Thursday, July 21. 2011
 "Drogensucht gilt zu Unrecht als unveränderbar. Eine Heilung von Drogensucht bzw. von habitueller Süchtigkeit ist aus Sicht der Autoren jedoch möglich. Von Genesung und vom langfristigen Ziel Heilung von Süchtigkeit handelt dieses Buch. Ausgehend von den Grundsätzen systemischer Therapie und Beratung wird ein eigenes Modell entwickelt — die Tiefensystemik. Sie erweitert das klassische systemische Modell durch die "geistige" Dimension mental-somatischer Modelle. Kernpunkt der Arbeit mit Süchtigen ist die Auffassung, dass diese die Reorganisation ihrer eigenen Wahrnehmungs- und Kognitionsweisen selbst vollziehen müssen. Als Instrument zur Realisierung dieser Strukturtransformation dient Vipassana-Meditation, die ethische Lebensführung, Konzentration des Geistes und Arbeit an den eigenen mental-somatischen Modellen bedeutet", so der Verlags-Text zum Buch von Leo Gürtler, Urban Studer und Gerhard Schröder, die gemeinsam als Therapeuten und Therapieforscher im suchttherapeutischen Projekt "start again" in der Schweiz aktiv sind und ein umfangreiches Buch über "Wege aus der Süchtigkeit" verfasst haben. Rudolf Klein aus Merzig hat das Buch für systemagazin gelesen und kritisch rezensiert: "Ich halte das Buch trotz der kritischen Anmerkungen für empfehlenswert, obwohl (besser: weil) es keine leichte Kost bereitstellt. Es werden interessante Verknüpfungen hergestellt, die wichtige Hinweise und Denkanstöße für die Therapie drogenabhängiger KlientInnen liefern können. Und letztlich bietet es eine sehr umfassende Materialsammlung, die immer wieder zum Nachschlagen genutzt werden kann." Zur vollständigen Rezension…
Monday, July 18. 2011
 Das Konzept des Mentalisierens hat in den vergangenen Jahren seinen psychoanalytischen Entstehungskontext längst überschritten und Eingang auch in andere psychotherapeutische Schulen gefunden, gerade weil es sich nicht auf die klassischen Ideologeme psychoanalytischer Theoriebildung reduziert. Die Rezension des Buches "Mentalisierungsgestützte Therapie" von John G. Allen und Peter Fonagy durch Wolfgang Loth ist bereits 2010 im systemagazin veröffentlicht worden. Ebenfalls in 2010 hat Peter Fonagy mit seinem Konzept in einer gemeinsamen Präsentation mit dem im systemischen Feld sehr bekannten Kollegen Eia Asen auf der Tagung für Systemische Forschung in Heidelberg viel Aufmerksamkeit erhalten. Nun ist im Klett-Cotta-Verlag ein neuer Band der Autoren erschienen, gemeinsam mit Anthony Bateman, einem weiteren Weggefährten Fonagys, verfasst, das den Titel "Mentalisieren in der psychotherapeutischen Praxis" trägt. Nicht umsonst wird hier im Titel vom Substantiv Mentalisierung auf das Verb Mentalisieren umgestellt, geht es doch darum, die subtilen Prozesse wechselseitigen Verstehens und Einfühlens in sozialen Beziehungen generell und psychotherapeutischen Beziehungen im Besonderen besser zu erforschen, eine Perspektive, die auch für systemische Therapeuten bedeutsam und anregend sein sollte. Wolfgang Loth hat auch diesen Band in einer ausführlichen und sorgfältigen Rezension gewürdigt. Er schreibt: "Wenn ich nun die Lektüre dieses Buches systemischen TherapeutInnen und BeraterInnen ans Herz legen möchte, dann möchte ich damit nicht die Begriffsbildung und die inhaltliche Kontextualisierung der Autoren an die Stelle systemischer Perspektiven setzen. Ich empfehle die Lektüre des Buches jedoch sehr, weil ich denke, dass die Autoren vormachen, wie man ein Konzept und die sich daraus ergebenden Anregungen für die Praxis klar, verständlich, plausibel, einladend, unprätentiös und ganz besonders: redlich beschreiben kann. Es geht mir nicht darum, systemischen KollegInnen die (womöglich überzeugte, konvertierte) Übernahme der Inhalte des vorliegenden Buches vorzuschlagen. Ich gehe zwar davon aus, dass die vertiefte Beschäftigung mit den Inhalten dieses Buches auch für systemische Perspektiven hilfreich und gut ist, doch nicht ohne weiteres, zum Beispiel nicht ohne durchgängige Bereitschaft zur Klärung des jeweiligen eigenen Standes der Auseinandersetzung mit Fragen, Themen und Konzepten des Systemischen. Daher sehe ich den Wert der vertieften Beschäftigung mit diesem Buch vor allem in der dadurch beförderten Möglichkeit, die zur Verfügung gestellten Anregungen zu durchdringen und auf diesem Weg darüber hinaus zu kommen. Womit gemeint sein soll: nicht im Versuch einer 1:1-Umsetzung zu erstarren, sondern dem eigenen Beisteuern zum professionellen Tun kontinuierlich auf der Spur zu bleiben, ihm nahe zu kommen, so dass es transparent gemacht werden kann und einem gemeinsamen Nachdenken zur Verfügung gestellt werden kann. Dies wäre dann aus meiner Sicht das, was professionelles Handeln im Kern ausmacht. Und das hier vorgestellte Buch entspricht diesem Ideal auf das Vorzüglichste." Zur vollständigen Rezension…
Thursday, July 7. 2011
 1988 erschien erstmals die deutsche Fassung von "Der Ursprung des Bewusstseins durch den Zusammenbruch der bikameralen Psyche" des amerikanischen Psychologen Julian Jaynes, in dem dieser die hochspekulative These vertritt, das Entstehen des Bewusstseins gehe mit dem Zusammenbruch der von ihm so genannten "bikameralen Psyche" einher. "Die Menschen in der vorhomerischen Zeit hatten, und das ist die zweite Hauptthese von Jaynes, einen "Zwei-Kammer-Geist", einen ausführenden und einen befehlenden, beide nicht-bewusst. In Krisenzeiten, wenn eine Situation eine Entscheidung erforderte, "halluzinierte" der ausführende Geist die Stimme von Göttern, die ihm sagte, was zu tun sei. Die Entstehung der bikameralen Zivilisation setzt Jaynes in die Zeit der Entstehung der ersten Städte, um das Jahr 9000 v. Chr. Zivilisation, sagt Jaynes, ist die "Kunst in Städten zu leben, in denen nicht jeder jeden kennt". Für das Funktionieren dieser Gesellschaften, seien die halluzinierten Stimmen von Königen und/oder Göttern notwendig gewesen. Der umfangreichste Teil des Buches versucht historische Belege für diese zweite These zu liefern. Die Krise, die durch das Verschwinden der Götter (möglicherweise mit hervorgerufen durch das Aufkommen von Schrift) hervorgerufen wurde, mündete darin, dass die Menschen ein Bewusstsein entwickelten" (Wikipedia). Das Buch ist spannend geschrieben und trotz seiner spekulativen Anlage immer noch sehr lesenswert. Jürgen Kriz hat hierzu angemerkt: "Hier reichen eigentlich die ersten 120 Seiten - diese sind aber für mich die zentralste phänomenologische Darstellung zum Thema Bewußtsein-Sprache-“Welt“, und z.B. ein “muß“ zum Verständnis der (auch für den systemischen Ansatz zentralen) “Narrationen“. " (in: Levold, T. (2000): Zurück in die Zukunft. 149 Bücher aus dem letzten Jahrhundert, die Systemische Therapeuten und Therapeutinnen auch zukünftig nicht vergessen – beziehungsweise noch lesen – sollten. System Familie 13(1), 84-94). Leider ist die Taschenbuchausgabe vergriffen und bei Amazon nur noch gebraucht zu einem Vielfachen des Preises erhältlich. Allerdings lässt sich der gesamte Text des Buches auch im Internet auf den Seiten der Julian Jaynes Society nachlesen, und zwar hier…
Wednesday, July 6. 2011
 Provokative Therapie? Muss man irgendwie mögen. E. Noni Höfner, Schülerin von Frank Farrelly sowie Gründerin und Leiterin des Deutschen Instituts für Provokative Therapie, hat im Frühjahr bei Carl-Auer ein Buch mit vielen Fallbeispielen über die Grundlagen des Provokativen Stils veröffentlicht. Dennis Gildehaus hat es gelesen und ist angetan: "Ich kann das vorliegende Buch nur jedem empfehlen, der annähernd mit Menschen arbeitet und gerne etwas ausprobieren möchte, das er so noch nicht angewendet hat. Das Buch zu lesen irritierte mich anfangs, weil es durchgängig im Provokativen Stil geschrieben wurde und mich stets persönlich ansprach. Hervorragend beschrieben sind die 11 Fallbeispiele, da sie komplett transkribiert wurden. Die Autorin hat in Klammern gesetzt, wann gelacht, komisch geguckt oder auch geweint wird, so dass ein Sog entsteht, als wäre man live dabei. Eine Pflichtlektüre für jeden Berater, Therapeuten oder Coach." Zur vollständigen Rezension…
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