Tuesday, November 29. 2011
 Das ganze Elend der Heimerziehung in den 50er und 60er Jahren ist seit einiger Zeit in aller Munde. Welche Verspätung! Heute spricht man nicht mehr von Heimerziehung, sondern von stationärer Jugendhilfe. Renate Jegodtka, die als Gastherausgeberin das aktuelle Heft der Zeitschrift für systemische Therapie und Beratung gestaltet hat, lädt in ihrem Editorial ein, sich Gedanken zu machen, wie wohl ein runder Tisch 2050 aussähe, an dem die Teilnehmer sich systemische Gedanken zur Qualität unserer heutigen Jugendhilfe machen. Damit führt sie in eine Sammlung von Beiträgen ein, die Einrichtung der stationären Jugendhilfe als "sicheren Ort" für traumatisierte Mädchen und Jungen thematisieren (Martin Kühn), die Verbindung "Neuer Autorität" und gewaltlosem Widerstand in der Heimerziehung reflektieren (Ilka Crone), die Entwürdigung durch die Heimerziehung in den 50er und 60er Jahren (Katharina Loerbrok) und die Traumatisierung ehemaliger Heimkinder und den Umgang damit in der systemischen Therapie beschreiben (Renate Jegodtka). Schlussendlich setzt sich Jochen-Wolf Strauß kritisch mit dem pathologisierenden Unterton der "Hilfe zur Erziehung" auseinander, die nicht selten Neugierde und Abenteuerlust zur "Störung des Sozialverhaltens" erklärt. Zu den vollständigen abstracts…
Monday, November 28. 2011
Sunday, November 27. 2011
 Demenz ist nicht gerade ein Thema, bei dem das Feuerwerk systemischer Methoden und Techniken optimal zur Geltung kommt. Umso erfreulicher ist es, dass sich die aktuelle Ausgabe der "Familiendynamik" mit einem großen Schwerpunkt diesem Thema widmet. Ulrike Borst schreibt als Herausgeberin in ihrem Editorial: "Man kann lange über Stigmatisierung schimpfen und für Offenheit im Umgang mit der Diagnose »Demenz« plädieren. Aber das Vergessen mündet nun einmal darin, dass ganze Sätze nicht mehr verstanden und nicht mehr gebildet werden können. Und wie sind in unserer Gesellschaft Menschen angesehen, die zwar Jahrzehnte lang intellektuelle Höchstleistungen erbracht haben, aber dann, plötzlich oder schleichend, in der Demenz versinken? Demenz gehört zwar umso mehr zum Altwerden, je älter wir werden, aber wir betrachten sie nicht gleichermaßen wie Geburt und Sterben als Teil der conditio humana, sondern als Krankheit. Gegen Stigmatisierung ist kein Kraut gewachsen, auch dieses Heft mit seinem Fokus nicht. Aber vielleicht trägt es dazu bei, dass Berater und Therapeutinnen das Thema Demenz nicht mehr ausklammern, sondern tapfer in den Blick nehmen. Familiengespräche sind auch dann nützlich, wenn einer dement ist. Und wie bei kaum einer anderen Krankheit – oder besser gesagt: conditio – ist es vom Kontext abhängig, ob aus der conditio eine Störung wird. Wir als Spezialisten für Kontextgestaltung sollten uns also dieses menschlichen Zustandes annehmen." Das kann man nicht besser auf den Punkt bringen. Zu den vollständigen abstracts der aktuellen Ausgabe…
Saturday, November 26. 2011
Auch in diesem Jahr soll es wieder einen Adventskalender im systemagazin geben. Alle Leserinnen und Leser sind herzlich eingeladen, eine Geschichte, eine Erinnerung, eine Anekdote beizusteuern. Thematisch geht es diesmal um folgende Frage: Welche Person hat Ihnen einen ersten Eindruck von systemischem Denken und Handeln vermittelt oder Sie angeregt, sich selbst intensiver mit Systemischer Theorie und Praxis auseinanderzusetzen? Gab es eine besondere Begebenheit, einen Workshop, ein Vortrag auf einer Tagung, eine eigene Beratungs- oder Therapieerfahrung, die Sie mit dieser Person in Berührung gebracht hat? Was haben Sie mitgenommen, was hat Sie besonders beeindruckt, was hat sich für Sie verändert? Wenn Ihnen eine spannende, lustige, berührende, verstörende, überraschende oder sonstwie eindrucksvolle Episode einfällt, die Sie gerne mit anderen teilen möchten, freue ich mich auf Ihre Zusendung. Wie immer gilt: Platzprobleme gibt es nicht, lange Geschichten haben ebenso Platz wie eine kurze Anekdote! Scheuen Sie sich nicht – es geht nicht um Weltliteratur, sondern um ein Türchen im Adventskalender, der die Leserschaft des systemagazin mittlerweile seit einigen Jahren verbindet. Über Zusendungen an tom@levold.de freue ich mich! Herzliche Grüße
Tom Levold
Friday, November 25. 2011
 Gedanken zur therapeutischen Nutzung von Videointeraktionsanalysen hat sich Christian Hawellek (Foto: martemeo.com) 1997 in einem Beitrag für die "systhema" gemacht. Sein Artikel "beschreibt die Nutzung von Videointeraktionsanalysen in der systemischen Arbeit mit Problemsystemen aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Unter methodischem und entwicklungstheoretischem Aspekt wird dargestellt, auf welche Weise Videokonsultationen der Dekonstruktion von Problemen und der Illustration von Lösungen dienen. Abschließende Überlegungen gelten dem Anschluß an die aktuelle Debatte über Qualität und Effektivität therapeutischer Verfahren." Zum Volltext geht es hier…
Thursday, November 24. 2011
 Der ehemalige Bundesminister Freiherr Karl-Theodor zu Guttenberg hat in einer Erklärung, die systemagazin exklusiv vorliegt, Einspruch gegen die Einstellung des Plagiat-Strafverfahrens gegen ihn durch die Staatsanwaltschaft in Hof eingelegt. "Als Mitglied des deutschen Hochadels und der politischen Elite dieses Landes bin ich mir meiner Verantwortung für den Schaden voll bewusst, den ich dem Ansehen der Politik in Deutschland durch mein Verhalten zugefügt habe. Ich habe von Anfang an erklärt, dass ich auf einer vollständigen Aufklärung aller Tatbestände bestehe und meinen Teil dazu beitrage. Dabei fühle ich mich durch die Aktion der Staatsanwaltschaft nun gehindert. Ich bin bereit, für mein Handeln einzustehen und die angemessenen strafrechtlichen Konsequenzen zu tragen", heißt es in dem Schreiben. Zur geringen Höhe der Geldbuße erklärt Guttenberg, dass in Anbetracht seiner finanziellen Verhältnisse 20.000 € natürlich eine völlig inakzeptable Summe und für die meisten Bürger nicht nachvollziehbar seien. Zudem hätte er zumindest eine Gleichbehandlung mit niedriger stehenden Personen erwartet, die das gleiche Delikt wie er begangen haben, aber für ihre Verhältnisse viel härter bestraft worden seinen als er selbst. Der Text des distinguished statesman schließt mit den Worten: "Ich bin mir meiner Vorbildfunktion in der Gesellschaft voll bewusst und werde nicht eher ruhen, als bis diese Angelegenheit endgültig geklärt ist. Das ist schließlich eine Frage der Ehre". Auf Anfrage war seitens der Staatsanwaltschaft in Hof bislang noch keine Stellungnahme zu erhalten.
Wednesday, November 23. 2011
 In der aktuellen Ausgabe des Coaching-Magazins findet sich ein interessanter Auszug aus einem Interview mit Gunther Schmidt (Foto: www.meihei.de), Volkswirtschaftler und Arzt, Begründer des Hypnosystemischen Ansatzes, Mitbegründer der Internationalen Gesellschaft für Systemische Therapie (IGST) sowie des Helm-Stierlin-Instituts sowie des DBVC. Er ist Ärztlicher Direktor der SysTelios-Privatklinik für psychosomatische Gesundheitsentwicklung in Siedelsbrunn und Leiter des Milton-Erickson-Instituts in Heidelberg. Die Motive zur Gründung einer Klinik beschreibt er so: "Zum Beispiel mit den Kliniken. Davon hatte ich ja etliche beraten. Wenn dort Kollegen so arbeiten wollten wie ich, hatten sie augenblicklich ein Problem: Die Klinikstrukturen haben das schlicht behindert. [Beton! ... ] Im wahrsten Sinne des Wortes. Nicht nur von den Konzepten her, sondern auch vonseiten der Klinikhierarchie. So wurde mir immer deutlicher, und das wurde dann die Initialzündung zur Klinikgründung: Ich kann im klinischen Rahmen überhaupt nicht mit Leuten achtungsvoll arbeiten, wenn die Therapeuten nicht genauso behandelt werden. Sie müssen also in einer Organisationskultur leben können, in der man genauso achtungsvoll und ihre Kompetenz würdigend mit ihnen umgeht." Was für ein einfacher Gedanke - und wie selten wird er realisiert! Zum vollständigen Text geht es hier…
Tuesday, November 22. 2011
Luhmanns Konzept von der Kommunikation, die kommuniziert (das als Alternative zur Auffassung ins Spiel gebracht wird, dass Menschen oder auch: psychische Systeme kommunizieren), ist Gegenstand vieler und z.T. heftiger sozialtheoretischer Diskussionen. Rainer Greshoff, Sozialwissenschaftler an der Universität Oldenburg, versucht in einem Text von 2008, der in der Zeitschrift für Soziologie erschienen ist, herauszuarbeiten, dass Luhmann diese Denkfigur selbst nicht durchhalten kann: "Gegenstand der Arbeit ist die spätere Sozialtheorie Niklas Luhmanns. Die Untersuchung ihrer Grundlagen führt zu dem Ergebnis, dass ihr Anspruch, in Abgrenzung zu methodologisch-individualistisch fundierten Ansätzen eine radikal verschiedene Theorie entwickelt zu haben, so nicht haltbar ist. Anhand der Analyse von Luhmanns Kommunikations- und Sozialsystemkonzept, des dafür zentralen Begriffes der Selektion sowie seines Konzeptes von sozialsystemischer Dynamik, wird auf eine weitgehend Luhmann-immanente Weise dargelegt, dass zentrale Argumentationsfiguren wie „das soziale System stellt her, beobachtet“ usw. suggestive Kompaktformeln darstellen, die nur in einem übertragenen Sinne anzuwenden sind. Es wird aufgeschlüsselt, warum soziale Systeme als eigenständige Entitäten keine Fähigkeit zur Selektionsproduktion haben. Daraus resultiert, dass soziale und psychische Systeme nicht in der Weise zu trennen sind, wie Luhmann es annimmt. Eine knappe Anknüpfung an Konzepte methodologisch-individualistisch fundierter Sozialtheorien skizziert abschließend, welche Nachteile mit Luhmanns Ansatz für die Erklärung von sozialen Systemen verbunden sind." Der Artikel ist aufschlussreich, aber keineswegs eine leichte Lektüre. Hier geht es zum Text…
Sunday, November 20. 2011
In der Wiley Online Library ist für beschränkte Zeit ein Artikel von Susan S. Hendrick, Clyde Hendrick & Erin M. Logue zu lesen, der 2010 im Journal of Family Theory and Review zum Thema Respekt erschienen ist: "Respect is an important construct that plays a major role in interpersonal relations at the dyadic, family, and group levels. We review the multiple definitions of respect and build a model of respect. On the basis of general developmental family theory, we discuss respect in dyadic romantic relationships and in the family. Cultural aspects of respect are presented, and the article concludes with a proposed agenda for future research on respect in the family." Zum vollständigen Text…
Thursday, November 17. 2011
Wednesday, November 16. 2011
Rund um den 100. Geburtstag von Heinz von Foerster mehren sich die Medienereignisse. Im Deutschlandradio gibt es ein spannendes Gespräch mit dem Professor für Medienwissenschaften Bernhard Pörksen zu hören. Im Begleittext heißt es: "Am 13.November 1911 wurde Heinz von Foerster in Wien geboren. Der Biologe und Physiker gilt als einer der Begründer des Konstruktivismus. Eine Denkrichtung, die die moderne Hirnforschung, Pädagogik, Psychotherapie und andere Wissenschaften bis heute beeinflusst. Für Heinz von Foerster und die Konstruktivisten gibt es keine objektiven Wahrheiten, sondern subjektiv erfundene Wirklichkeiten. Die Konstruktion von Wirklichkeit entsteht im Beobachter. Der Erkennende hat Vorrang vor dem zu Erkennenden. Heinz von Foerster verließ Österreich, ging nach dem Krieg in die USA und wurde einer der wortmächtigsten Vertreter dieser Denkrichtung. Er starb 2002 in Kalifornien. Bernhard Pörksen ist Professor für Medienwissenschaft an der Universität Tübingen. Er traf von Foerster in den 90-ziger Jahren zu Gesprächen, aus denen Bücher hervorgingen. Michael Köhler hat mit ihm über Heinz von Foerster, über den Erfolg des Konstruktivismus und die Kritik daran gesprochen. Das vollständige Gespräch mit Bernhard Pörksen können Sie mindestens bis zum 13. April 2012 als Audio-on-Demand hören. Zur Audio-Datei…
Tuesday, November 15. 2011
Elisabeth Wallner hat ihre Magisterarbeit im Fach Soziologie über die "Wiener Schule der Systemischen Organisationsberatung" als Fallstudie der systemischen Beratungsfirma Conecta 2008 geschrieben: "Die zentrale Forschungsfrage meiner Arbeit ist: Welche konstruktivistischen Prämissen werden in Selbstbeschreibungen der Conecta dargestellt und welche methodischen Prinzipien werden daraus abgeleitet? Zielsetzung dieser Arbeit ist eine Auseinandersetzung mit Handlungsprämissen hinsichtlich der Verwendung der theoretischen Grundlage des Konstruktivismus im Selbstverständnis der Wiener Schule (insbesondere der Conecta) der Systemischen Organisationsberatung. Der Analysegegenstand war Literatur der Firma Conecta. Ich habe dazu vier Publikationen von Conecta-BeraterInnen (und einige Artikel und Interviews) analysiert. Die vier Publikationen sind namentlich: „20 Jahre Wiener Schule der Organisationsberatung. 20 Jahre Conecta“ (Conecta: 1996), „Radikale Marktwirtschaft. Grundlagen des systemischen Managements“ (Fritz B. Simon und Conecta: 2001), „Transformations-Management. Organisationen von Innen verändern“ (Alfred Janes, Karl Prammer, Michael Schulte-Derne: 2001) und „Transformation follows strategy. Transformation und Strategieentwicklung von Innen“ (Michael Schulte-Derne: 2005). Zum vollständigen Text…
Monday, November 14. 2011
Sunday, November 13. 2011
 Heute wäre Heinz von Foerster 100 Jahre alt geworden. Dieser Tage liest und hört man viel von ihm, ein Zeichen dafür, welchen großen  Eindruck er bis heute auf viele Menschen macht - und welchen Einfluss er nach wie vor auf die Diskurse in unterschiedlichen Disziplinen ausübt. Neben seinen philosophischen und kybernetischen Arbeiten, denen er im Feld der Systemischen Therapie am stärksten seine Bekanntheit und Beliebtheit verdankte, hat er sich während seiner wissenschaftlichen Laufbahn mit den unterschiedlichsten Themen, Fragestellungen und Disziplinen beschäftigt, der Physik und Mathematik, Gedächtnisforschung, Biologie, Neurologie, Hämatologie, Computerforschung, Künstlicher Intelligenz, Kommunikationstheorie und anderen. Dabei war seine Position weniger multidisziplinär als transdisziplinär:  ihn hat die Auflösung der Disziplingrenzen und die Suche nach den verbindenden Kontexten immer mehr interessiert als die jeweiligen disziplinären Lehrgebäude mit ihren Macht- und Statusambitionen. Das hat allerdings auch dazu geführt, dass er in der akademischen Welt niemals eine besonders starke Position inne hatte - ein Schicksal, das er mit den meisten Pionieren der Kybernetik geteilt hat. Zur Feier des Tages - und leider etwas verspätet, weil mir eine erste Version des Textes gestern verloren gegangen ist - stelle ich zwei Bücher vor, die das Leben und Werk von Heinz von Foerster besonders gut nahebringen - durch seine eigene Erzählung: der Heinz-Sound! Zu den Rezensionen…
Saturday, November 12. 2011
 In einem ausgezeichneten und unbedingt lesenswerten Beitrag für die "Zeitschrift für Soziologie" hat Werner Vogd (derzeit Professor für Soziologie an der Universität Witten-Herdecke; Foto: Universität Witten) 2002 die Problematik der zunehmend als Praxisstandard geforderte Evidenzbasierung in der Medizin unter systemischtheoretischer Perspektive unter die Lupe genommen. Die Lektüre dieses Aufsatzes dürfte auch für alle Psychotherapeuten von Belang sein, die sich selbst ebenfalls mit der Übetragung dieses Konzeptes auf ihre Tätigkeit beschäftigen müssen. Im abstract heißt es: "Die unter dem Stichwort „Evidence Based Medicine“ (EBM) in Gang gebrachte Bewegung der „Verwissenschaftlichung“ der Medizin wird im Hinblick auf ihre Bedeutung für die ärztliche Professionalisierung diskutiert. Hierzu werden im ersten Schritt aus einer systemtheoretischen Perspektive heraus die Konsequenzen im Hinsicht auf Anschlussmöglichkeiten für Recht, Wissenschaft, Politik und Wirtschaft betrachtet. EBM eröffnet den verschiedenen Funktionssystemen Perspektiven, die ihnen in ihrer jeweils eigenen Logik verschiedenartige Zugriffe auf das Medizinsystem gestatten. Die Medizin als System hätte in diesem Sinne mit intelligenteren Störungen seitens ihrer Umwelt zu rechnen und wäre ihrerseits gefordert, hierauf intelligent, das heißt mit Komplexitätszunahme zu reagieren. Als Konsequenz dieser Analyse wird vermutet, dass EBM das Verhältnis von medizinischer Wissenschaft und Praxis nicht wie angestrebt vereinfacht, sondern mit zusätzlicher Komplexität belastet. Im zweiten Schritt wird die Professionsdynamik aus einer interaktionstheoretischen Perspektive heraus beleuchtet. Die in ausformulierten Evidenz-basierten Leitlinien und damit juristisch einforderbaren Ansprüche führen für den einzelnen Arzt zu einer verschärften Bewährungsdynamik, die entweder in Richtung vermehrter Autonomie oder um den Preis einer technokratischen Regression gelöst werden kann. Wie im dritten Analyseschritt gezeigt wird, kann die Bewegung der EBM auch als eine Form der Wissensinszenierung verstanden werden. Aus dieser Perspektive gesehen würden die zuvor geschilderten Konflikte entschärft, freilich um den langfristigen Preis der Dekonstruktion der eigenen wissenschaftlichen Basis. Wenn die EBM-Bewegung den Bogen der Rationalität in Richtung einer Ideologie des Rationalismus überspannt, wären in diesem Sinne durchaus paradoxe Effekte zu erwarten, die bis hin zur Deprofessionalisierung und funktionellen Entdifferenzierung ärztlicher Professionen reichen könnten." Zum vollständigen Text…
Friday, November 11. 2011
 Am 13.10.2011 ist Salvador Minuchin 90 Jahre alt geworden. Auf der DGSF-Seite ist ein Geburtstaggruß von Eia Asen veröffentlicht worden, der an dieser Stelle mit freundlicher Erlaubnis der DGSF ebenfalls zu lesen ist: "Der ‘Familientanz’ ist einer der vielen Metapher, die Salvador Minuchin in das Vokabular der systemischen Arbeit eingeführt hat. Für den aus Argentinien stammenden Nestor der Familientherapie waren Drama und Tanz immer präsent, obschon Minuchin sich selbst nur selten aufs Tanzparkett wagte und Tangotanzen schon gar nicht seine Sache war - vielleicht auch deshalb weil, wie es so schön heisst, ‘it takes two to dance the tango’. Bei seiner Arbeit ist er eigentlich immer ein Solist gewesen und er ist es immer noch, selbst im hohen Alter: Minuchin macht weiterhin 2-Tage Workshops, die er allein bestreitet, unlängst z.B. in Skandinavien, Griechenland und den USA. Er ist weiterhin geistig alert und ‘wohlwollend neugierig’, interessiert sich an den neuen Entwicklungen in der systemischen Welt, steht aber doch auch so einigen Konzepten und Praktiken weiterhin höchst kritisch gegenüber. So war er schon immer und wenn wir an ihn vor 30 Jahren denken, dann erinnert man sich an seine Auseinandersetzungen mit den ‘Rivalen’ in der systemischen Szene. Damals gab es die Super-Shows der systemischen Stars und ich erinnere mich gut an was mir 1982 wie ein Stierkampf gegen Gianfranco Cecchin und Luigi Boscolo vorkam. Aber in den letzten 10 – 15 Jahren ist Minuchin viel milder geworden, weniger Matador in seinen Auftritten und mehr ein Grandseigneur. Er hat neue moderate ‘Tanzroutinen’ choreographiert, die Therapeuten am Familientanz teilzunehmen; er hat sich auch zunehmend an psychodynamische Konzepte erinnert, die ihn immerhin während seiner Ausbildung stark geprägt hatten; und über die Jahre hat er sich, Gott sei Dank, immer weiter von den normativen Empfehlungen der strukturellen Familientherapie wegbewegt. So began er einen Workshop in London vor wenigen Jahren mit den Worten: “Strukturelle Therapie ist etwas, das ich nicht mache”. Dennoch leben viele seiner alten (und neueren) Ideen und Techniken in der Arbeit so mancher systemischer Therapeuten weiter, selbst wenn diese sich dessen gar nicht so bewusst sind. Weiter so, Sal, und auf die nächsten 90 Jahre Deines kreativen und subversiven Einflusses!" Eia Asen, MD, London
Thursday, November 10. 2011
 Im Deutschlandradio-Kulturprogramm lief heute Abend um 19.30 ein Beitrag von Matthias Eckold zum 100. Geburtstag von Heinz von Foerster, unter Mitwirkung von Heinz von Foerster, Bernhard Pörksen, Fritz B. Simon und Dirk Baecker. Hier der Link zum Nachhören…
 Die Praxis der Systemischen Therapie und Beratung ist Gegenstand einer kaum noch überschaubaren Zahl von Veröffentlichungen, in denen eindrucksvoll gezeigt wird, wie kreativ und vielfältig das systemische Methodenrepertoire ist. Allerdings fällt auf, dass Fallgeschichten hier überwiegend als Illustration von Techniken und Vorgehensweisen eingesetzt werden. Auf die Funktion von "Vignetten" reduziert, können Fälle und Fallgeschichten aber ihren eigene Bedeutung als Basis für die Entwicklung theoretischer und praktischer Fragestellungen nur schlecht herausstellen. Als HerausgeberInnen von " Kontext" haben wir uns mit der Frage beschäftigt, wie wir die Kultur der Falldarstellung und Fallerzählung, die ja in der Geschichte der Psychotherapie eine lange Tradition hat, auch im systemischen Kontext fördern können, und wollen im kommenden Jahr ein Heft diesem Anliegen widmen. Wir möchten daher einladen, uns Fallgeschichten (aus Therapie, Beratung, Supervision und Coaching) zu schicken, die aufgrund ihrer besonderen Konstellation, einer spezifischen Dramatik im Verlauf oder einer beispielhaften Prägnanz für sich selbst sprechen. Inhaltlich wollen wir dabei keine Vorgaben machen, da es uns in erster Linie auf die individuelle Erfahrung ankommt. Dabei sollte aber eben nicht die theoretische Beschlagenheit oder die Grandiosität des eigenen Handelns als Therapeutin oder Berater im Vordergrund stehen, sondern die Eigendynamik des spezifischen Falles, die das eigene Handeln natürlich einschließt. Damit wir ein differenziertes Spektrum an Geschichten erhalten, beträgt das Maximum des Umfanges 15.000 Zeichen - wenn das Charakteristische einer Geschichte auch viel kürzer eingefangen werden kann, ist uns das recht! Wir sind sicher, dass viele der Geschichten, die wir gerne lesen würden, schon vorhanden sind - ob sie schon in einer Schublade liegen oder einfach nur noch aufgeschrieben werden müssen. Über Vorschläge und Einsendungen freuen wir uns. Ostern 2012 sollten dann die Manuskripte einen druckreifen Zustand erreichen. Tom Levold, Petra Bauer, Dörte Foertsch, Wolf Ritscher
Wednesday, November 9. 2011
 In vielen Bereichen der Gesellschaft, in denen individuelle sowie kollektive Risikobewältigung und Sicherheitsfragen eine große Rolle spielen, ist die Entdeckung von und konstruktive Auseinandersetzung mit Fehlern längst zum elementaren Bestandteil der Selbstevaluierung dieser Systeme geworden - in der Psychotherapie steht die Frage einer vernünftigen Fehlerkultur noch ganz am Anfang. Die Diskurse hierzu sind jedenfalls spärlich. Erfreulich ist aus dieser Perspektive daher das aktuelle Heft der Psychotherapie & Sozialwissenschaft, das sich mit dem Thema einer psychotherapeutischen Fehlerkultur, allerdings beschränkt auf das Feld psychoanalytischer Psychotherapie - beschäftigt. Herausgeber sind Horst Kächele und Esther-Maria Grundmann und die vollständigen abstracts können Sie hier lesen…
Tuesday, November 8. 2011
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