbeit mit Klienten anders als in der islamischen Gemeinde, anders als bei meinen Verwandten, bei meinen Dienstgebern, bei meinen Freunden. Ich konnte mich selbst in den verschiedenen Kontexten meines Lebens nicht mehr wieder erkennen. Schließlich begann ich meine Kinder in eine Richtung zu beeinflussen, zu der ich nicht stehen konnte und auch meine Therapien verloren an Qualität. &lt;br /&gt;Heute erscheint mir diese Phase nur mehr schwer nachvollziehbar. Es war sicher die eigenartigste und befremdlichste Zeit meines Lebens, gespickt mit komischen Situationen: Ich bin z.B. mit dem Kopftuch bis zur Türe meiner therapeutischen Praxis gegangen, habe es dort abgelegt, um die KlientInnen nicht zu verwirren, und es beim Weggehen wieder angelegt. Ich bin in der Mittagspause in die nahe Moschee beten gegangen und habe mich dort mit konvertierten Österreicherinnen getroffen und ihren Eheproblemen zugehört. Dieselben Frauen kamen dann mit ihren vorwiegend arabischen Männern zu mir in Paartherapie, weil sie mir vertrauten. Sie konnten gut akzeptieren, dass ich im Kontext meiner Arbeit kein Kopftuch trug, im Umfeld der Moschee und auf der Straße aber schon. Die Kenntnis der religiösen Vorschriften war sehr hilfreich bei diesen Paartherapien. Die österreichischen Frauen kannten sich besser damit aus als ihre arabischen Männer, was ihnen ermöglichte, diese auf einer ihnen entsprechende Weise zu anderen Verhaltensweisen anzuregen. &lt;br /&gt;Als ich von neuem aufbrach, das Kopftuch ablegte und andere Beziehungswege beschritt, empfand ich Gefühle von Verrat und von schmerzlichem Verlust. Gleichzeitig erschien es mir ungeheuer befreiend, wieder unabhängig von diversen Normen und Bindungen denken und Menschen mit anderen Vorstellungen nahe kommen zu können. Ich spürte damals sehr deutlich, wie vorläufig meine Entscheidungen waren und wie sehr die Sichtweise, mit der ich mich jeweils identifiziere, zur Konstruktion meiner Persönlichkeit und der Welt, in der sie lebt, beitrug. Alte Bindungen lösten sich wieder auf, neue entstanden. Ich fühlte wie ein anderer Mensch, wusste eine Zeitlang gar nicht so recht, wer ich war.&lt;br /&gt;Die Folge dieser Lebenserfahrung ist zum einen, dass ich kein Einzelnes mehr absolut setzen möchte, auch meine diversen Rollen, Meinungen und Glaubensvorstellungen nicht. Ich weiß nicht, ob ich mich wieder erkennen würde, wenn ich in einer anderen kulturellen Umgebung auf mich träfe und verstehe Menschen besser, die in solchen sozialen Kontexten leben. Andererseits widerstrebt mir seitdem die Idee noch mehr als früher, meine Identität ausschließlich relational aufzufassen oder als bloße Erzählung narrativ zu dekonstruieren. Ich habe erlebt, dass dieses Motiv zu einer Selbstauflösung führen kann, die in Handlungsunfähigkeit und großem Unwohlsein mündet. &lt;br /&gt;Manchmal berichte ich anderen Menschen über die Geschichten meines Lebens. Die damit verbundene Resonanz bietet mir einen Ort für einen Hauch sozialer und damit nicht mehr einsamer Kontinuität meines Ichs. Gleichzeitig höre ich mir zu, wie ich über mich erzähle und erkenne mich wieder, was mir in aller Veränderung Stabilität verleiht. Schön wäre, wenn das Fließen und die Vergänglichkeit umgeben wäre von etwas, das zuwendend, warm und nicht gleichgültig ist. Ich wünsche mir immer noch ein Du, das zumindest die Kontinuität der Erinnerung bietet  und damit einen Hauch Überleben, ein Stück hinausgezögerte Sterblichkeit.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 
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    <pubDate>Mon, 10 Dec 2012 00:00:00 +0100</pubDate>
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    <title>Weihnachten mitten im Jahr - ein Kind wird geboren</title>
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    <author>nospam@example.com (Tom Levold)</author>
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    &lt;!-- s9ymdb:191 --&gt;&lt;img width=&quot;110&quot; height=&quot;92&quot; class=&quot;serendipity_image_right&quot; style=&quot;float: right; border: 0px none; padding-left: 5px; padding-right: 5px;&quot; src=&quot;http://www.systemagazin.de/serendipity/uploads/advent09.thumb.jpg&quot; /&gt;Der heutige Beitrag im Adventskalender stammt von systemagazin-Leserin Bernita Schönröck:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bis vor einigen Jahren war ich in der Schwangerschaftskonfliktberatung tätig. Das folgende Erlebnis stammt aus dieser Zeit.&lt;br /&gt;Eine Vierzigjährige kommt in die Beratungsstelle. Sie stellt sich vor  ein deutscher Name und ich höre es sofort an ihrem russischem Akzent: sie ist Spätaussiedlerin.  Sie ist erschrocken und fassungslos. Sie sei schwanger, sie wisse nicht, wie sie das ihrem Mann sagen solle, das Kind zu bekommen: unmöglich. Die anderen Kinder sind 12 und 14, sie sind doch schon groß und in Russland geboren und überhaupt: sich in Deutschland zurechtzufinden sei so schon schwer genug. Sie seien gerade aus der zu kleinen Wohnung in das neu gebaute, für eine vierköpfige Familie geplante Haus gezogen. Der Mann habe so lange nach einer guten Arbeit suchen müssen. Sie würden sich immer noch nicht richtig zurechtfinden, in dem fremden Land, das ihres sein soll.  Und dann ein Kind?  Sie nimmt den Beratungsschein.&lt;br /&gt; Tage darauf  ist sie wieder da. Ihr Mann habe sie in den Arm genommen. Warum um alles in der Welt hast du geglaubt ich wolle kein Kind? Es sei großartig, sie würden das schon schaffen. Sie hätten  im Haus auch Platz für ein drittes Kind. Sie selbst freut sich und sie freut sich nicht. Sie freut sich darüber, dass ihr Mann für sie da ist, dass sie ein Paar sind. Und doch bleibt sie selbst, auch wenn das Kind jetzt kommt,  skeptisch. Ich begleite sie durch die Schwangerschaft. Als das Kind auf der Welt ist sagt sie:&lt;br /&gt;Wissen sie, wir sind nirgends zu Hause. In Russland waren wir die Deutschen und hier sind wir die Russen. Ich hoffe für mein Kind, meinen Sohn, dass er der erste von uns sein wird, für den das keine Bedeutung mehr hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 
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    <pubDate>Sun, 09 Dec 2012 00:00:00 +0100</pubDate>
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