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05.02.2005
Hans Jellouschek über Thomas Gesterkamp: Gutesleben.de
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Klett-Cotta 2002
240 S.
ISBN: 3608940243
Preis: 18,00 € |
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Klett-Cotta

Hans Jellouschek: Mein Lieblingbuch 2004:
Dieses Buch hat mein Problembewusstsein für die gesellschaftliche
Situation vieler heutiger Paare erheblich geschärft. Der Titel ist
leider irreführend. Er legt nahe, dass der Autor weiß, “wie es geht”.
Das ist aber gar nicht sein Anliegen. Er macht auf eine sehr
kenntnisreiche und prägnante Weise deutlich, wie groß die Diskrepanz
ist zwischen dem Beziehungsideal heutiger Paare und der
gesellschaftlichen Wirklichkeit. Die betrieblichen Erwartungen
implizieren nach wie vor das traditonell patriarchale Modell von
“Arbeitsmann” und “Familienfrau”. Die da und dort in Firmen zu
findenden familienfreundlichen Maßnahmen sind de facto nur für die
Frauen gedacht, während es für den Betrieb keinerlei Unterschied macht,
ob ein Mann Kinder hat oder nicht. Er bleibt der hunderprozentige
Arbeitsmann. Damit bleibt die “Familie” aber doch wieder Sache der
Frau, die - wenn sie überhaupt berufstätig und nicht resigniert zuhause
bleibt - doppelt und dreifach belastet ist. Kein Wunder, wenn in
Duetschland so wenig Kinder zur Welt kommen, zumal es mit der
außerfamiliären Kinderbetreuung nach wie vor schlecht aussieht, wozu
auch das gigantische Übermutter-Ideal in den Köpfen und Herzen der
Menschen hierzulande beiträgt. Dennoch kann sich kaum mehr jemand mit
der alten Rollenaufteilung zufrieden geben - und das erzeugt
hintergründig jene zahlrichen Probleme, mit denen es wir als
Paartherapeuten zu tun bekommen, auch wenn sie vordergründig damit
scheinbar gar nichts zu tun haben. Diese Zusammenhänge stellt
Gesterkamp sehr pointiert dar. Ein Buch, das jedem Paar- und
Familientherapeuten und jedem Führungskärfte coach sehr zu empfehlen
ist, damit Probleme nicht zu schnell nur psychologisiert werden!

Texte von Thomas Gesterkamp im Internet:
Institut für neue Arbeit: Kein Königsweg zur "neuen Arbeit" (mit Michael Wiedemeyer)
Online-Familienhandbuch: Wenn Papa die Brötchen nicht mehr allein verdient... Arbeit und männliche Identität
Online-Familienhandbuch: Was für ein Vater bin ich? Eine Typologie

Verlagsinfo:
"Statt klarer Berufswege und stabiler privater Beziehungen
dominiert heute der biografische Zickzackkurs. Frauen und Männer suchen
eine neue Balance zwischen Partnerschaft, Job und Familie. Sie basteln
am Projekt »gutesleben.de«. Niemand weiß so recht, was daraus wird. Man
probiert einfach mal aus.
Kann ausgerechnet die digitale Wirtschaft die alte Vision vom »guten
Leben« mit neuem Geist erfüllen? Der Vertrag der Industriegesellschaft
mit den Arbeitsmännern ist aufgekündigt. Sind Frauen besser vorbereitet
auf die Ökonomie des Wissens? Oder gibt doch den Ausschlag, daß
Informatik ganz überwiegend Männersache ist?
Was wird aus den Familien in einer Zeit, in der die Erwerbsarbeit
keine klaren Grenzen mehr kennt? Die klaren Zuordnungen der
Geschlechter in Beruf und Privatem gelten nicht mehr. Frauen wollen
nicht nur das Zubrot verdienen, Männer bei der Erziehung ihrer Kinder
nicht mehr abseits stehen.
Die verschiedenen Anforderungen und Erwartungen abzustimmen ist
ein täglicher Balanceakt. Weibliche wie männliche Artisten suchen das
Gleichgewicht. Manchmal kommen sie dem Absturz gefährlich nahe, sie
können aber auch zu gefeierten Künstlern werden. Sie lieben die
Spannung, müssen jedoch auf Zerreißproben gefaßt sein: Ihr
Sicherheitsnetz ist locker geknüpft, oft nur notdürftig geflickt.
Hauptsache, das »gute Leben« rückt ein wenig näher."
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