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Neuvorstellung zur Übersicht
13.05.2014
Herbert Fitzek: Gestaltpsychologie kompakt. Grundlinien einer Psychologie für die Praxis
Fitzek: Gestaltpsychologie Verlag Springer VS, Wiesbaden 2014

44 Seiten

Preis: 6,99 €

ISBN 978-3-658-04276-9
Verlag Springer VS





Andreas Manteufel, Bonn:

Kompakt soll der Text sein. „Essentials“, so wirbt der Verlag, gibt es in dieser neuen Reihe zu kaufen. „„Self-contained knowledge“ in destillierter Form“, so verspricht Springer in einer Vorbemerkung, vermitteln diese „innovativen“ Bücher. Ohne genaue Vorstellung, was denn damit gemeint ist (in sich geschlossenes Wissen?), mache ich mich an die Lektüre. Mich reizt nicht die moderne Darreichungsform, sondern der Inhalt: Gestaltpsychologie fristet mittlerweile ein Nischendasein in der akademischen Psychologie und schon gar in ihrer populärwissenschaftlichen Vermarktung. Da freute es mich, dass der Springer-Verlag sie doch für etwas „Essentielles“ hält und ihr mittels dieser Publikation eine breite Öffentlichkeit beschert.

Der Autor ist einer der führenden Experten in diesem Feld. Es gelingt ihm tatsächlich, auf 44 Seiten den Lebenslauf der Gestaltpsychologie nachzuzeichnen. Angemessen würdigt er ihre besondere Bedeutung für die deutsche Psychologiegeschichte, vor allem der unrühmlichen des Dritten Reichs und ihr „Überleben“ in verschiedenen Praxisfeldern. Heutzutage wirkt die Gestaltpsychologie häufig, ohne dass das Etikett „Gestalt“ dabei überhaupt noch genannt wird. Dies alles garniert Fitzek mit Beispielen und wichtigen Literaturhinweisen.

Überrascht stoße ich auf einige Namen, die ich selbst nie mit der Gestalttheorie in Zusammenhang gebracht habe, z.B. den von C.O. Scharmer (Theorie U). Vertraut ist mir dagegen die These, dass mancher gestaltpsychologischer Gedanke in den neueren Selbstorganisationstheorien wiederbelebt werden konnte. Ähnlich wie der Begriff System übte wohl auch das Wort Gestalt einst einen anziehenden, „attraktiven“ Reiz aus. Vielleicht gelang das beiden Begriffen gerade deshalb, weil ihnen immer ein letzter, unaufgelöster Rest des Unverstandenen anhaftet (oder geht das nur mir so?). In vielen Publikationen haben die Protagonisten der psychologischen Synergetik (Schiepek, Kriz, Haken und andere) übrigens schon lange auf die Nähe zu gestalttheoretischen Traditionen hingewiesen. Gemeint ist die Vorstellung von gestalterischen, selbstorganisierten und strutkurbildenden Kräften hin zu einer „geschlossenen Gestalt“, zu einem „Attraktor“, zu einem „Ordner“. Die Begriffe aus Gestaltpsychologie und Synergetik lassen eine Art von „Familienähnlichkeit“ erkennen.

FItzeks Anwendungsbeispiele wie auch seine Erörterungen zur wissenschaftlichen Methodik sind natürlich ganz wichtig. Er beweist damit, dass Gestalttheorie noch lebendig ist, z.B. in der Theorie und Erforschung von Organisationen. Der Stellenwert des „Subjektiven“ in der empirischen Wissenschaft (G. Devereux) oder der Handlungs- bzw. Aktionsforschung (Lewin) wird dankenswerterweise wieder ernsthaft gewürdigt. Fragen bleiben aber natürlich auch weiterhin bestehen, etwa solche nach der konkreten Umsetzung der Theorie in Empirie und Praxis. Der Nachweis, dass die zentralen Begrifflichkeiten der Gestalttheorie mehr als Metaphern sind, dürfte zudem anspruchsvoller sein, als es diese 44 Seiten erklären können. Die Beispiele in diesem Buch, etwa zur „Organisationskultur“, bemühen noch sehr stark die Ebene der Interpretation, wie man sie auch auf der Grundlage anderer theoretischer Modelle mit anderen Begrifflichkeiten vornehmen könnte. Auf der anderen Seite gelingt es Fitzek mit eben diesem Beispiel sehr wohl, dem Thema seines Buches eine ganz lebenspraktische Seite ab zu gewinnen.

Auch wenn sich der Verdacht aufdrängt, der Springer-Verlag sucht nach Wegen, seinem Fachpublikation, vielleicht zur gut gemeinten Burnout-Prophylaxe das Lesen dicker Bücher zu ersparen: Der Text ist in der Tat kompakt, aber für seine Kürze maximal informativ, und dazu sprachlich souverän geschrieben. Insofern ist dieses Buch eine Werbung für die, wie wir jetzt wissen nicht nur „gute alte“ Gestalttheorie.





Zur website des Autors.






Verlagsinformation:

Gestaltpsychologie ist eine auf Goethes Wissenschaftskonzept zurückgehende Tradition der wissenschaftlichen Psychologie, nach der die Sinnzusammenhänge des Erlebens und Verhaltens von ästhetischen Organisationsgesetzen reguliert sind („Gestaltgesetze“). Die „Berliner Schule der Gestalttheorie“ (Wertheimer, Köhler, Koffka, Lewin) sah in den Gestaltverhältnissen den Schlüssel für die Darstellung kompletter Handlungs- und Wirkungsganzheiten (Denkpsychologie, Lernpsychologie, Affektpsychologie). Heute ist gestaltpsychologisches Denken bewährt in der Angewandten Psychologie, Psychotherapie, Organisationskultur, Wirtschaftsästhetik.


Inhalt:

Was ist Gestaltpsychologie?

Denken, Fühlen Wollen

Wirkungseinheiten

Das Konzept „Organisationskultur“

Anwendungsbeispiel

Gestaltkonzepte im disziplinären und transdisziplinären Diskurs


Über den Autor:

Herbert Fitzek, geb. 1957, Dipl. Psych., Dr. phil. habil., approbierter Psychotherapeut, studierte Psychologie an der Universität Köln, wo er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am psychologischen Institut lehrte. 2006 Berufung zum Professor für Wirtschafts- und Kulturpsychologie nach Potsdam. Seit 2010 ist Fitzek Prorektor der BSP Business School Berlin Potsdam, seine Forschungsschwerpunkte in Lehre und Forschung sind Kulturpsychologie und Alltagsästhetik, Gestaltpsychologie, Organisationsentwicklung, Geschichte der Psychologie, Qualitative Methoden, Kunstcoaching. Fitzek ist Autor zahlreicher Bücher und von mehr als 70 Publikationen in verschiedenen wissenschaftlichen Zeitschriften und Handbüchern.



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