Saturday, July 7. 2012
 Im Frühjahr gab es im systemagazin einen Vorabdruck von Andreas Manteufels "Nerven bewahren. Alltag in der Akutpsychiatrie. Aus dem Sudelheft eines Psychologen" zu lesen, heute gibt es noch zwei Rezension von Martin Rufer aus Bern und Cornelia Tsirigotis aus Frankfurt dazu, die beide die Lektüre empfehlen. Martin Rufer: "Das Realistische ist das Spektakuläre, wie einer meiner Kollegen mit langjähriger Erfahrung in der Psychiatrie einmal gesagt hat. Dies gilt im Besonderen auch für dieses Buch, denn wie der Autor selber schreibt: „Das Feld der Psychotherapie ist immer noch durch so manchen Kult um sogenannte „grosse Meister“ und „Interventions-Trickkisten“ verdorben. Wir sind normale Menschen, die ihren Job machen – mal besser mal schlechter (S.178). „Irren ist menschlich“ so hiess das legendäre Lehrbuch der Psychiatrie von Klaus Dörner und Ursula Plog. Das vorliegende kleine Bändchen ist auch heute noch, 35 Jahre später, der schlichte, humorvolle, v.a. aber klientenorientierte Beweis dafür." Zu den vollständigen Rezensionen…
Thursday, July 5. 2012
 Heute wäre Ingeborg Rücker-Embden-Jonasch 70 Jahre alt geworden, eine Pionierin der Familientherapie und systemischen Therapie in Deutschland. Ihre Ausbildung machte sie in den USA und in Kanada in den frühen 70er Jahren und gehörte dann, nach einer kurzen Phase der Zusammenarbeit mit Horst Eberhard Richter in Gießen, zu den Gründungsmitgliedern der Heidelberger Gruppe um Helm Stierlin. Sie gehörte gemeinsam mit Rosmarie Welter-Enderlin, Marianne Krüll, Dagmar Hosenmann und Andrea Ebbecke-Nohlen zu den wenigen, die das Gender-Thema hierzulande in den systemischen Diskurs eingebracht haben. Das von ihr mit Andrea Ebbecke-Nohlen herausgebrachte Buch Balance-Akte über Familientherapie und Geschlechterrollen ist mittlerweile in einer Online-Ausgabe beim Carl-Auer-Verlag erhältlich. Die Einleitung als PDF ist hier zu lesen…
Saturday, June 23. 2012
 Bernhard Pörksen, 43, ist Medienprofessor in Tübingen und in der systemischen Szene als Publizist gut bekannt, vor allem durch seine im Carl-Auer-Verlag erschienenen Gesprächsbücher mit Humberto Maturana und Heinz von Foerster  . Dieser Tage ist ein gemeinsam mit Hanne Detel verfasstes Buch „Der entfesselte Skandal. Das Ende der Kontrolle im digitalen Zeitalter“ im Herbert von Halem Verlag Köln erschienen. In einem Gastbeitrag für systemagazin setzt sich Pörksen mit der Frage auseinander, welcher Dynamik Skandale im Kontext des Netzes unterliegen und ob die weithin zu beobachtende "Verteufelung des Internet" einen Beitrag zur "Zivilisierung der öffentlichen Kommunikation" zu leisten in der Lage ist: Die neue NetzfeindlichkeitCybermob, Shitstorm, anonyme Aggression – die aktuelle Debatten regiert eine neue Netzfeindlichkeit, die eine entscheidende Frage verdeckt: Wie kann es gelingen, öffentliche Kommunikation zu zivilisieren?Nach Jahren der Euphorie hat das Internet dieser Tage eine ziemlich schlechte Presse. Es gilt nun als das Medium der künstlichen Daueraufregung und als Instrument der Menschenjagd. Das Netz erzeuge eine oberflächliche, dümmliche Aggression, so heißt es. Es brutalisiere Menschen, die nicht mal in der Lage seien, im Mini-Format einer Twitterbotschaft orthographisch korrekt zu formulieren, so bekommt man zu lesen. Man solle den Zugang für Jugendliche sperren, forderte ein erregter Bürger in einer kürzlich ausgestrahlten Radiodiskussion. Ein anderer: Der Mensch befinde sich „in der Knechtschaft der Maschine.“ Wieder ein anderer: Am Sinnvollsten sei es vermutlich, das Internet „einfach ganz abzuschalten“, zumindest für ein paar Tage. Die Anlässe der neuen Netzfeindlichkeit sind datierbar. In Emden verdächtigte im März die Polizei zu Unrecht einen 17-jährigen Schüler, ein Mädchen vergewaltigt und umgebracht zu haben. Blitzschnell formierte sich, kaum war der Verdacht in Umlauf, ein Cybermob und forderte seinerseits den Kopf des jungen Mannes. Der zweite Anlass ist mit einer Rache-Aktion der Hochspringerin Ariane Friedrich verknüpft. Sie machte dieser Tage eine sexuelle Belästigung in Form eines eines Fotos und einer Mail öffentlich; sie nannte den Namen und die Adresse des mutmaßlichen Absenders auf ihrer Facebook-Präsenz. Ihr Ziel war es, durch Prangermethoden Vergeltung zu üben, Selbstjustiz zu praktizieren – subjektiv verständlich, aber doch falsch. Interessanter Weise zeigen überdies gerade die genannten Fälle, dass die aktuelle Aufgeregtheit an einer folgenschweren Verwechslung krankt. Denn letztlich verwechseln die schockierten Fundamental-Kritiker der Netzwelt das Medium mit den Menschen, die dieses einsetzen. Sie suchen einen Schuldigen – und greifen sich die Technologie, das Instrument zur Verbreitung der bösen Botschaft. Niemand muss jedoch in einem Forum zum Mord an einem Verdächtigen aufrufen. Und was immer man von Facebook hält – kein Programmierer hat die Selbstjustiz und die Abschaffung der Unschuldsvermutung zur Standardeinstellung der Kommunikation gemacht. Es war Ariane Friedrich, die durch den Akt der wütenden Ad-hoc-Publikation den Rollenwechsel vollzogen hat und so selbst zur Täterin wurde. Natürlich, es ist schon richtig: Das Netz erlaubt die Blamage auf einer weltweit einsehbaren Bühne. Es lässt sich benützen, um Dokumente der Demontage in Hochgeschwindigkeit zu verbreiten, die sich kaum noch zensieren lassen. Und es macht den Skandal allgegenwärtig und den Reputationsverlust zum unkalkulierbaren Dauerrisiko. Aber es stimmt eben auch: Man kann die neuen Kommunikationstechnologien verwenden, um mit ihrer Hilfe Kriegs- und Schandbilder bekannt zu machen, für Aufklärung und Transparenz zu sorgen und dabei mitzuhelfen, Folterer zu entlarven, Diktatoren einzuschüchtern, sie im Extremfall zu stürzen. Wer nun das Medium selbst schuldig spricht, der glaubt nicht an die Menschen, die in der Lage sind, dieses auf eine sehr unterschiedliche Weise zu benützen. Er will sie bevormunden, durch Verbote kontrollieren, denn sie sind ihm unheimlich. Und er lässt bei all dem, dies wiegt am Schwersten, die entscheidende Herausforderung aus dem Blick geraten: Wie kann es gelingen, gleichsam von Kindesbeinen an, ein Gespür für Medieneffekte zu entwickeln? Wie sieht ein neues, der Gegenwart gewachsenes Konzept der Medienpädogik aus, das eine Mentalität des empathischen Abwägens befördert? Was heißt Medienkompetenz im digitalen Zeitalter? Man muss es so hart sagen: Die Verteufelung des Internet ist selbst gefährlich. Sie blockiert die dringend gebotene Suche nach Rezepten und Ideen, um öffentliche Kommunikation zu zivilisieren. Und sie ist denen, die bis auf Weiteres an die Mündigkeit des Menschen glauben, nicht würdig.
Monday, May 28. 2012
 Als Jürgen Kriz kürzlich auf dem Heidelberger Kongress "Wie kommt Neues in die Welt?" äußerte, dass das in diesem Frühling bei V&R erschienene Buch des Schweizer Systemtherapeuten Martin Rufer "Erfasse komplex, handle einfach. Systemische Psychotherapie als Praxis der Selbstorganisation" zu den besten Büchern gehöre, die er seit langem gelesen habe, waren die 60 Exemplare, die am Kongressbüchertisch vorrätig waren, schnell vergriffen. In der Tat bietet dieses Buch etwas, das in der Systemischen Therapie nur wenig vorkommt, nämlich eine Kasuistik, die sich nicht in kurzen Fallvignetten oder in der Darstellung toller Interventionen erschöpft, sondern theoriegestützt das therapeutische Handeln im therapeutischen Prozess rekonstruiert. Nachdem bereits ein Vorabdruck im systemagazin erschienen ist, folgt nun eine Rezension von Andreas Manteufel. Auch er ist voll des Lobes: "Das ist ähnlich der wöchentlichen Taktik-Exegese im „ZDF-Sportstudio“, der sogenannten „3-D-Analyse“. Hierbei werden in Filmausschnitten von Fußball-Bundesliga-Begegnungen wie durch Zauberhand Ball und Spieler über den Bildschirm geschoben, verpasste Laufwege und Zuspiele simuliert und ständig der Blickwinkel des Zuschauers verändert, um zu beweisen, was die eine Mannschaft und ihr Trainer richtig, die anderen falsch gemacht haben. Auch hier gilt: Wenn man weiß, wie die Spielszene und das ganze Spiel ausgegangen sind, fällt es leicht, alles als richtig, oder eben auch als falsch zu bewerten. Dass die Dinge immer auch anders hätten laufen können, auch das ist ein vielbeschworener Gedanke, der im systemischen Diskurs als „Kontingenz“ behandelt wird. So bescheiden und differenziert, wie Rufer schreibt, kommt allerdings nie der Verdacht auf, er wolle uns irgendetwas als „beste“ oder „notwendige“ therapeutische Praxis verkaufen." Zur vollständigen Rezension…
Thursday, May 10. 2012
 Im vergangenen Jahr hat Michael B. Buchholz im Rahmen seiner regelmäßigen "Psychonewsletter" auf ein Buch aufmerksam gemacht, dass sich mit der Rolle von Psychotherapeuten und Psychoanalytikern im Umgang mit Krieg und Folter beschäftigt. Offenbar ist dabei noch nicht ausgemacht, auf wessen Seite sie stehen. Die Herausgeber fassen ihr Konzept folgendermaßen zusammen: "We look first at the history and contemporary work on the injuries and repair of soldiers. We look then at the use of psychoanalysis in the service of warmaking and torture, the demonic side. We take up, in a third section, the use of psychoanalysis as a deconstructive tool for understanding warmaking and militarism. Finally, we address, from a sociohistorical, political, as well as a psychoanalytic perspective, the question of resistance." Allerdings sollte außer Frage stehen, dass dies keinesfalls ein Thema ist, dass nur Psychoanalytiker beträfe - ganz im Gegenteil. Der Titel "First Do No Harm" spielt auf den Grundsatz jeden ärztlichen Handelns an, bei der eigenen Arbeit der Leitmaxime zu folgen, niemandem Schaden zuzufügen. In der Ära von George W. Bush ist in den USA die Folter von Häftlingen in Guatanamo und anderenorts als legitimes Mittel im Kampf gegen den Terrorismus salonfähig geworden. Wie längst bekannt ist, sind Ärzte und Psychologen aktiv an der Ausarbeitung von Verhörprogrammen beschäftigt gewesen, die man nicht anders als Folter bezeichnen kann. Erstaunlich, dass diese Tatsache weltweit nur ein sehr verhaltenes Echo in Fachkreisen gefunden hat. Im vorliegenden Buch wird u.a. die Beteiligung der American Psychological Association an diesen Programmen (und der Versuch ihrer Vertuschung) rekonstriert. "Die Conclusio lautet: APA-Psychologen waren im Dienst der Bush-Administration; sie wussten, dass ihre Tätigkeiten gegen Ethik-Konventionen verstießen, weshalb sie es zu vertuschen versuchten und hohe APA-Funktionäre sorgten dafür, dass es keinen Zusammenprall zwischen solcher Tätigkeit und der offiziellen APA-Politik gab." Mit freundlicher Erlaubnis von Michael B. Buchholz präsentiert systemagazin einen Auszug aus seinem Newsletter, der dieses Buch betrifft. Zur ausführlichen Rezension…
Thursday, May 3. 2012
 Der Hypnotherapeut Stefan Hammel hat 2011 im Klett-Cotta-Verlag ein "Handbuch der therapeutischen Utilisation" veröffentlicht, das "Vom Nutzen des Unnützen in Psychotherapie, Kinder- und Familientherapie, Heilkunde und Beratung" handelt. Peter Stimpfle hat es für systemagazin gelesen und empfiehlt es weiter: "Der Autor legt Beispiele aus unterschiedlichen Praxisfeldern vor, wie man das scheinbar Unnütze nutzen kann. Die Beschreibung von Utilisationstechniken (wie Kopplung, Altersregression, Paradoxe Interventionen, Reframing, Externalisieren, Personifizieren usw.) veranschaulicht dabei das simple und dennoch anspruchsvolle Prinzip der Nutzung des Unnützen. Er stellt dazu sowohl ein theoretisches Gerüst wie auch eine Fülle von Befunden aus unterschiedlichen Beratungs- und Therapiekontexten vor." Eine Warnung ist aber auch mit der Empfehlung verbunden: "Allerdings kann man sich fragen, wo die Grenzen der Utilisation liegen. Ist wirklich alles utilisierbar? Auch wenn Hammel kein Rezeptbuch im Sinne hatte, kann davor gewarnt werden, das Buch als 'Rezeptbuch' zu verstehen und zu missbrauchen." Zur vollständigen Rezension…
Sunday, April 22. 2012
 Martin Rufer, Psychologe und Psychotherapeut in eigener Praxis in Bern sowie langjähriger Geschäftsleiter des Zentrums für systemische Therapie und Beratung dortselbst, ist Vertreter des synergetischen Ansatz innerhalb der systemischen Therapie. Bei Vandenhoeck & Ruprecht hat er in diesem diesem Frühjahr ein Buch mit ausführlichen Fallgeschichten veröffentlicht, um die "Systemische Psychotherapie als Praxis der Selbstorganisation" kasuistisch zu fundieren. Das ist umso erfreulicher, als eine systematische Kasuistik in unserem Feld eher auf schwachen Beinen steht. systemagazin bringt das 2. Kapitel als Auszug aus dem Buch, das sich mit den Generischen Prinzipien der Psychotherapie beschäftigt und eine theoretische Grundlage für die folgenden Fallgeschichten darstellt. Zum vollständigen Text…
Saturday, April 7. 2012
 Dem systemagazin-Publikum ist Andreas Manteufel kein Unbekannter. Neben vielen Rezensionen (mit Vorliebe aus den Bereichen Neuropsychologie und Neurophysiologie) gibt es von ihm immer ebenso ausführliche wie informative Tagungsberichte über wissenschaftliche Veranstaltungen, z.B. über den Kongress "Neurobiologie der Psychotherapie", den u.a. Günter Schiepek 2011 in Salzburg veranstaltete. Nicht viele kennen sich so gut mit dem diesbezüglichen Stand der Forschung aus wie er. In erster Linie ist er aber als Praktiker tätig, nämlich als Psychologe in der Abteilung für Allgemeinpsychiatrie an der Klinik Bonn des Landschaftsverbandes Rheinland, und das seit nunmehr 20 Jahren. In dieser Zeit hat er ein "Sudelbuch" angelegt, um Notizen, Reflexionen, Begebenheiten aus dem Alltag festzuhalten, die sonst schnell verloren gegangen wären. Im Verlag Paranus ist in diesem Frühjahr eine Auswahl von Einträgen aus seinen Sudelbüchern erschienen, die die ganz persönliche Handschrift seiner Arbeit in der Psychiatrie erkennen lassen. Und da Andreas Manteufel auch noch einen Magister in Angewandter Sprachwissenschaft erworben hat, ist das Ganze ungemein gut lesbar und pointiert geschrieben. Die Texte sind kurz und prägnant, man liest sich fest und das Buch schnell durch - und wünscht sich mehr. Vielleicht als Blog? Aber den kann man nicht ins Café oder an den Strand mitnehmen (wo immer man gerne Texte auf sich wirken lassen möchte) - oder verschenken. Zu beidem rate ich. Wer sich ein Bild machen möchte, kann hier einen "Vorabdruck" lesen…
Sunday, March 18. 2012
 Man kann nicht gerade behaupten, dass der systemische Diskurs in der Gegenwart reich an neuen Perspektiven sei, was die Fortentwicklung der klinischen Theorie betrifft. Zuviel Energie ist in den vergangenen Jahren in den Versuch geflossen, Systemische Therapie mainstreamkompatibel zu machen. Natürlich gibt es immer wieder gewichtige Ausnahmen, so z.B. das Buch von Peter Fuchs über die " Verwaltung der vagen Dinge", das im vergangenen Jahr erschienen ist. Soeben ist im Carl-Auer-Verlag ein Band des Bonner Psychiaters und Psychotherapeuten Roland Schleiffer erschienen, der nichts anderes als eine systemtheoretische Neubegründung der Psychopathologie zum Thema hat. In seinem Vorwort wünscht Fritz Simon, dass das "extrem innovative" Buch zum "Meilenstein in der Entwicklung der Psychiatrie" werden solle: "Ein zweiter Band scheint unabdingbar"! Schleiffers Buch ist ein Muss für jeden theoretisch interessierten klinischen Praktiker. Wie er die Systemtheorie Luhmanns mit Säuglings- und Bindungsforschung, Affekttheorie und Entwicklungspsychologie zusammenbringt und die Frage der Pathologie dabei neu fasst, ist äußerst spannend zu lesen und eröffnet der systemischen klinischen Theorie wieder neue Optionen. systemagazin bringt als Leseprobe das Kapitel 7, den Epilog, zum Volltext geht es hier…
Monday, March 12. 2012
 Der Carl-Auer-Verlag hat sich schon viele Male Verdienste um die Neuherausgabe von Klassikern der Systemischen Therapie erworben. In diesem Frühjahr bringt er das erste Buch von Steve de Shazer, dem Begründer des Lösungsfokussierten Ansatzes neu heraus, das gerade erst in den Buchläden zu finden ist. Auf der website des Verlags heißt es: "Mit dieser Neuausgabe des ersten Buches von Steve de Shazer wird ein Meilenstein der systemischen Literatur wieder zugänglich, der die Familientherapie gleich in mehrfacher Hinsicht neu ausgerichtet hat. De Shazer schlägt hier die Brücke zu den anderen Pionieren der systemischen Therapie – Bateson, Erickson, MRI, Mailänder Schule – und führt deren und seine Konzepte zu einer neuen, bis heute stilprägenden Art, zu denken, zu erkennen und zu entscheiden zusammen. Das Buch untermauert zum einen die Abkehr von der klassischen Art, Psychotherapie zu betreiben, nach der man erst die Gründe für ein Problem herausfinden muss, um es zu lösen – und markiert damit die Geburtsstunde der lösungsorientierten Beratung. Zum anderen etabliert es die Kurzzeit-Therapie als vollwertige, eigenständige Therapieform, die mit besonderen Methoden arbeitet. Hinzu kommen die völlig andere Bewertung von therapeutischen Phänomenen wie Widerstand sowie neuartige Interventionen wie Reframing, Hausaufgaben, Komplimente usw." So ist es. Ein Buch, das sich nach wie vor zum Lesen lohnt. systemagazin bringt als exklusive Leseprobe das 1. Kapitel "Eine binokulare Theorie der Veränderung". Zum vollständigen Text…
Thursday, March 8. 2012
 Markus und Kristin Schwemmle, mit dem Institut für systemische Beratung in Wiesloch eng verbundene Organisationsberater, legen zum dritten Mal einen Sammelband mit Beiträgen zum systemischen Changemanagement und zur Personalentwicklung vor, aus dem systemagazin als Vorabdruck ein Interview mit Uwe Lockenvitz und Antje Wilmink zum Thema "Mixed Leadership – Die Erfolgspotenziale gemischter Führung" präsentieren, das Nele Haasen geführt hat. Zum Vorabdruck und allen Informationen zum Buch geht es hier…
Saturday, March 3. 2012
Der von Haim Omer entwickelte Ansatz gewaltlosen Widerstands von Eltern im Umgang mit ihren gewalttätigen, dissozialen, sich verweigernden oder anderweise agierenden Kindern ist mittlerweile in Deutschland gut bekannt geworden und hat eine breite Anhängerschaft gewonnen. Oft ist aber Schulverweigerung nicht einfach ein Ausdruck von Machtkonflikten zwischen Eltern und Kindern, sondern auch mit massiven Ängsten auf Seiten der Kinder verbunden, denen gegenüber Eltern sich besonders hilflos erleben. In einem neuen Buch, das Haim Omer mit einem jungen Kollegen, Eli Lebowitz, verfasst hat, gehen die Autoren darauf ein, wie Eltern ihre "Ankerfunktion" im Umgang mit ängstlichen Kindern auf eine gute und sichere Weise ausüben können. systemagazin bringt als Leseprobe exklusiv das 4. Kapitel des Buches, das soeben auf dem Markt erschienen ist. Zum vollständigen Text…
Wednesday, February 29. 2012
 David Schnarch schreibt nicht nur gute Bücher über Sexualität und Paartherapie, er ist auch ein Marketingspezialist vor dem Herrn. Nachdem er mit "Passionate Marriage" (der Name ist ein eingetragenes Markenzeichen!) auch in Deutschland unter dem Titel "Psychologie sexueller Leidenschaft" einen Verkaufshit gelandet hat, ist im vergangenen Jahr ein neues Buch von ihm erschienen: "Intimität und Verlangen. Sexuelle Leidenschaft wieder wecken". Hans-Georg Pflüger hat es gelesen und rezensiert: " Insgesamt ist das Werk eine Weiterführung, Vertiefung
und Ergänzung seines vor Jahren erschienenen Buches „Die Psychologie
sexueller Leidenschaft“ – beide Ausgaben gut lesbar, praxisorientiert,
anregend, aufregend und dies nicht nur für therapeutisch Tätige." Zur vollständigen Rezension…
Monday, February 13. 2012
 "Der Therapeut muss bereit sein, sich mit einer Familie auf die Matte zu begeben, bis entweder das Kind normal funktioniert oder der Therapeut fünfundachtzig ist, was immer zuerst kommt. Diese Ausdauer sollte der Familie schon in einem einzigen Interview klar ersichtlich sein. Oft gibt es ein Interview, das sich ausschließlich auf ein Problem konzentriert und der Familie klarmacht, dass es keine Alternative gibt – es muss etwas unternommen werden. Die Anforderungen an die ausdauernde Intervention sind, dass sie einfach und klar ist. Falls die Familie zum vereinbarten Zeitpunkt nicht handelt, muss sich der Therapeut auf dieses eine Thema konzentrieren, während die Familie ihr Verhaltensrepertoire ausspielt. Um ein Beispiel anzuführen: Ein dreiundzwanzigjähriger  Mann wurde verrückt und wurde kurz vor seinem Universitätsabschluss hospitalisiert. Er hatte schon seit vier Jahren von seinen Eltern getrennt gelebt, weil er von zu Hause weggegangen war, um eine Universität in einem anderen Staat zu besuchen. Er hatte geheiratet und lebte mit seiner Frau zusammen. Er begann, sich seltsam zu verhalten, kehrte in die Stadt seiner Eltern zurück und wurde hospitalisiert. Seine Frau zog zu seinen Eltern. Nach zwei Monaten in der Klinik stand er kurz vor der Entlassung, und der Therapeut begann, mit der Familie zu arbeiten. Im Erstinterview wurde die Frage nach Zukunftsplänen aufgeworfen. Der junge Mann und seine Frau wie auch seine Eltern sagten, das junge Paar würde schließlich in eine eigene Wohnung ziehen. Der Therapeut forderte sie auf, eine Frist für den Umzug in die eigene Wohnung zu setzen. Alle stimmten dem Datum zu, welches schriftlich fixiert wurde. Die Therapie war auf dieses Ziel hin orientiert. Der junge Mann und seine Frau sollten in ihrer eigenen Wohnung wohnen, während er die Universität am Heimatort besuchte und die ein oder zwei Kurse nachholte, die er zum Abschluss noch brauchte. Der Therapieplan war, dass der junge Mann so schnell wie möglich in eine Lage versetzt würde, die ihm die Ablösung von zu Hause ermöglichte – was seine Situation vor der Therapie war, als er mit seiner Frau zusammenlebte und das College besuchte. Es war unklar, ob der junge Mann in Bezug auf seine Frau, auf seine Eltern oder beide zusammengebrochen war. Der Auszug aus dem Elternhaus sollte diese Frage klären. Zwei Monate später sollten der junge Mann und seine Frau in eine völlig einzugsbereite Wohnung ziehen. Am festgesetzten Tag zogen sie nicht um. Der junge Mann stand an diesem Tag einfach nicht auf bzw. erst sehr spät. Seine Frau war bestürzt, und der Therapeut arrangierte einen Termin an diesem Abend für das junge Paar. Das Gespräch konzentrierte sich auf die Erklärungen des jungen Mannes, warum sie nicht umgezogen seien. Als Teil des strategischen Planes sollte der Therapeut sagen: »Warum sind Sie nicht umgezogen?« Er sollte nichts anderes sagen. Das Gespräch dauerte fast drei Stunden. Es drehte sich um nichts anderes als um die Ausreden des jungen Mannes, darunter seine Symptome und sein hilfloses Verhalten. Seine Frau, über seine Ausreden erzürnt und enttäuscht, brachte zum Ausdruck, wie sie seine Schwierigkeiten, sich von den Eltern zu lösen und sich auf sie einzulassen, sah. Nach dem Gespräch kehrte das Paar zum Elternhaus zurück, und die Mutter fragte den jungen Mann, worüber sie im Interview so lange gesprochen hätten. Er sagte, dies sei eine Privatsache zwischen ihm und seiner Frau: Er zog damit zum ersten Mal diese Grenze. Er hörte auch auf, sich so zu verhalten, als sei er handlungsunfähig, und das Paar zog noch in derselben Woche in seine Wohnung um. Bei diesem Ansatz wird ein entscheidendes Thema gewählt, man spricht über nichts anderes, nur über das, was zum Thema gehört. Die Interaktion wird für jeden sehr intensiv. Alle relevanten Probleme kommen bei der Diskussion des entscheidenden Themas heraus: Sie sind wie Speichen, die sich um die Radnabe drehen" (In: Leaving Home. Therapie für junge Menschen im Umbruch. Heidelberg (Carl Auer) 2011, 190f.)
 Vor einem Jahr war an dieser Stelle ein Vorabdruck von Therese Steiners Buch mit "Anregungen für die lösungsfokussierte Arbeit mit Kindern und Jugendlichen" zu lesen. Cornelia Tsirigotis hat das Buch gelesen und rezensiert: "Wo auch immer sich dieses Buch gerade zufällig öffnete, wenn ich es in die Hand nahm, habe ich mich an der jeweiligen Stelle festgelesen, immer neugierig geworden, immer an- geregt, vor allem immer auch ermuntert, im nicht therapeutischen Kontext lösungsorientiert zu arbeiten – was nicht heißen soll, dass ich nicht empfehle, das Buch von vorne nach hinten zu lesen. Ein Buch für alle, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten." Zur vollständigen Besprechung…
Friday, January 20. 2012
 Henri Julius, Barbara Gasteiger-Klicpera und Rüdiger Kißgen haben 2009 im Hogrefe-Verlag einen Sammelband mit konzeptuellen, diagnostischen und therapeutisch-pädagogischen Texten zum Thema Bindung im Kindesalter herausgegeben, den Kai Brüggemann rezensiert hat. Er schreibt: "Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die einführenden Kapitel im Abschnitt „Grundlagen“ es einer großen Leserschaft ermöglichen, sich mit der Bindungstheorie vertraut zu machen. Für Praktikerinnen und Praktiker aus den Bereichen der frühen Kindheit bis hin zum Jugendalter stellen die Längsschnittbefunde sowie die Darstellungen zu desorganisierten Bindungsmodellen eine wichtige Orientierung dar. Das inzwischen breiter gewordene Spektrum an Verfahren zur Bindungsdiagnostik wird im Abschnitt „Diagnostik“ differenziert dargestellt. Insbesondere die Beiträge im Abschnitt „Interventionen“ vermitteln ein reichhaltiges klinisches und pädagogisches Anwendungswissen in den jeweiligen Praxisfeldern der Jugendhilfe und der Förderpädagogik. Somit kommen die Autorinnen und Autoren dem Ziel des Buches, „die praktische Bedeutung von Bowlbys Bindungstheorie aufzuzeigen“, in sehr gelungener Weise nach." Zur vollständigen Rezension…
Monday, January 16. 2012
 "Wissenschaft ist in ihren verschiedenen Ausprägungen ein sich selbst organisierendes System: Sowohl die Entwicklung zu Einzelwissenschaften als auch der Wissenschaftsbetrieb als solcher beruhen auf Selbstorganisationsprozessen und entwickeln Eigendynamiken. Diese sind in entsprechenden Musterbildungsprozessen erkennbar. Sie sollen auf der Tagung aus dem Blickwinkel einzelner Akteure des Wissenschaftsbetriebs und aus der Perspektive verschiedener Wissenschaftstraditionen historisch und systematisch betrachtet und analysiert werden". Unter dieser Programmatik stand die 16. Herbstakademie, die im Oktober 2010 von Ewald Johannes Brunner, Karsten Kenklies und Wolfgang Tschacher an der Universität Jena ausgerichtet wurde und in der mittlerweile eindrucksvollen Tradition vieler Herbstakademien steht, die sich mit dem Thema der Selbstorganisation befassen. Claudia Bergomi, Psychologin und wissenschaftliche Assistentin an der Abteilung für Psychotherapie der Universität Bern, hat den von den Veranstaltern bei IKS Garamond herausgegebenen Tagungsband für systemagazin ausführlich rezensiert. Ihr Resüme: "Den Herausgebern gelingt es, in dem Buch interessante und vielfältige Beiträge zu der Frage zu vereinen, wie die Selbstorganisationstheorie und die Strukturwissenschaften (Mathematik, Systemtheorie, Kybernetik) bei der Beschreibung des Phänomens „Wissenschaft“ angewandt werden können: Wie können Dynamiken in den Geistes- und den Naturwissenschaften beschrieben werden? Lässt sich, so die Hoffnung vieler der Autoren, eine Brücke zwischen diesen beiden Hauptströmungen in den Wissenschaften schlagen? Einerseits wird die Möglichkeit einer solchen Brücke zwischen Geistes- und Naturwissenschaften durch die Buchbeiträge deutlich spürbar, andererseits lassen diese zwei grundsätzlich unterschiedliche Haupttendenzen erkennen, die den zwei Hauptdisziplinen entsprechen: Manche Autoren stützen ihre Arbeit hauptsächlich auf die Luhmannsche Systemtheorie, andere hingegen auf die Synergetik. Insgesamt bietet das Buch durch Beiträge national und international renommierter Wissenschaftler eine spannende Auseinandersetzung mit dem Thema, wie systemtheoretische Ansätze für die Beschreibung und Erläuterung des Systems Wissenschaft von Nutzen sein können." Zur vollständigen Rezension…
Wednesday, January 11. 2012
 vom 27.9. bis 1.10.2010 fand an der FH Frankfurt am Main eine Tagung zum Thema "Grenzverletzungen: Institutionelle Mittäterschaft in Einrichtungen der Sozialen Arbeit" statt, die sich mit folgenden Fragen beschäftigte: "Welche institutionellen Bedingungen ermöglichen und erleichtern Grenzverletzungen? Gibt es genügend institutionelles Wissen, um Täterstrategien zu identifizieren? Wie können Institutionen Grenzverletzungen durch organisatorische Maßnahmen aufdecken und ihnen entgegen wirken? Können Orte und Bedingungen geschaffen werden, die es erlauben und ermöglichen, grenzverletzendes Verhalten zu thematisieren – sowohl im Hinblick auf dessen ‚Aufdeckung’ als auch in Bezug auf die Reflexion von problematischen Handlungen, Wünschen und Neigungen? Wie gehen Fachkräfte und Institutionen ganz allgemein mit Machtbeziehungen, Körperlichkeit und Sexualität in der Sozialen Arbeit um? Wie kann in der Ausbildung von SozialarbeiterInnen für die Wahrnehmung von Grenzverletzungen geschult werden? Welche Anforderungen an die Ausbildung und Weiterqualifizierung Sozialer Fachkräfte sind daraus abzuleiten? Gibt es Kriterien für eine Eignungsfeststellung in sozialen Berufen und wenn ja, wie können diese systematisch in der Ausbildung und Berufseinmündungsphase verankert werden? Welche Indikatoren können für ein Qualitätssicherungssystem entwickelt werden, das (auch) die Vermeidung von Grenzverletzungen zum Ziel hat?" Birgit Kreipe, Psychologische Psychotherapeutin aus Berlin, hat den Tagungsband, der im vergangenen Jahr im Fachhochschulverlag erschienen ist, gelesen und empfiehlt die Lektüre: "wirklich neu sind diese Fragen für Professionelle im pädagogischen Bereich nicht. Erfreulich ist, dass die Beiträge, auf fast durchweg hohem Niveau, sich um aktuelle Antworten bemühen, und sich nicht darauf beschränken, für erfahrene Pädagogen Altbekanntes zu wiederholen (wie etwa das Mantra: Transparenz! Supervision! Klare Grenzen für die Arbeit in pädagogischen Einrichtungen!). In die Arbeiten eingeflossen sind auch Neubewertungen verbreiteter Strategien zur Prävention, sind kritische Hinterfragungen und Analysen professioneller Haltungen, ist die Reflexion häufiger fachlicher Dilemmata in der Arbeit mit Traumatisierten". Zur vollständigen Rezension…
Wednesday, January 4. 2012
Roland Kachler hat sich seit langem durch eine Reihe von Veröffentlichungen und zahlreiche Workshops und Seminare zum Thema Trauerbearbeitung im systemischen Feld einen Namen gemacht. Im vergangenen Jahr erschien sein letztes Buch über "Hypnosystemische Trauerbegleitung", in dem er den hypnosystemischen Ansatz von Gunther Schmidt auf den Umgang mit Verlusterfahrungen angewandt hat. Matthias Freitag aus Chemnitz hat das Buch rezensiert und empfiehlt die Lektüre: "Die enorme Nützlichkeit ergibt sich, neben der inhaltlichen Substanz und der wissenschaftlichen Fundierung, aus den zahlreichen Hinweisen »Beachte!«), den Exkursen, Fallvignetten, Interventionen und Übungen wie Hausaufgaben, Rituale, Imaginationen. Die Methodenvorschläge sind lebensnah und präzise beschrieben und damit gut umsetzbar." Zur vollständigen Rezension…
Sunday, November 13. 2011
 Heute wäre Heinz von Foerster 100 Jahre alt geworden. Dieser Tage liest und hört man viel von ihm, ein Zeichen dafür, welchen großen  Eindruck er bis heute auf viele Menschen macht - und welchen Einfluss er nach wie vor auf die Diskurse in unterschiedlichen Disziplinen ausübt. Neben seinen philosophischen und kybernetischen Arbeiten, denen er im Feld der Systemischen Therapie am stärksten seine Bekanntheit und Beliebtheit verdankte, hat er sich während seiner wissenschaftlichen Laufbahn mit den unterschiedlichsten Themen, Fragestellungen und Disziplinen beschäftigt, der Physik und Mathematik, Gedächtnisforschung, Biologie, Neurologie, Hämatologie, Computerforschung, Künstlicher Intelligenz, Kommunikationstheorie und anderen. Dabei war seine Position weniger multidisziplinär als transdisziplinär:  ihn hat die Auflösung der Disziplingrenzen und die Suche nach den verbindenden Kontexten immer mehr interessiert als die jeweiligen disziplinären Lehrgebäude mit ihren Macht- und Statusambitionen. Das hat allerdings auch dazu geführt, dass er in der akademischen Welt niemals eine besonders starke Position inne hatte - ein Schicksal, das er mit den meisten Pionieren der Kybernetik geteilt hat. Zur Feier des Tages - und leider etwas verspätet, weil mir eine erste Version des Textes gestern verloren gegangen ist - stelle ich zwei Bücher vor, die das Leben und Werk von Heinz von Foerster besonders gut nahebringen - durch seine eigene Erzählung: der Heinz-Sound! Zu den Rezensionen…
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